Klaus Doldinger

12. Mai 2011

Jazzer Klaus Doldinger wird heute 75. Er sagt zu seiner wohl bekanntesten Komposition in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau:

Ihr bekanntestes Werk ist der Tatort-Jingle: Täglich läuft in irgend einem dritten Programm ein Tatort, und die Sonntags-Tatorte sind in der deutschen Fernsehwelt eine ähnliche Konstante wie die Tagesschau. Diese Erkennungsmelodie macht Sie wahrscheinlich zu einem der meistgehörten deutschen Komponisten. Wann ist der entstanden?

Das war 1970. Ich hatte vorher schon einmal eine Erkennungsmelodie für die ARD geschrieben. Als das Tatort-Projekt im Westdeutschen Rundfunk geboren wurde, dachte man zunächst nur an eine zehnteilige Krimi-Serie, und man erinnerte sich an mich. Ich lebte damals in München, habe den Auftrag angenommen, das Stück geschrieben und aufgenommen. 1978 habe ich noch mal eine neue Aufnahme gemacht, die vielleicht etwas brillanter klingt, das war’s. Die ältere Version kann man zum Beispiel noch in den frühen Kressin-Tatorten hören. Ich habe das Tatort-Stück inzwischen oft gespielt, wir spielen es durchaus auch auf unseren Tourneen, und für das neue Symphonic Project haben wir eine sinfonische Tatort-Version aufgenommen. Es gibt aber auch eine sehr gute Aufnahme mit einem Streichquartett. Ich bin nach wie vor ganz glücklich mit dem Stück, und wenn mich Leute fragen, ob ich’s nicht langsam mal Leid bin, schüttele ich den Kopf: Mir gefällt es immer noch, in allen möglichen Versionen.

ps
Der nächste, neue Tatort wieder am 15. Mai um 20 Uhr im Centralkino Lingen.

XXL

24. Oktober 2010

„Man hat den Spaß sehen können, den Rainer Brüderle verspürte, als er vom Aufschwung XXL schwärmte. Es ist ja auch schon fast 20 Jahre, eine ganze Wiedervereinigung her, dass ein deutscher Wirtschaftsminister solch stolze Wachstumsprognosen verkünden konnte: 3,4 Prozent für das laufende Jahr. Und auch die knapp zwei Prozent für 2011 sind deutlich mehr als der Schnitt der vergangenen zehn Jahre. Was Brüderle besonderen Spaß bereiten dürfte: Er heimst den Lorbeer ein für Entscheidungen, die er nicht getroffen, geschweige denn unterstützt hat. Der Aufschwung gehört vielen, am wenigsten indes Brüderle…“ (weiter bei der Frankfurter Rundschau)

FR-Kommentator Robert von Heusinger erinnert an Dinge, an die angesichts des Sicht-selbst-auf-die-Schulter-klopfenden FDP-Mann erinnert werden muss:

Brüderle nämlich hat die beiden zentralen  nationalen Programme abgelehnt, die eine wesentliche Grundlage für den Aufschwung bilden: Die Abwrackprämie und die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes, bekämpfte Brüderle als „Wirtschaftsexperte der FDP“. Die Abwrackprämie sei „ökonomischer Unsinn“ (O-Ton Brüderle), das Kurzarbeitergeld streue den Menschen Sand in die Augen, lautete die offizielle FDP-Position. Es gaukele eine Sicherheit vor, die der Realität nicht standhalte. Erst als Wirtschaftsminister hat Brüderle dann der Verlängerung des Kurzarbeitergeldes zugestimmt. Er könnte auch noch woanders dazu lernen.

Was sonst noch zu den Grundlagen des Aufschwungs zählt, findet man hier und hier dargelegt. Schönen Sonntag noch!

(Quelle: NachDenkseiten)

Sicherungsverwahrung

19. August 2010

Heute in der Frankfurter Rundschau. Während gestern das Schwurgericht des Landgerichts Frankfurt den Prozess gegen den Lingener Manfred M. (59) begonnen hat, an dessen Ende die Sicherungsverwahrung stehen dürfte, versteht Arno Widmann partout nicht, warum wir nicht hinnehmen wollen, dass ein entlassener Mörder vielleicht noch fünfzig Jahre ein Sicherheitsrisiko darstellt, gleichzeitig aber erwägen, die Laufzeiten von Atomkraftwerken zu verlängern, die 240.000 Jahre ein Sicherheitsrisiko sind: „Wir führen ganz offensichtlich die Debatte um die Sicherungsverwahrung an der falschen Stelle. Führten wir sie beim Atommüll, gäbe es eine klare Antwort: vermeiden. Um jeden Preis vermeiden. Denn anders als bei unseren menschlichen Straftätern besteht beim Atommüll kein Risiko, dass er lebensgefährlich ist. Er ist es ganz sicher.“

Ein starker Aufschrei des Feuilletonchefs der Frankfurter Rundschau, der richtig und gut ist angesichts der Verharmlosung dessen, was Kernenergie anrichtet: 240.000 Jahre ist der Atommüll eine tödliche Bedrohung. Bis zum Jahre 242.010. Mindestens. Gestern Abend habe ich mit einem intelligenten Mann gesprochen, der die Atomenergie befürwortet; ihn hatten auf der Heimreise am Nachmittag schon 2 Stunden Stau auf dem „Kamener Kreuz“ hoffnungslos gestimmt. Und wissen Sie, was hier vor 240.000 Jahren war? Widmann schreibt es: „In unseren Breiten stritten damals Homo heidelbergensis und der Neandertaler um die Vorherrschaft.“ Jetzt dürfen Sie 240.000 Jahre in die Zukunft blickenraten.

Man wird die Menschen, die Atomenergie und Atommüll zu verantworten haben, in deutlich weniger ferner Zeit als in 800 Generationen Verbrecher nennen, die man hätte in Sicherungsverwahrung nehmen müssen. Auch wenn es nächste Woche mit Frau Merkel und den Chefs von EON und RWE schöne Bilder gibt.

(Foto Homo heidelbergensis – Schädel © wikipedia)