Heute vor 75 befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz. Das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (rnd) aus Hannover, veröffentlicht aus diesem Anlass ein bewegendes Interview mit Erna de Vries aus Lathen, die der Mordhölle Auschwitz entkam:

  • Erna de Vries: „Ich wusste, ich lebe vielleicht noch 20 Minuten …“
  • Die heute 96 Jahre alte Zeitzeugin wurde als junge Frau gemeinsam mit ihrer Mutter nach Auschwitz deportiert.
  • Sie entging nur knapp dem Tod, ihre Mutter wurde im Vernichtungslager ermordet.
  • Seit den Achtzigerjahren berichtet sie an Schulen über ihr Schicksal.

Lathen. Das Licht würde sie nicht retten, aber es könnte sie vielleicht trösten, und auf mehr hoffte Erna de Vries in diesem Moment nicht mehr, am Morgen des 16. September 1943 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Am Abend zuvor war sie in Block 25 verlegt worden, den Todesblock, nun stehen sie und die anderen Frauen draußen, beim Zählappell, als die Lastwagen vorfahren, die sie zu den Gaskammern bringen sollen. Die Frauen um sie herum schreien, weinen, fallen auf die Knie, zerkratzen sich die Haut, da hat sie, so erinnert sie sich, nur einen einzigen letzten Wunsch.

„Ich wollte noch einmal die Sonne sehen“, sagt Erna de Vries. „Ich wusste, ich lebe vielleicht noch 20 Minuten, aber ich wollte noch einmal die Sonne sehen. Ich dachte, dann kann dir doch nichts passieren.“

Sie sieht dann tatsächlich, wie über dem Nachbarblock die Sonne aufgeht. Und sie hört, wie kurz danach ein SS-Mann die Nummer ruft, die man ihr nach der Ankunft in den Arm tätowiert hatte….

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Erna de Vries

29. Januar 2015

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Nur wenige können noch berichten, was wirklich im Konzentrationslager Auschwitz geschah. In dieser SPIEGEL-Serie erzählen Überlebende von ihrem Leidensweg durch den Holocaust.
Lathen im Emsland, 4. Januar. Erna de Vries, 91, lebt in einem hellen Backsteinhaus, auf einem Schrank stehen Familienfotos von drei Kindern, sechs Enkeln. 1943 hatte die damals 19-jährige Erna Korn Gestapo-Leute überredet, sie nach Auschwitz zu deportieren. Warum wollten Sie ins KZ?

Ich wollte meine Mutter nicht alleinlassen. Das war alles. Mein Vater ist schon 1930 gestorben, ich war das einzige Kind. Meine Mutter meinte, wir stünden unter einem gewissen Schutz durch meinen Vater, weil der ja kein Jude war. Um nahe bei ihr zu sein, hab ich meine…

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