#aardbeving

15. April 2015

GasförderungNLNeues aus der nord-niederländischen Provinz: In dem stark von Erdbeben betroffenen Gebiet rund um den Ort Loppersum zwischen der Universitätsstadt Groningen und dem Hafen Delfzijl darf vorläufig kein Gas mehr gefördert werden. Der Raad van State, das  höchste Verwaltungsgericht der Niederlande, untersagte am Dienstag die Produktion an insgesamt fünf Stellen um den Ort mittels einer einstweiligen Verfügung. Nur wenn die Gasversorgung aus anderen Bohrgebieten nicht gedeckt werden könne, dürfe das Verbot aufgehoben werden, heißt es in dem Gerichtsbeschluss.

Die Region im Nordosten der Niederlande ist zunehmend von Erdbeben getroffen worden, die bis zu einer Stärke von 3,6 auf der Richterskala reichten. Zehntausende Schäden waren gemeldet worden. Eine Bürgerinitiative und Politiker verlangten daraufhin ein totales Gasförderverbot. Einen solchen völligen Stopp lehnte das Gericht ab, da sonst die Versorgung des Landes und auch Exportverpflichtungen in Gefahr geraten könnten. Eine endgültige Entscheidung will das Gericht später fällen.

Bildschirmfoto 2015-04-15 um 07.26.52Wirtschaftsminister Henk Kamp (VVD) hatte bisher eine drastische Reduzierung der Gesamtfördermenge abgelehnt. Nach dem Bekanntwerden des Gerichtsbeschluss ordnete er die fast völlige Stilllegung der Gasförderung an, wie die Groninger Zeitung „Dagblad van het Noorden“ berichtete. Das Journal hat auf seiner Internetseite ein umfangreiches Dossier zu den Folgen der Erdgasförderung (Grafik lks) veröffentlicht.

Die Erdgasvorkommen rund um Groningen gehören zu den größten Westeuropas.  Im ersten Halbjahr 2015 sollen 16,5 Milliarden Kubikmeter Gas gewonnen werden. Die Niederlande sind nach Norwegen der größte Gasproduzent Westeuropas. Verantwortlich für die Erdgasförderung ist die Nederlandse Aardolie Maatschappij BV („NAM“), eine Tochter der Großkonzerne Shell und Esso.

Mit dem Twitter-Hashtag #aardbeving kann man sich über aktuelle Entwicklungen (in niederländischer Sprache) auf dem Laufenden halten.

(Foto: Gasförderung in NL; „Thijs nl uit nl“ CC BY-SA 3.0)

verrückt

21. Februar 2015

erdgasfoerderungEin Bericht auf NiederlandeNet über die Auswirkungen der Erdgasförderung im Nord-/Osten der Niederlande, über Hintergründe und Proteste:

Maximaler Gewinn und und bestmögliche Förderungsbedingungen bei den niederländischen Bodenschätzen waren den Verantwortlichen bei der Gasgewinnung in der Provinz Groningen jahrelang wichtiger als die Sicherheit von Anwohnern. So lautet das Ergebnis einer Studie, die der Onderzoeksraad voor Veiligheid (OVV) am Mittwoch veröffentlicht hat. Zornige Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten.

Anlass für die Studie waren viele unterschiedlich starke Erdbeben, die immer wieder durch die Gasgewinnung verursacht wurden. Etliche Gebäude in der grenznahen nordniederländischen Provinz Groningen wurden durch die vielen Erschütterungen beschädigt und der Boden sank an etlichen Stellen spürbar ab. Im Jahr 2012 etwa bebte die Erde dort insgesamt 93 Mal, 2013 wurde diese Zahl mit 96 Erdbeben bereits Mitte September überschritten (NiederlandeNet berichtete). Erst in der vergangenen Woche hatte der für die Erdgasförderung zuständige niederländische Wirtschaftsminister Henk Kamp (VVD) aktuelle verkündet, die Gasförderung bis zur Jahresmitte zunächst einmal herunterzufahren. Als Gründe führte er wachsende Proteste aus der Bevölkerung sowie erneute kleine Erdbeben an (NiederlandeNet berichtete).

Im Text der Studie hieß es, dass mangelhafte Kommunikation in den vergangenen Jahren zu einem beschädigten Verhältnis zu den Groninger Bürgern geführt habe. Die betroffenen Akteure aus Politik und Niederländischer Erdöl Gesellschaft (NAM) müssten das Verhältnis nun reparieren und es müsse viel stärker mit Anwohner über mögliche Risikos der Erdgasgewinnung gesprochen werden. Auch sollte zukünftig nicht mehr nur das Wirtschaftsministerium allein, sondern auch andere Ministerien in Den Haag am Entscheidungsprozess zur Gasgewinnung beteiligt sein.

Politiker und Groninger Bürgerinitiativen reagierten auf die am Mittwoch publizierte Studie entrüstet: „Die Schlussfolgerungen des Berichts ist schlichtweg schockierend“, so William Moorlag, PvdA-Abgeordneter im Groninger Provinzparlament gegenüber RTL Nieuws. Dass man noch im Jahr 2013 eine Rekordmenge an Gas gefördert habe, sei vor diesem Hintergrund ein „grober Skandal“. Groningens Bürgermeister Peter den Oudsten (PvdA) forderte die Einrichtung einer parlamentarische Enquete-Kommission zur Gasgewinnung. Erbost reagierte auch die Grünen-Abgeordnete Liesbeth van Tongeren auf den jetzt veröffentlichen Bericht des OVV: „Der Staat lief blind hinter den Milliarden hinterher und die NAM war blind für unbequeme Fakten über Erbeben und Bodensenkung.“

Bildschirmfoto 2015-02-21 um 23.12.04Vertreter lokaler Bürgerinitiativen forderten nach Veröffentlichung der Studie ein Handeln der Politik. So hofft John Lanting von der Interessengruppe Schokkend Groningen, dass Wirtschaftsminister Kamp nach der Veröffentlichung der neuesten Erkenntnisse nun einen anderen Kurs einschlägt. Selbst werden Lanting und seine Mitstreiter die Arbeit der letzten Zeit ungebremst weiterführen: „Für uns verändert sich nichts. Wir werden auch weiterhin Anzeigen gegen den Minister aber auch den Direktor der NAM erstatten. Sie bringen uns in Gefahr und so müssen sie rechtlich verfolgt werden.“ Dirk Kleijer von der Initiative Groninger Bodem Beweging sieht die jahrelange Arbeit seiner Bewegung und die Gefühle der Groninger Bevölkerung durch die Studie bestätigt: „Groninger liefen jahrelang gegen eine Mauer aus Unverständnis und wurden für verrückt erklärt. Endlich gibt es eine Bestätigung dessen, was wir bereits wussten: Unsere Sicherheit spielte keine Rolle und das ist ein Skandal.“

Mehr zum Thema Gasgewinnung auch im Dossier von NiederlandeNet Energiegewinnung in den Niederlanden.

Die komplette Studie kann hier heruntergeladen werden.

[Foto: Erdgasgewinnung in der Provinz Groningen, Quelle: NAM]

aardbeving

13. September 2013

Bildschirmfoto 2013-09-12 um 00.56.12Es ist ja nicht sehr weit weg, das Land der Stadjer und Friesen im Norden Hollands, und es ist aufgrund vieler aardbeving (dt. Erdbeben) ziemlich in Bewegung, weiß NiederlandeNet und berichtet:

Verdoppelt hat sich nämlich zwischen 2010 und 2013 die Zahl der Erdbeben in der Region Groningen, die durch die dortige Gasgewinnung verursacht werden. Auch in diesem Jahr ist ihre Zahl im Vergleich zum Vorjahr erneut gestiegen. Der niederländische Wirtschaftsminister Henk Kamp (VVD) will nun prüfen lassen, ob die Gasgewinnung zurückgeschraubt werden muss, um das Risiko zu mindern.

2012 gab es insgesamt 93 Beben. Diese Zahl wurde in diesem Jahr mit 96 Erdbeben bis Mitte September bereits überschritten. Die Staatstoezicht op de Mijnen (dt. Staatsaufsicht für Bergbau/Bergamt) schätzt, dass es bis Ende des Jahres zu insgesamt 150 Erdbeben kommen kann, wenn sich dieser Trend weiter fortsetzt. Eines der schwersten Beben ereignete sich erst im August. Mit einem Wert von 2,8 auf der Richterskala verursachte das Erdbeben rund 200 Schadensfälle, darunter vor allem Risse im Mauerwerk. Auch alte Schadstellen, die durch die starken Erdbeben im Februar verursacht worden waren (NiederlandeNet berichtete), platzten wieder auf oder vergrößerten sich.

Laut der Staatstoezicht op de Mijnen hat die Zahl der Erdbeben in den vergangenen Monaten weiter zugenommen, weil mehr Erdgas aus dem Boden geholt wurde. Auch an Zahlen der Nederlandse Aardolie Maatschappij (NAMdt. Niederländische Erdöl Gesellschaft) zeigt sich eine Zunahme der Gasproduktion: Der Umfang der Gasgewinnung in der ersten Hälfte des Jahres lag rund 30 Prozent über dem Wert von 2012. Dies kann mehr Beben zur Folge haben. Inwiefern jedoch tatsächlich ein Zusammenhang besteht zwischen der vermehrten Erdgasgewinnung und der Häufung von stärkeren Erdbeben wird momentan untersucht.

Sollte sich herausstellen, dass die steigende Gasgewinnung zu riskant ist und zurückgeschraubt werden muss, gerät auch der Plan, Erdgas durch Fracking zu gewinnen, ins Wanken. Ende August hatte Kamp eine Studie vorgestellt, laut der die mit der Gewinnung von Erdgas aus tieferen Schieferschichten verbundenen Risiken für Mensch und Natur zu kontrollieren seien (NiederlandeNet berichtete). Über Probebohrungen wurde bereits verhandelt. Der Erdbeben-Rekord pflichtet jedoch den Kritikern des Frackings bei, die die damit verbundenen Umweltrisiken für nicht beherrschbar halten.“

Weiteres auf der Internetplattform der Betroffenen.

(Quelle, Grafik: http://opengis.eu/gasbevingen/)

Schönes Lünne

6. Januar 2011

Auch in Lünne haben sich Kritiker der Bürgerinitiative „Gegen Gasbohren“ organisiert. Ein identisches Schild steht seit Neustem gut sichtbar auf einem Feld postiert auch im Scheddebrock. Foto: Sie erinnern sich an diesen Beitrag in meinem kleinen Blog? Was im westfälischen  Nordwalde bislang nur geplant ist, nimmt Exxon Mobil jetzt nur ein paar Kilometer südlich von Lingen in Angriff.  Längst  hat  der Konzern dort, im Speller Ortsteil Lünne eine so genannte Erkundungsbohrung vorbereitet. Das Bohrgelände war asphaltiert, als vorgestern der erste Lkw anfuhr. Exxon will in Lünne erkunden, ob sich eine Erdgasförderung wirtschaftlich lohnt. Dies bestätigte die Samtgemeinde Spelle jetzt den Westfälischen Nachrichten . Eine ganze Reihe Lünner Einwohner sind beunruhigt und haben sich in der Bürgerinitiative „Gegen Gasbohren – Schönes Lünne“ organisiert. Über die berichtet die Lokalpresse nicht. Sie veröffentlicht lediglich die Verlautbarungen der offiziellen Stellen. Eine daraufhin verfasste Leserzuschrift wurde gekürzt. Hier können Sie sie im Wortlaut lesen.
Die BI sagt:
Wir betrachten unsere Natur und Umwelt als hohes Gut und wichtiges Stück Lebensqualität. Als Lebens- und Freizeitraum benötigen wir sie zum Überleben. Als landwirtschaftliche Fläche nutzen wir sie als Lebensgrundlage.
Deshalb fordert die BI „Gegen gasbohren – Schönes Lünne“:
  • Unser Ziel ist es, eine umweltverträgliche Förderung von Gas in Lünne zu unterstützen, gleichzeitig Schäden an Bevölkerung, Gebäuden und Umwelt im Zusammenhang mit dem Kernbohrprojekt Lünne 1 zu verhindern.
  • Darüber hinaus fordern wir eine Umweltverträglichkeitsprüfung mit Öffentlichkeitsbeteiligung, sollte es zu einer Förderung von unkonventionellem Gas in Lünne kommen.
  • Die Überwachung von Emissionen muss durch unabhängige Institute gewährleistet sein.
  • Zur Klärung von Schadensfällen muss eine unabhängige Schiedsstelle eingerichtet werden.
Die jetzt begonnenen Erkundungsbohrung soll rund einen Monat dauern. Sie ist nach Bergrecht genehmigt worden – das -„Glückauf!“ eher dem 19. Jahrhundert verhaftet ist als moderner Bürgerbeteiligung oder gar Ökologie.  Mit der Bohrung will Exxon unter anderem Daten aus dem Untergrund und über Gesteinsformationen sammeln. Für den Bohrplatz wird eine Fläche von zirka 2300 Qua­dratmetern benötigt. Der Bohrturm hat eine Höhe von 31 Metern. Gebohrt wird  1500 m tief. Exxon verspricht, nach Abschluss der Arbeiten den Platz wieder zurückzubauen. Wie in Nordwalde hatte Exxon das Projekt im Vorfeld öffentlich vorgestellt.

Das Fracturing-Verfahren wird dabei in Lünne nicht angewandt werden. “Hydraulic Fracturing” ist das umstrittenste Verfahren zur Förderung von unkonventionellem Erdgas. Während Flözgas oder Grubengas durch konventionelle Bohrungen gefördert werden kann, muss Gas, welches in Schiefer- oder Sandsteinschichten gebunden ist, umständlich befreit werden.  Dazu werden, ausgehend von horizontalen Bohrungen, Millionen Liter Wasser, Sand und Chemikalien in den Untergrund gepumpt, bis dieser, begleitet von Erdbeben der Stufe 1-2 aufbricht. Das Wasser-Sand-Chemie Gemisch dringt in die Risse ein und lässt das Gas entweichen. (mehr…)

Um aktuelle Bedenken der Bürger zu zerstreuen, bietet Exxon Führungen über das Bohrgelände an. Des Weiteren ist nach Bekanntgabe der Ergebnisse eine öffentliche Bürgerversammlung in Lünne „für Mitte dieses Jahres“ geplant. Dann -kurz vor der Kommunalwahl- wird Bürgermeister Bernhard Hummeldorf ( Samtgemeinde Spelle) erklären, ob er sich tatsächlich bereits insgeheim auf 18 Bohrtürme freut, die ihm die Firma Exxon versprochen hat, wenn es zu einer Förderung kommen sollte – so Christina und Markus Rolink in ihrem Leserbrief. „Also doch keine Testbohrung?“

Die Nordwalder Interessengemeinschaft „Gegen Gasbohren“ (IGGG) befürchtet bereits, dass sich die Bohrungen in Lünne wegen der räumlichen Nähe bis weit in den Kreis Steinfurt auswirken. Unter anderem könnte die Trinkwasserversorgung betroffen sein. „Hier kann man wieder sehen, dass es als Nächstes jeden treffen kann“, sagt Markus Knäpper von der Nordwalder IGGG.

 

(Foto: Gegen Gasbohren – Schönes Lünne)