lokales Aussterben

26. August 2019

Der NABU hat für das EU-Vogelschutzgebiet „Niederungen der Süd- und Mittelradde“, ein Gebiet von ca. 4.400 ha in den Landkreisen Cloppenburg und Emsland, alle zur Verfügung stehenden Gutachten und Dokumente ausgewertet – beispielhaft für viele Gebiete in Niedersachsen.

Das Ergebnis ist verheerend: Seit Meldung des Gebietes an die EU-Kommission im Jahr 2007 hat sich der Kiebitz-Bestand nahezu halbiert. Die Uferschnepfe steht nach Bestandsabnahmen von über 80 Prozent vor dem lokalen Aussterben. Daher hatte der NABU Niedersachsen Ende 2018 Beschwerde bei der EU eingereicht.

Umwelt- und Landwirtschaftsministerium planen jetzt einen Flächentausch von (bescheidenen) 106 Hektar, um den Wiesenvogelschutz in den Raddetälern der beiden Landkreisen zu stärken.

NABU-Landesvorsitzender Dr. Holger Buschmann begrüßt den Schritt: „Für den Schutz der Wiesenvögel in den Raddetälern ist der Flächentausch ein erster wichtiger Schritt, damit endlich eine wiesenvogelgerechte Bewirtschaftung dieser Flächen möglich wird.“ Auch der geplante Kauf weiterer Flächen kann die Niederungen der Süd- und Mittelradde ökologisch stärken.

Doch dabei kann es nicht bleiben. Weitere Anstrengungen sind notwendig. Buschmann dazu: „Die bisher durchgeführten Maßnahmen zum Erhalt der Wiesenvogelbestände an Süd- und Mittelradde waren nachweislich unzureichend. Ein Flächentausch allein wird nicht ausreichen, da dringend auch eine fachliche Begleitung der Landwirte vor Ort für eine wiesenvogelgerechte Bewirtschaftung benötigt wird.“

Die Pressemitteilung der Landesregierung  zum Flächentausch findet sich hier. Zur weiteren Politik der GroKo in Hannover fiel mir dieser gestrige Tweet von Ex-Landwirtschaftsminister Christian Meyer in die digitalen Finger:


(Foto: Kiebitz, Andreas Trepte, derivative work Lämpel, CC  2.5 generisch“)

Feuerwerk

16. November 2010

Der „Wattenrat Ost-Friesland hat jetzt anlässlich der Überführung des Kreuzfahrtschiffes „Disney Dream“ von der Meyer Werft in Papenburg an die Nordsee Anzeige beim Landkreis Leer wegen des Verstoßes gegen die Naturschutzverordnung im Naturschutzgebiet „Emsauen zwischen Ledamündung und Oldersum“ erstattet. Das Naturschutzgebiet ist ein herausragendes Rastgebiet für Wattvögel, Enten und Gänse innerhalb eines EU-Vogelschutzgebietes. Derzeit rasten an der Ems abertausende von Zugvögeln. Während der Schiffsüberführung der „Disney Dream“ wurde an Bord des Schiffes in Höhe des Naturschutzgebietes am „Bingumer Sand“ ein Feuerwerk gezündet, das weit in das Schutzgebiet hineinwirkte.

Die Ems-Inseln “Bingumer Sand” und “Hatzumer Sand” werden gerne als Rastflächen bei hohen Wasserständen von den Vögeln aufgesucht. Die Naturschutzverordnung des Landkreises Leer verbietet die Störung der Tiere in ihrem Schutzgebiet. Vögel reagieren panisch auf Licht- und plötzliche Schalleffekte eines Feuerwerks und wurden weiträumig aus dem Schutzgebiet vertrieben. Auch im Bereich des Naturschutzgebietes Petkumer Deichvorland am Ems-Stauwerk in Gandersum wurden durch den Einsatz des lauten Schiffshorns alle Rastvögel verscheucht. Bei der letzten Schiffüberführung hatte der Landkreis sogar das Abspielen von Musik auf den Schiffen verboten, aus „Naturschutzgründen“.

Anlässlich der Überführung der „Celebrity Equinox“ im Juni 2009 wurden durch den Stau der Ems mit dem Ems-Sperrwerk zahllose Jungvögel oder Gelege im EU-Vogelschutzgebiet weggespült (Link Dokumentation).  In seiner Anzeige beim Landkreis Leer regte der Wattenrat an, in Zukunft auch auf störende Lichteffekte wie unnötige Schiffbeleuchtung, den Gebrauch von Suchscheinwerfern am Uferbereich und die Nutzung des Schiffshorns bei Schiffüberführungen zu verzichten. Durch das inszenierte Überführungsspektakel gerät nach Auffassung des Wattenrates der gebotene Schutz der Natur in diesen Schutzgebieten völlig außer acht.

Am Wochenende war in Höhe  Leer, zwischen der Jann-Berghaus-Brücke und dem Bingumer Sand,  an Bord des Schiffes „Disney Dream“ (Foto re.) rücksichtslos ein nächtliches Feuerwerk gezündet worden. Genau hier beginnt aber das EU-Vogelschutzgebiet und das Naturschutzgebiet  ”Emsauen  Ledamündung bis Oldersum”. Das Feuerwerk war also ein eindeutiger Verstoß gegen die Naturschutzverordnung

Der Wattenrat Ost-Friesland ist ein Zusammenschluss verbandsunabhängiger Naturschützer aus der Küstenregion Ost-Frieslands (mehr…).

 

Nachtrag über die Diskussion im Leeraner Kreistag.

(Quelle und Foto: © 2010 Wattenrat)