Aus gegebenem Anlass

30. Juli 2014

Mein Zwischenruf aus gegebenem Anlass:

Keine Frage: Dass die niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur Gabriele Heinen-Kljajić (Bündnis’90/Die Grünen)*, offizielle Schirmherrin des Welt-Kindertheater-Fest 2014 in Lingen (Ems), nicht zur WKT-Eröffnung kam, nicht einmal einen Vertreter schickte und sich bisher nicht blicken ließ, ist eine unverfrorene Frechheit.

Ganz ungewöhnlich greift heute selbst die Lokalzeitung das sich auch am Fehlen der Dame  festzumachende, mangelnde öffentliche Echo des diesjährigen Welt-Kindertheater-Fest in Lingen (Ems) auf. Ratsmitglied Michael Fuest hatte in der Sitzung des kommunalen Kulturausschusses diesen Beitrag in meinem kleinen Blog angesprochen und die fehlende mediale Präsenz des WKT beanstandet. Hieran knüpft auch Deutschlandradio Kultur in seiner heutigen Frühkritik an.

„Dieser Spielort ist wirklich problematisch“ – resümiert Journalist Alexander Budde eingangs seines heutigen Beitrags in der Frühkritik von Deutschlandradio Kultur (zu empfangen über  102,9 MHz -also zwischen Radio FFN und Antenne Niedersachsen…) und meint damit unser Städtchen. Seine Kritik: „Nicht einmal der NDR leistet einen nennenswerten Beitrag!“ Aber das kennen wir hier Zurückgelassenen, lieber Herr Budde, doch längst zur Genüge. Der NDR berichtet über derartig großartige Veranstaltungen in der westniedersächsischen Provinz nichtnur, falls sie in Hamburg, Hannover oder Kiel stattfinden bzw. im Umkreis von maximal einer Autofahrstunde um diese Großstädte. dann sind die Damen und Herren des NDR noch nächtens wieder in ihrer Stammlokalität. Der Rest  des Sendegebiets geht schon immer den Hamburg-Fixierten des NDR an bestimmten Körperteilen quer vorbei.

Umso aufschlussreicher ist Buddes Beitrag zum WKT’14. Hörst Du:

Bildschirmfoto 2014-07-30 um 14.34.34

 

ps Übrigens wäre es doch gut, liebe Lingener Tagespost, wenn jedenfalls im Bereich aller NOZ-Ausgaben berichtet würde. Also fasst Euch hinter Eurer Pay-wall herzlich an Eure eigene Nase.

pps Übrigens ist es auch kein Vorteil, dass die Medienarbeit der WKT-Organisatoren wirklich schlecht ist. Das wird nach dem WKT im Rahmen einer Manöverkritik mit klaren Worten aufzuarbeiten sein. Und dabei wäre die übliche „Es-sind-immer-die-andern-denn-unsere-Verwaltung-ist-großartig“-Position der Lingener CDU-Ratsmehrheit plus der Kulturausschussvorsitzenden Edeltraut Graeßner (SPD) gleichermaßen schädlich wie zum Fremdschämen.

 

*In einer früheren Version dieses Beitrags war versehentlich Frauke Heiligenstadt als Schirmherrin des WKT bezeichnet worden. Ich entschuldige mich für diesen Fehler.

Henschel

8. August 2013

Gerhard Henschel erhält den mit 15.000 Euro dotierten Nicolas-Born-Preis 2013 des Landes Niedersachsen. Mit der Auszeichnung würdigt das Bundesland herausragende „Schriftsteller mit Bezug zu Niedersachsen“. „Gerhard Henschel regt seine Leser zum Nachdenken an, es gelingt ihm aber gleichzeitig, sie zu amüsieren und zu fesseln“, sagte Kulturministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) zur Preisvergabe. Nun denn, solche Allgemeinplätze muss eine verantwortliche Politikerin wohl sagen. Ich aber glaube: In Wahrheit zeichnet man in Hannover Henschels literarische Betrachtung des Emslandes aus.

Denn Gerhard Henschel, 1962 in Hannover geboren, wuchs vor allem in Meppen auf und arbeitet sich an dieser besonderen, (passt das Komma?) provinziellen Beziehung ab. Seit 1992 veröffentlichte er zunächst Sachbücher wie die „Kulturgeschichte der Missverständnisse“ oder „Neidgeschrei“. Der Durchbruch gelang Henschel aber mit dem Briefroman «Die Liebenden» und -vor allem- mit seinem 2004 erschienenen «Kindheitsroman», der ersten autobiografischen Abenteuergeschichte um den Meppener Protagonisten Martin Schlosser, die Henschel mit «Jugendroman» (2009) und «Liebesroman» (2010) fortsetzte. Mit «Abenteuerroman» ist im vergangenen Jahr der vierte Teil der auf sechs Bände ausgelegten Chronik erschienen. Einmal mehr mittendrin: Das Emsland.

Der Preisträger, der auch schon beim Satiremagazin Titanic tätig war, ist wohl das genaue Gegenteil dessen, was die Eigenwahrnehmung des Emslandes durch dessen gesellschaftliche Regionalliga zuzulassen bereit ist und was sich just in diesen Tagen wieder einmal in einer -online nicht auffindbaren- Wochenjubelserie der emsländischen Lokalblätter niederschlägt. Als beispielsweise vor Jahresfrist die Ausstellung der einzigartigen Emslandaufnahmen des Hamburger Fotojournalisten Gerhard Kromschröder im Geester Moormuseum zwar zu verkürzen aber nicht mehr gänzlich zu vermeiden war [mehr…] und Gerhard Henschel auf Wunsch Kromschröders die Laudatio hielt, boten die Mannen um Ex-Landrat Hermann Bröring mit Theo Mönch-Tegeder, Chefredakteur des Osnabrücker Kirchenbote, einen der Ihren als Widerpart zu Henschel auf. Doch auch ihm gelang es nicht, dem pointiert-exakten Emslandbeobachter Henschel etwas Substanzielles entgegen zu setzen.

Und dieser Mann [mehr…] erhält jetzt den Emsland, korr. Niedersachsen-Kulturpreis. Fein.