Schönes Lünne 6

28. März 2011

Presseerklärung der Bürgerinitiative „Schönes Lünne“ vom Wochenende

„Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat die Fracking-Probebohrungen zur Aufsuche nach unkonventionellem Erdgas auf Eis gelegt. Die Interessengemeinschaft „Schönes Lünne“ fordert für Niedersachsen alle Genehmigungsverfahren für die Suche oder Förderung von unkonventionellem Erdgas auszusetzen.

In Damme sind an der Bevölkerung vorbei 2008 bei einem Frack 24000 Liter zum Teil toxische Chemikalien in den Boden gepumpt worden. In Lünne sind Vertikal- und Horizontalbohrung in diesem Jahr trotz erheblicher Proteste bereits durchgeführt worden und die Bohrung ist für einen Frack vorbereitet worden.

Auch für die Hochrisikotechnologie „Fracking“ hat das Kanzlerinnenwort „Im Zweifel für die Sicherheit“ zu gelten. Bei der Fracktechnologie werden tonnenweise toxische Chemikalien in den natürlichen Raum eingebracht und können ins Grundwasser gelangen.

Konsequentes verantwortungsvolles Handeln würde bedeuten, auch in Niedersachsen Genehmigungsverfahren im Zusammenhang mit unkonventionellem Gas auszusetzen. Eine länderübergreifende Arbeitsgruppe muss diese Technologie bewerten, ehe sie zum Einsatz kommt und unwiderruflich die Umwelt gefährdet. Als IG werden wir uns an einem ergebnisoffenen und gleichberechtigten Prozess beteiligen. Es muss sicher ausgeschlossen werden können, dass unsere Umwelt gefährdet wird. Risiken für Mensch und Umwelt sind inakzeptabel.“

 

Fracing

8. März 2011

Evonik Steag, der fünftgrößte Stromerzeuger der Republik, hat einen neuen (Mehrheits-)Eigentümer. Der Evonik-Konzern hat eine Mehrheitsbeteiligung von 51% an seiner Energiesparte Evonik Steag GmbH bereits am  19. Dezember 2010 an das Stadtwerke-Konsortium Rhein-Ruhr verkauft. Jetzt, am 2. März, wurde der Verkauf wirksam. Bei dem Konsortium handelt es sich um einen Zusammenschluss von sieben Stadtwerken aus dem Ruhrgebiet (die Dortmunder Energie- und Wasserversorgung (18% Anteil), die Energieversorgung Oberhausen (6 %) sowie die Stadtwerke Dortmund (18%), Bochum (18%), Essen (15%), Dinslaken (6%)und Duisburg (19%)).  Den vorläufigen Kaufpreis bezifferten die Unternehmen auf 651 Millionen Euro. Der abschließende Preis wird auf Basis des bevor stehenden Teilkonzern-Abschlusses festgelegt. Die restlichen 49 Prozent der Steag-Anteile sollen die Stadtwerke spätestens in fünf Jahren übernehmen. Der Kaufpreis für das zweite Paket werde voraussichtlich rund 600 Millionen Euro betragen, hieß es.

Das Stadtwerke-Konsortium betonte, es wolle die Steag als „großen Player der Energieversorgung“ (?) etablieren und gleichzeitig den ökologischen Aus- und Umbau des derzeit vor allem auf Steinkohle ausgerichteten Kraftwerksparks vorantreiben. Die Steag -ein 5000-Mitarbeiter-Unternehmen mit einem Umsatz von nicht ganz 3 Milliarden Euro- betreibt in Deutschland an acht Standorten neun Steinkohlekraftwerke sowie zwei Raffineriekraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 8,2 Gigawatt. Außerdem betreibt das Unternehmen drei Steinkohlekraftwerke in der Türkei, auf den Philippinen und in Kolumbien. Im Zukunftsmarkt erneuerbare Energien hat das Unternehmen nach eigenen Angaben in Deutschland eine führende Stellung bei der Erzeugung von Strom und Wärme aus Grubengas, Biomasse und Geothermie.

Weshalb ich über das NRW-Thema berichte? Nun, als neuer Mehrheitsanteilseigner der Evonik-Steag-Töchter Minegas GmbH und Mingas-Power GmbH könnte das Stadtwerke-Konsortium künftig auch das Gas fördern, das in der Kohle steckt, die noch unter Ruhrgebiet und Münsterland liegen. Darüber, ob die „fracing“ genannte Fördermethode überhaupt umweltverträglich geht, wird bekanntlich gegenwärtig öffentlich gestritten. Bisher ist das Kohleflözgas nur unter Einsatz von Grundwasser gefährdenden Chemikalien zu fördern. Beide Evonik-Steag-Tochtergesellschaften halten laut Bezirksregierung Arnsberg auch die (Berg-)Rechte, im Ruhrgebiet wie im Münsterland nach tieferliegendem Kohleflözgas zu suchen.

Übrigens: Der wachsende Widerstand der Bevölkerung gegen die geplanten Erdgas-Bohrungen im benachbarten Münsterland zeigt Wirkung: Der US-Ölkonzern ExxonMobil will die Arbeiten seiner Bohrtrupps von unabhängigen Wissenschaftlern kontrollieren lassen. Guckst Du hier. Dass Ähnliches auch in Lünne schon zugesagt ist, ist mir nicht bekannt.

(Quellen: Verivox, Ruhrnachrichten)

Schönes Lünne 5

22. Februar 2011

Hier ein aktueller Beiträge des Norddeutschen Rundfunks zum Gasbohren in Lünne:

Das nächste Treffen der
IG Schönes Lünne
findet am Mittwoch,dem 02.03.2011 um 19:30 Uhr in der Gaststätte Wulfekotte in Lünne statt.

Schönes Lünne 4

3. Februar 2011

Neues aus Lünne (Wappen lks),
wo Exxon Mobile eine Probebohrung niederbringt. Das Ziel des Konzerns: Die  Gasförderung mittels Fracing:

a) matteselse berichtet:
„Ich war gestern vor Ort in Lünne. Mich hat gewundert, dass das Baustellenschild seit kurzer Zeit überklebt worden ist. Noch vor einer Woche sah es so aus. Bild Nummer 4.

Gestern wurde gesagt, dass man 1150 m tief bohrt. Auf dem Baustellenschild steht was von 900 m und in dem Hauptbetriebsplan soll etwas von einer Tiefe 650 m stehen. Frage: Darf man das? Wie sieht es mit der Kontrolle mal wieder aus?“

b)  Exxon-Pressesprecher Hans-Hermann Nack im Interview mit Horst Bauhof, am 02.02.2011, Bohrplatz Lünne:

Bauhof:
Hat Exxon vor, in Lünne vor ein Probefrac zu machen?

Nack:
Das ist noch nicht entschieden. Wir bohren noch und kernen auch noch. Das die Bohrung abgelenkt wird ist entschieden. Das heißt, dieses Loch, das zur Zeit senkrecht gebohrt wird soll im Anschluss abgelenkt werden.

In dem Schiefergas, was wir suchen, gibt es zur Zeit nur senkrecht Bohrungen und das ist die Damme, dieses (in Lünne) wäre die erste Ablenkung im Schiefergas.

Bauhof:
Welcher Gas-Einzugsbereich ergibt sich um die Bohrung?

Nack:
Kann man nicht sagen.
Wir kennen die Durchlässigkeit des Gesteins noch nicht, das heißt jede Lagerstätte hat unterschiedliche Parameter, je nach Durchlässigkeit in der jeweiligen Gesteinsschicht ist auch nur ein ganz bestimmter Bereich, der später als Gas-Zufluss gesehen werden kann. Das kann man nur sehen, wenn man die sogenannten Bohrkerne zieht, um sie dann auszuwerten.

Wir erwarten in 6 bis 12 Monaten die Ergebnisse der Kernbohrung von Lünne. So lange brauchen unsere Geologen und Geophysiker um die Daten des Kernmaterials auszuwerten.

Bauhof:
Wie dicht werden die Bohrungen zur Förderung gesetzt?

Nack:
Grundsätzlich hangt die s.g. Feldesentwicklung davon ab welche Lagerstättenparameter sie haben. Wir haben bis jetzt in Deutschland keine Schiefergasproduktion.

Bauhof:
Exxon weiß also noch gar nicht wie dicht die Gas-Förderbohrungen im einzelnen gesetzt werden müssen?

Nack:
Das ist richtig. Man hat bis jetzt keine Erfahrung darüber.

c) was der leitende Bergdirektor des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie in Hannover, Klaus Söntgerath, am 2. Februar 2011 auf dem Exxon-Bohrplatz in Lünne sagte:

… zu einem möglichem Fracking:
„Ein Frac ist in jedem Fall genehmigungspflichtig, das Bergrecht ist da sehr restriktiv, dass nahezu alle Maßnahmen, die Auswirkungen auf die Umwelt und auch auf den Arbeitsschutz haben genehmigungspflichtig sind.“

… zu der Chemie in den Bohrwässern:
„Da müssen Analysen hergestellt werden, da sind die Unternehmen uns berichtspflichtig. Wenn wir da ein Wissen haben wollen, das gehört zur Überwachung, dann prüfen wir das auch nach. Und es ist für uns sehr entscheidend, welche Stoffe beispielsweise in einem Lagerstättenwasser sind weil da auch grundsätzlich von Kohlenwasserstoffen und anderen für die Umwelt relevanten Stoffen aus zugehen ist.“

… zur Entsorgung der kontaminierten Abwässer:
„Die Wasser, die bei der Förderung anfallen, das sind Wässer aus der Lagerstätte, die auch dann vom Erdgas abgetrennt werden müssen, werden gesammelt und letztendlich wieder in Lagerstätten, in Bereiche wo sie sicher abgeschlossen sind, zurückgeführt, mit den Inhaltsstoffen die sich auf jeden fall aus der Lagerstätte ergeben und die natürlich im Zusammenhang mit Bohrmaßnahmen und anderen technischen Maßnahmen auch darin enthalten sein können. (…) Wir müssen vorsichtig sein, prüfen und aufpassen.“

… zu den Bedenken der Lünner Bürger:

“Es gehört zu unseren Aufgaben Sorgen und Nöte wahrzunehmen und zu verstehen. Die in unsere Genehmigungsverfahren mit einzufließen lassen. Das ist ein ganz wichtiges Element unserer Arbeit.”

… zur Beruhigung der Lünner Bürger:
“Wir wollen offen sein, wir wollen informieren, dass auch Unklarheiten abgebaut werden können. Auf der anderen Seite ist bei uns auch sehr vieles rechtlich geregelt, es gibt Richtlinien, technische Vorschriften. Der Grundwasserschutz ist im Wasserrecht das bei solchen Maßnahmen gilt, deutlich beschrieben, es ist beschrieben wie man damit umzugehen hat.

Diese vielen Informationen und Grundlagen die können wir der Bevölkerung vermitteln um damit Information zu geben, die vielleicht zum Abbau von Befürchtungen führen können.”

… zu den Fracking-Folgen in Amerika:
“Wir müssen auch solche Nachrichten beobachten, wir müssen gründlich prüfen und überprüfen, dass so etwas nicht passieren kann, wir müssen uns der Risiken bewusst sein.

Wir haben als Behörde die Aufgabe, auch gegenüber dem Land Niedersachsen und der Bevölkerung, diese Sachen zu prüfen, das heißt wir müssen so was genau beobachten.

Wir können uns nicht auf eine absolute Sicherheit verlassen, wir müssen Risiken prüfen, wir müssen sie bewerten und dann auch entscheiden, ob man eine solche Maßnahme durchführen kann oder auch nicht. Wir müssen vorsichtig sein, prüfen und drauf aufpassen. “

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Quelle

Schönes Lünne 2

12. Januar 2011

Am kommenden Montag, 17. Januar beginnt die ExxonMobil-Bohrung in Lünne. Die Kosten liegen bei 1,8 bis zwei Millionen Euro, weiß die LT. Sie zitiert auch, dass Samtgemeinde-Bürgermeister Bernhard Hummeldorf (CDU) zu der Darstellung „Quatsch“ sagt, er freue sich schon über 18 Bohrtürme in seiner Gemeinde. Hummeldorf will vielmehr, so zitiert ihn die LT, weitere Gutachten, „wenn es nur den geringsten Zweifel gibt“. Man wird den CDU-Mann seitens ExxonMobil und Bergamt im Zweifel aber nicht groß fragen; denn genehmigt wird nach Bergrecht. Das Bundesberggesetz sieht keine Bürgerbeteiligung vor; Gemeinden erhalten allenfalls eine Gelegenheit zur Stellungnahme.

In der öffentlichen Gemeinderatssitzung der Gemeinde Lünne am 14. Dezember 2010 ging es wie schon im vergangenen Jahr  um die Bohrung „Lünne 1“. Aber ExxonMobil spricht bereits, so Anwohner, von einer zweiten Bohrung „Lünne 2“, diesmal in horizontaler Richtung, sowie  davon, dass der asphaltierte Bohrplatz nicht sofort zurückgebaut werden soll, weil er für einen Probe-Fracing geeignet sei.  ExxonMobil hat Fragen von Anwohnern, ob weitere Planungen bestünden, ob eventuell doch gefördert und nicht nur testgebohrt werden solle verneint; denn es sei nicht bekannt, welche Ergebnisse die Bohrung lieferte. Allerdings hatte der Samtgemeindebürgermeister in dieser Sitzung keine Fragen zu den Planungsänderungen der Exxon, die die Bürger informieren würden. Lässt das nicht den Schluss zu, dass der Samtgemeindebürgermeister doch mehr weiß? Er hat die Lünner Einwohnern allerdings bislang nicht umfassend informiert und beispielsweise Akten und Schriftverkehr  zugänglich gemacht.

Die kritische  „Interessengemeinschaft Schönes Lünne“ trifft sich heute am 12. Januar  um 19.30 Uhr bei Familie Lögers, Ringstraße 6 in Lünne. Eingeladen sind alle interessierten Bürger.
Auf Antrag von SPD und UBS diskutiert auch der Rat der Samtgemeinde Spelle am 20. Januar um 18 Uhr das Gasbohren in Lünne.

Derweil geraten landesweit die betroffenen niedersächsischen Bergbehörden mit ihren öffentlichkeitsfernen Genehmigungsprozeduren zunehmend unter Druck, nachdem erst durch die Medien ein Unfall bei der Gasförderung durch Exxon bekannt geworden ist: Aus den Bohrungen Söhlingen Z 10 und Z 13 bis Z 17 im Landkreis Rotenburg (Wümme) wird seit 1995 Erdgas mithilfe der so genannten Fracking-Technik gefördert. Aus neun Lecks sind 2007 hochgiftige Stoffe wie Quecksilber, Benzol und Ethylbenzol in das Erdreich ausgetreten, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet hatte. Ein Sprecher des Landesamtes für Geologie, Energie und Bergbau  bestritt allerdings einen Zusammenhang der Boden und Grundwasserverschmutzung mit der Fracing-Methode. Mit dem Verfahren versuchen Förderbetriebe  in großer Tiefe mit hohem Wasserdruck und unter Zugabe von zum Teil gefährlichen Chemikalien Gesteinsformationen aufzubrechen und Erdgas herauszulösen.

Der Fraktionsvorsitzende der Landtagsgrünen Stefan Wenzel hat jetzt der schwarz-gelben Landesregierung vorgeworfen, Parlament und Öffentlichkeit nicht ausreichend informiert zu haben. In der im November letzten Jahres erfolgten Unterrichtung des Umweltausschusses des Landtages über die Förderung von Gas habe sie verschwiegen, dass bereits seit den neunziger Jahren umfangreiche Versuche mit dem sogenannten Fracing-Verfahren im Gasfeld Söhlingen durchgeführt worden seien. Auch werde – anders als bisher behauptet – aus den Bohrungen Söhlingen Z 10 und Z 13 bis Z 17 ab 1995 Erdgas mit der so genannten  Fracking-Technik gefördert. Es sei unglaubwürdig, wenn die Bergbehörde jetzt erkläre, bei dem in Presseberichten benannten Unfall im Jahr 2007 habe lediglich Lagerwasser aus undichten Rohrleitungen das Erdreich verseucht. Der Grünen-Politiker forderte die Offenlegung aller Daten zu den Fracking-Versuchen in Söhlingen wie im übrigen Niedersachsen.

Die weitere Forderung Wenzels: Fracing-Bohrungen  dürften nicht weiter ohne Umweltverträglichkeitsprüfung und ohne jede Öffentlichkeitsbeteiligung durch das Nieders. Landesamt für Geologie, Energie und Bergbau (LBEG) genehmigt werden. Wenzel: „Die Bergbehörde als Genehmigungsinstanz und der Gasförderer ExxonMobil müssen nachweisen, wo die Fracing-Flüssigkeiten, die offenbar seit Mitte der neunziger Jahre in niedersächsischen Erdgasförderstätten verpresst wurden, im Untergrund geblieben sind.“ Entgegen den Beteuerungen von Betreibern und Behörden sei es nicht auszuschließen, dass die eingesetzten giftigen Flüssigkeiten ins Grundwasser gelangen und das Trinkwasser verseuchen.

Übrigens: Zwischen der ExxonMobil-Bohrung in Lünne und dem Wasserschutzgebiet um das Wasserwerk Mundersum des Wasserverbandes Lingener Land der Stadtwerke Lingen GmbH (Planskizze oben) liegen nur wenige Kilometer…

Unkonventionell

6. November 2010

Erdgasbohrung90 Prozent der konventionellen Erdgas-Vorräte in Deutschland liegen in Niedersachsen. Das deutsche Erdgas versorgt rund zehn Millionen Haushalte. Doch die konventionellen Vorräte werden in 20 bis 30 Jahren erschöpft sein. Mit der Erschließung so genannter unkonventioneller Gas-Vorräte könnte sich die Verfügbarkeit des fossilen Brennstoffs um 30 bis 50 Jahre verlängern, sagen die Energiekonzerne.  Bei den zusätzlichen, im Niedersächsischen Becken vermuteten Vorkommen, das auch Teile von Nordrhein-Westfalen umfasst, handelt es sich um solches unkonventionelles Gas. Dieses befindet sich z.B. in besonders kleinporigem Gestein oder ist an kohlehaltiges Gestein gebunden und lagert in abgeschotteten Zwischenräumen. Konventionelle Fördermethoden können deshalb nicht verwendet werden. Nur mit dem so genannten Fracking können die Gasvorkommen zutage gefördert werden. Dazu wird eine Lösung aus Wasser, Sand und Chemikalien in die Gas enthaltenen Gesteinsschichten gepumpt. Dies erzeugt kleine Risse im Gestein, wodurch das Gas frei wird und nach oben gepumpt werden kann.

Der weltgrößte Erdöl- und Erdgaskonzern Exxon Mobil will für die anstehende Gassuche allein in Niedersachsen  einen dreistelligen Millionenbetrag investieren. Er verfügt mit Hilfe des texanischen Unternehmens Baker  Hughes über die notwendige Technik; Baker Hughes hat seinen Deutschland-Sitz in Celle und versteht sich beispielsweise auch auf „Schrägbohrungen“. So sollen schadlos auch Gasvorkommen unter Naturschutzgebieten angezapft werden können. In den USA sind in den letzten Jahren bereits rund 6000 neue Erdgasquellen entstanden.

Schon vor zwei Jahren hat Exxon nahe Damme  eine Probebohrung bis auf 1500m Tiefe niederbringen lassen und dabei nach jetzt veröffentlichten Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ 12.000.000 Liter Flüssigkeit in den Boden gepumpt (= 12.000 Kubikmeter). Das Problem dabei: Die Flüssigkeit ist mit hochgiftigen Chemikalien versetzt, die -so Exxon Mobil beschwichtigend- nur 0,2 Prozent ausmachen. Unter anderem handelt es sich dabei um Tetramethylammoniumchloride, Magnesiumchloride und Ethoxylated octylphenol. Das sind aber sämtlich Bestandteile, die weltweit bei ähnlichen Bohrungen üblich und den Genehmigungsbehörden bekannt seien, sagt Exxon.

Beim Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV)  betrachtet man das Geschehen mit Sorge. OOWV-Sprecher Lutz Timmermann zur Nord-West-Zeitung: „Wir beobachten die Bohrungen insbesondere in der Nähe von Damme mit Interesse, weil eines unserer Wasserwerke in der Nähe liegt. Wir schließen uns Bedenken schon aus Vorsorgegründen an, denn wir können nicht mit dem Lebensmittel Nummer eins, dem Trinkwasser, spielen.“ Der OOWV stehe im Kontakt mit dem Bergamt Meppen.

Exxon Mobil, dem unter anderem die Tankstellenmarke Esso gehört, beteuert allerdings, dass keine Gefahr für das Trinkwasser besteht. Schon wegen der hierzulande notwendigen Bohrtiefe von deutlich mehr als 1 Kilometer; Grundwasser wird aus rund 200m gefördert.  Umweltschützer verweisen allerdings auf die USA, wo nach entsprechenden Arbeiten bereits Gase im Trinkwasser gefunden wurden. Sie sollen aus brüchigen Bohrrohren stammen. Außerdem können die Millionen Liter Flüssigkeit nicht wieder komplett aus der Tiefe gesaugt werden können. Exxon bestätigt, dass nach der Bohrung in Niedersachsen bisher nur etwa 30 Prozent des Gemisches entsorgt werden konnten.

In Niedersachsen sucht Exxon Mobil aktuell u.a. bei Sulingen und bei Stadthagen nach Schiefergas. Kohleflözgas lockt die Firma in Bad Laer und bei Osnabrück. Aufschlussreich für Emsländer ist vor allem ein parallel der Grenze zu den Niederlanden verlaufender Streifen von etwa 100km, der nach Angaben von Exxon Mobil für die Vorhaben besonders interessant sind. In ganz Deutschland will soll immerhin an 100 Stellen in Deutschland gebohrt werden.

Das in Niedersachsen letztlich zuständige Landesbergamt in Clausthal-Zellerfeld dürfte dabei kaum das Problem sein; Spötter sagen schon lange, es reiche bei dieser Behörde für eine Genehmigung meist aus, die Briefe mit dem alten Bergmannsgruß „Glückauf!“ zu unterzeichnen. Aber die Politik ist jetzt aufmerksam geworden: Bündnis’90/Die Grünen befassten sich vor einer Woche in Berlin ausführlich mit den offenen Fragen. Auch Detlef Tanke, stellvertretender Vorsitzender und umweltpolitischer Sprecher der niedersächsischen SPD-Landtagsfraktion, äußerte in dieser Woche Zweifel an dem Verfahren: „Angesichts der Tatsache, dass Tausende Liter hochgiftiger Chemikalien bereits in den niedersächsischen Boden gepresst worden sind, werden wir so schnell wie möglich für die nächste Sitzung des Umweltausschusses des Landtages eine Unterrichtung verlangen.“ Tanke will insbesondere der Frage nachgehen, ob diese Fördertechnik vom niedersächsischen Landesbergamt in Clausthal-Zellerfeld ausreichend geprüft worden ist.

Vor allem haben die Bohrer izwischen mit zunehmenden Protesten von Anwohnern zu rechnen. Als beispielsweise Exxon Mobil zuletzt Ende September 2010 verkündete, das in der Bauernschaft Scheddebrock im westfälischen Nordwalde (Kreis Steinfurt) eine Probebohrung nach unkonventionellem Gas durchgeführt werden soll. Mathias Elshoff,  Sprecher der daraufhin gegründetenInteressengemeinschaft gegen Gasbohrungen in Nordwalde“ befürchtet noch andere Risiken: In der Tiefe „können natürliche, radioaktive Stoffe sein, die auch wasserlöslich sind und wenn man da mit einer großen Menge an Wasser ausspült, ist nicht ausgeschlossen, dass dieses Wasser an die Oberfläche kommt“, sagte er dem Deutschlandfunk.

NRW-Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (SPD) beziffert übrigens die erwarteten Gasmengen in einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Wibke Brems (Gütersloh; Bild lks.  © wikipedia.de, CC) auf bis zu 2100 Kubikkilometer – allein in NRW. Das ist beeindruckend. Zum Vergleich: „Der Gasinhalt des größten europäischen Erdgasvorkommens im niederländischen Groningen betrug circa 2850 Kubikkilometer“, heißt es in dem Schreiben.

Das 1959 entdeckte Groningen-Feld bescherte den Niederlanden einen Jahrzehnte anhaltenden Energieboom und weitgehende Autarkie in der Gasversorgung. Deutschland könnte mit den erhofften Reserven seine Importquote verringern – sie liegt derzeit bei 85 Prozent. Die Chancen dafür steigen, seitdem sich neue Technologien zur Erdgasgewinnung aus schwierigen Lagerstätten wie Tongestein oder Schiefer in den USA bewährt haben. Dank des breiten Einsatzes dieser Technologien hat sich nämlich die Förderung der unkonventionellen Gasreserven drastisch verbilligt.

(Foto:  ©  flickr Travel Aficionado CC)