Magreb

7. Juli 2011

Herrlich, wie die taz gegen unseren Landesherrn polemisiert. Guckst Du hier:

„Was ist der gravierendste Unterschied zwischen Maghreb und Emsland? Nein, nicht die Konfession, die ist hie wie dort alternativlos. Der wichtigste Unterschied ist vielmehr: die Technik des Herrschens.

Während arabische Potentaten nämlich versuchen, an der Spitze zu bleiben, beherrscht Emslandrat Herrmann Bröring die Kunst, sich an die Spitze zu setzen. So hat der Christdemokrat soeben der dpa anvertraut, dass man „der agroindustriellen Entwicklung einen Riegel vorschieben“ wolle – kurz dem, was man unter seiner Herrschaft als „Emslandisierung“ zu bezeichnen lernte…“

weiter auf der Seite der taz

ps Falsch ist natürlich der Hinweis, dass HB „Ortsteilbürgermeister von Altlingen“ werden wolle. Dafür kandidiert er nicht. „Ortsbürgermeister von Altenlingen“ wollen zwei ganz andere werden: Der Sportvereinsvorsitzende Hermann Bruns und Apotheker Michael Koop. Beide CDU.

So, es reicht!

4. November 2010

„So, es reicht!“

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU)war Dienstag Abend zu Besuch in Ringe in der Grafschaft Bentheim. Sie sollte dort über die Zukunft der Landwirtschaft sprechen. Journalisten aus der Region wollten die CSU-Politikerin zum Thema Hähnchenmastställe und dem in diesem Zusammenhang mittlerweile bundesweit bekannten Begriff “Emslandisierung” befragen. Frau Aigner brach daraufhin das Gespräch mit den Journalisten der Ems-Vechte-Welle und des NDR ab.

Einzelheiten dazu gibt es auf dem Ems-Vechte-Welle-Podcast hier.

(Quelle: Ems-Vechte-Welle)

Fluchtweg II

23. Oktober 2010

Die bislang faktisch unkontrollierte Massentierhaltung mit ihren Hunderten Käfigen und Ställen  im Emsland geht unverdrossen weiter. Anträge für 230 neue Großmastställe liegen beim Landkreis auf Halde. 150 von ihnen betreffen industrielle Monsterställe, die nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz zu genehmigen wären – oder eben nicht. Rund 30 Millionen Geflügelmastplätze gibt es in unserem Landkreis bereits. 100 Hähnchen und Hühnchen pro Kopf. Sie scheißen uns schlicht zu.

Dass es so weit gekommen ist, ist die zwangsläufige Folge langjährig sorgloser und rechtlich zweifelhafter Genehmigungspraxis und einer kumpelhaften Verknüpfung von absoluter CDU-Mehrheit, fehlender Kontrolle durch die lokalen Medien, augenzwinkernd mitmachenden „Wie hätten Sie’s denn gern?“-Genehmigungsbehörden und  industriellen Nahrungsmittelproduzenten, die immer noch so tun und dargestellt werden, als hätten sie irgendwas mit Bauern oder Landwirten zu tun – alle natürlich mit demselben CDU-Parteibuch, sei es tatsächlich oder zumindest im politischen Geiste.

Inzwischen versucht der  Landkreis Emsland unter seinem Landrat Hermann Bröring die Genehmigungsgeister der Massentierhaltung, die man rief und wollte, atmosphärisch etwas  einzugrenzen. Es brennt nämlich ein Jahr vor der Kommunalwahl 2011 politisch und so sucht Hermann Bröring -frei nach § 20 Niedersächsische Bauordnung– seine eigenen Fluchtwege.

Doch erst auf direkten Hinweis von Fachanwalt Peter Kremer (Berlin, mehr…) hat der Landkreis mit seinen Dutzenden von Beamten im Bauamt jetzt  den Brandschutz für die gequälten Kreaturen entdeckt -ich kommentierte. Man konnte ihn einfach nicht mehr missachten, wo er doch tatsächlich in der Niedersächsischen Bauordnung steht. Jetzt soll gar ein „unabhängiges Rechtsgutachten“ Klarheit schaffen – so als ob es das in dieser Frage geben könne, ein unabhängiges Rechtsgutachten.

Und nach all den tausenden Atemwegserkrankungen beginnen die Mannen um Landrat Bröring ein Jahr vor der Kommunalwahl auch noch die Menschen zu beachten, deren Gesundheit durch die unkontrolliert stinkenden Monsterställe bedroht werden. Allerdings nur bei den absoluten Riesenställen und sofern sie nicht jenseits einer 500m-Grenze leben und mit dem zarten Entschuldigungsaugen-Aufschlag, dass man seit Jahren „am Ball“ sei, doch „keine rechtliche Handhabe“ gehabt habe. Welch unehrliches Gerede! Denn niemand hätte den Landkreis gehindert, zum Schutz von Menschen, Tieren und Umwelt Schluss zu machen mit der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und Regeln aufzustellen, was geht und was nicht. Woanders war dies möglich. Denn weshalb, Hermann Bröring, gibt es diese Emslandisierung mit ihren Monsterställen praktisch nur  hier im Nordwesten,vorzugsweise in Cloppenburg, Vechta und eben im Emsland?

Die Menschen merken: Was der Landkreis will, kommt  viel zu spät und ist nicht konsequent; ein Drittel der auf Halde liegenden 230  neuen emsländischen Anträge braucht gar nichts und die anderen 150  brauchen auch nicht etwa den jetzt entdeckten Keimschutz, sondern nur ein Gutachten, ob denn Keimschutz sein müsse. Ähnliches gilt auch für den bislang nahezu immer fehlenden Brandschutz … Das Fluchtmanöver des 2011 scheidenden Landrats ist also durchsichtig und  führt nur in eine  Sackgasse. Heraus geht es hier.

Emslandisierung

17. August 2010

In Wietze nahe Celle planen der Agro-Industrielle Franz-Josef Rothkötter („Wir können ja auch sagen, wir produzieren in China“) aus Haren und sein Unternehmen Europas größte Geflügelschlachtanlage. Für deren Auslastung müssten in der Region um Wietze rund 400 (!) Mastfarmen entstehen, sagen Fachleute. Die Gegner dieses agrarindustriellen Großprojekts werden derweil immer zahlreicher. Sie fürchten die hier längst und asndernorts bekannte Belastung der Umwelt durch Antibiotika, Feinstaub und Ammoniak und die Zerstörung des Aller-Leinetals. Inzwischen zählt die lokale Bürgerinitiative 900 Mitglieder. Die Kritiker werfen den Schlachthofbetreibern und Zulieferer-Landwirten auch Tierquälerei vor. Letztere würden die Tiere auf engstem Raum halten. Verhaltensstörungen bis hin zu Kannibalismus und Selbstverstümmelung seien die Folge. Der deutsche Geflügelmarkt sei gesättigt, die Anlage diene einzig und allein der Produktion für den Export, so ein weiteres Argument der Gegner. CDU und FDP im Niedersächsischen Landtag befürworten dagegen die Pläne ebenso wie der Wietzer Gemeinderat, bringt so ein Schlachthof doch Arbeitsplätze – nach Angaben der „Emsland Frischgeflügel“ rund 250.

In der vergangenen Woche hat die Polizei das seit Mai besetzte Baugelände in Wietze geräumt. Aktivisten haben daraufhin am Montagmorgen einen Acker im Kreis Peine besetzt. Sie protestieren damit gegen den Bau einer Hühnerfarm, die den geplanten Geflügelschlachthof in Wietze beliefern soll. Nach Angaben des Besetzerblogs sollen in dem Mastbetrieb künftig ständig 84.000 Hähnchen gezüchtet werden. An anderen geplanten Standorten für Hähnchenfarmen wie Groß Denkte, Cramme, Mehrum, Wendesse und Solschen (alle im Kreis Peine) sollen je Mastperiode bis zu 40 000 Tiere groß gezogen werden. Rund sieben Mastperioden im Jahr sind vorgesehen, jede dauert üblicherweise 35 Tage. Die Bauern erachten die Geflügelzucht als wichtige zusätzliche Einnahmequelle, weil die Gewinnspannen beim Ackerbau immer geringer ausfallen würden.

Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Eckehard Niemann, bezeichnete gegenüber dem lokalen Newsportal Celle Heute den geplanten Schlachthof in Wietze als den deutlichsten Ausdruck einer verfehlten Subventions- und Agrarpolitik und einer agrarindustriellen Produktion, die eine unsinnige Produktion von Fleischüberschüssen vorantreibe. Und das alles zu Lasten der Tiere, der Umwelt und der Anwohner. Niemann forderte die Landesregierung auf, ihre Subventionierung und Schönrederei dieser agrarindustriellen Tierhaltung endlich zu beenden Die Schlachthofgegner wollen aber gerade eine „Emslandisierung“ von Ost- und Südniedersachsen verhindern.

„Emslandisierung“ – dieses Wort wird die Amtszeit des auf seinen Landkreis so unkritisch-stolzen Landrats Hermann Bröring (CDU) locker überleben. Längst heißt es in der Blogosphäre:  „Deutschland braucht keine neuen, stinkenden Gülle-Regionen wie die Landkreise Vechta, Cloppenburg und das Emsland!“  Emslandisierung – das ist das Synonym für die brutale Zerstörung der Landschaft, für Gestank und Egoismus und die Vernichtung der bäuerlichen Strukturen gleichermaßen. Es ist -von CDU-Mann Hermann Bröring und seinen Mannen gefördert und zugelassen- blanker Kapitalismus, der ganz wenige reich macht und uns alle ärmer.