verkaufsoffen

5. Mai 2017

Lingen ist am Sonntag doch verkaufsoffen. Das hat das Oberverwaltungsgericht Niedersachsen in Lüneburg (OVG) heute entschieden und einen anderslautenden Beschluss des Verwaltungsgerichts in Osnabrück aufgehoben. So ist es eben, wenn unsere Verfassung und ihre seit 1919 gültige Vorgängerin zwar bestimmen

Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt.

doch dann drei OVG-Juristen meinen, auch eine Öffnung am Sonntag entspreche den verfassungsrechtlichen Vorgaben „noch“  Lege man, so das OVG, das Nieders. Gesetz über Ladenöffnungs- und Verkaufszeiten (NLöffVZG) verfassungskonform aus, so könne man es noch verfassungskonform interpretieren.

Voraussetzung für die Öffnung von Verkaufsstellen an Sonn- und Feiertagen ist, dass der Verkauf nicht im Vordergrund steht…

Nun: In Meppen hat man eigens und erstmals daher die Maitage erfunden und in Georgsmarienhütte ein Cityfest. Das sollen dann Veranstaltungen sein, „die ihrerseits prägende Wirkung für den öffentlichen Charakter des Tages entfalten“ – was für eine Juristenlyrik, was für ein Unfug. So als ob die Petersilie den Braten ausmacht. Geöffnet wird nur, damit der Euro rollt, nicht wegen der Kirmes, der Maitage oder des Cityfestes. Faktisch macht die seltsam-schräge Auslegung eines Verfassungsrecht und eines Verfassungsgerichtsurteils durch das OVG aus dem grundsätzlichen Gebot der Sonntagsruhe das Gegenteil – aufgrund konstruierter Feierei. Man darf darüber getrost den Kopf schütteln, wie leicht das OVG eine kurzweilige Bühnenshow zum Dreh- und Angelpunkt stundenlangen Einkaufens macht..

Für manche Lingener Unternehmen kam die seltsame Shopping-Entscheidung aus Lüneburg allerdings zu spät. Famila in Lingen bleibt jedenfalls geschlossen und was mit Rewe ist, wird man am Sonntag sehen.

Wo wir also gerade über Lebensmittelgiganten reden. Da kommen sich just auf dem Werbeschlachtfeld Lidl und Edeka in die Quere. Lidl, dessen Obst und Gemüse zum wiederholten Male mit einem x-beliebigen Preis ausgezeichnet wurde, hatte bereits im Februar die ersten Rakete Richtung Blau-Gelb abgefeuert

Die Konkurrenz aus Hamburg reagierte so


und Lidl antwortete schnell, aber eher blöd.

Seite 15

27. Dezember 2012

Bildschirmfoto 2012-12-27 um 00.01.33Am vergangenen Sonntag,  dem Tag vor Heiligabend, schrieb Michael Sänger:

„Da flattert mir heute Morgen der neueste famila-handzettel für Weihnachten und Silvester ins Haus und ich lese auf Seite 15 folgende Werbung:

Kinder-Colt (8 Schuss-Pistole aus Zink und Kunststoff) € 5.99
Kinder-Pistole (8 Schuss-Pistole aus Zink- und Kunststoff) € 5.99
Kinder-Pistole (Magnum-antik aus Zink und Kunststoff) € 10.99
Kinder-Pistole (Interpol-spezial:
12 Schuss Pistole mit Schalldämpfer aus Zink und Kunststoff) € 11.99.

Da hat eben in USA ein jugendlicher Amokläufer 20 Kinder und 7 Erwachsene erschossen und die Verkaufsstrategen von famila bieten einen Tag vor Weihnachten, dem angeblichen FEST DES FRIEDENS Spielzeugpistolen für Kinder an. Was geht in den Köpfen solcher Manager vor? Ich weiß es: Geldverdienen und nochmal Geldverdienen. Dagegen ist nichts zu sagen, aber dazu muss man keine Spielzeugwaffen für Kinder verkaufen! Fördert man damit nicht schon in früher Kinderheit eine spätere Gewaltbereitschaft?

Ich finde diese Werbung empörend und werde diesen Laden nicht mehr betreten!“

Michael Sänger schrieb seinen Beitrag in der „Facebookgruppe“ Du weißt du kommst aus LINGEN/EMS wenn, –bekanntlich mit fünf Deutschfehlern in sieben Wörtern und abgekürzt DwdkaLw. Sie zeichnet sich nicht selten durch eine beglückende Oberflächlichkeit aus. [update 27.12.23.00 Uhr: Da hat mir meine nächtliche Recherche einen Streich gespielt. MS schrieb wohl nur auf seiner fb-Seite, nicht in dieser DwdkaLw-Gruppe, die mich aber prompt wegen der vorstehenden Zeilen wohl rausgeworfen hat. Eine Info darüber hab ich nicht bekommen, kann allerdings die fb-Gruppenseite nicht mehr aufrufen. So bestätigen selbstherrliche DwdkaLw-Admis meine Einschätzung, oder? ]

Folgerichtig erklärt der aufgeweckte Julian Witschen dem kritischen Michael Sänger und gleichermaßen uns allen die Gründe, weshalb die famila-Werbung irgendwie doch ganz ok oder zumindest nicht zu kritisieren sei, so:

„Es gibt keine Welt ohne Waffen. Es gab nie eine und wird auch nie eine geben. Warum soll man Kindern diese Illusion vorleben? Das halte ich für falsch, weil ich nicht derjenige sein möchte, der den Kindern dann erklären muss, wieso es soviel Böses auf der Welt gibt.
Besser ist doch, dass Kinder schon spielerisch über Räuber und Gendarm lernen können, was gut und was falsch, wer gut oder wer böse ist. Das richtige Beiwerk in Sachen Moral und Ethik muss von den Eltern und der Gesellschaft kommen – dann werden Waffen auch nicht für scheußliche Taten missbraucht.
Ich bin nicht der einzige, der als Kind mit Spielzeugwaffen gespielt hat und ich bezweifel stark, dass ich dadurch gewaltbereiter bin als irgendwer sonst.“

Wow! Die weihnachtliche Werbung für Spielzeugwaffen als Erklärung für Kinder, wer gut und wer böse ist. Als besonderer, kindgerechter Beitrag zum Frieden gar? Da halte ich es allerdings doch lieber mit der Empörung des Michael Sänger und seinem Satz, das Geschäft nicht mehr zu betreten.

Außerdem denke ich daran, dass wir vor 30 Jahren schon einmal deutlich weiter waren, als in den Lingener Ratsgremien darüber diskutiert wurde, den Verkauf von Kriegsspielzeug auf den Märkten und Plätzen der Stadt zu verbieten. Es scheiterte, wenn ich mich recht erinnere, am Veto der CDU-Mehrheit; allerdings hat damals nicht einmal die die Auffassung geplappert, mit dem Kauf derartigen Spielzeugs  könne man Gut und Böse „spielerisch“ lernen – beispielsweise mit Interpol-Spezialpistole mit 12 Schuss, Schalldämpfer aus Zink und Kunststoff.

Nähern wir uns also wieder 1835, als Hoffmann von Fallersleben den Text dieses Weihnachtsliedes schrieb?

Morgen kommt der Weihnachtsmann,
kommt mit seinen Gaben.
Trommel, Pfeifen und Gewehr,
Fahn’ und Säbel und noch mehr,
ja ein ganzes Kriegesheer
möchte’ ich gerne haben….“

Verantwortlich für die DwdkaLwFb-Diskussion sind die von mir erwähnten Protagonisten. Persönlich verantwortlich für die Spielzeugwaffen im famila-Prospekt ist der Geschäftsführer von famila-Nordwest Pasquale Rizzo. Der rückt jetzt am 1. Januar im Bünting-Konzern vom Chef der famila-Läden um zum Chef von Nord-West-Dienstleistung GmbH. Die „sorgt seit mehr als 5 Jahren für ein einheitliches und sauberes Erscheinungsbild im Lebensmittelmarkt.“  „Sauberes Erscheinungsbild“ – das ist doch mindestens genauso wichtig wie Gut und Böse.