Schulverweis

8. Mai 2015

FranziskusgymnasiumDa gibt es ganz aktuell einen rot-grünen Schulverweis am Lingener Franziskusgymnasium (Logo lks).

Die niedersächsische Landesregierung beendet nämlich ab dem kommenden Schuljahr ein umstrittenes Kooperationsprojekt zwischen Gymnasien und Energiekonzernen wie ExxonMobil, RWE oder GDF SUEZ E&P Deutschland GmbH.

Begründet wird die Entscheidung mit einem Verstoß gegen die Antikorruptionsrichtlinie des Landes.

Im Mai 2013 hatte das Kooperationsprojekt für Aufregung gesorgt, als das Politmagazin Frontal21 parallel zur Veröffentlichung einer  Studie über Lobbyismus an Schulen kritisch über den Fall berichtete. Die Studie hatte die NGO-Organisation LobbyControl erstellt,  die über Machtstrukturen und Einflussstrategien in Deutschland und der EU aufklären will und sich für Transparenz, eine demokratische Kontrolle und klare Schranken der Einflussnahme auf Politik und Öffentlichkeit einsetzt. Genau da hinein  gehört die Diskussion über das Sponsoring von Schulen.

Dabei schreiben sich die Unternehmen offiziell nur „Bildungsförderung“ auf die Fahnen. Ihre Idee: Als externer Sponsor fördern sie die Schule und erhalten im Gegenzug Raum für Imagewerbung. Im Idealfall profitieren beide Seiten von dem Geschäft.

Doch können Lehrer – und vor allem Schüler – immer einschätzen, ob externe Materialien  einseitig sind? Den Lehrern fehlt es zudem häufig an Zeit und Ressourcen, um im Zweifelsfall eigene Unterrichtsmaterialien zusammenzustellen. Und eine Schule, die etwa ein hochmodernes Biotechnologie-Labor kostenlos zur Verfügung gestellt bekommt, wird selten ablehnen. Die kritischen Stimmen an derartigen Finanzierungen häufen sich.

Wann die Förderung aufhört und die Lobbyarbeit überwiegt, sollten die Kultusministerien der Länder bedenkliche Unterstützung aussieben. Doch die Definition darüber, welche Materialien eher schaden, war bisher schwammig; im bisherigen Erlass des niedersächsischen Kultusministeriums hieß es allgemein „Zuwendungen, die mit einem Werbeeffekt verbunden sind (Werbung, Sponsoring) können entgegengenommen werden, wenn der Werbeeffekt hinter dem pädagogischen Nutzen deutlich zurückbleibt.“

Gestartet wurde das niedersächsische Kooperationsprojekt unter Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) vor acht Jahren zum Schuljahr 2007/2008 mit dem Wirtschaftsverband Erdöl und Erdgasgewinnung (WEG). Brisant ist das Schulsponsoring deswegen, weil eine Dokumentation des WEG deutlich zeigt, was sich die beteiligten Unternehmen von der Kooperation versprechen. Als Ziele werden darin u.a. die „Verbesserung der Reputation der Branche“ und eine „Versachlichung der Darstellungen über die Erdöl- und Erdgasproduktion in Schulen“ genannt. ExxonMobil zahlte den beteiligten Schulen für die Kooperation sogar 10.000€ pro Jahr. Hinzu kommt, dass die Kooperationen in einer Gegend stattfinden, in der die umstrittene Fracking-Technik vermehrt zum Einsatz kommt. Sie erinnern sich? Schönes Lünne! Bis heute ist das laut Lobbycontrol-Logo-135pxLobbycontrol einer der deutlichsten Fälle von Lobbyismus an Schulen.

Damit ist nun Schluss. Grundlage der Entscheidung ist die Antikorruptionsrichtlinie des Landes. Sponsoring ist demnach nur dann zulässig, „wenn der Anschein einer möglichen Beeinflussung […] nicht zu erwarten ist.“ Dabei ist nicht entscheidend, ob tatsächlich Einfluss genommen wird. Schon die Möglichkeit, dass auch nur indirekt Einfluss genommen wird reicht aus. Nach Einschätzung des Landes Niedersachsen besteht eine solche Möglichkeit im Falle der Kooperationen. NDR1:

„…Das Niedersächsische Kultusministerium hat entschieden, dass Schulen nicht mehr mit Energieunternehmen zusammenarbeiten und sich von ihren sponsern lassen dürfen. Das Ministerium sehe durch das Sponsoring die Gefahr einer möglichen Einflussnahme durch die Unternehmen, sagte ein Sprecher zu NDR1 Niedersachsen.

Die Unternehmen könnten demnach durch tendentiöse Materialien Einfluss auf den Unterricht nehmen. Daher hat die Landesregierung die Zusammenarbeiten ab dem kommenden Schuljahr verboten.“

[weiter bei NDR Niedersachsen]

Unter den betroffenen fünf Schulen in Niedersachsen ist auch das Franziskusgymnasium in Lingen-Laxten, das seit acht Jahren mit dem Energiemulti engie über deren Konzerntochter GDF SUEZ E&P Deutschland GmbH  kooperiert. Gezahlt werden 3.000 Euro pro Jahr. In der Oberstufe bietet die Schule regelmäßig ein Seminarfach an, bei dem eng mit dem Energiekonzern zusammengearbeitet werde. „Gerade was die naturwissenschaftlichen Fächer anbelangt, haben wir durch diese Kooperation auf jeden Fall profitiert, weil wir externe Fachleute zu ganz bestimmten Themen hinzuziehen und diese Themen dann im Unterricht problematisieren konnten“, sagte Schulleiter Hans-Michael Klumparendt gegenüber dem NDR. Auch die umstrittene Erdgasfördermethode Fracking komme dort zur Sprache.

Während laut NDR Hans-Michael Klumparendt die Kooperation gern weiterführen möchte, begrüßt der gemeinnützige Verein LobbyControl das Ende des Sponsoring und warnt zugleich schon vor bereits laufenden Gesprächen über neue Verträge, “die den geänderten Sponsoring-Vorgaben der Landesregierung entsprechen.”  Denn: „Bei dauerhaften Partnerschaften zwischen Schulen und Unternehmen besteht grundsätzlich die Gefahr der Einflussnahme. Solche Kooperationen können zu Abhängigkeiten und mangelnder Distanz führen.“ Das übrigens betrifft auch Fördervereine, liebes Franziskusgymnasium…

(weitere Quelle)

Thomas Stockmann

26. Mai 2011

An den Folgen einer Lungenembolie ist Dr.-Ing. Thomas Stockmann im Alter von nur 51 Jahren am vergangenen Sonntag völlig überraschend gestorben. In der St. Marien-Pfarrkirche im Stadtteil Brögbern findet morgen (am Freitag) um 14.30 Uhr das Seelenamt statt, anschließend ist die Beisetzung auf dem dortigen evangelischen Friedhof.

Dort, in Brögbern war Thomas Stockmann zuhause. Der Pädagoge engagierte sich vielfältig in der Gesellschaft.Von 2007 bis 2009 war er  Vorsitzender der damals noch einigen SPD Lingen (Ems). Lange Jahre war er  in der Elternarbeit des Franziskusgymnasiums aktiv. Er war Schöffe am Lingener Amtsgericht und engagierte sich in der Gemeindearbeit seiner Kirche. Beruflich arbeitete  als Lehrer an den Gewerblichen Berufsbildenden Schulen Grafschaft Bentheim in Nordhorn. Auf deren Internetseite habe ich diesen, sehr persönlichen Nachruf auf den Menschen Thomas Stockmann gefunden.

„Die Nachricht über den plötzlichen Tod von Dr. Thomas Stockmann hat uns alle geschockt. Wir sind traurig und ratlos. Dass er nach den großen Ferien nicht wieder kommt und Seite an Seite mit uns ins neue Schuljahr startet ist eigentlich gar nicht vorstellbar.

Leider können wir durch seine längere Krankheitsphase aber schon ziemlich gut abschätzen, welche Lücke das traurige Ereignis nun dauerhaft reißen wird. Zeugnisschreibung, Homepage, Softwareverwaltung, Steuerungstechnik und und und … Viele Posten werden wohl nie wieder mit so einem Format ausgefüllt werden können.

Denn Thomas war etwas Besonders. Etwas Ungewöhnliches in der Zunft der Ingenieure: Ein promovierter, hochkarätiger Techniker, der Forschung und Technik unbändig geliebt und verehrt hat. Aber, mindestens genauso hat Thomas das Miteinander und das Leben unter Leuten geliebt. Diese Balance gelingt nicht vielen.

Einerseits war Thomas immer ein versierter und aktuell informierter Gesprächspartner über klassische und brandneue Themen aus den Natur- und Ingenieurswissenschaften, gebildet auch weit über sein eigentliches Studienfach hinaus. Stets interessiert und mit fundierter eigener Meinung war es eine Freude mit ihm zu fachsimpeln, zu basteln, Probleme zu lösen, nachzuforschen, neugierig zu sein und zu bleiben. Und wenn sich Probleme auftaten, hatte Thomas oft eine gute Idee oder einen pragmatischen Lösungsweg parat – sowohl in der Technik als auch im normalen Schulalltag.

Andererseits konnte er sich ebenso gut an den einfachen, unkomplizierten Dingen des Lebens erfreuen: Eine gemeinsame Tasse Kaffee, ein schönes Lied, ein freches Wortspiel, eine Reise bei Sonnenschein, ein schöner Anblick, eine zünftige  Brotzeit, ein deftiges Essen, einen guten Schluck Bier oder eine feine Spirituose – Hauptsache, er genoss diese Kleinigkeiten im Kreise von Menschen, die er mochte. Thomas war ein Genießer – auch das hat ihn sehr sympathisch gemacht.

Das Miteinander hatte für Thomas immer einen hohen Stellenwert, allem voran in der Familie. Aber auch für viele andere war Thomas da: für seine Freunde und Kollegen, für seine Nachbarschaft, für die Gemeinde, ihrer Jugendarbeit und ihrer musikalischen Aspekte im Besonderen, letztlich für die Gesellschaft an sich – in der Politik und im Ehrenamt als Schöffe.

All das zusammen genommen war es nur natürlich, dass Thomas eines Tages der freien Wirtschaft den Rücken gekehrt hatte und fortan seine Arbeitskraft und seine profunden Kenntnisse der Schule und damit vielen jungen Menschen, unserem Kollegium, letztlich wiederum der Gesellschaft an sich, zur Verfügung gestellt hat.

Mit Thomas geht ein geliebtes Familienmitglied, ein guter Freund, ein hoch geschätztes Gemeindemitglied, ein engagierter Bürger, ein hochkarätiger Ingenieur vom alten Schlag und nicht zuletzt …

… ein verdammt guter Kollege!!! Thomas, Du wirst uns fehlen.“

(Foto: (c) SPD Lingen)