Vergriffen

31. Januar 2012

Solche „Image“-Filmchen müssen sein, meint wohl die Emslandtouristik: Bunte, anheimelnde Bilder, schöne, vorzugsweise junge Menschen, blitzsaubere Landschaft, zumeist aus der Totalen, alles sekundenweise geschnitten und über allem fließt dramatische Musik – vor allem aber keine Worte, weil sie vielleicht stören könnten. Es wird auch wieder niemand erfahren, wie teuer dieses Produkt war, wer die Produktionsfirma k+s aus Essen weshalb ausgesucht und hat und (inhaltlich) wo beispielsweise die vielen Maisäcker und Mastställe geblieben sind. Husch – da waren sie verschwunden. So wird das Emsland so beliebig präsentiert wie der Niederrhein, MeckPomm, Dithmarschen, Unterelbe, Jadebusen oder irgendein anderer flacher Landstrich sich ebenfalls „imagemäßig“ darstellen lassen könnte und das lokale Publikum applaudiert höflich. Die Kritik bleibt genauso rund: „Fußball fehlt“. Mal sehen, was die Lokalpresse wieder zusammenjubelt. Woanders wird das beliebige filmische Produkt kaum jemanden interessieren.

Ok – Sie merken: Der Streifen hinterlässt bei mir keine bleibenden Eindrücke. Aber dieser folgende, ganz aktuelle dpa-Artikel ist authentisch und ist so, wie er die aktuelle Entwicklung eines alten Blogthemas weiterzeichnet, ganz ohne dramatische Konservenmusik spannend:

„Um die YouTube-Filmreihe «Deprimierendes Emsland» der «Deichkoenigin» gab es 2011 Aufregung. Auch der Bildband «Expeditionen ins Emsland» des Fotografen Gerhard Kromschröder sorgt in der Region für Diskussionsstoff. Die zwei Künstler haben sich angefreundet.

Es sind nicht alles Postkartenmotive, die der Journalist und Fotograf Gerhard Kromschröder für seinen Bildband «Expeditionen ins Emsland» ausgewählt hat: Maisfelder, Schützenfeste, Straßenschilder, Atomkraftwerk. 50 Jahre nach seinen Schwarz-Weiß-Fotografien, die er 2005 im Band «Emsland Schwarz-Weiß» veröffentlichte, hat der 70-Jährige die Region erneut erkundet. In den 60er Jahren war er Lokalredakteur in Lingen und Papenburg, später berichtete er für den «Stern» aus Ägypten oder dem Irak.

Für sein neues Buch hat er hat Treckerfahrer und Jagdreiter abgelichtet, Landschaften, Radkappenweitwurf und Hünengräber. Die Motive sind ihm bei teils wochenlangen Streifzügen meist zufällig vor die Linse gekommen, berichtet er. Wie die Fronleichnamsprozession, die an einer «Pizzeria Roma» vorbeizieht.

Tipps zu aktuellen Veranstaltungen hat Kromschröder auch von der «Deichkoenigin» erhalten, einer Hobbyfilmemacherin, die vor drei Jahren ins Emsland gezogen ist und mit kurzen Filmen aus der Region im Internet für Diskussionen sorgt. 2010 hatte sie seine Ausstellung besucht. Die beiden kamen ins Gespräch, trafen sich regelmäßig und hielten Kontakt.

Sie kennt die meisten der Orte, an denen Kromschröder war. «Wir haben zum Teil ähnliche Motive gefunden, weil wir von außen kommen und auf die Gegend schauen. Da fallen einem solche Sujets ins Auge», sagt der Journalist. Im Buch …

Fortsetzung hier 

(Übrigens: Die Erstauflage von Kromschröders Emsland-Expeditionen-Buch ist längst vergriffen. Die zweite Auflage kommt im Februar)

(Foto: © Carmen Jaspersen; Januar 2012 – Gerhard Kromschröder mit Deichkönigin)

Bescheuert

27. Dezember 2011

Mit einem bezahlten Auftragsfilm auf dem Spartensender n-tv präsentiert die Emslandtouristik (Logo re.) unsere Region. Der GZSZ-Schauspieler Norman Kalle (geboren in Bremen, ausgebildet in Hamburg und zuletzt im Hessischen) führt in diesem Bezahlfernsehfilm durch die touristischen Höhepunkte „seines“ Landkreises. Heute um 11.30 Uhr wiederholt n-tv den Halbstundenfilm. Das Emsland ist darin wirklich überzeugend getroffen: Mais, Massentierhaltung, Gülle, Biogasanlagen, Emsverschlickung kommen nicht vor, aber Moormuseum, Gasthaus Backers, Berentzen, das Gestüt Tebbel, Clemenswerth und die Meyerwerft. Alles ist gut und wunderschön? Und es wird noch durch ein Preisausschreiben getoppt mit dieser Preisfrage:

„Möchten Sie das Emsland selbst erkunden? Dann beantworten Sie folgende Frage:

Welcher Fluss fließt durch das Emsland?

A) Oder
B) Ems

Gewinnen Sie mit Emsland Touristik eine sechstägige Rundtour durch die Region zwischen Münster und Bremen. Genießen Sie vom Rad aus das spannende Wechselspiel von unberührter Natur, Kultur und Geschichte. Es erwarten Sie und Ihre Begleitperson fünf Übernachtungen mit Frühstück. Lassen Sie sich auf der klassischen Radroute durch das Emsland verzaubern.

Rufen Sie an!

Tel.: 01379 300 103* …“

De Frage  ist doch richtig bescheuert ! Oder? Stark an Schweinebauer Uwe in „Bauer sucht Frau“ erinnernd hat ähnliche Qualität die Aussage, wo das Emsland liege: „zwischen Münster und Bremen“. Dann noch „das spannende Wechselspiel von unberührter Natur, Kultur und Geschichte“, das jeder Reisekatalogbeschreibung spottet. Merke: Es kommt darauf an, den Besuchern nicht unsere Region sondern nur die Illusion einer schönen Region zu präsentieren. Der Touristikverband Emsland e.V. hat übrigens rund 120 Mitglieder, darunter neben dem Landkreis Emsland alle 19 Städte und Gemeinden des Kreises sowie 10 lokale Verkehrsvereine. Da fällt mir ein, dass  der wenig kontrolliert werkelnde und wirkende Verein im Sommer unverzüglich seine Mitfinanzierung des Emsland-Reisetagebuchs der Ems-Vechte-Welle beendete, nachdem bekannt geworden war, dass dort die geschmähte Deichkoenigin  mitstrickte; sie hatte ihren kleinen Video-Spiegel zu sehr vor’s Gesicht mancher Einheimischen gehalten. Der Finanzierungsstopp hatte aber natürlich überhaupt nichts mit der Deichkoenigin zu tun!

Grummelnd  und beiläufig frage ich zum n-tv-Filmchen

a) Wie teuer war und ist denn der Spaß für die Emsland-Touristik und/oder den Landkreis?

und

b) Wer hat’s bezahlt?

Wissen Sie die Lösungen? Ich nicht, denke mir aber: Die Antwort auf  a) wird niemand erfahren und die Antwort auf b) lautet vermutlich Der Steuerzahler*. Also: Alles ist wieder emslandgut!

*ps  Ein Hinweis Anrufe unter 01379… kosten aus dem Festnetz 50 Cent, von Mobilanschlüssen evtl. teurer