Hirschkäfer

29. November 2011

Die BürgerNahen und die Grünen in Lingen kritisieren weiter den Stadtratsbeschluss  in Lingen, für die Erweiterung des Parkplatzes am Golfplatz in Altenlingen-Beversundern zahlreiche wertvolle Bäume fällen zu lassen. „Dieser Beschluss muss besorgte Bürger brüskieren, die gegen die Klimakatastrophe etwas unternehmen wollen. Ökologisch wertvolle Bäume sollen fallen, damit die Golfer einen größeren Parkplatz erhalten“, erklärte Michael Fuest (Grüne). „Wir stellen mit unserer Position weder jemanden an den Pranger noch wollen wir ihn ins Gefängnis bringen, wie uns böse Zungen vor wenigen Tagen unterstellt haben. Wir kämpfen aber hier mit Ausdauer seit Jahren – und das schon seit Beginn der Beratungen am 13. November 2008 – für den Erhalt dieser Bäume und der Natur und gegen diesen ökologischen Unsinn.“

In diesem Zusammenhang verwies Ratsherr Fuest darauf, dass bereits während der ersten Beratungen  2008 von der Unteren Naturschutzbehörde über Hirschkäfervorkommen in diesem Waldgebiet gesprochen wurde.  Hirschkäfer (Lucanus vervus) sind nach der FFH-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG DES RATES vom 21. Mai 1992) eine Spezies „von gemeinschaftlichem Interesse“, für deren Erhaltung die Mitgliedsstaaten der EU eine besondere Verantwortung und Verpflichtung haben. Die beabsichtigte Abholzung betrifft den Lingener FFH Schutzbereich Ems (Kartenausriss oben) verletzt damit EU-Recht -ein Umstand, den in Lingen offenbar keinen Verantwortlichen interessiert. Die Fraktion der BürgerNahen hat daher jetzt die zuständige Landesbehörde um Tätigwerden gebeten.

Als kaum zu glauben bezeichnen nicht nur die Grünen, „was jetzt, zwei Tage nach dem Ratsbeschluss bekannt wurde: ‚Der Golfclub will für die Umbauarbeiten an Driving-Rance und für die neuen Parkplätze jetzt auch noch über 173.000 Euro an öffentlichen Zuschüssen haben, und davon 70.000 Euro von der Stadt. Frei nach dem Motto: Haben wir erst den Beschluss in der Tasche, bekommen wir als Belohnung auch noch die städtischen Zuschüsse dazu“, kritisierte die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Birgit Kemmer. Der Kritik haben sich die BürgerNahen am Montag angeschlossen. Sie werden im Sportausschuss den Antrag ablehnen.

Noch ein erwähnenswertes Detail: Ratsmitglied Godula Süßmann, die noch vor einem Monat vor ihrem Übertritt zu den Liberalen als ‚Grüne‘ für den Erhalt von Bäumen und für den Schutz der Tiere eingetreten ist, enthielt sich jetzt bei der Abstimmung im Rat der Stimme.

(Quelle)

Ems21

30. Dezember 2010

Es ist eine dieser Ideen, von denen ich unverhofft lese und mir die Augen reibe, ob so viel blinden Machbarkeits- und Fortschrittsglaubens: Um die immer größer werdenden Ozeanriesen weiterhin bei der Papenburger Meyer-Werft, dem industriellen Herz zwischen Lingen und Emden, bauen zu können, soll ein Kanal her. Für diesen Emskanal zwischen Papenburg und Leer, der bis nach Dörpen zum Dortmund-Ems-Kanal verlängert werden könnte, hat das Land Niedersachsen vor einiger Zeit eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, an der eine „Lenkungsgruppe“ werkelt.

Dass die Industriedebatte im oberen Nordwesten immer seltsamere Züge annimmt, zeigt auch dies: Auf der traditionsreichen Neptun-Werft in Rostock-Warnemünde direkt an der Ostsee werden Sektionen für die Kreuzfahrtschiffe der Meyer-Werft in Papenburg gebaut ( und Flusskreuzfahrtschiffe!). Seit 1997 gehört die Neptun Werft zur „Meyer Neptun Gruppe“, ein Schwesterunternehmen der Papenburger Meyer-Werft. Die in Rostock gebauten Sektionen werden durch die  Ostsee, den Nord-Ostsee-Kanal und über die Nordsee mit Hochseeschleppern bis in die Ems und ins heimische Papenburg geschleppt und dort auf der Meyer Werft dann zu den riesigen Kreuzfahrtschiffen zusammengeschweißt (- an einem Fluss!).

Kommt jetzt also der Emskanal? Diese Idee durchzusetzen, wird zunehmend skeptischer gesehen; auch die „Lenkungsgruppe“ hat erkannt, dass der Emskanal nicht ohne weiteres durch das rechtsemsisch-ostfriesische Westoverledingen hindurch gebaut werden kann. Das könnte schon an den „Bodenverhältnissen“ scheitern, heißt es. Daneben nimmt der Widerstand (s. Grafik rechts) in der Region rapide zu  (mehr…). Also diskutiert jetzt die „Lenkungsgruppe“, die sich gerade in der Staatskanzlei von Ministerpräsident McAllister (CDU) getroffen hat, doch besser die Ems zu kanalisieren oder dauerhaft aufzustauen -weiß der ostfriesische General-Anzeiger. Dazu müsste beispielsweise das Ems-Sperrwerk bei Ganderum dauerhaft geschlossen und eine Schleuse für den Schifffahrtsverkehr am oder im Sperrwerk entstehen. Bisher passen die Papenburger Kreuzfahrtriesen nur durch die Hauptöffnung des Speerwerks, nachdem zuvor die Ems tagelang aufgestaut worden ist.

Soll also die Ems zwischen Papenburg und dem Sperrwerk bei Gandersum zu einer künstlichen Wasserstraße werden? Trotz EU-Recht und FFH (mehr…)?  Man braucht kein Stuttgarter zu sein, um zu sehen, dass solche Pläne unser regionales „Ems21“  werden.

(Grafik: © www.kein-ems-kanal.de)

Lebendige Ems

27. November 2010

Der Patient Ems soll wieder gesund, der schwer geschädigte Fluss naturnah umgestaltet werden. Darauf zielt ein neues Projekt der Umweltorganisationen BUND, NABU und WWF (World Wide Fund For Nature) ab. Innerhalb von drei Jahren wollen sie im Rahmen der „Perspektive Lebendige Unterems“ verschiedene Konzepte für eine ökologische Verbesserung erarbeiten, kündigten Vertreter der drei Organisationen vorgestern in Emden an. Die rund 830 000 Euro teure Studie soll jedoch, so die Organisatoren, “ keine Vorstudie zum Bau eines Emskanals sein. Es soll jedoch auch untersucht werden, ob ein Kanal parallel zur Ems eine Alternative sein könnte“. Anwohner und Politiker in der Region lehnen einen solchen Kanal ab.

In dem Projekt ‚Perspektive Lebendige Unterems’ wollen die Umweltverbände BUND, NABU, WWF und die TU Berlin gemeinsam mit lokalen Gruppen verschiedene Naturschutzziele für die Untere Ems erarbeiten und die Chancen für eine Umsetzung prüfen. Dabei sollen Möglichkeiten der Renaturierung der Unteren Ems entwickelt und für die Öffentlichkeit visualisiert aufgearbeitet werden. Anlass ist der dringende Renaturierungsbedarf der Ems. Als Folge der intensiven Baggerungen zur Herstellung der notwendigen Überführungstiefen für die Transfers großer Kreuzfahrtschiffe von Papenburg nach Emden haben sich die ökologischen Verhältnisse soweit verschlechtert, dass im Sommer keine Fische mehr in der Unterems leben können. Flusstypische Lebensräume durch Uferbefestigungen, Verschlickung und Absinken der Wasserstände sind nach Angaben der Umweltverbände in großem Umfang verloren gegangen. Das Projekt hat eine Gesamtlaufzeit von 33 Monaten und wird durch Mittel des Emsfonds und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert.

„Das gemeinsame Vorhaben der Umweltverbände hat das Ziel, die Perspektive einer lebendigen Unterems zu entwickeln und konkrete Schritte zur Umsetzung vorzubereiten“, sagte Carl-Wilhelm Bodenstein-Dresler, Geschäftsführer, BUND Niedersachsen. Dabei werden drei verschiedene Szenarien erarbeitet und anschaulich visualisiert. Neben einer Renaturierung der Ems zwischen Herbrum und Gandersum unter Beibehaltung der Schifffahrtsnutzung werden auch die Möglichkeiten der Renaturierung der Unterems zwischen Leer und Papenburg entwickelt. Außerdem sollen Maßnahmen für eine Renaturierung für den Emsabschnitt zwischen Leer und Dörpen aufgezeigt werden.

„Das Projekt setzt auf den Dialog mit Naturschützern und Politik vor Ort“, erklärte Dr. Holger Buschmann, NABU-Landesvorsitzender Niedersachsen. „Wir wollen eine gemeinsame, realistische Vision davon entwickeln, wie eine lebendige Ems das Leben in der Region positiv beeinflussen kann.“ Dabei geht es den Umweltverbänden um eine umfassende ergebnisoffene Betrachtung. „Inwieweit diese Szenarien anschließend verwirklicht werden können, hängt vom politischen Willen und der Akzeptanz in der Bevölkerung ab, die Verbände werden aber ihre Unterstützung anbieten“, betonte Dr. Buschmann.

„Die wirtschaftlichen Belange der Region haben zu einer weitgehenden Zerstörung der Unterems geführt“ sagte Beatrice Claus vom WWF. „Nun geht es darum, eine Balance zwischen Ökonomie und Ökologie an der Ems zu finden, damit die gesamte Region von Naturschutzbemühungen profitiert.“

Hintergrund des Projekts ‚Perspektive Lebendige Ems’

Das Vorhaben soll die Perspektive einer lebendigen renaturierten Unterems entwickeln und visualisieren sowie Möglichkeiten zu deren Umsetzung aufzeigen. Im Dialog mit Natur- und Umweltschützern vor Ort sollen praxis- und umsetzungsnahe Renaturierungskonzepte für die Unterems erarbeitet und konkrete Schritte zur Umsetzung der Renaturierung vorbereitet werden. Im Einzelnen soll das Projekt folgende Aktivitäten umfassen:

  • Konkretisierung der übergeordneten Naturschutzziele für die Unterems auf der Basis naturschutzrechtlicher Grundlagen, insbesondere unter Berücksichtigung der Wasserrahmenrichtlinie und Fauna-Flora-Habitat Richtlinie, und des ökologischen Entwicklungspotenzials der Ems unter Berücksichtigung hydromorphologischer Parameter,
  • Entwicklung und Visualisierung von folgenden drei Renaturierungsszenarien:
  • Szenario A: Renaturierung der Unterems zwischen Leer – Papenburg (vollständige Verlagerung der Berufsschifffahrt auf den Kanal)
  • Szenario B: Renaturierung der Ems zwischen Leer – Dörpen (vollständige Verlagerung
  • der Schifffahrt auf den Kanal)
  • Szenario C: Renaturierung der Ems unter Beibehaltung der Schifffahrtsnutzung
  • Aufbau eines Dialogprozesses mit Natur- und Umweltschützern vor Ort zur Positionsfindung und Definition der Naturschutzziele,
  • Interaktive Weiterentwicklung der Szenarien für eine renaturierte Unterems gemeinsam mit Natur- und Umweltschützern vor Ort und den Gremien zur Prüfung der Machbarkeit eines Emskanals,
  • Vergleich und Bewertung der Szenarien hinsichtlich der Erreichung der Naturschutzziele, der Auswirkungen auf die Nutzungen an der Ems, des Entwicklungspotenzials, der Realisierbarkeit, Unterhaltungsaufwand und der Eingriffsminimierung,
  • Vorbereitung der Umsetzung von Renaturierungsmaßnahmen.
  • Das Vorhaben soll begleitend zu den laufenden Prozessen zur Entwicklung eines nachhaltigen Gesamtkonzepts für die Entwicklung der Unterems durchgeführt werden und zur Klärung der Frage beitragen, inwieweit die naturschutzfachlichen Renaturierungsziele mit den unterschiedlichen Lösungsvarianten erreicht werden können. Die Projektergebnisse sollen in die Prozesse und Gremien zur Machbarkeitsstudie ‚Emskanal/ Renaturierung der Ems’ eingebracht werden und umgekehrt soll das Projekt die Erkenntnisse und Ergebnisse aus den Gremien nutzen.

(Foto: Ems nahe Lingen, © dendroaspis2008 flickr)