Bei Interesse schnuppern

23. Juli 2018

Die EUREGIO, die grenzüberschreitend arbeitet und sich für die Beziehungen zwischen den Nachbarländern Niederlande und Deutschland einsetzt, hat das Projekt Experiment Grenze ins Leben gerufen. Seit dem 1. März können Arbeitnehmer einfach ohne bürokratischen Aufwand einen Tag lang erleben, wie es ist, als Grenzgänger im Nachbarland zu arbeiten. Gleichzeitig erhalten Unternehmen die Möglichkeit, Arbeitnehmer aus dem Nachbarland zu beschäftigen. Die Teilnehmer können erste Kontakte knüpfen, Gemeinsamkeiten oder Unterschiede entdecken und herausfinden, ob die Sprachbarriere wirklich eine Hürde ist. 

Die Idee für das Projekt Experiment Grenze entstand nach dem Abschluss des ebenfalls von der EUREGIO initiierten Projekts „Pakt: Arbeitsmarkt über die Grenze!“. Wie bei dem abgeschlossenen Projekt geht es auch beim Experiment Grenze vor allem um den Einsatz für einen gemeinsamen, transparenten und grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt in den Grenzregionen. Der Schnuppertag bei einem Betrieb im Nachbarland, der durch das Experiment Grenze ermöglicht wird, soll dabei helfen, Vorurteile über das Arbeiten im Nachbarland abzubauen und den Einstieg in die mögliche Karriere zu erleichtern.

Das „Experiment Grenze“ richtet sich an alle Interessenten, die gerne einmal den beruflichen Sprung über die Grenze wagen wollen. Egal ob Schülerinnen und Schüler, Auszubildende, Studierende oder Arbeitnehmer mit jahrelanger Arbeitserfahrung – beim Experiment Grenze ist jeder willkommen. Das Projekt bietet den Teilnehmern die Möglichkeit, ihren beruflichen Horizont zu erweitern und kann dabei helfen, den Schritt zur Arbeitsstelle im Nachbarland zu machen und die bürokratischen Hürden zu nehmen.

In beiden Ländern herrscht ein Fachkräftemangel – für viele Arbeitgeber und Arbeitnehmer könnte eine Kooperation mit dem Nachbarland eine Lösung sein, doch komplexe Regelungen und Verfahren, die Lohn- und Steuervorschiften und die Anerkennung der jeweiligen Abschlüsse stellen Hindernisse dar, die das Arbeiten im Nachbarland oder die Beschäftigung eines Arbeitnehmers aus dem Nachbarland erschweren und behindern. Möchte man als Arbeitnehmer einen Abschluss im Nachbarland anerkennen lassen, kann das sehr kostspielig und zeitaufwendig sein. Problematisch ist ebenfalls, dass niederländische Abschlüsse teilweise schlechter bewertet werden, da sie den deutschen  Anforderungen nicht entsprechen. Dadurch werden Einstellungen verhindert oder die Grenzgänger werden in niedrigeren beruflichen Positionen eingestellt.

In Overijssel ist der Abgeordnete Eddy van Hijum ein großer Befürworter der grenzüberschreitenden Arbeit  und setzt sich auch aktiv dafür ein. So hat van Hijum das Angebot Experiment Grenze wahrgenommen und sich getraut, einen Tag lang bei einem deutschen Unternehmen einen Schnuppertag mitzumachen. Als „Heizungsbaumeister“ für das auf landwirtschaftliche Klimatechnik spezialisierte Unternehmen INOTEC in Heek schlüpfte van Hijum einige Stunden lang in die Arbeitskleidung der Firma und half bei der Befestigung von Rohren in einem Schweinestall.

Eddy van Hijum zeigt durch seinen Einsatz, dass der Wille zur grenzüberschreitenden Arbeit vorhanden ist. Sowohl die niederländische Regierung als auch die Regierungen der Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Niedersachen seien daran interessiert, die Möglichkeiten zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zu verbessern. Van Hijum plädiert vor allem für ein deutsch-niederländisches Abkommen auf Länderebene, in dem Vereinbarungen über die gegenseitige Anerkennung der Abschlüsse getroffen werden. Zudem wäre es hilfreich, die niederländischen Ausbildungen im Pflege- und im Techniksektor an die deutschen Anforderungen anzupassen. So könnten viele Hürden beseitigt werden und das grenzüberschreitende Arbeiten beliebter werden.

Interessierte Arbeitgeber und Arbeitnehmer können auf der Facebook-Seite des Projekts einsehen, welche Betriebe bereits mitgemacht haben oder Schnuppertage anbieten. Bei Interesse können Sie Kontakt mit Stéphanie Woldringh (s.woldringh@euregio.eu oder Tel: 02562 – 70254) aufnehmen.

(Quelle/gefunden bei: Niederlande.net, Grafik: Euregio)

Grenzüberschreitend

28. Juni 2018

Das neue, grenzüberschreitende Projekt taNDem des INTERREG A Projekts „Kunstverbinding – Kunstverbindung“ findet im Jahr 2018 erstmalig statt und soll auch in den zwei folgenden Jahren durchgeführt werden. Das Kunstprojekt soll Künstler aus den Grenzregionen Nordrhein-Westfalen, Niedersachen, Gelderland und Overijssel zusammenführen und dazu beitragen, ein nachhaltiges deutsch-niederländisches Künstlernetzwerk aufzubauen.

Jedes Jahr soll ein Barcamp stattfinden, in dem sich niederländische und deutsche Künstler zusammenfinden, um Tandems zu bilden und gemeinsame Projekte zu entwickeln. Johan Godschalk von Cultuurmij Oost und Andre Sebastian vom Münsterland e.V. bilden das Tandem der inhaltlichen Projektleitung. Godschalk sieht in der Kunst und der Kultur „perfekte Brückenbauer, um Menschen über die Grenze hinweg miteinander zu verbinden“.

Das erste grenzüberschreitende Kunst- und Kulturbarcamp fand im vergangenen April im Kloster Bentlage in Rheine statt. Ungefähr 130 deutsche und niederländische Künstler haben teilgenommen, um mögliche Projektpartner aus dem Nachbarland zu finden und Tandems bilden zu können. Bei einem Barcamp gestalten die Teilnehmer das Programm selbst, es sei eine neue Art der Begegnung, so Andre Sebastian. Lediglich das Thema und der Veranstaltungsort seien von den Organisatoren festgelegt worden. Während des Barcamps fanden mehrere Sessions statt, bei denen die Teilnehmer Projektideen präsentieren oder zur Diskussion stellen konnten.

Die Überschrift des diesjährigen Themas lautet „Sehnsuchtsort Heimat – Wo fühle ich mich zuhause?“. Mögliche Themengebiete sind hierbei Migration und Flucht, doch die Künstler können selbst entscheiden, ob sie diese Themenideen aufgreifen möchten, oder sich einem anderen Aspekt des Themas Heimat widmen möchten. Im Jahr 2019 soll das Projekt unter dem Motto „Energie“ durchgeführt werden, im Jahr 2020  wird das Thema „Paradies“ lauten.

Nach dem Barcamp konnten die Künstler auf der Homepage des Projektes einen Projektantrag stellen. Hierbei mussten das Tandem festgelegt und die Projektidee beschrieben werden. Auch Künstler, die nicht am Barcamp teilgenommen hatten, konnten einen Projektantrag stellen. Die Tandems können eine maximale Förderung von 15.000 Euro für ihr Projekt erhalten. 36 Projektanträge wurden bis zur Deadline im Mai eingereicht. Am 13. Juni hat eine unabhängige Expertengruppe getagt und 15 Projekte ausgewählt, die eine Förderung erhalten. Zu den ausgewählten Projekten gehören ein Literatur-Karaoke-Taxi, Klangkunst jenseits der Grenze sowie Straßeninterviews und Workshops, die zu „Heimatfilmen“ verdichtet werden und eine multimediale Aufführung einer „Regionsoper“.

Weitere Informationen finden Sie unter www.tandemkunst.eu.
An dem Projekt taNDem beteiligen sich die EUREGIO, Cultuurmij Oost, Münsterland e.V., Emsländische Landschaft e.V., die Stadt Osnabrück, der Landkreis Osnabrück und die Provinzen Gelderland und Overijssel.

 

Quelle: NiederlandeNet.

Twente Airport, II.

29. Dezember 2015

Wer dachte, dass das Thema „Twente Airport“ erledigt sei, darf sich wundern und sollte bzw. kann sich wehren.

Udo Buchholz, Fraktionsvorsitzender der GAL-Fraktion im Rat der Stadt Gronau (Foto lks), weist darauf hin, dass nur noch bis zum 4. Januar 2016 Einsprüche gegen aktuelle Pläne für den Flughafen Twente bei Enschede eingereicht werden können. Nachdem Flughafenpläne zur Reaktivierung des früheren Militärflughafen nicht realisiert wurden, droht jetzt doch wieder ein Flughafenbetrieb im Dreieck zwischen Enschede, Hengelo und Oldenzaal und damit neue Umweltbelastungen im Grenzgebiet.

Die Abteilung Oldenzaal der niederländischen Partei GroenLinks fasst die aktuellen Pläne auf ihrer Internetseite zusammen: Die Gemeinde Enschede und die Provinz Overijssel wollen, dass ziviler Flugverkehr auf dem Flughafen Twente ermöglicht wird. Nach derzeitigen Planungen sind pro Jahr rund 250 Flugbewegungen, also Starts oder Landungen, beantragt. Das ist nicht viel, aber es ist zu befürchten, dass die Pläne nur als erste Phase zu sehen sind.

GAL-Fraktionsvorsitzender Buchholz befürchtet: „Offenbar soll Stück für Stück versucht werden, einen umfassenden Flughafenbetrieb im Grenzbereich auf den Weg zu bringen. Wer das ablehnt, sollte noch fristgerecht vom Einspruchsrecht Gebrauch machen!“

Einen ausführlichen Mustereinspruch in niederländischer Sprache hat GroenLinks Oldenzaal verfasst. Zu finden ist er im Netz unter oldenzaal.groenlinks.nl. Einsprüche müssen bis einschließlich 4. Januar 2015 beim Verteidigungsministerium der Niederlande eingereicht werden: Ministerie van Defensie, Hoofddirectie Beleid MPC 58B, t.a.v. drs. E. Kwast, Postbus 20701, 2500 ES Den Haag. Auch Einwendungen per E-Mail oder selbst per Telefon sind zulässig: e.kwast@mindef.nl, Tel. O031-70 318 7701.

Die Unterlagen zum drohenden Flughafenbetrieb können bis zum 4. Januar auch bei der Stadtverwaltung in Enschede eingesehen werden (Hengelosestraat 51, 7514 AD Enschede). Im Internet findet man die Unterlagen hier

Kommunalpolitiker Buchholz kritisiert, dass das aktuelle Genehmigungsverfahren auf der deutschen Seite der Grenze nahezu unbekannt ist. Er wird sich bei dem Städte- und Gemeindeverband Euregio erkundigen, ob das betriebene Verfahren den internationalen Anforderungen entspricht.

(Quelle PM, Foto )

Oostwaarts!

8. Februar 2015

Immer mehr Niederländer zieht es zum Arbeiten nach Deutschland. Doch auch zum Wohnen ist die Grenzregion beliebt und die ersten Unternehmen haben sich hier ebenfalls angesiedelt. RTVNoord hat nun eine Webreportage über die Grenzgänger veröffentlicht. Das Besondere daran ist, dass der Zuschauer selbst entscheiden kann, was er sich anschaut.

Die niederländische Rundfunkanstalt RTVNoord hat am Dienstag die Webdokumentation „Oostwaarts! Werken in Duitsland“ (dt.: Ostwärts! Arbeiten in Deutschland) veröffentlicht. Darin wirft sie einen Blick über die Grenze, spricht mit Niederländern, die in Deutschland wohnen oder arbeiten über ihre Erfahrungen und lässt auch Experten zu Wort kommen. Vorteil dieses Formats ist, dass der Nutzer selbst entscheiden kann, was er sich ansehen will. Und die Dokumentation ist ein lebendiges Projekt: ihr sollen weitere Geschichten und aktuelle Informationen hinzugefügt werden. Im Grunde handele es sich um eine Reihe von Dokumentationen, nur dass sie nicht im Fernsehen zu sehen seien. Dafür könne man sie liken und teilen, es sei eine moderne Art und Weise, eine Geschichte zu erzählen, so Remco in ´t Hof, einer der Macher der Dokumentation.

oostwaartsDas Projekt sei vor allem auch für Menschen interessant, die darüber nachdenken, den Schritt über die Grenze zu wagen. Sie finden hier viele Informationen und erste Eindrücke, so die Macher. Und Deutschland wird bei den Niederländern immer beliebter. Einer RTVNoord-Umfrage zufolge wären 73 Prozent der Befragten bereit, in Deutschland zu arbeiten. Noch vor fünf Jahren sei das wahrscheinlich umgekehrt gewesen, vermutete Remco in `t Hof.

Das hat vor allem mit der Wirtschaftskrise zu tun. Im Emsland liegt die Arbeitslosigkeit derzeit bei 3,8 Prozent, in den angrenzenden niederländischen Provinzen dagegen bei bis zu 17 Prozent. „Vor allem im Emsland liegen die Jobs auf der Straße. Das bringt Chancen für die Groninger“, weiß Karel Groen, Geschäftsführer der Ems Dollart Region. „Wir haben in unserer Region viele Menschen, die arbeiten können und wollen, aber uns fehlen die Stellen”, erzählt Arie Dijkhuis von der Gemeinde Oldambt. „Aber die Menschen, die wir haben, passen ausgezeichnet zu den Stellen in Deutschland.“ Vor allem bei der Meyer Werft in Papenburg, VW in Emden, aber auch in den Bereichen Gesundheit und Pflege oder Windenergie würden Fachkräfte gesucht. Auch hätten sich dank der A 31 viele Unternehmen in der Region angesiedelt.

Dennoch gibt es noch immer eine Reihe von Hindernissen für Niederländer, die in Deutschland arbeiten wollen. Ein Problem stellt die Sprache dar. Obwohl bei den Deutschen noch immer die Vorstellung vorherrscht, alle Niederländer sprächen mehr oder weniger perfekt Deutsch, lernen viele Schüler gar kein Deutsch mehr. Verantwortlich dafür ist Bildungsministerin Jet Bussemaker, die trotz Protesten in der Grenzregion eine zweite Pflichtsprache in der Schule abschaffte. Englisch ist ihrer Meinung nach ausreichend für den europäischen Arbeitsmarkt (NiederlandeNet berichtete). Daher heißt es nun Hilfe zur Selbsthilfe: Vor allem in der Grenzregion werden viele Deutschkurse organisiert, die gut besucht sind.

Weitere Stolpersteine stellen unterschiedliche Sozialversicherungs- und Steuersysteme sowie die Anerkennung von Abschlüssen dar und auch Kulturunterschiede sind nicht zu vernachlässigen. Das größte Problem sei allerdings, dass sich die Menschen einfach nicht trauen. Mit der Wirtschaftskrise habe sich das allerdings verändert, so in `t Hof. Die Menschen schauen nun eher über die Grenze. Laut Nils Siemen vom Netzwerk Ems-Achse müssten aber auch die deutschen Chefs bereit sein, auf die niederländische Mentalität einzugehen. „Aber die, die es gemacht haben, sagen alle, dass es eine große Bereicherung für ein Unternehmen ist, wenn man Mitarbeiter aus dem Nachbarland hat.“

Einige der Niederländer kommen nicht nur zum Arbeiten nach Deutschland, sondern auch zum Wohnen. Denn die Immobilienpreise sind hier deutlich niedriger als in den Niederlanden. So ist ein Neubaugebiet in Rhede zu einer niederländischen Enklave geworden. Selbst die niederländische Tageszeitung bekommen die Bewohner hier. Das Verhältnis zu den deutschen Nachbarn ist trotzdem gut, denn die Niederländer, die nach Deutschland ziehen, wollen hier auch wohnen und sich integrieren.

Das Interesse der Niederländer in Deutschland ein Unternehmen zu gründen habe ebenfalls enorm zugenommen, so die IHK Emden. Bei den monatlichen Gesprächstagen der Ems Dollart Region war der Anteil niederländischer und deutscher Unternehmer in der Regel gleich groß. Nun kommen nun von zehn Unternehmern, die sich beraten lassen, aus den Niederlanden. Wagten sie zunächst vor allem wegen der günstigen deutschen Grundstückspreise den Schritt über die Grenze, ist nun vor allem die gut laufende deutsche Wirtschaft ein Grund. Noch vor rund acht Jahren war der Trend genau umgekehrt. Damals waren es vor allem deutsche Bauunternehmen, die in die Niederlande gingen.

Achim Haming, Leiter der Arbeitsagentur Nordhorn, will die Zusammenarbeit mit der niederländischen Arbeitsverwaltung ausbauen. „Gute Ansätze gab es hierfür schon im letzten Jahr, daran wollen wir anknüpfen.“ Die EUREGIO bietet seit Anfang des Jahres gemeinsam mit einer Mitarbeiterin der deutschen Agentur für Arbeit regelmäßige Sprechstunde für arbeitssuchende Niederländer an. Sie bekommen hier neben Jobangeboten auch Tipps zu Bewerbungen und Informationen über das Arbeiten in Deutschland. Ebenso gibt es mittlerweile erste Pilotprojekte, bei denen sich niederländische Arbeitslose auch auf der anderen Seite der Grenze bewerben sollen (NiederlandeNet berichtete). Die deutsch-niederländischen Euregios beschäftigen sich darüber hinaus am 13. März 2015 auf der Konferenz Sprache – Beratung – Arbeit mit den Rahmenbedingungen eines funktionierenden grenzüberschreitenden Arbeitsmarktes.

Zu sehen ist die Webdokumentation „oostwaarts! Werken in Duitsland“ (dt. Ostwärts! Arbeiten in Deutschland) online.

(gefunden bei NiederlandeNet)

%FOTO Quelle: Screenshot Oostwaarts!]

Duitsland

11. April 2014

euregioDie Zeiten sind einstweilen vorbei, wo man als Deutscher ins Nachbarland fuhr, um dort zu arbeiten oder jedenfalls voll zu tanken. Heute geht es andersrum. Rüber nach Duitsland – bei den Jobs wie beim Sprit.

„Niederländische Tankstellenbetreiber in der Grenzregion mussten im März erneut starke Umsatzeinbußen hinnehmen. Es ist bereits der dritte Monat in Folge, in dem die betroffenen Unternehmen mit sinkenden Verkaufszahlen konfrontiert werden. Seitdem in den Niederlanden zum 1. Januar 2014 die Steuererhöhung für Kraftstoffe in Kraft getreten ist, tanken immer mehr PKW- und LKW-Fahrer lieber im benachbarten Deutschland oder Belgien (NiederlandeNet berichtete).

Dieser Umsatzrückgang sei eine direkte Folge der Steuererhöhungen auf Kraftstoffe, wie die Branchenorganisationen BOVAG und NOVE unter Verweis auf eine am heutigen Dienstag veröffentlichte Untersuchung feststellten. Die darin enthaltenen Zahlen beruhen auf Befragungen von 501 Tankstellen im ganzen Land, von denen 71 maximal fünf Kilometer von der deutschen bzw. belgischen Grenze entfernt liegen. Laut dieser Studie tanken offensichtlich immer mehr Privatpersonen im Ausland. Aber auch internationale Transportunternehmen steuern niederländische Tankstellen immer seltener an – das gelte zum Teil sogar für unternehmenseigene Tankstellen auf Firmengeländen. Durch den Rückgang beim Absatz von Kraftstoffen werde auch der übrige Umsatz der Tankstellen-Shops in Mitleidenschaft gezogen.

Die niederländischen Tankstellen entlang der deutschen und belgischen Grenze haben im vergangenen Monat rund 35 Prozent weniger Diesel und fast 22 Prozent weniger LPGverkauft als im März 2013. Bei anderen Kraftstoffen sank der Absatz um 20 Prozent. Dieser empfindliche Einbruch in der Grenzregion wirkt sich auch landesweit negativ auf: hier sank der Verkauf um von Diesel um 13 Prozent, LPG um 18 Prozent und Benzin um 7,8 Prozent.“

Apropos vorbei. Lingen gehörte mal zur Euregio, dem ältesten binationalen Verband in der EU. Eigentlich ist es längst an der Zeit, wieder einzutreten. [In Niedersachsen umfasst das EUREGIO-Gebiet den Landkreis Grafschaft Bentheim, die Stadt Osnabrück, den Landkreis Osnabrück und die Gemeinden Emsbüren, Salzbergen und Spelle (Landkreis Emsland). In Nordrhein-Westfalen gehören die Stadt Münster und alle Kreise des Münsterlandes (Kreis Borken, Kreis Coesfeld, Kreis Steinfurt, Kreis Warendorf) zur EUREGIO.

In den Niederlanden ist die Regio Achterhoek (Provinz Gelderland) sowie die Regio Twente, die Gemeinden Hardenberg und Ommen (Provinz Overijssel) und die Gemeinde Coevorden (Provinz Drenthe) Teil des EUREGIO-Gebiets.

Die EUREGIO-Mitglieder
Die EUREGIO zählt 129 Mitgliedskommunen – 104 auf deutscher und 25 auf niederländischer Seite. Ein Teil der Städte und Gemeinden ist indirekt über ihren jeweiligen (Land)kreis an die EUREGIO angeschlossen. Alle Mitglieder sind in der EUREGIO-Mitgliederversammlung vertreten, die einmal pro Jahr zusammen kommt.]

(Quellen: NiederlandeNet und DRadioKultur)

 

Doppelbesteuerung

2. Januar 2014

belastingdienst2Das neue bilaterale Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und den Niederlanden ist entgegen aller Planungen gestern nicht in Kraft getreten. Verantwortlich dafür ist die noch nicht erfolgte Ratifizierung durch das niederländische Parlament, das eine Reihe ungeklärter Fragen hat. Als neues Datum für das Inkrafttreten ist nun der 1. Januar 2015 anvisiert. Das „DBA“ betrifft zumindest 150.000 in Deutschland lebende Niederländer, viele von ihnen sollen künftig ihre Steuern wieder in den Niederlanden zahlen. Rentner haben dadurch Nachteile, aber für eine große Gruppe von Arbeitnehmern kann das neue Abkommen nicht schnell genug eingeführt werden, damit sie die Kompensationsregelung oder das Splittingverfahren nutzen können.

Es war ein feierliches Ereignis, als die beiden Staatssekretäre Frans Weekers und Emily Haber im April 2012 in Berlin den Vertrag für ein neues Doppelbesteuerungsabkommen zwischen den Niederlanden und Deutschland unterzeichneten (NiederlandeNet berichtete). Das bilaterale Abkommen soll den in die Jahre gekommenen Vertrag aus dem Jahr 1959 ersetzen und der doppelten Besteuerung von Grenzpendlern und grenzüberschreitenden Unternehmen ein Ende machen. Im Sommer dieses Jahres, knapp ein halbes Jahr vor dem geplanten Inkrafttreten des Vertrages, kam dann vor allem von niederländischen Rentnern Kritik auf, die in Deutschland leben und ihre Pension aus den Niederlanden beziehen. Grund dafür waren Berechnungen einer niederländischen Regionalzeitung, wonach Niederländer, die in Deutschland Rentenzahlungen von mehr als 15.000 Euro pro Jahr aus ihrem Heimatland bekommen, mit Inkrafttreten des neuen Abkommens mit finanziellen Nachteilen zu rechnen haben (NiederlandeNet berichtete).

Die kritischen Stimmen der Rentner waren es wohl auch, welche Parlamentarier etlicher Fraktionen in der Zweiten Kammer in Den Haag dazu veranlassten, sich den beschlossenen Vertragstext einmal genauer anzuschauen. Ergebnis dieses Prozesses war ein Fragenkatalog über mögliche Nachteile des Vertrages, der insgesamt stolze 28 DIN A4-Seiten umfasst und der am 12. Juni 2013 an Finanzstaatssekretär Frans Weekers (VVD) zur Beantwortung übersandt wurde. In einer ersten Antwort hatte Weekers Ende November an das niederländische Parlament mitgeteilt, dass er aufgrund der Kritik der Rentner bereit sei, eine Übergangsregelung von sechs Jahren zu treffen. Erst danach werden niederländische Rentner in Deutschland mit dem höheren niederländischen Satz besteuert. Auf die einzelnen Fragen der Parlamentarier ging der Staatssekretär jedoch  nicht ein. Damit war klar,  dass vor dem Jahreswechsel nicht mehr mit einer Ratifizierung seines des niederländischen Parlaments gerechnet werden konnte: Die Parlamentsabgeordneten wollen nach Empfang der Antworten erst noch einmal über diese debattieren und auch die Erste Kammer des Parlaments muss anschließend dem Vertrag noch zustimmen. Deshalb muss das Inkrafttreten nunmehr um ein ganzes Jahr verschoben werden musste.

Der Aufschub führt für zehntausende Menschen zu finanziellen Konsequenzen. Aber es werden auch die erwarteten Anreize für den grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt wohl erst einmal ausbleiben; aufgrund der aktuell deutlich schlechteren Arbeitsmarktlage in den Niederlanden wohl vor allem zum Leidwesen niederländischer Arbeitssuchender und deutscher Unternehmen. Deutschland hat zudem in einigen Sektoren – wie dem Hochbaugewerbe, dem Bildungswesen, in der Gastronomie sowie dem Transport- und Logistiksektor – einen Fachkräftemangel zu verzeichnen. Auch können nach Informationen der EUREGIO in den sozialen Berufen sowie im Gesundheitswesen die offenen Stellen auf der deutschen Seite der Grenze nur teilweise mit Einheimischen besetzt werden. Die durch das neue Doppelbesteuerungsabkommen erhofften Verbesserungen für Grenzpendler werden durch den Aufschub des Inkrafttretens jedenfalls nun erst einmal nicht eintreten.

Weitere Informationen sowie die wichtigsten Änderungen des geplanten Abkommens finden sich auf den Seiten der EUREGIO.

(Quelle: NiederlandeNet; Foto: Post vom Belastingsdienst, dem niederländischen Finanzamt, Quelle: Maarten van Maanen/cc-by-sa)

mitten in Europa

2. Dezember 2013

MautDie in den Koalitionsgesprächen zwischen CDUCSU und SPD beschlossene Einführung einer Pkw-Maut auf bundesdeutschen Autobahnen stößt nicht nur hierzulande auf Kritik. Auch unsere niederländischen Nachbarn beobachten die Entwicklung zur geplanten Maut sehr genau.

Wenn in Deutschland eine Maut auf Autobahnen eingeführt würde, dann beträfe dies im Ausland zu allererst die Bewohner der vielen umliegenden Grenzregionen. Für die Niederlande wären aber auch die vielen Urlauber betroffen, die auf ihrem Weg ins Sauerland, nach Bayern oder auf der Durchreise in die Schweiz, nach Österreich oder Italien von der geplanten Autobahngebühr betroffen wären. Zwar soll die Maut uneingeschränkt für In- wie Ausländer gelten, da deutsche Staatsbürger die Kosten der Vignette aber gegen die Kfz-Steuer verrechnen dürfen sieht die niederländische Regierung hierin eine Diskriminierung.

Aushöhlung des Gemeinschaftsrechts

Die für Infrastruktur zuständige Umweltministerin Melanie Schultz van Haegen (VVD) antwortete auf eine Parlamentsanfrage der Fraktion D66,  es sei rechtlich nicht erlaubt, dass faktisch nur Ausländer Maut zahlen. Aus diesem Grund solle die EU-Kommission so schnell wie möglich darüber urteilen, ob die in den Koalitionsgesprächen verabredete Einführung der Pkw-Maut mit dem EU-Gemeinschaftsrecht vereinbar wäre. Sie habe ihre Sorgen auch gegenüber Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) geäußert: „Ich habe Raumsauer um Rücksprache gebeten, um diese Entwicklung zu besprechen und die niederländischen Sorgen zu überbringen“. Besonders sorgt sich die Ministerin um die Bewohner der niederländisch-deutschen Grenzregion. Die genauen Folgen der geplanten Maut für die Niederlande könne die Regierung, solange es noch „keine konkreten Pläne gibt“, nicht beurteilen.

Furcht der Grenzgemeinden

Angst und kritische Töne kommen auch direkt aus den Grenzregionen der Niederlande. So befürchtet etwa Michael Sijbom, Bürgermeister der Gemeinde Losser an der Grenze zum Münsterland, dass zu den Nachteilen, die die Grenzgemeinden bereits durch die Lkw-Maut erleiden mussten, zukünftig noch weitere hinzukommen werden. Viele Lastwagen haben sich seit Einführung der Maut Schleichwege abseits der Autobahnen gesucht und so zu einer enormen Belastung für die Ortschaften entlang der Autobahnen gesorgt. „Wir hoffen, dass die deutsche Regierung einen Korridor an der Grenze von zum Beispiel 50 Kilometer mautfrei einführt, um die Nachteile zu vermindern“, schlug Sijbom gegenüber den Westfälischen Nachrichten vor. Auch Sijbom sagt, dass die geplante Mautregelung dem europäischen Recht entgegen stehe. „Losser liegt mitten in Europa, und dieser Vorschlag ist nicht mit dem europäischen Gedanken vereinbar“. Gerade im Grenzgebiet sei der freie Verkehr von Personen für das Wirtschaftswachstum wichtig, so Sijbom weiter.

EuregioUnd auch andere Politiker aus der Grenzregion sind von den Maut-Plänen alles andere als begeistert. Vertreter von Städten und Kreisen hatten jüngst im EUREGIO-Rat im niederländischen Hengelo beschlossen zu untersuchen,  ob es für die Grenzregion – und dort vor allem für Grenzpendler oder grenzüberschreitende Unternehmen – Ausnahmegenehmigungen beim Grenzübertritt geben könnte. Solche Sonderregeln bestehen bereits seit mehreren Jahren an der österreichisch-deutschen Grenze rundum Salzburg. Dort verabschiedete der zuständige grenzüberschreitende EuRegio-Regionalverband 2010 eine Entschließung zur Vignettenbefreiung rund um Salzburg. Der Grund: Die in Österreich geltende Autobahnmaut  hatte eine Vielzahl unerwünschter Folgewirkungen für die deutsch-österreichische Grenzregion. So gab es auch dort massiven Verkehr auf Alternativrouten. Das ging vor allem zu Lasten des Salzburger Stadtgebietes, führte Attraktivitätsverlusten und somit auch wirtschaftliche Einbußen und Standortnachteile für die Stadt, den Flughafen oder die Messe.

 

[gefunden/Quelle auf Niederlande.net]

Dialog

20. Juni 2013

euregioAm morgigen Freitag entscheidet der EUREGIO-Rat über 13 neue INTERREG-Projekte im deutsch-niederländischen Grenzgebiet. Alle Projekte sollen den Dialog der Niederlande mit Deutschland stimulieren und vor allem den Bürgern in der Grenzregion zugute kommen. Auch NiederlandeNet ist eines der Projekte über dessen Zukunft entschieden wird.

Mit dem Projekt „EUREGIO wisselt uit!“ (dt. EUREGIO tauscht aus!) sollen bis September 2014 rund 80 gegenseitige Schulbesuche im Grenzgebiet ermöglicht werden. Dabei sollen auch die sozialen Medien eine wichtige Rolle spielen, um einerseits den Kontakt zwischen den Schülern aufrechterhalten zu können und andererseits auch andere Schulen zu ermutigen deutsch-niederländische Schulpartnerschaften ins Leben zu rufen. Die Kosten für das Projekt betragen 50.000 Euro, von denen die Hälfte mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRO) gedeckt wird.

Zwei weitere Projekte haben sich zum Ziel gesetzt die Arbeitsmarktchancen junger Auszubildender im deutsch-niederländischen Grenzgebiet zu verbessern. Mit einem Zuschuss 25.000 Euro möchten die Stichting Bedrijfstakschool Anton Tijdink in Terborg und das Berufskolleg Bocholt-West das sogenannte „Regioticket“ ins Leben rufen. Damit soll Lehrlingen aus beiden Ländern im jeweiligen Nachbarland Sprachunterricht sowie die Teilnahme am praktischen Unterricht ermöglicht werden. Diese zusätzliche Qualifizierung wird anschließend durch ein offizielles Zeugnis anerkannt.

Mit dem Projekt „Buren in dialoog“ (auf deutsch: Nachbarn im Dialog) will die EUREGIO selbst Fachkenntnisse und Erfahrungen, die in deutschen und niederländischen Gemeinden, Kreisen, Vereinen und Arbeitskreisen vorhanden sind, zusammenzutragen und grenzüberschreitend austauschen. Durch diesen Austausch erhofft man sich, grenzüberschreitende Probleme lösen zu können und vorhandene Erfahrung anderen Gemeinden und Organisationen zur Verfügung stellen zu können.

Neben den genannten Projekten, wurden auch insgesamt neun People-to-People-Anträge im Rahmen des INTERREG-Programms „Deutschland-Nederland“ eingereicht. Eins dieser Projekte ist das Online-Informationsportal NiederlandeNet, das auf eine Projektverlängerung hofft. Auch darüber entscheidet der EUREGIO-Rat am kommenden Freitag. Im Anschluss an die Ratssitzung findet um 19.30 Uhr ein klassisches Konzert in der Barockkirche in Zwillbrock statt, das das Mozer-Musikfestival „Musik ohne Grenzen“ vom 21. bis 22. Juni einläutet.

Die EUREGIO, gegründet 1958, ist ein grenzüberschreitender Arbeitskreis von 129 deutschen und niederländischen Gemeinden und Kreisen. Das Gebiet, in dem die EUREGIO tätig ist, umfasst 13.000 km² und 3,4 Millionen Einwohner. Aufgabe der EUREGIO ist die sozial-kulturelle Zusammenarbeit und die Stärkung der wirtschaftlich-sozialen Entwicklung im Grenzgebiet. Die Stadt Lingen (Ems) zählt seit längerem nicht mehr dazu. Der EUREGIO-Rat ist das politische Organ der EUREGIO und besteht aus 82 Mitgliedern, je 41 aus Deutschland und den Niederlanden.

(Quelle: NiederlandeNet)

Oranier-Fahrradroute

30. April 2013

Bildschirmfoto 2013-04-29 um 23.49.13Seit der letzten Woche können Touristen im Grenzgebiet die Geschichte des Hauses Oranje-Nassau auf dem Fahrrad erleben. Am vergangenen Donnerstag eröffnete die  Prinzessin Margriet der Niederlande auf dem Landgut Warmelo in Diepenheim bei Enschede die Fahrradroute.  Dabei überreichten  u.a. zwei Kivelinge das erste Tourenbuch  der niederländischen Prinzessin. Die Oranier-Fahrradroute knüpft ein 230 Kilometer langes Band, das die vier Städte Lingen, Bad Bentheim, Diepenheim und Apeldoorn miteinander verbindet.

Auch Lingen  („cultureel centrum van het Emsland“) erinnert an das niederländische Königshaus Oranje-Nassau. Noch immer spiegelt sich diese Blütezeit in Gebäuden und  Architektur der Innenstadt wieder. Im Jahr 1697 sorgte Willem III.  dafür, dass Lingen eine Hochschule mit vier Fakultäten erhielt, liest man in den Veröffentlichungen. Dass die Autoren dann etwas übertreiben und unserm Städtchen gleich ein „internationaal gerenommeerde theater“ zusprechen und das Altstadtfest im September gar als jährlichen Höhepunkt preisen – geschenkt.

Der Radweg nach Apeldoorn beginnt jedenfalls am Rathaus in Lingen, dem eine Fahrradstation gut täte, bei dem Radfahrer Luft auf die Reifen pumpen können. Dann führt er  durch die Elberger Slipse und entlang des Ems-Vechte-Kanals bis nach Nordhorn. Die folgende Station ist Bad Bentheim. Hat man danach die deutsch-niederländische Grenze überschritten, gelangt man nach Diepenheim mit seinem  Schloss Warmelo. Das letzte Stück führt nach Apeldoorn, wo die Route endet.

An der Radstrecke befinden sich „reichlich Informationsschilder“, die auf die historische Verbindung der Städte zum Königshaus der Niederlande hinweisen.  „Hör-Säulen“ bieten Audio-Informationen und Smartphone-Benutzer können speziell entwickelte Apps herunterladen.

Finanziert wird das Projekt zur Hälfte durch Fördermittel aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung. Weitere Zuschüsse kamen von der Provinz Overijssel, den Gemeinden Apeldoorn, Brummen, Hof van Twente und der Stadt Bad Bentheim. Der Verein Lingen Wirtschaft und Touristik (LWT) und die Emsländische wie die Grafschafter  Sparkassenstiftung zahlten ebenfalls. Das Projektmanagement der Euregio in Gronau begleitet das Projekt.

Der neu vorgestellte Fahrradweg bildet übrigens nur einen kleinen Teil der Oranierroute. Diese ist eine ca. 2.600 Kilometer lange Autoroute, die von Amsterdam aus durch die Niederlande und Nord- und Mitteldeutschland führt. In den Niederlanden und in neun deutschen Bundesländern kann man von Westfalen bis nach Berlin und Dillenburg die Geschichte des Hauses Oranje-Nassau verfolgen.

 

(Quelle)

Gebiet

22. Februar 2011

Der Niederländer Frans Willeme will Bürgermeister von Nordhorn werden. Die lokale CDU und die Nordhorner Wählergemeinschaft proGrafschaft heben ihn just auf ihren Schild für die Kommunalwahlen am 11. September.  Der NDR fragt provokant: „Darf ein Holländer eine deutsche Stadt regieren? Die Meinungen in dem Städtchen an der niederländischen Grenze gehen auseinander. Die Einen halten es für ausgeschlossen, dass ‚Jemand von draußen“ das Zepter in die Hand nimmt, anderen ist die Herkunft egal.“


Erfahrung in der Kommunalpolitik kann Frans Willeme aufweisen: Knapp 20 Jahre war er  Bürgermeister jenseits der Grenze – zuletzt bis vor vier Jahren in der niederländischen Gemeinde Dinkelland, die vor zehn jahren durch einen Zusammenschluss der grenznahen Gemeinden OotmarsumDenekamp und Weerselo entstand, was er als Mitglied der niederländischen Christdemokraten (CDA) forciert hatte. Ähnliches soll der 59-Jährige nun auch in Nordhorn erreichen. Angesichts der knappen Haushaltslage müssten in der Stadt „dringend die Verwaltungsstrukturen verschlankt“ werden, meint Nordhorns CDU-Fraktionschef Andre Mülstegen und traut das seinem Kandidaten zu. Dass Willeme 2007 dem Vernehmen nach wegen mangelnder Teamfähigkeit aus dem Rathaus in Dinkelland ausschied, hat die Nordhorner CDU nicht beeindruckt.
Willeme selbst ist davon überzeugt, dass auch ein Niederländer  ein guter Bürgermeister in Deutschland sein kann: „Ich kenne das Gebiet gut“, sagte er im Gespräch mit NDR Online und verweist auf sein langjähriges Engagement für die Euregio. Wer Zweifel daran habe, solle mit ihm „ins Gespräch gehen“, sagte er zum NDR in unverkennbarem, niederländischen Akzent.

Der Vorstand der  Wählergemeinschaft pro Grafschaft hat sich ebenfalls für Willeme ausgesprochen und gerät auf der eigenen Webseite geradezu ins Schwärmen: „Frans Willeme ist nicht nur eine faszinierende Persönlichkeit sondern auch ein ausgewiesener Verwaltungsfachmann, Jurist und Politikmanager.  Er erfüllt in allen Punkten unser Anforderungsprofil.“

Der Nordhorner Ortsverband der FDP hat noch keinen Kandidaten benannt. Bei der Suche stehe aber allein die Frage „Was ist gut für Nordhorn?“ im Vordergrund und nicht welche Nationalität der jeweilige Kandidat habe, rudert der FDP-Ortsvorsitzende Richard Duhn offensichtlich in Richtung Niederlande.

Die  Nordhorner SPD schlägt als Nachfolger des langjährigen Bürgermeisters Meinhard Hüsemann (SPD) den Sozialdemokraten  Thomas Berling (Foto re.) vor. Allerdings klingt die Personalhymne auf den Geschäftsführer des Nordhorner Tierparks  noch etwas optimierungsfähig: „Er ist Grafschafter durch und durch, sein Einsatz für Bentheimer Schaf und Landschwein sind bekannt,“ unterstreicht beispielsweise der Nordhorner SPD-Vorsitzende und langjährige Stadtdirektor Harald Krebs auf der Internetseite der SPD Nordhorn.

-.-.-.-

Quelle: NDR; Foto: © Thomas Berling (SPD)