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28. März 2017

Das ist kein Fußballergebnis, was die geschätzte Leserschaft in der Überschrift lesen kann. Es ist das Abstimmungsresultat, mit dem gestern Nachmittag im Schulausschuss der Stadt ein Antrag des FDP-Mannes Jens Beeck (Foto lks) abgelehnt wurde, sofort zwei Doppelcontainer an der Lingener Friedensschule aufzustellen. Die einzige kommunale Schule für die Klassenstufen 5 bis 10 platzt nämlich aus allen Nähten. Das ist logische Folge der Schließung der Gebrüder-Grimm-Schule, bis vor drei Jahren zweite städtische Sekundarstufe. Denn nun konzentrieren sich 67 Flüchtlingskinder allein in der Friedensschule. Zum Vergleich: In der dem katholischen Bistum Osnabrück gehörenden privaten Marienschule sind es aktuell gerade einmal 15. Hinzu kommen inklusionsbedingt viele „Kinder mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf“.

Ein wenig unglücklich, so scheint mir, agierte in der Folge Schulleiterin Ulla Maaß-Brüggemann auf die seit dem vergangenen Sommer bekannten Missstände. Sie versuchte, die Stadtverwaltung auf dem Dienstweg davon zu überzeugen, das etwas getan werden müsse, und scheiterte. Das ganze Thema wurde nämlich erst Ende Februar durch die Brandrede von Lehrervertreterin Magdalena Voß im Lingener Schulausschuss bekannt.

Dort beanstandete sie die beengte Raumsituation an der Friedensschule „auch im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen“. Obwohl die Schule baulich nur über 34 allgemeine Unterrichtsräume verfüge, unterrichte man derzeit 36 Klassen an der Schule. Ein Kursgruppenraum/Inklusionsraum sei daher zum Klassenraum umfunktioniert worden, ebenso einer von zwei Kunsträume. Eine weitere Teilung von Klassen sei bei der jetzigen Raumsituation nicht mehr möglich. Und wo sie gerade dabei war, auch das Lehrerzimmer sei für die jetzige Größe des Kollegiums viel zu klein und die Akustik dort viel zu schlecht.

Gestern nun machte sich der alarmierte Schulausschuss ein Bild vor Ort und alles war noch deutlich schlimmer. Die Mensa, erfuhren die Mitglieder des Gremiums, biete nur Platz für 48 Schüler, so dass mittags manche auf Tischtennisplatten essen müssten. 60 Lehrer brächten in den Pausen im kleinen Lehrerzimmer zu und müssten dann mangels Stühlen sogar auf Fensterbänken sitzen. Inklusionsklassen seinen in Geräteräumen und der Hausmeister habe seinen Raum verloren. Alles sei ausgesprochen beengt.

Allerdings hatte sich wohl Schulleiterin Ulla Maaß-Brüggemann im Vorfeld mit dem Angebot der CDU-Stadträte zufrieden gegeben, die (nur) zwei Mobilklassen wollten. Es war dann Ratsmitglied Jens Beeck (FDP), der bessere Nägel für klügere Köpfe machte und vier Mobilklassen („zwei Doppelcontainer“) forderte, prägnant die -geringen- Kosten pro Schüler ausrechnete und eine Abstimmung verlangte. Allerdings sah die Ratsmehrheit-CDU keinen Grund auf den Vorschlag einzugehen, selbst nach einer Sitzungsunterbrechung nicht, in der CDU-Fraktionsvorsitzender Uwe Hilling die Seinen noch einmal auf Bruder Schmalhans einstimmte.

Dann wurde abgestimmt. Das war spannend, denn im Schulausschuss haben auch Eltern-, Schüler- und Lehrervertreter Sitz und Stimme, weshalb die CDU sich nicht -wie sonst- des Erfolgs ihres Vorschlags („zwei Container sollten reichen“) sicher sein konnte. Ausgerechnet die Elternvertreterin im Schulausschuss Dr. Karin Funke-Rapp verhinderte dann den Erfolg für die Schülerinnen und Schüler und stimmte mit der CDU, die Beecks Antrag ablehnte und dafür sieben Stimmen bekam. Die siebte Nein-Stimme war die von Elternvertreterin Funke-Rapp. Die mag eine kluge Frau „mit fundiertem journalistischen Hintergrund (ZDF, NDR, dpa und NHK/Tokio) sowie internationaler Arbeitserfahrung“ sein. Sie mag auch 1996 über die japanische Automobilwirtschaft („Die Investitionen japanischer Automobilhersteller in den ASEAN-Staaten: Eine empirische Studie über die Investitionen in Thailand unter besonderer Berücksichtigung des Transfers von Human Resour­ces Management Praktiken“) promoviert haben. Doch den Bedürfnissen der Schüler der Lingener Friedensschule, der Flüchtlingskinder dort und derjenigen, die von der Inklusion profitieren sollen, hat sie am Montagnachmittag einen wirklichen Bärendienst erwiesen und eine notwendige Zwischenlösung verhindert – aus welchen Gründen auch immer.

Hätte die Elternvertreterin nämlich für den Beeck-Antrag gestimmt, wäre der mehrheitlich angenommen und sofort geholfen worden. So half sie dem hart- und halbherzigen CDU-Vorschlag („Die Verwaltung soll zum kommenden Schuljahr eine Lösung finden…“) zur Mehrheit und und Beecks Antrag  scheiterte bei 6 Ja und 7 Neinstimmen.

Zusatz:
Elternvertreterin Dr. Karin Funke-Rapp hat mir inzwischen mitgeteilt, sie habe so entschieden, weil seitens der Schulleitung der Friedensschule kein schlüssiges Container/Schulhof-Konzept vorgelegt wurde: „Einen ohnehin beengten Schulhof mit Container zuzustellen, kann nicht die Lösung sein.“

(Foto: Jens Beeck, via twitter)

0412architekturreihe_dohleArchitekturreihe „Lingen & …“
Hubert Dohle
Lingen (Ems) – IT-Zentrum Kaiserstraße 10 b
Do 21. April – 19 Uhr

Eintritt: frei

Egal ob Schulen neu gebaut, saniert, geschlossen oder umgewidmet werden müssen – jede Kommune sieht sich derzeit neuen Herausforderungen im Schulwesen gegenüber. Neben der Pädagogik ist insbesondere auch die Architektur gefragt, darauf zu reagieren. Das Braunschweiger Büro „Dohle + Lohse“ hat in den letzten zehn Jahren bundesweit circa 20 Schulneubauten realisiert. Den Anfang ihrer Schulbauten machte ein Lingener Projekt: die Erweiterung der Friedensschule, für die das Büro den BDA-Preis Niedersachsen bekommen hat. Hubert Dohle wird neben weiteren größeren Schulbauten vor allem auch die Neue Aula des Lessinggymnasiums in Braunschweig vertieft vorstellen. Kurz gefasst eine individuell erlebbare Raumskulptur, die in engem Dialog mit dem Nutzer und dem Bauherren entstanden ist. Das Projekt ist mehrfach ausgezeichnet und wurde 2015 ebenfalls für den BDA-Preis Niedersachsen nominiert.

Im Rahmen der Reihe „Lingen & Architektur“ lädt die Stadt Lingen renommierte Architekten, Gestalter oder Kulturschaffende ein, damit diese in einer ungezwungenen Atmosphäre ihre Projekte präsentieren – mit geselligem Ausklang bei Wein, Brot und Käse. „Mit der Reihe wollen wir Lust auf Architektur und Baukultur machen“, erläutert Stadtbaurat Lothar Schreinemacher die Idee zu der Reihe. Deshalb soll an diesen Abenden auch der Austausch im Mittelpunkt stehen. „Ich wünsche mir, dass die Architekten und Bauschaffenden einmal abseits von konkreten Projekten miteinander ins Gespräch kommen“, so der Stadtbaurat. Angesprochen sind neben diesen Berufsgruppen vor allem alle Kultur- und Architekturinteressierte in der Region.

(Quelle)

Spenden-Gala Morphius

16. Oktober 2014

Spenden-Gala Morphius
für das Projekt Centre for Talent Expression in Ghana
Lingen (Ems) – Theater an der Wilhelmshöhe
Heute, 16.10. und Freitag, 17.10.14 – jeweils 19 Uhr
Eintritt 3 Euro

Noch bis Freitag ist der Gründer und Leiter des „Centre for Talent Expression“ in Winneba (Ghana) in mehreren Schulen im Emsland Workshops für sein Projekt abhalten. Aus Lingen (Ems) dabei sind die Friedensschule, das Gymnasium Georgianum, das Franziskus Gymnasium und die Gesamtschule Emsland. Morphius Eurapson-Quaye (Foto unten re. mit GSE-Lehrer Clemens Vollmer) war Universitätsprofessor für afrikanische Musik, Trommeln und Tanz. Die Gesamtschule Emsland hat seit zwei Jahren eine ClemensMorphius2013Kooperation mit dem „Centre for Talent Expression“. Ziel dieses Zentrums ist es, ausbildungs- und arbeitslosen Jugendlichen und Heranwachsenden einen dreijährigen Bildungsgang mit anerkannten Abschlüssen zu ermöglichen. Weitere Informationen findet man dazu bei www.friends-of-africa.de und auf der Homepage der Gesamtschule Emsland.

Morphius kommt seit vielen Jahren für einige Monate in deutsche Schulen, um das nötige Geld für seine Lehrer und neue Schulgebäude zusammenzubekommen. Der Informationsbesuch im letzten Jahr vor Ort über das Zentrum und die dort erbrachten Arbeiten waren beeindruckend (Foto)

Die beteiligten Schulen wollen jetzt gemeinsam das Center und die dort geleistete Arbeit durch eine „Große Spenden-Gala“ unterstützen.

Morphius hat dafür in den letzten beiden Wochen mit den emsländischen Schülern zwei Stücke einstudiert. Zusätzlich wird sich jede mitwirkende Schule noch durch eigene musikalische Beiträge den Besuchern präsentieren. An der ersten Spenden–Gala nehmen heute das Franziskus Gymnasium, die Friedensschule, die Oberschule Salzbergen und die Geschwister–Scholl–Schule Dalum teil. Die zweite Spenden–Gala am morgigen Freitag wird vom Gymnasium Georgianum, der Johannesschule Meppen, der Grundschule Waldschule Leschede und der Gesamtschule Emsland gestaltet. Alle beteiligten Schulen freuen sich auf zahlreiche Besucher.

 

(Foto: © Gesamtschule Emsland)

Gebrüder-Grimm-Schule

16. Dezember 2012

Unnötigerweise hat die CDU-Mehrheit in Lingen (Ems) gerade beschlossen, die Gebrüder-Grimm-Schule (GGS) zu schließen, pardon „auslaufen zu lassen“; der Schulstandort wird dicht gemacht. Dabei ist die Zweizügigkeit der GGS dauerhaft gesichert und das Schulgesetz des Landes Niedersachsen sieht für die „Oberschule“ genannte Verbindung von Haupt- und Realschule -also das Schulmodell der CDU- keine höheren Anforderungen vor. Tatsächlich will die Verwaltung auch vor allem die Pestalozzischule in die GGS umsiedeln, was aber noch nicht verraten wird. Es gibt zwar die Inklusionsvorgabe, doch daneben auch den 1,5 Mio-Euro-Bedarf, um die nur 400m entfernt liegenden Förderschule zu modernisieren. Diese Summe will man einsparen. Und die Marienschule schont man. Diese Privatschule des Bistums Osnabrück hat offenbar eine unbegrenzte Bestandsgarantie von der CDU erhalten. Deshalb dürfen dann die künftigen GGS-Kinder, die nicht auf eine katholische Privatschule wollen oder sollen, quer durch die Stadt gehen oder fahren (oder gefahren werden), um zur Friedensschule in Darme zu gelangen: 40 Minuten zu Fuß, 20 Minuten mit dem Rat oder 9 Minuten mit dem Wagen. Eine Strecke.

Ebenso nachdrücklich wie vergeblich hatten die BürgerNahen und die SPD an die CDU-Ratsmitglieder appelliert, mit der GGS-Schließung nicht ohne Not „den Schulfrieden“ in Lingen aufzukündigen. Die SPD hatte deshalb sogar einen GGS-Antrag für den Stadtrat zurückgezogen. Die CDU stimmte nur vordergründig zu; denn am Mittwoch der letzten Woche fand zwar ein Gespräch miteinander statt. Das aber verlief absolut enttäuschend, wie mir mein Fraktionskollege Volker Becker berichtete; denn gleich zu Beginn habe der CDU-Fraktionsvorsitzende Uwe Hilling erklärt, dass die GGS geschlossen wird und die CDU darüber nicht mit sich reden lassen. Punktum. Ich frage mich, was ein solches Gespräch dann sollte.

Die GGS-Eltern und die Schulleitung der GGS haben offenbar resigniert. Der Schulleiter nicht ganz freiwillig, wie ich hörte. Die staatliche Schulbehörde in Meppen soll ihm schon vor einigen Wochen eine Informationsveranstaltung untersagt haben.

Was lernen wir? Wir haben Wahlkampf und man darf nicht alles glauben, was die CDU da so erklärt, sondern das, was  sie beschließt. Guckst Du hier:

Bildschirmfoto 2012-12-16 um 10.07.35

[Oh, das ist ja nicht nur schwer zu verstehen sondern noch ein bisschen schwerer zu lesen.

Deshalb die politische Unwahrhaftigkeit, die es als CDU-Werbeanzeige am letzten Donnerstag bei Facebook gratis gab, noch einmal vergrößert hier:]

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Flachdach

28. Dezember 2010

Gestrige Hiobsbotschaft seitens der Stadt Lingen (Ems). Das bis Donnerstag in der Sporthalle der Friedensschule an der Kiesbergstraße geplante Hallenturnier des TuS Lingen ist abgesagt worden. Die Stadt hat die  Halle gesperrt. Ob sie Einsturz gefährdet oder nur undicht ist, ist nicht bekannt (siehe jetzt aber den Nachtrag unten). Alle Versuche, das Hallendach von den Schneemassen zu befreien, seien „leider gescheitert und somit sah sich die Stadt genötigt, die Halle räumen zu lassen und bis auf weiteres zu sperren. Der TuS Lingen bedauert dies außerordentlich, hat jedoch auch Verständnis für diese Sicherheitsmaßnahme“, schreibt der Fußballverein auf seiner Internetseite.

Die Internetseite der Stadt schreibt vorsichtshalber nichts. Die LT informiert in ihrer online-Ausgabe bisher auch nicht (Ausriss lks.). Es sind ja auch nur knapp 200 Aktive und mehr als das Zehnfache an Zuschauern betroffen.

Also trauern wir mit dem TuS. Nicht nur, weil er in seinem 100. Jubiläumsjahr abgestiegen ist. Jetzt wird auch der krönende Abschluss gestrichen und damit „eine lieb gewonnene TuS-Tradition“ (wusste unsere LT). In diesem Jahr mit einem Höhepunkt: Das „TuS Lingen Mittendrin“-Team sollte Einlagespiele bestreiten. Man kann sich leicht vorstellen, wie sehr sich die Jungs auf diesen Auftritt vor großer Kulisse gefreut hatten.

Schade, es hätte das 25. Hallenfußball-Turnier um den Vitamalz-Cup in der Kiesberghalle werden sollen. Jetzt konnte der Schnee nicht beseitigt werden. Angeblich. Man muss eben Schwerpunkte setzen:

Zum Beispiel mit einer Diskussion über die Aufweitung des Foyers der Sporthalle für eine bessere Gastronomie. Erst später wies das Hallendach dann unverhofft  „einige Leckagen“ auf, die beseitigt werden sollten. Leider ist das nicht passiert.

 

Nachtrag:
Um jegliche Gefahr für Personen auszuschließen, bleiben  auch alle übrigen städtischen Sporthallen bis auf Weiteres gesperrt. Die vorhandene Schneelast liegt an der Grenze des Zulässigen. Sollte es wieder schneien, müssen die Dächer geräumt werden. Dies wird noch nicht ausgeführt, weil  zur Sicherung der Personen (abrutschen vom Dach bzw. Einsturz des Daches) keine Konstruktionen vorhanden sind. So müssten zur Sicherung der Personen Mobilkräne mit Sicherungsleinen bei der Räumung bereitgestellt werden. Auf diese Kosten möchte die Stadt Lingen verzichten und hofft, dass es taut und dass  es keine weiteren Schneefälle gibt.


Ganz(tags)

24. Mai 2008

Während es in anderen Industrienationen wie in Frankreich, Großbritannien, Skandinavien, in Kanada oder in den USA selbstverständlich ist, dass Schülerinnen und Schüler auch nachmittags unterrichtet und betreut werden, besucht in Deutschland bisher nur ein Bruchteil aller Schülerinnen und Schüler eine Ganztagsschule. Das hat sich spätestens seit PISA  herumgesprochen, und es soll sich ändern. Denn:

„Gute Ganztagsschulen begünstigen eine Lehr- und Lernkultur, die auf die Interessen und Voraussetzungen des einzelnen Kindes eingeht, die Schülerinnen und Schüler zur Selbstständigkeit erzieht und Freude am Lernen und an Leistung vermittelt. Denn an Ganztagsschulen ist Zeit. Zeit für mehr. Der ganze Mensch und seine individuellen Neigungen stehen im Fokus.“

So heißt es richtig, wenn auch etwas blumig auf einer Internetseite der Bundesregierung, und hat bisher sogar die CDU-Ministerin Schavan überstanden.

Bisher gibt es in Lingen mit Ausnahme der Gesamtschule Emsland keine wirkliche, d.h. verpflichtende Ganztagsschule. Das lokale Ganztagsschulprogramm ist freiwillig („offen“), und vor allem es kostet auch noch ca. 2,60 Euro pro Mittagessen, also rund 50 Euro pro Monat. Nicht nur in Lingen übersteigen diese 50 Euro pro Monat die Leistungsfähigkeit vieler Familien, nicht sozial aber wirtschaftlicher schwacher Familien. Davon zeugen Berichte im Internet.

Die Bezahlung des Mittagessens an Ganztagsschulen ist ein heißes Eisen.  Seit der Einführung des Arbeitslosengeldes II („Hartz IV“) hat das Problem zugenommen: Essensgelder werden seitdem nicht mehr bezuschusst. 2,85 Euro sieht das ALG-II für die tägliche Verpflegung eines Kindes vor. Von diesen 2,85 Euro sollen angeblich fünf Mahlzeiten am Tag bestritten werden, was unmöglich ist. Gar nicht mehr klappt es aber, wenn wie in Lingen davon 2,63 Euro oder 2,65 Euro für ein Schulessen bezahlt werden sollen – übrigens im Verhältnis zu vielen anderen Ganztagsschulen in Deutschland ein relativ hoher Betrag. Jedenfalls  kann man sich ausrechnen, dass für die anderen vier Mahlzeiten fast nichts übrig bleibt. Dasselbe Problem haben auch Familien, deren Einkommen knapp über „Hartz IV“ liegt.

Die einfache Frage lautet also: Ist uns das gleichgültig oder was sind uns die Kinder an den städtischen Schulen wert?

Es geht dabei sicherlich nicht nur ums Sattwerden. „Die Erfahrungen der bestehenden Ganztagsschulen zeigen, dass das Erlebnis des gemeinsamen Mittagessens nicht nur die Kommunikation in den Schulen  und Lehrerschaft verbessert, sondern auch das Einüben sozialer Kompetenzen fördert. Insgesamt wirkt sich das gemeinsame Mittagessen positiv auf das Klima an einer Schule aus“, analysiert die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD), die deshalb einen Sozialfonds geschaffen hat, der für Kinder aus armen Familien das Mittagessen zahlt. Dafür gibt es dann in jedem Einzelfall ein Bewilligungsverfahren. Manche Kommunen und Schulen haben auch eine einkommensabhängige Staffelung der Essensgelder geschaffen oder „Hartz IV“-Bezieher ganz von der Finanzierung freigestellt. Solche Modelle sind natürlich besser als nichts. Trotzdem halte ich von ihnen nicht sehr viel, weil sie immer auch neue Bearbeitungsorgien im öffentlichen Dienst schaffen. Diese Arbeitskraft kann man aber besser in die Ausbildung stecken, also z.B. zusätzliche Sozialarbeiter in die Schulen schicken.

Für mich gilt die Aussage „Kein Kind ohne Mahlzeit!“ uneingeschränkt. Ich fordere daher ein kostenloses Mittagessen für alle Schüler an den Schulen der Stadt.

Zunächst gilt dies für die beiden großen städtischen Schulzentren Gebrüder-Grimm und Friedensschule, die jeweils über Kantinen verfügen.

Das kann auch bezahlt werden. Ich erinnere an die sprudelnden Steuerzahlungen, die die Stadt Lingen (Ems) in diesen Monaten vereinnahmt. Die Gewerbesteuer bringt unserer Stadt in diesem Jahr rund doppelt so viel wie veranschlagt: mehr als 52 Mio Euro. Da ist es allemal möglich, in den beiden Schulzentren ein kostenloses Mittagessen für alle Schülerinnen und Schüler einzuführen. Das dürfte in diesem Jahr einen fünfstelligen Betrag kosten und aufs Jahr gerechnet rund 200.000.00 Euro. Diese Summe steht im kommunalen Haushalt allemal zur Verfügung und muss auch bereit gestellt werden. Mir reicht es jedenfalls nicht, dass Bund und Länder Kompetenzfragen diskutieren anstatt zu handeln. Also muss die Stadt handeln, und sie kann es auch. Im Rahmen der anstehenden Beratungen eines 1. Nachtragshaushalts 2008 ist Raum für diesen kinderfreundlichen, notwendigen Schritt.

Sicherlich  mag man damit auch manche Eltern, die durchaus zahlen könnten, aus der Verantwortung für das Wohl ihrer Kinder entlassen. Das ist mir aber kurz gesagt egal – wegen aller Kinder, denen geholfen wird.

Mit dem Programm „Kein Kind ohne Mahlzeit!“ entschärft man übrigens auch ein stückweit die aktuelle Diskussion um die Schülerzahlen an den städtischen und den kirchlichen Schulen. Die kommunalen Schulen werden nämlich einfach ein deutliches Stück attraktiver. Wenn dann noch Laptops für alle Schüler an den städtischen Schulen der Sekundarstufe I bereit gestellt werden, fördert man entschlossen die Chancengleichheit und handelt so gegen das in der PISA-Studie zurecht beklagte Aussortieren von Kindern, nur weil sie aus armen Familien sind.

Alle werden davon profitieren.

(Foto: Mensa – S. Hofschläger, pixelio.de)