Safe Harbor

7. Oktober 2015

netzpolitik_logoAm Dienstagmorgen hat der Europäische Gerichtshof sein Urteil in Sachen Safe Harbor (für Briten: Safe Harbour) gesprochen: Safe Harbor ist ungültig! Nur wenige Minuten später schrieb Netzpolitik.org:

Die Safe-Harbor-Entscheidung der EU-Kommission autorisierte die Übertragung personenbezogener Daten an Unternehmen in den USA, indem davon ausgegangen wird, dass die US-Firmen gleichwertige Datenschutzstandards gewähren wie sie auch innerhalb der EU herrschen. Dass die USA das nicht einmal gewährleisten wollen, haben uns die Snowden-Enthüllungen deutlich gezeigt und der Ruf nach der Aufhebung von Safe Harbor wurde in den letzten Jahren an mehreren Stellen laut, etwa bei den Datenschutzbeauftragten oder den EU-Parlamentariern. Schon seiner Form nach war Safe Harbor ungeeignet, um wirklichen Datenschutz zu bieten, denn ein Unternehmen muss sich Safe Harbor lediglich anschließen, um Daten aus der EU verarbeiten zu dürfen. Wirksame Aufsicht existiert nicht, aktuell stehen etwa 5500 US-Unternehmen auf der Safe-Harbor-Liste, dabei natürlich alle großen Datenverarbeiter die wir kennen – Apple, Google, Microsoft, Facebook, …

Die Klage ging von Max Schrems mit seiner Initiative europe-v-facebook.org aus. 2013 hatte er sich bei der irischen Datenschutzbehörde beschwert, dass seine Daten bei Facebook in den USA nicht „angemessen geschützt“ sein könnten, solange es dort ungehinderte staatliche Massenüberwachung gibt. Er hatte bereits Ende September einen Teilsieg errungen, als der Generalanwalt des EuGH Yves Bot verkündete, er folge ebenso der Auffassung, Safe Harbor sei ungültig und nicht bindend. Die EU-Kommission dürfe die Befugnisse der nationalen Datenschutzkontrollbehörden nicht einschränken, wenn es um den Schutz von Grundrechten geht. Er begründete seine Meinung vor allem damit, dass durch das Agieren der US-Nachrichtendienste, wie es sich etwa im Prism-Überwachungsprogramm zeigte, kein angemessenes Schutzniveau existieren könne, das Recht auf Privatsphäre und Datenschutz kann so nicht geachtet werden. Denn die US-Dienste greifen weitestgehend unkontrolliert auf die Daten von US-Firmen zu:

Der Zugang zu personenbezogenen Daten, über den die amerikanischen Nachrichtendienste verfügen, erfasst nämlich in generalisierter Weise alle Personen und alle elektronischen Kommunikationsmittel sowie sämtliche übertragenen Daten (einschließlich des Inhalts der Kommunikationen), ohne jede Differenzierung, Einschränkung oder Ausnahme anhand des im Allgemeininteresse liegenden Ziels, das verfolgt wird.

Darüberhinaus stellt er fest, dass in den USA keine unabhängige Behörde besteht, um ein solches Schutzniveau zu prüfen. Kernessenz: Nur dadurch, dass es eine Vereinbarung gibt, die ein gleichwertiges Datenschutzniveau auf Papier schreibt, muss es noch lange nicht existieren.

Damit fällt auch ein wesentlicher Teil der Geschäftsgrundlage für viele US-Firmen weg, die Geld mit dem Verarbeiten personenbezogener Daten verdienen – auch mit denjenigen europäischer Nutzer. Facebook ist dabei sicher das prominenteste Beispiel. Doch auch EU-Firmen, die Daten zur Auftragsdatenverarbeitung in die USA übermittelt, sehen sich nun neuen Herausforderungen gegenübergestellt. Und auch die US-Strafverfolger dürften sich ärgern, wenn es für sie schwieriger wird an die persönlichen Daten von EU-Bürgern zu gelangen. So einfach, sie sich einfach von den Servern der US-Unternehmen zu holen, wird es zumindest nicht mehr.

Spannend ist die Frage, wie es nun weitergeht. Das heutige Urteil kann als Anstoß dafür dienen, ein inhaltsvolleres und wirksameres Datenübertragungsabkommen zu verhandeln. Das ist bereits seit den Anfängen der Snowden-Enthüllungen in Diskussion, von den USA kam jedoch Widerstand, der Fortschritte verhindert hat. Aber ungeachtet dessen, was nun konkret passiert, das Signal ist klar – und wichtig.

Netzpolitik.org kündigte an, sich das Urteil genauer anzusehen, Die Plattform  will „Euch auf dem Laufenden halten.

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Hier geht’s zu den Reaktionen:

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Kläger Max Schrems war verständlicherweise sehr froh über die Entscheidung und sagte:

I very much welcome the judgement of the Court, which will hopefully be a milestone when it comes to online privacy. This judgement draws a clear line. It clarifies that mass surveillance violates our fundamental rights. Reasonable legal redress must be possible.

The decision also highlights that governments and businesses cannot simply ignore our fundamental right to privacy, but must abide by the law and enforce it.

This decision is a major blow for US global surveillance that heavily relies on private partners. The judgement makes it clear that US businesses cannot simply aid US espionage efforts in violation of European fundamental rights.

Alexander Sander von Digitale Gesellschaft kommentiert:

Der Europäische Gerichtshof hat heute ein historisches Zeichen für den Datenschutz und gegen anlasslose Massenüberwachung gesetzt. Die Safe Harbor-Entscheidung macht unmissverständlich klar, dass geheimdienstliche Spähexzesse den Grundrechten und der Online-Wirtschaft schweren Schaden zufügen und mit freien transatlantischen Datenflüssen schlichtweg unvereinbar sind. Die politisch Verantwortlichen in Europa und den USA stehen nun in der Pflicht, die Missstände abzustellen und die längst überfälligen Reformen bei Aufsicht und Befugnissen der Geheimdienste vorzunehmen.

Um 15 Uhr haben Frans Timmermans, der für Rechtsfragen zuständige Vizepräsident, und EU-Verbraucherschutz-Kommissarin Věra Jourová in Straßburg eine Pressekonferenz zum Urteil gegeben.

 

Hier zahlreiche weitere Reaktionen.

MH17

3. August 2015

NiederlandeNet berichtet:

Die Verursacher der Flugzeugkatastrophe von Flug MH17 werden sich nicht vor einem UN-Tribunal verantworten müssen – Russland legte vergangene Woche im UN-Sicherheitsrat sein Veto ein. Die Niederlande, welche die meisten Opfer zu beklagen haben, zeigten sich hierüber nicht überrascht, aber enttäuscht.

„Ich bin sehr enttäuscht, dass kein UN-Tribunal eingerichtet wird, um die Täter der Katastrophe von Flug MH17 zu verfolgen“, erklärte der niederländische Premier Mark Rutte (VVD) am vergangenen Mittwoch per Pressemitteilung. Die niederländische Regierung habe sich für ein UN-Tribunal eingesetzt, da so eine breite internationale Basis für die gesetzliche Verfolgung garantiert worden wäre.

Mit dem russischen Nein habe man allerdings gerechnet, so Rutte weiter: „Das russische Veto ist keine Überraschung. Heute früh habe ich noch mit Präsident Putin gesprochen. Ich habe ein allerletztes Mal an ihn appelliert und die Argumente angeführt, weshalb es nötig ist, eine Entscheidung nicht hinauszuzögern. Doch Russland erfüllt an dieser Stelle unsere Erwartungen in Bezug auf internationale Rechtsprechung nicht. Das ist außerordentlich enttäuschend.“

Die niederländische Regierung werde sich zusammen mit der Ukraine, Malaysia, Australien und Belgien weiterhin für eine Verfolgung der Verursacher des Absturzes einsetzen. „Die Täter werden sich verantworten müssen. Sie dürfen ihrer Strafe nicht entgehen. Das sind wir den Opfern und ihren Angehörigen schuldig“, so Premier Rutte abschließend.

UN-Tribunal wäre „sehr logischer nächster Schritt“ gewesen

SC pm

Außenminister Bert Koenders (Niederlande) im UN-Sicherheitsrat

Der niederländische Außenminister Bert Koenders (PvdA) erklärte in einer Rede vor dem UN-Sicherheitsrat: „Ich finde es unbegreiflich, dass ein Mitglied des Sicherheitsrates die Justiz behindert, in einer Tragödie, die so viele Personen betrifft.“ Damit werde ein sehr gefährliches Signal gesendet und die Sicherheit der zivilen Luftfahrt aufs Spiel gesetzt. Die Niederlande würden nicht ruhen, bevor alle Fakten auf dem Tisch lägen. „Wir erwarten von der Weltgemeinschaft, dass sie weiterhin mit uns kooperiert in unseren Bemühungen, die Täter vor Gericht zu stellen.“

Frans Timmermans (PvdA), EU-Kommissar und zum Zeitpunkt des Flugzeugabsturzes niederländischer Außenminister, erklärte im sozialen Netzwerk Facebook: „Auch bei der europäischen Kommission sind wir sehr enttäuscht, dass aufgrund eines russischen Vetos im Sicherheitsrat keine Resolution zur MH17-Untersuchung zustande kam.“ Timmermans erinnerte daran, dass der gesamte Sicherheitsrat im vergangenen Jahr Resolution 2166 unterschrieben habe, die vorsehe, die Verursacher zu verfolgen. „Ein UN-Tribunal hätte diese Aufgabe konkret erfüllen können und wäre deshalb ein sehr logischer nächster Schritt gewesen.“

Evert van Zijtveld von der Angehörigen-Vereinigung Stichting Vliegramp MH17, reagierte gelassen auf das russische Veto. Gegenüber der niederländischen Rundfunkorganisation NOS erklärte er: „Dass Russland mit einem Veto kommen würde, war vorauszusehen. Es ist nicht unsere Aufgabe, zu bestimmen, was jetzt passieren soll. Wir hoffen nur, dass alles getan wird, um das Recht sprechen zu lassen.“

Russisches Veto „Schlag ins Gesicht“

Die niederländischen Medien zeigten sich ebenfalls wenig überrascht vom Ergebnis der Abstimmung. Journalist Raoul du Pré hatte bereits Tage zuvor in der Tageszeitung de Volkskrant mit einem Veto der Russen gerechnet. Das Ergebnis sei zwar nicht überraschend gekommen, aber dennoch sei das russische Veto ein „regelrechter Schlag ins Gesicht“, kommentierte Het Financieele Dagblad nach Bekanntwerden der Abstimmung. „Die Erklärung des Kremls, die Befürworter eines UN-Tribunals wollten eine Politisierung der Tragödie, ist eine Unverschämtheit.“

Weniger emotional kommentierte Guus Valk im NRC Handelsblad: „Die Stimmung war vor allem von symbolischer Wichtigkeit. Koenders wollte den Angehörigen zeigen, dass die niederländische Regierung noch immer ihr Bestes tut, um die Verantwortlichen vor Gericht zu kriegen.“ Wie Valk sahen auch die Kommentatoren der Zeitung Trouw in der Initiative zu einem MH17-Tribunal „eine chancenlose Mission“. Dass die Anstrengungen von Premier Rutte und Außenminister Koenders wenig Effekt haben würden, wäre bereits zuvor „sonnenklar“ gewesen. Dennoch sei der Einsatz nicht sinnlos gewesen, da Russland mit seinem Nein nun im Sicherheitsrat allein stehe. Kommentator Hans Wiegel kam in der Samstagsausgabe der Amsterdamer Tageszeitung Het Parool zu einem anderen Schluss: Die Wahrscheinlichkeit, dass Russland gezwungen werden könnte, Verdächtige auszuliefern, sei nun noch zweifelhafter. „Genau wie die Wahrscheinlichkeit, dass die Täter jemals vor ein Gericht gestellt werden.“

Artikelsammlung zum Flugzeugabsturz von Flug MH17

(Quelle)

Rede

21. Juli 2014

Timmermans2Sie beeindruckt tief und sie berührt sehr, die heutige Rede des niederländischen Außenministers Frans Timmermans (PvdA)  vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen.  Hier der Mitschnitt und das ist der Originalwortlaut:

Mr. President,
We are here to discuss a tragedy: the downing of a commercial airliner and the death of 298 innocent people. Men, women and a staggering number of children lost their lives, on their way to their holiday destinations, their homes, loved ones, their jobs or international obligations. How horrible must have been the final moments of their lives, when they knew the plane was going down. Did they lock hands with their loved ones, did they hold their children close to their hearts, did they look each other in the eyes, one final time, in an unarticulated goodbye? We will never know.

The demise of almost 200 of my compatriots has left a hole in the heart of the Dutch nation, has caused grief, anger and despair. Grief for the loss of loved ones, anger for the outrage of the downing of a civilian airplane and despair after witnessing the excruciatingly slow process of securing the crash site and recovering the remains of the victims.

It is fitting that this august Council should take position on this matter and I welcome the adoption of today’s resolution of the UNSC, which was tabled by Australia and which the Netherlands co-sponsored. I thank the countries which expressed support for it.

Mr President,
For the Netherlands, one priority clearly stands out above all others: bring the victims‘ remains home. It is a matter of human decency that remains should be treated with respect and that recovering victim’s remains should be done without any delay.

The last couple of days we have received very disturbing reports of bodies being moved about and looted for their possessions. It must be unbearable first to lose your husband and then to have to fear that some thug might steal his wedding ring from his remains. To my dying day I will not understand that it took so much time for the rescue workers to be allowed to do their difficult jobs and that human remains should be used in a political game. I hope the world will not have to witness this again, any time in the future.

Images of children’s toys being tossed around, luggage being opened or passports being shown, are turning our grief and mourning into anger. We demand unimpeded access to the terrain. We demand respectful treatment of the crash site. We demand dignity for the victims and the multitudes who mourn their loss.

I call on the international community, on the Security Council, on anyone with influence on the situation on the ground: allow us to bring the victims‘ remains home to their loved ones without any further delay. As we are currently taking the lead in the forensic examination of the human remains, I pledge that the Netherlands will do its utmost to make sure that all remains will be identified and returned home, where ever that home may be.

We will work intensively with all countries and international organizations involved to make this happen.

Mr. President,
I also welcome the setting up of a proper investigation into the cause of the tragedy of MH17, as envisaged in today’s resolution. The Netherlands has agreed to assume a leading role in such an investigation, in close cooperation with the relevant countries, the United Nations and ICAO. I am fully aware of the great responsibility we now take upon ourselves and I give you my personal commitment that we will discharge this responsibility to the best of our abilities. Once the investigation ascertains who was responsible for the downing of the flight MH17, accountability and justice must be pursued and delivered. We owe that to the victims, to justice, to humanity. I call on all relevant countries to provide full cooperation.

My country will not rest until all facts are known and justice is served.

I thank you, Mr. President.

(Foto: Außenminister Frans Timmermans CC-Zero)

Absturz

18. Juli 2014

FLUGZEUGABSTURZ: 192 Niederländer verunglückt [Update]
Amsterdam/Den Haag. /NOS. 18. Juli 2014.

Malaysian Airlines
Boeing 777 der Malaysia Airlines: Ein solches Flugzeug ist über der Ost-Ukraine (abgestürzt, Quelle: Glenn Beltz/cc-by)

Bei einem Flugzeugabsturz einer malaysischen Maschine über der Ost-Ukraine am Donnerstagnachmittag sind Passagiere aus mindestens sechs Ländern umgekommen. Die größte Gruppe bilden mit mindestens 192 Opfern niederländische Staatsbürger. Auch mindestens vier deutsche Flugreisende sind unter den Opfern, daneben Passagiere aus Australien, Malaysia, Indonesien, dem Vereinigten Königreich, Belgien, den Philippinen, Neuseeland und Kanada. Bei vier Personen ist die Nationalität bislang noch unbekannt. Die Namen der Opfer sollen erst dann bekannt gemacht werden, wenn alle Opfer identifiziert sind. Dies wurde am späten Abend auf einer Pressekonferenz im niederländischen Flughafen Schiphol bekanntgegeben, die von vielen Fernsehsendern weltweit – unter anderem CNN – live übertragen wurde. Wie am Freitag bekannt wurde, waren viele der Passagiere – NOS spricht von 100 Personen – zur internationalen Aids-Konferenz nach Australien unterwegs.

Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte zeigte sich in einer ersten Stellungnahme tief betroffen über die Nachricht vom Flugzeugunglück über der Ost-Ukraine. Die Maschine der Malaysia Airlines war gegen Mittag auf dem Flughafen Amsterdam Schiphol in Richtung Kuala Lumpur gestartet und um 15.21 nahe der Stadt Donezk vom Radar verschwunden. Nach ersten Berichten sollen alle 298 Insassen bei dem Unglück umgekommen sein; darunter nach ersten Einschätzungen auch mehrere Dutzend Niederländer. Der Flug wurde gemeinsam von Malaysia Airlines (MH17) und der niederländischen Linie KLM (KL4103) organisiert.

„Ich bin zutiefst über die dramatischen Berichte zum Absturz von Flug MH17 geschockt“, ließ Mark Rutte, der sich zum Zeitpunkt des Bekanntwerdens der Tragödie im Ausland befand, mitteilen. „Unsere Gedanken sind jetzt bei den Insassen, ihren Familien und Freunden“. Der niederländische Premier hatte direkt im Anschluss das Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten gesucht und sich auf den Weg zurück in die Niederlande gemacht, „um die Situation aus Den Haag weiter zu verfolgen und zu handeln.“ In einem Restaurant auf dem Flughafen Schiphol ist unterdessen eine Anlaufstelle für Angehörige der verunglückten Passagiere eingerichtet worden. Im Laufe des Abends wurde von Vertreter der betroffenen Fluggesellschaften unter +31 70 3487770 zudem eine Infohotline für Angehörige der Opfer geschaltet.

Neben Premier Rutte reagierte auch Sicherheits- und Justizminister Ivo Opstelten schnell mit einer Erklärung und zeigte sich ebenfalls geschockt: „Die Bilder, die Sie und ich gesehen haben, sind furchtbar. Aber noch vieles ist undeutlich über die Ursache und die Umstände“. Opstelten bezog sich damit auf Gerüchte, wonach die malaysische Passagiermaschine Opfer eines Beschusses von pro-russischen Separatisten geworden ist, die sich in der Ost-Ukraine momentan mit ukrainischen Regierungstruppen schwere Gefechte liefern. Neben Opstelten äußerte sich gegen 20.30 Uhr auch das niederländische Staatsoberhaupt, König Willem-Alexander, über das Regierungspresseamt RVD gegenüber der Öffentlichkeit: „Ebenso wie der Rest der Niederlande verfolgen meine Frau und ich die Nachrichten sehr genau und hoffen, dass es schnell mehr Deutlichkeit gibt. Wir leben mit den Familien, Freunden, Kollegen und Bekannten der Opfer und mit denen, die noch in Ungewissheit darüber sind, ob ihre Geliebten an Bord der Maschine waren.“

Die niederländische Fluggesellschaft KLM, die den Flug gemeinsam mit Malaysia Airlines organisierte, hat – ebenso wie auch Lufthansa, Turkish Airlines und Air France – heute Abend mitgeteilt, den Luftraum über der Ost-Ukraine ab sofort nicht mehr zu überfliegen. Andere Gesellschaften wie die australische Quantas oder die beiden süd-koreanischen Airlines Asiana und Korean Air umfliegen den Luftraum über dem Kriegsgebiet bereits seit mehreren Wochen. Der niederländische Außenminister Frans Timmermans forderte am Abend, dass unabhängige Untersucher Zugang zur Unglücksstelle in der Ost-Ukraine bekommen müssen.

In der ukrainischen Hauptstadt Kiew kommen währenddessen viele Menschen an der niederländischen Botschaft zusammen, um Kerzen anzuzünden und Kondolenzbekundungen zu hinterlassen. Die Flaggen wurde dort auf Halbmast gehisst. Und auch in den Niederlanden wird es, wie heute von Seiten der Regierung bekanntgegeben wurde, vor allen öffentlichen Gebäuden am Freitag eine Trauerbeflaggung geben. Wer den Hinterbliebenen sein Beileid aussprechen möchte, kann dies auf mehreren Online-Kondolenzbücher. Auf condoleance.nl waren am Freitagabend bereits rund 21.000 Beileidsbekundungen eingegangen.

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Die niederländischen Tageszeitungen stehen am Tag nach dem Unglück alle im Zeichen des Flugzeugabsturzes:

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Quelle/übernommen von Niederlande.net

Arctic Sunrise

23. Oktober 2013

arctic_sunriseUm die Freilassung der seit mehr als einem Monat in Russland inhaftierten Crew des Greenpeace-Schiffes Arctic Sunrise in einem Eilverfahren zu erzwingen, hat der niederländische Staat sich nun an den Internationalen Seegerichtshof in Hamburg gewandt. Die Niederlande fordern neben der Freilassung der Besatzung auch die Freigabe der Arctic Sunrise, die unter niederländischer Flagge fährt. Russland ließ inzwischen allerdings wissen, dass es die Autorität des Seegerichtshofs nicht anerkenne.

Am 18. September hatte die Besatzung des Greenpeace-Schiffes Arctic Sunrise – laut Selbstauskunft friedlich – gegen Ölbohrungen des russischen Energiekonzerns Gazprom in der Arktis protestiert. Tags darauf wurde die Arctic Sunrise von der russischen Küstenwache in internationalen Gewässern geentert und nach Murmansk geschleppt. Die Crew, darunter zwei Niederländer, sind der Piraterie angeklagt. Bei einer Verurteilung drohen den Umweltschützern fünfzehn Jahre Haft.

Jeder Staat ist nach dem internationalen Seerechtsübereinkommen für die Schiffe unter seiner Flagge verantwortlich. Da die Arctic Sunrise unter niederländischer Flagge fährt, hatten die Niederlande bereits vor zwei Wochen ein so genanntes Schiedsverfahren eingeleitet und Russland darum ersucht, die Aktivisten freizulassen. Bereits damals stellte Außenminister Frans Timmermans (PvdA) in einem Schreiben an die Zweite Kammer klar, die Niederlande könne bei „unzureichendem Fortschritt der Dinge“ in zwei Wochen den Seegerichtshof bitten, in einem Eilverfahren dafür zu sorgen, dass Mannschaft und Schiff freigegeben werden müssen. Dass der niederländische Staat nun den Internationalen Seegerichtshof angerufen hat, ist also keine Überraschung.

Dennoch wirft dieser Schritt einen weiteren Schatten auf das Niederlande-Russland Jahr, das eigentlich die jahrhundertealten Beziehungen beider Länder feiern wollte. Mehrere unschöne Ereignisse haben bereits für eine Verdunklung der Feststimmung gesorgt. So trübte der Selbstmord des russischen Asylbewerbers Aleksandr Dolmatov, der sich das Leben nahm, weil er keine Aufenthaltsbewilligung für die Niederlande erhalten hatte, bereits im Januar die Vorbereitungen des Festjahres (NiederlandeNet berichtete). Der Besuch des russischen Präsidenten Putins anlässlich der Eröffnung des Jahres im April wurde von vielen Protesten gegen die russische Gesetzgebung im Hinblick auf Homosexuelle begleitet (NiederlandeNet berichtete). Im Juli dann wurde ein niederländisches Filmteam in Russland verhaftet, weil es „Homopropaganda“ betrieben haben sollte (NiederlandeNet berichtete). Und neben dem Fall der Arctic Sunrise gab es unlängst diplomatische Spannungen aufgrund verschiedener Angriffe auf diplomatische Abgesandte in Moskau und Den Haag (NiederlandeNet berichtete).

„Die unglücklichen Ereignisse stehen den guten Beziehungen nicht im Weg“, beeilte sich Premier Mark Rutte (VVD) deshalb gestern in einer Presseerklärung mitzuteilen. Rutte habe mit Putin telefoniert und beide Seiten hätten die Absicht, das bilaterale Niederlande-Russland Jahr erfolgreich abzuschließen. Wie geplant solle am 9. November ein Konzert in Moskau in Anwesenheit Königs Willem-Alexanders und seiner Frau Königin Máxima das Jahr abschließen.

Ob sich die Wogen bis dahin geglättet haben, bleibt fraglich. Denn Russland ließ inzwischen verlauten, dass es die Autorität des Seegerichtshof nicht anerkenne. Bei der Ratifizierung des Seerechtsvertrages habe Moskau damals eine Einschränkung aufnehmen lassen. „Die russische Seite hat einen Vorbehalt aufnehmen lassen, wonach sie die Autorität internationaler Instanzen in Konflikten, die die Souveränität und die Rechtsprechung betreffen, nicht anerkennt“, zitiert de Volkskrant Aleksandr Loekasjevitsj, Sprecher des russischen Außenministeriums.

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(Text: gefunden auf  Niederlande.net; Foto: Arctic Sunrise im Jahr 2007; Quelle: Capitan Giona/cc-by-sa)