MH17

3. August 2015

NiederlandeNet berichtet:

Die Verursacher der Flugzeugkatastrophe von Flug MH17 werden sich nicht vor einem UN-Tribunal verantworten müssen – Russland legte vergangene Woche im UN-Sicherheitsrat sein Veto ein. Die Niederlande, welche die meisten Opfer zu beklagen haben, zeigten sich hierüber nicht überrascht, aber enttäuscht.

„Ich bin sehr enttäuscht, dass kein UN-Tribunal eingerichtet wird, um die Täter der Katastrophe von Flug MH17 zu verfolgen“, erklärte der niederländische Premier Mark Rutte (VVD) am vergangenen Mittwoch per Pressemitteilung. Die niederländische Regierung habe sich für ein UN-Tribunal eingesetzt, da so eine breite internationale Basis für die gesetzliche Verfolgung garantiert worden wäre.

Mit dem russischen Nein habe man allerdings gerechnet, so Rutte weiter: „Das russische Veto ist keine Überraschung. Heute früh habe ich noch mit Präsident Putin gesprochen. Ich habe ein allerletztes Mal an ihn appelliert und die Argumente angeführt, weshalb es nötig ist, eine Entscheidung nicht hinauszuzögern. Doch Russland erfüllt an dieser Stelle unsere Erwartungen in Bezug auf internationale Rechtsprechung nicht. Das ist außerordentlich enttäuschend.“

Die niederländische Regierung werde sich zusammen mit der Ukraine, Malaysia, Australien und Belgien weiterhin für eine Verfolgung der Verursacher des Absturzes einsetzen. „Die Täter werden sich verantworten müssen. Sie dürfen ihrer Strafe nicht entgehen. Das sind wir den Opfern und ihren Angehörigen schuldig“, so Premier Rutte abschließend.

UN-Tribunal wäre „sehr logischer nächster Schritt“ gewesen

SC pm

Außenminister Bert Koenders (Niederlande) im UN-Sicherheitsrat

Der niederländische Außenminister Bert Koenders (PvdA) erklärte in einer Rede vor dem UN-Sicherheitsrat: „Ich finde es unbegreiflich, dass ein Mitglied des Sicherheitsrates die Justiz behindert, in einer Tragödie, die so viele Personen betrifft.“ Damit werde ein sehr gefährliches Signal gesendet und die Sicherheit der zivilen Luftfahrt aufs Spiel gesetzt. Die Niederlande würden nicht ruhen, bevor alle Fakten auf dem Tisch lägen. „Wir erwarten von der Weltgemeinschaft, dass sie weiterhin mit uns kooperiert in unseren Bemühungen, die Täter vor Gericht zu stellen.“

Frans Timmermans (PvdA), EU-Kommissar und zum Zeitpunkt des Flugzeugabsturzes niederländischer Außenminister, erklärte im sozialen Netzwerk Facebook: „Auch bei der europäischen Kommission sind wir sehr enttäuscht, dass aufgrund eines russischen Vetos im Sicherheitsrat keine Resolution zur MH17-Untersuchung zustande kam.“ Timmermans erinnerte daran, dass der gesamte Sicherheitsrat im vergangenen Jahr Resolution 2166 unterschrieben habe, die vorsehe, die Verursacher zu verfolgen. „Ein UN-Tribunal hätte diese Aufgabe konkret erfüllen können und wäre deshalb ein sehr logischer nächster Schritt gewesen.“

Evert van Zijtveld von der Angehörigen-Vereinigung Stichting Vliegramp MH17, reagierte gelassen auf das russische Veto. Gegenüber der niederländischen Rundfunkorganisation NOS erklärte er: „Dass Russland mit einem Veto kommen würde, war vorauszusehen. Es ist nicht unsere Aufgabe, zu bestimmen, was jetzt passieren soll. Wir hoffen nur, dass alles getan wird, um das Recht sprechen zu lassen.“

Russisches Veto „Schlag ins Gesicht“

Die niederländischen Medien zeigten sich ebenfalls wenig überrascht vom Ergebnis der Abstimmung. Journalist Raoul du Pré hatte bereits Tage zuvor in der Tageszeitung de Volkskrant mit einem Veto der Russen gerechnet. Das Ergebnis sei zwar nicht überraschend gekommen, aber dennoch sei das russische Veto ein „regelrechter Schlag ins Gesicht“, kommentierte Het Financieele Dagblad nach Bekanntwerden der Abstimmung. „Die Erklärung des Kremls, die Befürworter eines UN-Tribunals wollten eine Politisierung der Tragödie, ist eine Unverschämtheit.“

Weniger emotional kommentierte Guus Valk im NRC Handelsblad: „Die Stimmung war vor allem von symbolischer Wichtigkeit. Koenders wollte den Angehörigen zeigen, dass die niederländische Regierung noch immer ihr Bestes tut, um die Verantwortlichen vor Gericht zu kriegen.“ Wie Valk sahen auch die Kommentatoren der Zeitung Trouw in der Initiative zu einem MH17-Tribunal „eine chancenlose Mission“. Dass die Anstrengungen von Premier Rutte und Außenminister Koenders wenig Effekt haben würden, wäre bereits zuvor „sonnenklar“ gewesen. Dennoch sei der Einsatz nicht sinnlos gewesen, da Russland mit seinem Nein nun im Sicherheitsrat allein stehe. Kommentator Hans Wiegel kam in der Samstagsausgabe der Amsterdamer Tageszeitung Het Parool zu einem anderen Schluss: Die Wahrscheinlichkeit, dass Russland gezwungen werden könnte, Verdächtige auszuliefern, sei nun noch zweifelhafter. „Genau wie die Wahrscheinlichkeit, dass die Täter jemals vor ein Gericht gestellt werden.“

Artikelsammlung zum Flugzeugabsturz von Flug MH17

(Quelle)

Wand aus Kuscheltieren

19. Juli 2015

Rund 1.500 Angehörige gedachten am Freitag in Nieuwegein der Opfer des MH17-Flugzeugunglücks, das sich vor genau einem Jahr ereignet hatte. Auch Vertreter der niederländischen Regierung waren zugegen. Zum Jahrestag des Unglücks hingen im ganzen Land die Flaggen auf Halbmast.

„Das erste schwierige Jahr ist vorbei. Und wie auch immer jeder von Ihnen diesen Moment erlebt, sicher ist, dass die Opfer des Flugs MH17 – Ihre geliebten Angehörigen – uns immer in Erinnerung bleiben werden. Ich wünsche Ihnen, dass Sie aus dieser Erinnerung Hoffnung und Kraft schöpfen können.“ Mit diesen Worten wandte sich Premier Mark Rutte an die bei der Gedenkveranstaltung anwesenden Angehörigen. Er bedankte sich auch für die Geduld und das Vertrauen, welches die Familien und Freunde für die langwierige Bergung der Wrackteile und der Opfer aufgebracht hätten und noch für die laufende Untersuchung aufbrächten.

„Hoffnung in der Trauer“ war das Thema unter dem die gesamte Gedenkveranstaltung stand. Ein sichtbares Zeichen des Mitgefühls bildete die meterlange Wand aus tausenden Kuscheltieren, die nach dem Flugzeugabsturz am Amsterdamer Flughafen Schiphol zum Gedenken an die Opfer abgelegt worden waren. Gäste konnten ihre Gefühle in einem Kondolenzbuch mitteilen.

Das Programm selbst sah neben Reden von Angehörigen und Offiziellen auch die Verlesung der Namen aller 298 Absturzopfer vor. Für jedes Opfer wurde zudem eine Kerze angezündet. Zum Abschluss folgte eine Schweigeminute.

Als sehr bewegend hoben die niederländischen Medien die Rede von Sharifah Asmaa Binti Alweer Aljuned, der Witwe des MH17-Copiloten, hervor. Sie erklärte auf Englisch: „Auch wenn wir dieselbe Erfahrung des Verlustes eines geliebten Menschen teilen, kann unsere Trauer und der Weg, den wir gehen müssen, nicht miteinander verglichen werden; es ist für jeden von uns total unterschiedlich.“ Mit Tränen in der Stimme schloss sie ihre Rede mit den Worten, die ihr Mann nach der Landung des Flugzeugs üblicherweise an die Passagiere richtete – „eine Aufgabe, die er nicht mehr erfüllen konnte“.

Evert van Zijtveld, Vorsitzender der Stiftung Vliegramp MH17, welche die Veranstaltung organisiert hatte, erklärte gegenüber de Volkskrant: „Es war eine sehr schöne, würdige, sehr emotionale Zeremonie.“

(Quelle: NiederlandeNet)