Welche Fußgängerzone?

6. August 2018

Unser Oberbürgermeister ist aus dem Jahresurlaub zurück. Das erkennt man an manchen Dingen. Überwiegend an den täglichen OB-Fotos in der Lingener Tagespost“. Und er setzt offenbar konsequent zum Kampf für die Radfahrer an. Ab heute werden sie in der „Fußgängerzone“ kontrolliert. „Es ist ein leidiges Thema. Immer wieder erreichen uns Beschwerden über Radfahrer, die tagsüber unerlaubterweise durch unsere Fußgängerzone fahren und nicht absteigen. Dem wollen wir nun seitens der Stadt und der Polizei entgegenwirken“, sagte OB Krone zur Presse und platzierte sich fotowirksam vor einem dieser Schilder, die unsere „Fußgängerzone“  eröffnen.

Am Wochenende wurde dann in den sozialen Medien in Lingen diese Politik gegen Radfahrer diskutiert. Bisweilen stuften die Radfahrer-Skeptiker die radelnden Mitmenschen gar pauschal als Anarchisten ein. Manchmal aber kamen auch interessante Tweets – in diesem Fall aus der Hauptstadt von einem Fachmann, dem Fahrradaktivisten „BerlinCyclist„:

und gleich schrieb er  im Rahmen seiner rechtlichen Nachhilfe für die lokalen Polizeibehörden noch hinterher:

Ausserdem in der VwV-StVO: „Mehrere Verkehrszeichen […] dürfen gemeinsam auf einer weißen Trägertafel aufgebracht werden. Die Trägertafel hat einen schwarzen Rand und einen weißen Kontraststreifen. Zusatzzeichen werden JEWEILS von einem ZUSÄTZLICHEN schwarzen Rand gefasst.““

Also: „BerlinCyclist“ sagt, die Lingener Fußgängerzone sei gar nicht rechtsverbindlich-korrekt beschildert, sondern eher, nun sagen wir, anarchistisch. Ich habe neben diesen formajuristischen  Dingen aber noch ganz andere Fragen, zum Beispiel:

  • Warum beispielsweise bekommt eine Radfahrerin um 10.01 Uhr ein Knöllchen, wenn sie durch die Fußgängerstraßen radelt, wenn aber ein 40-Tonnen-Lkw um 11.00 Uhr einfährt, um zu liefern, ist das in Ordnung?
  • Warum gibt es -zig Ausnahmegenehmigungen des Ordnungsamtes für Autofahrer auch für Zeiten darüber hinaus?
  • Und ist ein Lasten- oder Lieferfahrrad um 11.00 Uhr unerlaubt, der besagte 40-Tonner-Lkw aber immer noch nicht?

Der lokale Kabelsender EV1.tv hat die Aktion von OB Krone gegen die Radfahrer-Anarchos mit einem TV-Beitrag gewürdigt. Die Radfahrer fahren in dem Streifen sämtlich langsam und ohne jede Gefährdung anderer. Aber, liebe Leser, zählt in diesem TV-Beitrag mal die Autos in der Fußgängerzone:

Merke: Mit einem Feldzug gegen die Radfahrer wird das nichts mit einem zukunftsorientierten Verkehrskonzept in unserer Stadt. genauso wenig wie mit einer anderen Krone-Idee – der Grünen Welle auf dem Konrad-Adenauer-Ring, für die aber die Rot-Phasen der Fußgänger an den drei Fußgängerampeln verlängert werden müssen.

Merke: Unser OB hat nicht deshalb schon Fachkenntnisse, weil er manchmal mit dem Rad zur Arbeit radelt. Sicherlich hat er aber gute PR-Leute; doch gute PR-Arbeit löst keine Sachprobleme. Recht hat daher der lokale Twitterer @Lingen_Fehler:

(Foto ganz oben: Julia Mausch, Lingener Tagespost)

eigene Stimme

22. Januar 2016

„Seit Silvester, den Übergriffen, aber auch der daraus entstandenen Hetze gegen die Flüchtlinge, ist für Nawras Kadro seine Arbeit noch wichtiger geworden. Der syrische Journalist will vermitteln, erklären, zusammenführen. Und bekommt die Chance dazu durch den lokalen niedersächsischen Fernsehsender EV1.TV. Dort produziert der 29-Jährige Filme für Flüchtlinge.

Nawras Kadro ist 2013 aus Syrien geflohen, jetzt arbeitet er beim Lokalsender EV1.TV. Mit seinen Filmen will er Flüchtlingen dabei helfen, in Deutschland anzukommen.

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24. September 2013

RTEmagicC_MSO_Untergrafik_k_RM_ev1_tv_01.pngAuf gleichermaßen massive wie grundsätzliche Kritik stößt ein im Geheimen vorangetriebener Plan der politischen CDU-Spitze des Landkreises Emsland, über den auch die Monopolzeitungen LT, MT und EZ des NOZ-Verlanges bisher nicht informiert haben: Unser Landkreis will über die zu 100% im Eigentum des Landkreises stehende Emsland GmbH Gesellschaftsanteile am regionalen Fernsehsender ev1.tv kaufen.  „In den nächsten Tagen soll in nichtöffentlichen (!) Sitzungen beschlossen werden, dass  der Landkreis so einen Anteil von 15 % an der ev1.tv GmbH zum Preis von 118.500 € kauft und sich zudem verpflichten soll, zusätzliche Erlöse zur Verlustabdeckung zu garantieren”, informierte gestern Abend der Vorsitzende der Kreistagsfraktion von Bündnis’90/Die Grünen Nikolaus Schütte zur Wick (Papenburg). Seine Kritik: “Wir haben im Emsland bereits heute überwiegend das Monopol der Regionalausgaben der Neuen Osnabrücker Zeitung, der zusammen mit den Grafschafter Nachrichten rund 75 % des Senders gehört. Wenn jetzt der Landkreis Emsland 15 % des Senders kauft, wird ein zusätzliches Stück Medienvielfalt zu Gunsten einer Hofberichterstattung aufgegeben.“

“Noch vor neun Monaten wurde  ein Vorschlag der Grünen, sich an einem Bürgerwindpark als Landkreis zu beteidigen, ohne Diskussion vom Tisch gefegt, weil „weitere Beteiligungen nicht Aufgabe des Kreises“ seien. Wenn es jetzt aber um den  Ausbau des Einflusses im Medienbereich geht, werden die Grundelemente der Gewaltenteilung über Bord geworfen, die bewusst die Pressefreiheit im Sinne der Machtbegrenzung der Legislative und der Exekutive versteht. Daher halten wir den Kauf der Anteile an ev1.tv für völlig falsch und werden ihn ablehnen”, so der  Lingener Grüne Michael Fuest (Foto unten).

michael-fuest_3Den Grund des Kaufangebots des Landkreises Emsland kenne ich nicht. Es ist womöglich die Krise der „Heimatsender“ , über die die taz bereits vor knapp zwei Monaten berichtete. Damals bekam ev1.tv von der taz noch gute Noten. War dies übereilt? ev1.tv macht jährliche Verluste im höheren sechsstelligen Bereich. Offenbar sucht die NOZ als Hauptanteilseigner jketzt starke Schultern, an die man sich anlehnen kann. Da kommt der Landkreis gerade recht. In jedem Fall denke ich an meinen ersten Beitrag über ev1.tv im Oktober vor zwei Jahren zurück. Damals schrieb ich:

„…Verlagshäuser können sich also auch trotz lokaler Marktbeherrschung -wie bei der NOZ – mit bis zu 49,9 Prozent an den neuen Sendern beteiligen. Verleger, die vor Ort bereits eine monopolartige Stellung haben, müssen zwei von vier so genannte “Vielfalt sichernden Maßnahmen” erfüllen.  ”Geeignete Vorkehrungen gegen das Entstehen vorherrschender Meinungsmacht”, formuliert § 6  NdsLMediengesetz,   sind  die Einrichtung eines Programmbeirats mit wirksamem Einfluss auf das Programm, die Einräumung von Sendezeit für unabhängige Dritte, die Beschränkungen des Stimmrechts in Programmfragen und wichtigen Personalfragen, die Verabredung eines Redaktionsstatuts zur Absicherung der redaktionellen Unabhängigkeit.” Was EV1.tv da vorhält, habe ich im Internet nicht gefunden, weder auf der Seite von EV1.tv, noch bei der Landesmedienanstalt noch sonst wo….“

Das ist auch heute so: ev1.tv hat offenbar weder das eine noch das andere. Seinerzeit zog ich den noch Schluss, geduldig zu sein. Jetzt -wenn  über eine dürftig kaschierte GmbH-Lösung Steuergelder in ev1.tv fließen sollen, bleibt zumindest, schnellstens den Programmbeirat und das Redaktionsstatut bei ev1.tv einzufordern. Die Niedersächsische Landesmedienanstalt ist aufgerufen, beides unverzüglich bei den Gesellschaftern von ev1.tv durchzusetzen.

Regenschirm

14. Januar 2013

Der freitägliche Wahlkampfauftritt der NPD auf dem Lingener Markt hat wahrscheinlich ein strafrechtliches Nachspiel. Dazu hatte es am Freitag bereits eine kurze Diskussion in der offenen Facebook-Gruppe „Lingen diskutiert“ gegeben. Gestern Nachmittag nun berichtete das Wochenmagazin „DIE ZEIT“ in einem Blog:

„Dem Berliner NPD-Landesvorsitzenden Sebastian Schmidtke droht erneut juristischer Ärger. Er soll am Freitag am Rande einer NPD-Kundgebung im niedersächsischen Lingen einen jungen Mann attackiert haben. Auch Christian Fischer, Landesvorsitzender der JN Niedersachsen und Nazi-Kader Martin Götze waren offensichtlich an dem Angriff beteiligt. Jetzt ermittelt die Polizei. Schmidtke war extra angereist, um den Landeswahlkampf der rechtsextremen Partei in Niedersachsen zu unterstützen.

In einem Video des Lokalsenders ev1.tv ist deutlich zu sehen, wie Schmidtke mit einem roten Regenschirm auf einen Demonstrant einschlägt. Vorausgegangen war eine verbale Auseinandersetzung eines Nazi-Gegners mit NPD-Ordner Martin Götze. Dieser holt plötzlich aus und schlägt dem Mann mit der Faust ins Gesicht. Nachdem Christian Fischer ebenfalls den Betroffenen angreift, stürmt ein weiterer Gegendemonstrant hinzu. In diesem Moment erscheint Schmidtke im Bild und schlägt mit seinem Regenschirm auf den zu Hilfe Eilenden ein. Erst als Polizisten dazwischen gehen, beruhigt sich die Situation wieder. Der NPD-eigene „Ordnerdienst“ geriet in der Vergangenheit mehrfach durch Übergriffe auf Gegendemonstranten in die Schlagzeilen.

Die Polizei ermittelt nach eigener Aussage gegen die beteiligten Rechtsextremisten, aber auch gegen die betroffenen Nazi-Gegner. „Unser eigenes Videomaterial sowie die Aufnahmen des Lokalsenders werden derzeit noch ausgewertet“, bestätigte ein Sprecher der Polizei am Sonntag….“ [weiter auf der Internetseite der ZEIT)

Die Polizei ermittelt also nach dem kurzen Handgemenge gegen die Neonazis und -wie es strafprozessual notwendig ist- einzelne Gegendemonstranten. Lang dürften die Ermittlungen nicht dauern, weil  „evt1.tv“ -danke!- gute Aufnahmen gemacht hat.

Noch dies: Geregnet hat es übrigens nicht und es drohte auch meteorologisch kein Niederschlag. Es braucht auch nicht 12 Stockregenschirme, um einen einzigen Redner vor fliegenden Eiern zu schützen. Folglich waren am Freitagnachmittag die Regenschirme von vorn herein auch als einzusetzende Schlagwerkzeuge  u.a. für den  gern einmal zuschlagenden Neonazi Sebastian Schmidke (und die anderen Mitglieder des „Ordnungsdienstes“ der NPD) vorbereitet. Neonazi Schmidtke nämlich hat es bei Demonstrationen notorisch mit Regenschirmen.  Dabei gibt Art. 8 unserer Verfassung jedem Deutschen das Recht, sich „friedlich und ohne Waffen“ zu versammeln. Friedlich!

Das [übrigens 2010 aus anderen Gründen gegen den Widerstand zahlreicher Demokraten von Schwarz-gelb verabschiedete] Niedersächsische Versammlungsgesetz (NVersG) präzisiert dies, weil es immer wieder „Experten“ gibt, die zwar nicht explizite Waffen aber allerlei Anderes zu Gewalttätigkeiten Geeignetes mitbringen. Das Gesetz  verbietet deshalb u.a., „Waffen oder sonstige Gegenstände, die zur Verletzung von Personen oder zur Beschädigung von Sachen geeignet und bestimmt sind, zu einer Versammlung hinzuschaffen oder in einer Versammlung zur Verwendung bereitzuhalten„. Wer sich nicht an dieses Verbot hält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wenn er eben „… sonstige… [in § 3 Abs. 2 NVersG] bezeichnete Gegenstände mit sich führt, zu einer Versammlung hinschafft oder zur Verwendung bei einer solchen Versammlung bereithält oder verteilt„.

Mindestens zweierlei folgt daraus:
Zunächst darf gemeinsam über die multifunktionale Wirkung zahlreicher Stockregenschirme in Ordnerhand diskutiert werden, dann aber auch darüber, ob man künftig solche Veranstaltungen nicht verbieten muss, liebe Stadt Lingen (Ems), wenn von vornherein klar ist, dass sich die Anmeldenden und ihre Helfershelfer á la Schmidtke nicht an das Gesetz halten.

Nachtrag:

Die Aufnahmen von emsvechteTV

Nico Semsrott

10. Dezember 2012

Nico Semsrott
„Freude ist nur ein Mangel an Information“
Lingen (Ems) – Professorenhaus
Do 13.12.2012, 20Uhr
Karten 14 € / erm. 7 €

Bildschirmfoto 2012-12-09 um 19.12.24

Ein ganz besonderer Abend im Studioprogramm des TPZ mit einem Künstler, der am selben Abend live im NDR ist:
„Der depressive Depressive betreibt in seinem ersten Soloprogramm das, was er am Besten kann: Als bitterböse Gesellschaftskritik getarnte Leistungsverweigerung. Dafür wird er mit Preisen überhäuft: dem NDR Comedy Contest, dem Karl-Marx-Poesie-Preis, dem Stuttgarter Besen (Publikumspreis) und mehr als 100 Poetry Slam-Siegen. Ihn selbst macht das traurig: „Für einen Loser bin ich ein ziemlich schlechter Verlierer“, sagt Nico von sich selbst. Er fühlt sich missverstanden und sieht seinen Erfolg als Mobbing, nimmt ihn aber für seine höhere Mission in Kauf: Die Zahl der Depressiven in Europa zu verdoppeln. Die Chancen stehen gut – Depression ist der Wachstumsmarkt schlechthin. Hurra.“

Ach, wie niedlich:
2010 bekam Nico Semsrott den Karl-Marx-Poesie-Preis für seinen Poetry Slam-Auftritt im  Jugendzentrum Mergener Hof. Das liegt in Trier  in der Rindertanzstraße. Bei diesem Straßennamen wird dem Blogbetreiber warm ums Herz, und er freut sich in der Lingener Bauerntanzstraße. Hier gab’s weder gegerbte Bauern noch deren Balzverhalten, sondern -wenn ich meinen Altvorderen glauben darf- einen kleinen Viehmarkt und am Straßenende eine Gastwirtschaft. Den Rest kann man sich denken.
Übrigens für die Macher vom ev1.tv eine kostenlose Programmidee -mit Blick auf das Trierer Youtube-Video: Das wäre doch mal eine unendliche Reihe für Euch:  „Warum heißt diese Straße so?“ Erster Beitrag natürlich: Die Bauerntanzstraße in Lingen (Ems)…

Bäumchen

30. November 2012

Grundsätzlich halte ich eher nicht viel davon, politische Fragen vor Gericht auszutragen. Obwohl mich niemand festnageln soll, wenn ich es dann irgendwann doch einmal mache. Gestern nun durfte sich aber entgegen aller grundsätzlicher Skepsis die BI „pro Altenlingenerforst“ riesig freuen und das haben die Protagonisten gestern Abend auch ausgiebig im Bürgerhaus Heukampstannen getan. Denn das Oberverwaltungsgericht Niedersachsen in Lüneburg hat den heiß umkämpften Lingener Bebauungsplan („B-Plan“) Nr. 20 kassiert. Unwirksam ist er, hat das Gericht festgestellt. B-Plan 20 hatte zum Ziel, 34 Hektar Altenlingener Forst für ein Gewerbegebiet abzuholzen. Knapp 7 Hektar sind inzwischen gefällt und gerodet und einige Meter sinnfreie Kanalisation sind verlegt. Alles reichlich früh, vor allem viel zu früh.

Dasselbe hätte es womöglich auch für den B-Plan 19 gegeben, der die ominöse „Entlastungsstraße“ für die BP-Raffinerie durch den Altenlingener Forst planungsrechtlich schlägt, die BP angeblich bezahlen wollte, aber jetzt irgendwie nicht mehr. Aber der Kläger gegen diesen B-Plan sei von der Straße nicht betroffen. Er wohnt 750m entfernt am Pölkerskamp in Altenlingen. Das war zu weit entfernt und deshalb prüften die Lüneburger Richter den B-Plan nicht in der Sache. Hätten sie es getan, wäre von ihnen festgestellt worden, dass „die wegen des planbedingten Eingriffs in die Natur erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen nicht hinreichend lang gesichert“ sind. Wie bei B-Plan 20.

Und jetzt? Die Abholzungsaktion vor vier Jahren geschah nicht nur völlig übereilt, wie mittlerweile alle wissen, sie erfolgte auch auf der Grundlage eines handwerklich schlecht gemachten, nun höchstrichterlich aus formellen und sachlichen Gründen für unwirksam erklärten Bebauungsplan. Ein Fiasko für die, die das zu verantworten haben. Aber leider auch für die geschundene Natur.

Stadtbaurat L. ruderte gestern in der Ratssitzung herum. OB Dieter Krone hatte ihn als in der Verwaltung Verantwortlichen auserkoren, um den versammelten Rat über die eigene Stadtbaurat-Niederlage aufzuklären. Krone saß drei Sitze und schweigend daneben. Erster Stadtrat Ralf Büring lächelte gequält, als Herr L. auf meine Frage betonte, die Abholzung und Rodung sei „nicht zu früh“ sondern rechtlich völlig korrekt gewesen. Ein besonderer „Ich-hab-immer-noch-recht“-Standpunkt, den ich als exotisch bezeichne(t habe). Stadtrat Büring lächelte weiter gequält und antwortete nicht, als ich ihn fragte, ob er die Meinung des Stadtbaurats teile. Auch ’ne Antwort, wie BN-Kollege Marc Riße neben mir meinte.

Was jetzt? Wenn das Gebiet doch noch Gewerbegebiet werden soll, muss ein völlig neues Aufstellungsverfahren her. Denn das Oberverwaltungsgericht hat die Reset-Taste gedrückt: Alles auf Null. Doch wer will ein solches Verfahren? Will die CDU tatsächlich noch einmal von vorne anfangen und damit als unbelehrbar in die Lokalgeschichte eingehen? Wenn sie darauf verzichtet, haben wir in Altenlingen unbeplante Fläche, also rechtlich auf 7 Hektar und tatsächlich auf weiteren 27 Hektar Wald. Das find ich gut!

Und wollen wir nicht lieber alle gemeinsam einige Tausend Bäumchen pflanzen, damit jedenfalls unsere Kinder wieder da waldspazieren gehen können, wo heute gerodete Fläche ist? Auch wenn Peter Musekamp im ev1.tv-Gartentalk (hier ab 9’35 Min) entschlossen sagt: „Je weniger man drin rumwurstet, umso besser wird das!“ – ich wär‘ trotzdem beim Bäumchenpflanzen dabei. Sie auch?

Holger Laschet

26. Oktober 2012

Heute im Lokalfernsehen: ev1.tv präsentiert seine neue Kochsendung (neudeutsch: Kochshow): In „Einfach, schnell, lecker“ kocht Lingens Starkoch Holger Laschet. Folge 1 läuft nachher um 18:30 im Heimatsender. Protagonist Laschet kündigt an: „Im ‚Rühren‘ ist Thorsten unschlagbar. Das müsst Ihr Euch angucken. Wir hatten eine Menge Spaß!“

Relegation

9. Juni 2012

Es fährt kein Biener Fan-Bus nach Flensburg-Weiche. Die Mannschaft ist gestern bereits gefahren. Heute folgt ev1.tv  und twittert schon von unterwegs (s.u.). Und die Ems-Vechte-Welle (95,6) hat angekündigt, laufend in ihrem Programm zu informieren. Die Aussichten für unseren SV Holthausen-Biene sind schlecht, sich im Relegationsspiel gegen ETSV Flensburg-Weiche („Wir spielen heute für ganz Flensburg!“) doch noch für die Regionalliga zu qualifizieren; denn das Hinspiel am Biener Busch haben die Lingener 1:3 verloren. Das Rückspiel beginnt heute um 15 Uhr im Flensburger Manfred-Werner-Stadion. Drücken wir den Kickern aus dem Lingener Norden die Daumen. Beim Fußball ist alles möglich.

Voller Länge

30. Januar 2012

Es geht ja irgendwie immer etwas rauf und runter. Auch dieser (wer will: dieses) kleine Blog  hat bessere und schlechtere Zeiten. Zurzeit beispielsweise fehlen mir die Kommentare von Frank O. und Ulrike, Buggy macht sich rar und die CDU-Schreiber haben sich zurückgenommen, weil ja jetzt nicht gewählt wird. Und ich versuche den bisweilen nicht einfachen Spagat zwischen meiner Tätigkeit bei den BürgerNahen und dem Schreiben hier (noch fühle ich mich gelenkig 😉 ).

Doch was ist eigentlich mit der Ems-Vechte-Welle los? Sie hatte ja bis zum Sommer ein ordentliches journalistisches Niveau erreicht, war kritisch und innovativ. Man konnte sich das Durchdentag-Magazin anhören – soweit der Empfang reichte, es war richtig gut. Und jetzt? Marco Schnitker ist weg zu ev1.tv und Simone Schnase hört man nicht mehr, weil sie Emskopp beglückt. Aber so eine Meldung wie diese in voller Länge in den 14.30Uhr-Nachrichten aus dem Emsland und der Grafschaft geht gar nicht:

Twist – Am Dienstagabend sind zwei Personen bei einem Unfall schwer verletzt worden. Gegen 18.55 Uhr befuhr eine 40-jährige Frau die Straße Hebelermeer in Richtung Ortsmitte und hielt das Fahrzeug auf der Fahrbahn an, um einen 9-jährigen Jungen aus dem Fahrzeug aussteigen zu lassen. Die Autofahrerin ließ das Fahrlicht an und ging zur Beifahrerseite um dem Jungen beim Aussteigen zu helfen. Da sich in diesem Augenblick aus Richtung Ortsmitte ein Fahrzeug näherte, wartete die Frau mit dem Jungen auf der Fahrbahn. Das Auto erfasste die Frau und den Jungen und prallte in das stehende Auto. Die 40-jährige Frau und der 9-jährige Junge wurden beide schwer verletzt und wurden in ein Krankenhaus gebracht. Wie die 21-jährige Fahrerin des zweiten Wagens später zu Protokoll gab, war sie von den Scheinwerfern des stehenden Autos geblendet worden.Sie erlitt einen Schock und wurde ebenfalls ins Krankenhaus gebracht.

Wie gesagt in voller Länge. Ich hab’s wirklich gehört. Es folgten dann noch drei weitere Originalpressemitteilungen der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim – fast vollständig   1:1 übernommen. Das ist leider seit Wochen so, das Niveau der evw-Meldungen. Wir erfahren viel über den Unfall hier und den Einbruch da. Das ist schnell, aber genauso schlecht gemacht. Inga Grabert, Mario Köhne & Co.: Ihr könnt doch Radio und müsst nicht nur die Presseerklärungen der Polizei vorlesen. Das Stadtblatt Lingen, auch eine permanente Enttäuschung, bringt zumindest noch Pressemitteilungen jenseits von Polizei und Zoll. Also, Ihr Ems-Vechte-Welle-Leute – strengt Euch bitte mehr an und werdet wieder besser. Ein Tipp: Fragt doch mal nach, was hinter den Meldungen steckt.  Sonst kann man ja gleich Radio Antenne …

Derweil -wer hätte das gedacht?!- mausert sich unsere Lokalzeitung ein wenig. Es gibt inzwischen die LT auf facebook und Thomas Pertz twittert sogar. Zugleich wird der überregionale Teil der NOZ unter dem neuen Chefredakteur Ralf Geisenhanslüke flotter, hintergründiger, gründlicher.

ps Bliebe nur noch etwas über ev1.tv zu schreiben. Aber dafür ist es mir noch zu früh. Obwohl, dieser Klemmhumor á la Opa Anton geht mir schon reichlich auf den Wecker. Lacht da eigentlich wirklich jemand? Den würde ich gern kennen lernen.

Kommentar

7. Januar 2012

Bitterböser aktueller Kommentar von ev1.TV auf seiner facebook-Seite, nachdem in der Nacht ein Zeitgenosse die Heckscheibe eines Dienstwagens des Lokalsenders zerschlagen hat:

„Danke für das Zertrümmern der Heckscheibe eines unserer Dienstwagen. Konstruktive Kritik nehmen wir gerne hier als Kommentar oder auch per Mail, telefonisch oder persönlich entgegen…“

Altsozialdemokrat Hajo Wiedorn kommentierte das heute Nachmittag so:

So etwas ist mir auch schon mal widerfahren. Das war 1969 oder 1970, als ich mich im Gemeinderat Biene in öffentlicher Sitzung dafür entschieden habe, die Gemeinde solle nach dem Zusammenschluss mit Holthausen nur noch Holthausen heissen. Das war wohl der Beweis für die demokratische Grundeinstellung eines Ur-Bieners?

(Foto: (c) ev1.tv)