Seit gestern Abend und noch bis zum 25. Oktober wird in Osnabrück fünf Tage lang eine Auslese internationaler Kinoproduktionen angeboten, mit den gewohnten Festivalsektionen, Wettbewerben, einem umfassenden Rahmenprogramm und Gästen, die die Aufführung ihres Films begleiten werden. Andererseits unterscheidet sich Filmfest 35. FilmFest mit wesentlichen Neuerungen von den früheren Ausgaben: Erstmals gibt es gleichzeitige Aufführungen in drei Kinos und mit ffos+ ein Streaming-Angebot. Kino, so betonte Julia Scheck, die seit 2016 die Geschicke des Festivals lenkt, sollte auch in Zukunft auf der großen Leinwand stattfinden. Die Bild- und Tonqualität, der konzentrierte Blick, das Gemeinschaftsgefühl lassen sich am heimischen Bildschirm nicht ersetzen.

Erneut werden im Rahmen des Festivals Auszeichnungen vergeben. Der mit 15.000 Euro dotierte Osnabrücker Friedensfilmpreis wird gestiftet von der Sievert Stiftung für Kunst und Kultur, die bei der Pressekonferenz durch Geschäftsführerin Katharina Meyer vertreten wurde. Für den Fachbereich Kultur der Stadt Osnabrück war Katrin Hafemann gekommen und unterstrich die Bedeutung des Mediums Film für die Vermittlung zeitkritischer und gesellschaftsrelevanter Inhalte. In diesem Sinne stattet die Stadt Osnabrück den im Zuge des Unabhängigen FilmFests von einer Kinderjury vergebenen Filmpreis für Kinderrechte mit einer Prämie in Höhe von 2.000 Euro aus.

Ebenfalls preisgekrönt werden der beste Kurzfilm und der beste studentische Kurzfilm. In diesen Sektionen entscheidet das Publikum. Preisstifter sind der Studierendenrat der Universität Osnabrück und das Marketing Osnabrück. Die Gewinner:innen werden im Rahmen der Abschlussveranstaltung in der Lagerhalle am Sonntag, 25.10., um 17 Uhr bekanntgegeben.

Nach einem Überblick über die in diesem Jahr vorherrschenden Themen vermittelten Ausschnitte des kommenden Programms erste bildliche Eindrücke und Begegnungen mit Schauspielerinnen und Schauspielern. Freuen darf sich das Publikum unter anderem auf den international gefragten, unter anderem aus „Game of Thrones“ bekannten Schauspieler Dar Salim, der ab dem Frühjahr 2021 in der Rolle des dänischen Ermittlers Mads Andersen im Bremer „Tatort“-Team ermitteln wird. Im Rahmen des FilmFests ist er in der Politsatire „Curveball – Wir machen die Wahrheit“ zu sehen: Als vorgeblicher Spion, der mit blumig ausgemalten Berichten die Initialzündung zum zweiten Irakkrieg leistet. Johannes Naber, der Regisseur des Films, wird die Aufführung voraussichtlich begleiten.

Auch Regisseur Jean Boué und Protagonisten seines Dokumentarfilms „Die letzten Reporter“ werden zur Weltpremiere in Osnabrück erwartet. Boué begleitete eine junge Journalistin und zwei ältere Kollegen über mehrere Monate mit der Kamera. Alle haben unterschiedliche Schwerpunkte, aber eines gemeinsam: Sie müssen sich mit Personalknappheit und im Zuge der Digitalisierung geänderten Arbeitsbedingungen arrangieren. Einer der drei porträtierten Reporter ist der Osnabrücker Journalist Werner Hülsmann. Die Filmkamera ist unter anderem dabei, wenn Hülsmann die Sopranistin Ulla Weller und den Schlagerparodisten Christian Steiffen interviewt. Auch Werner Hülsmann hat sein Erscheinen angekündigt.

Auch „White Riot“, ein Dokumentarfilm über die Anfänge der britischen Rock-Against-Racism-Bewegung, verweist auf unsere Gegenwart: „Put Britain First!“ lautete einer der Slogans der rechtsradikalen National Front. Gleiche Töne kennt man aus dem derzeit stattfindenden US-amerikanischen Wahlkampf. Die Londoner Künstler- und Musikszene wollte die verbalen Ausfälle und gewalttätigen Übergriffe rechter Demokratiefeinde nicht stillschweigend hinnehmen und startete eine Kampagne. Zu den Bands der ersten Stunde zählten The Clash, Sham 69, die Tom Robinson Band, X-Ray Spex, Steel Pulse, Matumbi und Misty in Roots. Ein rares Juwel: In Originalaufnahmen ist die kurzlebige pakistanisch-britische Punkband Alien Kulture zu sehen und zu hören.

In einer Deutschlandpremiere zeigt das FilmFest „Le choc du futur“. Mit der Figur der Musikerin Ana würdigt der französische Spielfilm stellvertretend die Pionierinnen der elektronischen Musik und erzählt von der Weiterentwicklung der klassischen Elektronik zur tanzbaren Clubmusik. Die elektronische Musik ist ein Fachgebiet, auf dem an der Universität Osnabrück seit langem gelehrt und geforscht wird. Die Hauptdarstellerin Alma Jodorowsky ist die Enkelin des Regieexzentrikers Alejandro Jodorowsky. Frankreichs Disco-Pop-Ikone Corine spielt sich selbst.

Auf die Festivalbesucher:innen warten ferner Begegnungen mit brasilianischen Skaterinnen („My Name ist Baghdad“), russischen Exzentrikern („Garagenvolk“), den heutigen Bewohnern der berüchtigten Siedlung Colognia Dignidad („Songs of Repression“) und mit der mutigen Menschenrechtsaktivistin Ximei in dem von dem Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei produzierten gleichnamigen Dokumentarfilm. Das lebendige und bildgewaltige afrikanische Filmschaffen ist mit „This Is Not a Burial, It’s a Resurrection“ und „Air Conditioner“ in Osnabrück vertreten. Die angolanische Musikerin Aline Frazão schrieb den Soundtrack zu „Air Conditioner“, der soeben veröffentlicht wurde.

Stark besetzt ist ebenfalls die in Osnabrück traditionell gepflegte Sektion „Vistas Latinas“ mit gesellschaftskritischen, schaurigen, auch märchenhaft verspielten Filmen aus dem lateinamerikanischen Raum.

Das Programm wird abgerundet durch zwei Dokumentarfilme aus dem Programm des European Media Art Festivals, das in diesem Jahr in Reaktion auf die Corona-Krise abgesagt werden musste.

Veranstaltung: 35. Unabhängiges FilmFest Osnabrück
Termin: 21. bis 25.10.2020
Spielstätten: Filmpassage, Filmtheater Hasetor, Haus der Jugend, Lagerhalle
Anfangszeiten, weitere Informationen und Tickets unter filmfest-osnabrueck.de

63. FilmFest Osnabrück

21. Oktober 2016

osnabrueckDas 31. Unabhängige FilmFest präsentiert zwischen dem 19.-23. Oktober spannende und engagierte Filme am Puls der Zeit. Die Sehnsucht nach einem Stück Heimat sowie der Umgang mit Traditionen stellen dabei eine thematische Rahmung für die 63 Lang- und Kurzfilme dar, die aus 876 eingereichten Produktionen ausgewählt wurden. So wird die Identitätssuche auch direkt im Eröffnungsfilm „Die letzte Sau“ aufgegriffen, der zwischen Heimatfilm und Roadmovie pendelnd, die tragikomische Parabel eines modernen, bayrischen Don Quijote erzählt, der gegen die Mühlen der Landwirtschaftsindustrie ankämpft. In „Haus ohne Dach“ begeben sich drei Geschwister zurück in ihre ehemalige kurdische Heimat und werden dabei gezwungen sich mit ihrer Familiengeschichte auseinanderzusetzen, während sich die jungen Iranerinnen in „Starless Dreams“ innerhalb der Mauern eines Jugendgefängnisses besser aufgehoben fühlen, als im Kreise ihrer eigenen Verwandten.

Zahlreiche Gäste aus der Filmbranche werden an den fünf Festivaltagen in Osnabrück ihre neuesten Produktionen persönlich präsentieren, darunter Aron Lehmann, Regisseur des Eröffnungsfilms „Die letzte Sau“, die Gewinnerin des Max-Ophüls-Preises des Jahres 2007 Sung-Hyung Cho, die ihre Dokumentation „Meine Brüder und Schwestern im Norden“ vorstellt, oder die Regisseurinnen Soleen Yusef („Haus ohne Dach“), Manuela Bastian („Where to, Miss?“) und Anca Miruna Lazarescu („Die Reise mit Vater“). Der Deutschlandpremiere von „Was Männer sonst nicht zeigen“ wird der finnische Regisseur Mika Hotakainen beiwohnen und für die Weltpremiere von „Melody of Things“ hat sich die französische Regisseurin Maité Maillé angekündigt. Ebenso werden Produzent Gunter Hanfgarn („Der Weg nach La Paz“), Co-Regisseur und Hauptdarsteller von „Those Who Jump“ Abou Bakar Sibidé und der belgische Regisseur Pieter-Jan De Pue („Das Land der Erleuchteten“) zu den Screenings ihrer Filme anwesend sein und für eine anschließende Fragerunde zur Verfügung stehen. Und mit Lucas Flasch hat sich der Drehbuchautor des, gerade mit dem Studenten-Oscar in Silber ausgezeichneten, Kurzfilms „Das Ende der Welt“ angekündigt.

Themenschwerpunkte: Ankommen in der Fremde, engagiertes Kino aus der islamischen Welt und der Umgang mit traditionellen Rollenbildern

Mit dem Thema Flucht setzt sich das 31. Unabhängige FilmFest Osnabrück auf multiperspektivische Weise auseinander: So eröffnet „Les Sauteurs – Those Who Jump“ einen authentischen Einblick in die Lebensrealität der am Rande der abgeschotteten europäischen Grenze in Afrika ausharrenden Flüchtlinge. „Meteorstraße“ beschäftigt sich indessen, im Rahmen einer kraftvollen Coming-of-Age-Story, mit der Radikalisierung junger Asylanten, während in „Haus ohne Dach“ die Verarbeitung einer Flüchtlingsvergangenheit thematisiert wird.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt, nach Festivalleiterin Julia Scheck, auf Filmen aus der islamischen Welt: So setzen sich „Starless Dreams“ aus dem Iran, „Kaum öffne ich die Augen“ aus Tunesien und „Sand Storm“ aus Israel auf sehr unterschiedliche Weise mit der Stellung der Frau in vom Islam geprägten Ländern auseinander. Der semidokumentarische Film „Das Land der Erleuchteten“ konfrontiert mit der verstörenden Wirklichkeit von Kindern, die im vom Krieg gezeichneten Afghanistan um ihr Überleben kämpfen. Und der klaustrophobische Thriller „Clash“ generiert in der Enge eines Polizei-Gefängniswagens ein fassettenreiches Abbild der zerrissenen ägyptischen Gesellschaft. Das von Nordmedia geförderte Werk von Regisseur Mohamed Diab ist Ägyptens offizieller Kandidat für den Auslands-Oscar 2016.

Auch die Rechte der Frauen und der weibliche Umgang mit (einschränkenden) Traditionen stehen beim 31. Unabhängigen FilmFest im Fokus: „Kaum öffne ich die Augen“ und „Sand Storm“ präsentieren junge Protagonistinnen, die sich den althergebrachten Rollenbildern nicht mehr einfach fügen wollen und diese hinterfragen. Die Situation der Frauen in Indien wird in der bewegenden Dokumentation „Where to, Miss?“ beleuchtet, welche die junge Devki auf ihrem steinigen Weg in die berufliche Unabhängigkeit als Taxifahrerin in Dehli begleitet. Das serbische Drama „A Good Wife“ zeichnet derweil das Leben einer Frau, die unter den einst begangenen Kriegsverbrechen ihres Ehemannes zu leiden hat, während der mexikanische Filmessay „Tempestad – Der Sturm“ zwei aufrüttelnde Mütterschicksale behandelt und dabei die Willkürentscheidungen des mexikanischen Staatsapparates anprangert.

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Vom 7. bis 11. Oktober 2015 präsentiert das FilmFest Osnabrück in seinem Jubiläumsjahr rund 75 aktuelle Filmproduktionen und öffnet damit zum 30. Mal seine Festivaltore für engagiertes Weltkino am Puls der Zeit. Die deutsche Mumblecore-Tragikomödie Alki Alki von Axel Ranisch als Eröffnungsfilm und der Cannes-Gewinner Dheepan“ von Jacques Audiard – über einen Immigranten aus Sri Lanka der in Frankreich in eine Gewaltspirale gerät – als Abschlussfilm, stehen stellvertretend für das abwechslungsreiche und hochaktuelle Filmprogramm des Jubiläumsjahrgangs. So freut sich Festivalleiter Florian Vollmers über „sehr starke Beiträge im Festivalprogramm, die sowohl cineastisch keine Wünsche offen lassen, als auch mit faszinierenden Bildsprachen arbeiten und zugleich zu tagesaktuellen brisanten Themen Stellung beziehen.“

Zahlreiche Gäste aus der Filmbranche werden an den fünf Festivaltagen in Osnabrück ihre neuesten Produktionen persönlich präsentieren, darunter Axel Ranisch, der Regisseur des Eröffnungsfilms Alki Alki, die Friedensfilmpreis-Gewinnerin des Jahres 2013 Kim Longinotto, die ihre Streetworker-Dokumentation Dreamcatcher als Deutschlandpremiere vorstellt, oder die georgische Regisseurin Alexi Salomé (Line of Credit). Filmemacherin Roswitha Ziegler, die bereits bei den ersten „Tagen des unabhängigen Films“ des Jahres 1986 mit ihrer Mockumentary „Zwischenzeit“ vertreten war, kehrt zum dreißigsten Jubiläum des Festivals mit ihrer sehr persönlichen Dokumentation Noch hier schon da nach Osnabrück zurück und ist zudem auch Mitglied der diesjährigen Friedensfilmpreis-Jury. Der Deutschlandpremiere von Lilet Never Happened werden sowohl der niederländische Regisseur Jacco Groen als auch die philippinische Hauptdarstellerin Sandy Talag beiwohnen und für die Sektion FilmFest Extrem, die bestes Genre-Kino verspricht, haben sich die Regisseure Cem Kaya (Remake, Remix, Rip-Off) und Nikias Chryssos („Der Bunker“) angekündigt, um ihre Filme dem Festivalpublikum persönlich vorzustellen. Und auch in den Kurzfilmprogrammen werden mit Regisseur Damian Schipporeit („Der alte Mann und die Katze“), Regisseur Tim Ellrich („Die Badewanne“), Regisseurin Ekaterina Gruzdeva („Jump“) und dem „Tarek Chalabi“- Regie-Trio Paulo Liux, Miklas Hoffmann und Finn Halvar Peters zahlreiche Filmschaffende erwartet.

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