Beachtung

25. März 2014

Verloren haben am Sonntag die regierenden Sozialisten von Präsident François Hollande die französischen Kommunalwahlen am Sonntag. Der rechtsextreme Front National (FN) und die konservative Opposition verbuchten zugleich Erfolge. Der FN erzielte in einigen Regionen hohe Zuwächse , landesweit aber stimmten nur 4,65 % der Wähler für die Rechtsextremen. Umfragen hatten sie zuvor landesweit bei 7 % gesehen. In der ersten Runde der Kommunalwahlen vor fünf Jahren war der FN nur auf 0,9 Prozent gekommen.

Die konservativen Parteien erhielten bei der Kommunalwahl insgesamt 46,5 Prozent der Stimmen, die linken Parteien mussten mit 37,7 Prozent eine deutliche Niederlage hinnehmen.

Soweit der Überblick. Meine Sicht konzentriert sich auf Elbeuf-sur-Seine, die Partnerstadt Lingens. Vor zehn Jahren, am 15. Mai 2004, unterzeichneten der damalige OB Heiner Pott (CDU) und sein französischer Amtskollege die Partnerschaftsurkunde. Am Sonntag nun wurde der 40jährige Djoudé Merabet mit 64,4 % der abgegebenen Stimmen als Bürgermeister Elbeufs wiedergewählt. Er ist jetzt seit sechs Jahren im Amt.

Doch landesweite Beachtung erreichte sein Gegenkandidat Nicolas Bay, der in Frankreich für den FN die Kommunalwahlkampagne organisiert hatte. Bay nämlich verlor zwar, erhielt in der traditionell linken Kleinstadt an der Seine aber beeindruckende 35,6 % und damit einen der höchsten Werte der Rechtsextremen im Nachbarland. 

Hier das heutige Ergebnis der französischen Präsidentschaftswahlen in Lingens Partnerstadt Elbeuf-sur-Seine im Departement Seine-Maritime. Es gab mit 73,8% keine geringe Wahlbeteiligung, aber leider auch hier knapp 19% für die rechtspopulistische Marine Le Pen. Doch sonst war es in Elbeuf im ersten Wahlgang eine ziemlich klare Sache für den sozialistischen Kandidaten François Hollande und für Monsieur Nicolas Sarkozy blieb nur Platz 3:

Burka

31. Januar 2012

Neues vom Nachbarn: Als drittes europäisches Land nach Frankreich und Belgien will die Niederlande die Burka verbieten. Die Burka (eigentlich Burqu, aus arabisch ‏برقع‎, DMG burquʿ, Plural ‏براقع‎ / barāqiʿ; in Pakistan auch als Barqa) ist ein Kleidungsstück, das der vollständigen Verschleierung des weiblichen Körpers dient. Die Burka wird von vielen muslimischen Frauen in Afghanistan und einem Teil der Frauen in PakistanIndien und anderen muslimischen Ländern getragen.

Hollands Innenministerin Liesbeth Spies nannte den niederländischen Plan einen Akt von “unvorstellbarer Wichtigkeit”.  Welche Strafen es geben wird, wenn jemand künftig entgegen dem Gesetz in der Öffentlichkeit doch eine Burka trägt, ist bislang unklar. In Frankreich riskiert eine Burka-Frau 150 Euro Strafe, und ein Mann, der seine Frau zur Burka zwingt bis zu 30.000 Euro und zwei Jahre Gefängnis. In den Niederlanden sollen nach Schätzungen um die 150 Frauen gezwungen oder freiwillig die Burka tragen.
(Quellen: Meine Güte Blog von Falk Madeja; wikipedia; Foto © Steve Evans CC)

Nicht schlecht II

23. Juni 2011

Sie wissen längst: Sonntag um 18 Uhr beginnt in Berlin die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2011 in Deutschland.  Das erste Spiel Deutschland gegen Kanada ist eigentlich das zweite, weil schon drei Stunden früher im Hoffenheimer Stadion in Sinsheim das Spiel Nigeria gegen Frankreich angepfiffen wird. Aber dieses zeitlich erste Spiel ist offiziell das zweite. Das ist für mich noch schwerer zu verstehen als der Umstand, dass Victoria Gersten künftig SV Meppen, FFC Bad Oldesloe demnächst VfB Lübeck und  FC Lübars dann Hertha BSC heißt. Ki(e)k! Die Sehnsucht nach Geld greift auch nach der 2. Bundesliga der Fußballerinnen. Also lieber, wie hier mitgeteilt, Heidekraut Andervenne.

Ach so! Von Public viewing im Emsland zur Frauen-WM habe ich jetzt doch etwas gehört. Nämlich hier. Geht doch!

Ya 1

22. Mai 2011

Der Franzose Stéphane Hessel schreibt in seinem Manifest „Empört Euch!”, auf das ich hier vor einigen Monaten hingewiesen habe : „Neues schaffen heißt Widerstand leisten. Widerstand leisten heißt Neues schaffen!“

Hessel ruft zum gewaltlosen, friedlichen Widerstand auf! Ein 93-Jähriger ruft die Jugend Frankreichs auf, sich zu wehren! Und nicht nur die hört es, wie die Grafik zeigt.  Auf den NachDenkSeiten lese ich:

Europa steht ein heißer Sommer bevor. Aus Protest gegen die Sparmaßnahmen der Regierung und die verheerende sozioökonomische Lage begehrt Spaniens Jugend auf. Seit dem 15. Mai demonstrieren in über 50 spanischen Städten hunderttausende Menschen auf den zentralen Plätzen. Madrids Puerta del Sol wird dabei immer mehr zum europäischen Pendant des Tahir-Platzes in Kairo – tausende meist junge Menschen campieren friedlich und werden von einer breiten Welle der Solidarität getragen. In dieser Woche ist die „Democracia Real Ya!“ (Echte Demokratie jetzt!) das Thema Nummer Eins in den sozialen Netzwerken, während die klassischen Medien es weitestgehend ignorieren und totschweigen. Sollte die Solidarisierungswelle anhalten, könnte dies der Funke sein, um europaweite Sozial- und Demokratieproteste auszulösen.

Spaniens Jugend fühlt sich ihrer Zukunft beraubt. In keinem anderen Land ist die Jugendarbeitslosigkeit höher. Nach offiziellen Zahlen finden 40% aller jungen Spanier keine Arbeitsstelle. Diejenigen, die in Lohn und Brot stehen, sind meist in prekären Beschäftigungsverhältnissen tätig, die hierzulande mit dem Begriff „Generation Praktikum“ umschrieben werden und von deren Bezahlung man sich kein menschenwürdiges Leben leisten, geschweige denn für die Zukunft planen oder gar eine Familie gründen kann. Die sozioökonomische Situation der spanischen Jugend war schon vor der Finanz- und Wirtschaftskrise katastrophal, die Krise hat sie noch weiter verschlimmert und vor allem jede Hoffnung auf Besserung schwinden lassen.

Die konkreten Folgen dieser Missstände…

Den ganzen Beitrag von Jens Berger/NachDenkSeiten finden Sie hier.

Empört Euch!

9. Februar 2011

„Ein dünnes Heftchen, ein Aufsatz, gerade mal 19 Buchseiten lang, sorgt in Frankreich seit Monaten für Furore. Mehr als 900 000 Mal ist das Werklein verkauft worden, in Buchhandlungen, Supermärkten, an Tankstellen. Dabei ist es keine leichte Kost, die der Autor seinen Lesern zumutet. Einen Wutruf schmettert ihnen der 93jährige Stephane Hessel entgegen, “Empört Euch” – so der Titel –fordert er seine Landsleute auf.

Hessel ist nicht irgendein Autor, eine Instanz in Frankreich. 1917 in Berlin geboren, wanderte er mit seiner jüdischen Familie nach Frankreich aus, schloss sich 1940 der Resistance um Charles de Gaulle an, wurde nach Buchenwald deportiert, überlebte drei Konzentrationslager, wurde Diplomat und war einer von 18 UN-Botschaftern, die die UN-Erklärung der Menschenrechte ausarbeiteten.

Um Menschenrecht, um Würde, um Gerechtigkeit geht es auch in seinem Aufsatz, in dem er dazu auffordert, sich gegen eine unwirtlich gewordene Welt zu erheben. Empörung sei der Beginn allen Engagements, allen Aufstands. Für ihn selbst sei die Empörung über das Nazitum Triebfeder des Handelns gewesen und ein Leben lang geblieben, belehrt er über die Wirkungsstärke von Empörung.

Seinen Landsleuten empfiehlt er, nein, er fordert es von ihnen, sich zu empören: Darüber, dass die Unterschiede zwischen Arm und Reich immer größer werden, dass der Sozialstaat in Zeiten des Turbokapitalismus auf der Strecke geblieben ist, dass Ausländer in Frankreich ausgegrenzt werden, dass die Gier der Banker ganze Staaten zerstört hat und dass wir alle alles tun, um unsere Erde zu zerstören.

Ein vielschichtiger Schrei der Empörung, den Hunderttausende begierig aufgegriffen haben. Ein kleines Wunder? Nein, ein ermutigendes Zeichen, dass der grassierende Neoliberalismus den Demokratien die Grundtugenden der Gleichheit und Brüderlichkeit nicht hat auslöschen können.

Hessels Weckruf hat eine andere Dimension, ein weit größeres Verantwortungsbewusstsein als das, was wir in Deutschland in dem neuen Wutbürgertum a la “Stuttgart 21″ erleben. Es sind die eigenen Interessen, die die Bürger dort auf die Straße treiben. Hessel jedoch möchte, dass die Empörung, der Protest auch jene einschließt, die keine Chance haben, sich zu artikulieren. Die Rückkehr, die Auferstehung der solidarischen Gesellschaft?

Theoretisch, lesend hat diese Idee die Franzosen erfasst. Ob aus Hessels Lesern auch Solidar-Täter werden, wird sich zeigen. Und ob der Funke der Hesselschen Empörung auch nach Deutschland überspringt, lässt sich bald bei uns beobachten. Ullstein bringt nämlich das dünne Heftchen voller Empörungsdynamik in diesen Tagen auf den deutschen Markt.

Empört Euch!” Übersetzt von Michael Kogon, Ullstein Verlag Berlin, 32 Seiten. 3,99 Euro.

gefunden und geschrieben von im:  wir-in-nrw-Blog