Malle kann warten

6. Mai 2020

Ab wann kann man wieder in den Urlaub fahren – und vor allem wohin? Mit dieser Frage beschäftigen sich zurzeit viele Menschen bundesweit, aber auch in Lingen. Die Chance: Viele Deutsche lernen durch die „weltweite Reisewarnung“ des Auswärtigen Amts ihre Heimat besser kennen und machen statt Reisen in ferne Länder jetzt Tagesausflüge in die Region oder Kurzurlaub in Deutschland.  

Zwar halten nach einer Umfrage immer noch fast die Hälfte der Befragten (47 Prozent) an ihren Urlaubsplänen fest, allerdings haben 27 Prozent ihre geplante Urlaubsreise bereits ersatzlos storniert. 18 Prozent haben ihre Reise verschoben. Von der anhaltenden Unsicherheit, profitieren vor allem Angebote in der Region: Fast jeder Zweite will Tagesausflüge in die nähere Umgebung machen, wenn er nicht in den Urlaub fahren kann, 40 Prozent wollen Kurzurlaube in Deutschland machen.
Was aber geht für uns Urlauber in Lingen und in der Region?
Für Kinder und Jugendliche wird im Rathaus gerade ein besonderer Corona-Ferienpass zusammengestellt. Auf das Ergebnis dürfen wir gespannt sein. Für Familien dürften neben dem Moormuseum in Groß Hesepe die Zoos und Tierparks in Nordhorn, Rheine und Osnabrück ganz oben anstehen. Und die Burg in Bad Bentheim, alternativ die Meyer Werft oder  etwas weiter zum Wattwandern mit der Familie an die Küste. Schade, dass der Dierenpark in Emmen in der benachbarten niederländischen Provinz Drenthe für einen Familienbesuch nicht wirklich preiswert ist, wenn sie ihn nur eimal besucht. Andererseits ist die Vesting Bourtange ebenso einen Besuch wert wie das Kloster Ter Apel; weil man aber dort die Stille hört, ist die Anlage doch eher etwas für ältere Semester.
Für die darf ich natürlich die Stadt Leeroder die Kunsthalle Emden oder das Museumsquartier Osnabrück empfehlen und immer wieder die einzigartige Chrissis Tortenliste mit zahlreichen Ausflugszielen empfehlen, nachdem die Restaurants wieder geöffnet haben und auch wenn das Ergebnis mehrerer derartiger Ausflüge wohl auf den Hüften sichtbar aufträgt.
Apropos aufträgt: Am Besten geht es natürlich im Emsland und drum rum zu Fuß: Ab Rheine wandert man auf den Hermannsweg; der etappenweise insgesamt 156 Kilometer lange Hermannsweg (Wegzeichen lks)  führt über den Kamm des Teutoburger Waldes und gilt als einer der schönsten Höhenwege Deutschlands. Sonst ist bei uns aber natürlich Flachlandwandern angesagt und zwar in der Grafschaft Bentheim und auf zahlreichen Wanderwegen im Emsland und vor allem auf dem Hümmlinger Pilgerweg, wo dieses Zeichen (lks) den 90-km-Weg markiert.
Dann ist im Emsland natürlich die Radtour das Mittel der Wahl, sofern sich unsere Straßenbaubehörden endlich des ärgerlichen Eichenprozessionsspinners annehmen und nicht nur profan Schilder aufstellen, die die ESP bekanntlich nicht lesen. Von Lingen (Chrissis Liste klicken!) zu den Bauerncafes in Mehringen (mit Salzgrotte und Swingolf und Hünensteinen) und Gleesen, dem Gartencafé Helming in Lünne, wo um die Ecke Borchers Landhausbrauerei eine feine Alternative ist. Enkings Mühle in Emsbüren, das sagenhafte, und mit dem Abstecher zum Heimathof mit Kräutergarten muss man ansteuern und mit Freund, Freundin oder Verhältnis natürlich das Stiftscafé Wietmarschen oder das Pier 99 in Nordhorn.  Die Tour führt im Juni auf die Erdbeer- und Blaubeerfelder, damit man nach der Selbstpflückerei den eigenen Rücken wieder spürt und die Kinder ihren eigenen,  und auf dem Emsradweg flussab und flussaufwärts ab Rheine entlang am Oberlauf des kleinsten deutschen Stromes und bis zu seiner Quelle. Oder eben von dort in der Senne gleich bis zur Mündung. Das ist dann ein wirklicher Abenteuerurlaub für die Familie wie Gift für die Radler mit den gepolsterten Hüften.

Ich breche hier ab, weil ich mit dem Beitrag jetzt „auf Sendung“ gehen muss. Wer weitere Vorschläge hat, bitte mailen (robert.koop(at)web.de).
Mein Fazit ist jedenfalls klar: Malle kann gern warten, die Ems nicht.

“Hamlet – Dänen am Rande des Nervenzusammenbruchs”
Komödie des Theaterensembles Emsbüren
Emsbüren – HeimathofLudgeristraße 2
Eintritt: 10 €, ermäßigt 5 €

Freitag, 23.08.2019 19:30
Samstag, 24.08.2019 19:30
Sonntag, 25.08.2019 19:30
Freitag, 30.08.2019 19:30
Samstag, 31.08.2019 19:30
Sonntag, 01.09.2019 16:00

Der Emsbürener Komödie “Hamlet – Dänen am Rande des Nervenzusammenbruchs” liegt zwar William Shakespeares “Hamlet” zu Grunde, allerdings wird davon nur noch wenig zu erkennen sein.

Regisseur Peter Wallgram nutzt dafür nicht nur Shakespeares Hamlet, sondern auch den “Sommernachtstraum”, um daraus  ein perfekt auf  die regionale Geschichte zugeschnittenes Sommertheater zu inszenieren.

Dabei werden neben Themen wie “die ganze Welt ist eine Bühne” auch universelle Fragen des Hamlet-Stoffs wie verrückt sein, Wahrheits- und Sinnsuche abgehandelt.

(Foto: Theaterensemlbe Emsbüren, © emsland.com)

Emsbüren

26. Oktober 2018

Ein Junge im aus dem niedersächsischen Emsbüren (Foto lks) soll über Jahre von seiner Mutter schwer misshandelt worden sein. Wie der SPIEGEL berichtet, hat die Staatsanwaltschaft Osnabrück in dem Fall Anklage erhoben. Demnach musste der Junge sich, wenn er von der Schule nach Hause kam, bis auf die Unterhose ausziehen und in zwei gelbe Müllsäcke kleiden…

inzwischen liegt die Anklage der Staatsanwaltschaft Osnabrück bei der Jugendkammer des dortigen Landgerichts vor. Hier gehts zum SPIEGEL-Beitrag. 

Heute in einer Woche, also am 24. Juni, findet bundesweit der Tag der Architektur 2018 (statt.  Unsere Städte sind im Wandel – neue Quartiere entstehen, bestehende Quartiere werden neu entdeckt und verändern ihr Gesicht. Am Tag der Architektur sind beispielhaft verschiedenste Objekte geöffnet – vom Einfamilienhaus bis zum ganzen Wohnquartier. In der Region laden Architekten und Bauherren zum Blick hinter folgende Fassaden ein:Auch im Emsland und der Grafschaft Bentheim. Unsere Region ist aber -nun sagen wir- nicht wirklich vorn, was gute Architektur betrifft. Das hat in der letzten Woche auch wieder die Verleihung des Niedersächsischen Staatspreises für Architektur gezeigt. Dabei hat es leider kein einziges Projekt aus unserer Region an Ems und Vechte auch nur in die Vorschlagsliste geschafft.

Hier geht es zur App und hier zum  Programmheft der Architektenkammer Niedersachsen, von deren Seite auch die Fotos dieser zu besichtigenden Objekte in unserer Region stammen. Leider sind es nicht sonderlich viele und darunter auch ein Baudenkmal mit einem anthrazitfarbenen Dach…nun ja:

(Übrigens gibt es im benachbarten Westfalen zeitgemäße Architektur in Rheine, Ahaus, Emsdetten, Greven, Tecklenburg und natürlich in Münster zu sehen. Mehr)

Dörpen

Emsbüren

Lingen (Ems)

Lingen (Ems)

Nordhorn

Schüttorf

Wietmarschen

emsbueren

Historien-Drama in Emsbüren: Die 1.200-Jahr-Feier fällt aus.

Die niedersächsische Kirchengemeinde Emsbüren, informiert die taz, hielt sich für eine Keimzelle des organisierten Christentums in Südwest-Niedersachsen.

Sie „konnte sich bis vor Kurzem noch als etwas ganz Besonderes fühlen: Sie verfügte über eine Urkunde Ludwigs des Frommen, in der sie im Jahre 819 erstmals erwähnt wurde. „Eine Kaiserurkunde können nur wenige Orte vorweisen“, sagt Georg Wilhelm vom Osnabrücker Diözesanarchiv. Das Problem nur: Die Urkunde ist eine Fälschung. Die Kirchengemeinde hat jetzt die für 2019 geplanten Jubiläumsfeierlichkeiten abgeblasen.

Die Ernüchterung hat ihre Ursache in einem Forschungsprojekt des mittlerweile emeritierten Bonner Historikers Theo Kölzer, der für das Quellenwerk „Monumenta Germaniae Historica“ sämtliche Urkunden Ludwigs, des Sohnes Karls des Großen, untersuchte. Weil er die

sogenannte „Visbek-Urkunde“, in der Emsbüren alias Saxlinga erwähnt ist, als Fälschung entlarvte, muss die kirchliche Organisationsgeschichte im Emsland neu geschrieben werden.

„Natürlich hat die Forschung gesehen, dass es mit der Urkunde ein Problem gibt“, sagt Wilhelm. Das Dokument sei in der falschen Schrift verfasst gewesen und auch die Jahreszahl konnte nicht stimmen. Die Urkunde verlieh der Abtei Visbek ein Privileg und sicherte ihr bestimmte Zuwendungen. Bisher waren die Forscher deshalb davon ausgegangen, dass das Dokument zwar in einem späteren Jahrhundert verfasst worden war, dass es sich aber im Wesentlichen um eine inhaltlich korrekte Abschrift handelte.

„Urkundenfälschung durch Geistliche ist nicht so ein spektakuläres Phänomen“, sagt Tobias Weller vom Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bonn. Alte Urkunden seien häufig nur in Abschriften überliefert. Und Fälschungen hätten bisweilen auch dazu gedient, legitime, aber etwa nicht schriftlich fixiert Ansprüche zu bekräftigen, was bei der Visbeker Urkunde freilich nicht der Fall gewesen sei. Sie wurde, was selten vorkommt, komplett gefälscht.

Professor Dr.  Kölzer fiel beim Vergleich der mehr als vierhundert Urkunden Ludwigs des Frommen auf, dass es für die Visbeker Urkunde eine echte Vorlage von einem französischen tazKloster gab, die für Visbek um 980 im Benediktinerkloster Corvey ab- und umgeschrieben wurde. Kölzer konnte nachweisen, dass es personelle Verbindungen zwischen dem französischen Kloster und Corvey gab, der Originaltext also nach Corvey gelangt sein konnte.

Im größeren Zusammenhang erscheint das Missgeschick Emsbürens verschmerzbar. „Es gibt sehr viele Dokumente, die man als Erstbelege für sächsische Bischofssitze angenommen hat, die sich im Rahmen der ‚Monumenta Germaniae Historica‘ als Fälschungen erwiesen haben“, sagt Weller. Dem könnte noch so manches Jubiläum zum Opfer fallen.“

(Der Text gefunden bei der taz. Foto oben: Emsbüren, Kirchgarten, von Thomas Pusch Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0; Foto unten: Die gefälschte Visbeker Urkunde: Foto Uni Marburg/Forschungsinstitut Lichtbildarchiv älterer Originale (LBA) der Philipps-Universität Marburg/dpa )

ps Und wie meldet die „Lingener Tagespost“ diese kleine, historische Fälschung? Man reibt sich die Augen: Sie meldet es als Erfolg: „Dank einer Urkunde aus dem Jahr 1181 und dem Taufbrunnen aus dem 12. Jahrhundert kann die Kirchengemeinde St. Andreas Emsbüren jetzt das korrekte Alter nachweisen…“

auch ohne Helene F.

27. Februar 2017

Alarm! Das letzte Helau? Das betrifft die Nachbargemeinde Lohne. Aber auch der Lingener Rosenmontag zuckt nur so eben noch. These: Der lokale Karneval schwächelt seit mindestens fünf Jahren so bedenklich wie die aktuelle Webseite der Lingener Karnevalisten [Heutiger (!) Aufmacher : Der Rosenmontagsumzug der Karnevalsvereinigung Lingen e. V. findet wieder am 8. Februar 2016 statt…]. Gäbe es ihn längst nicht mehr, wenn die Stadtverwaltung nachmittags nicht dienstfrei hätte? Inzwischen übrigens schon ab 12.30 Uhr. So gelangen die städtischen Mitarbeiter über den Zwischenstopp „heimischer Herd“ auch noch pünktlich in die hochprozentige emsländische K-Hochburg Emsbüren. Helau. Auch ohne Helene F.

litfasskarneval

4 Biotope Fototour

4. Dezember 2015

Die 4 Biotope Fototour von Werner Modes
Emsbüren und Lingen (Ems) – Treffpunkt in Emsbüren
Sonntag 6. Dez.  –  12-16 Uhr
Kosten: 1 Person 25 EUR, 2 Personen 40 EUR, Familien (2 Erwachsene und bis zu 3 Kinder) 35 EUR, Gruppen  (3 bis 4 Personen) 50 EUR, Bezahlung am Treffpunkt
Eine Anmeldung ist bei Werner Modes erforderlich
Telefon 05906 959922
E-Mail  –  Webseite 

FototourDie 4-Biotope-Tour  hat schon so einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer überrascht. Naturfreunden haben die Möglichkeit, naturbelassene Ecken im südlichen Emsland zu erleben und dabei gleichzeitig etwas über die Fotografie zu lernen.

Zwei Biotope befinden sich am Rand von Lingen (Ems) und die anderen beiden in der Nähe von Emsbüren. Die vier Biotope sind ei keine bekannten Seen in der Region.

Veranstaltet wird die Tour von Werner Modes. Der freiberufliche Landschafts- und Tierfotograf aus Emsbüren organisisert die 4-Stunden-Fahrt und sagt: „Ob Sie ein Handy mit Cam besitzen oder mit einer Digital-Spiegelreflex ausgestattet sind, jede und jeder ist willkommen. Die kleinen Naturoasen erleben, sie sehen und dann Motive für immer festhalten, steht im Vordergrund dieser Fotofahrt.“

Übrigens sind andere Termine auf Anfrage möglich.
(Foto © Werner Modes)

Emsbürener Musiktage

23. Oktober 2015

Bildschirmfoto 2015-10-18 um 22.32.0540 Jahre Emsbürener Musiktage. Am kommenden Sonntag beginnt um 11.30 in der Liudger Realschule die diesjährige Neuauflage des traditionsreichen mit der Ausstellungseröffnung „Pator sine Koh“ – eine Hommage des aus Emsbüren stammenden Karikaturisten Frank Hoppmann an ein Lied bevor dann Abends klassische Kammermusik mit Werken von Werke von Erwin Schulhoff, Ludwig van Beethoven, Carl Maria von Weber, Georg Philipp Telemann in einem Dozentenkonzert zu hören ist. Künstlerischer Leiter der Musiktage ist Prof. Eckart Hübner, Berlin.

In einer Woche, am Freitag 30.10.15, musizieren um 20 Uhr die Teilnehmer der Meisterkurse bei einem auswärtigen Gastspiel in der Lingener Kunsthalle (Eintritt: 5 €).

Bildschirmfoto 2015-10-18 um 22.21.01

Feuerwehr

Na?
Auch erst gelächelt über die Einsatzkräfte der Feuerwehr Emsbüren?

Aber hinter der „pm“ (Pressemitteilung) aus der heutigen Lokalzeitung steckt ein gar nicht zu belächelndes Problem. Seit Ende 2012 ist die Leitzentrale für Polizei, Feuerwehr und Krankennotrufe im 60km entfernten Osnabrück zentralisiert. Die Folge in diesem Fall: Da wird einfach mal die falsche Feuerwehr alarmiert und in die falsche Straße geschickt. Wäre die Leitzentrale noch vor Ort in Lingen, wäre das schwerlich passiert.

Wie versicherte die Lingener Polizei es fälschlich vor zweieinhalb Jahren, als die Polizeieinsatzzentrale Lingen ab- und Anrufe aus dem Altkreis nach Osnabrück geschaltet  wurden? „Das wird aber kein Bürger merken“.

Der Brandeinsatz in Emsbüren „unter schwerem Atemschutz“ zeigt etwas anderes und auch sonst wird nicht selten davon berichtet, dass lange gewartet werden muss, bis in der Osnabrück Leitzentrale der Notruf überhaupt angenommen wird. Der Emsbüren-Salzbergen-Fall betraf „nur“ ein Auto. Nicht auszudenken, wenn Menschen betroffen wären.

Meine These: Zentralisierungen sind immer und ausnahmslos mit mehr Bürokratie (hier mit einer eigenes gegründeten „Kommunalen Anstalt des öffentlichen Rechts“ und mietender Polizei) und vor allem Nachteilen für die Bevölkerung oder brennende Autos verbunden. Die weitere Behauptung, es würden „Kosten gespart“, klingt zwar immer gut, wird aber nie geprüft.

(Textausschnitt aus: Lingener Tagespost, 12.5.15)

ps Dass Polizei, Feuerwehr und Krankeneinsätze übrigens in einer einzigen Leitzentrale auflaufen und bearbeitet werden, ist unter Datenschutzgesichtspunkten ebenfalls ein Problem; auch wenn die Protagonisten dieser gemeinsamen Einrichtung dafür den mediensympathischen Begriff „bunte Leitzentrale“ verwenden. Bunt ist da nämlich gar nichts; denn wer möchte immer schon gleich auch die Polizei informieren, wenn nur Hilfe benötigt wird? Aber das ist ein anderes Thema….

Abgeschoben

9. Mai 2015

Als wäre nichts vor drei Wochen passiert, hat der Landkreis Emsland am Montag dieser Woche einen 44 Jahre alten Syrer abgeschoben. Ausgerechnet nach Bulgarien mit seinen „systemischen Mängel“ in der Flüchtlingsversorgung. Die eingesetzten Polizeibeamten trafen – zu Gestapozeit um 3.30 Uhr – an der Emsbürener Flüchtlingsunterkunft des Syrers ein und verpassten dem „Schübling“ (Behördendeutsch) eín ordentliches Paar deutsche Handschellen und ab ging’s.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) wollte mit seinem Amtsantritt den Umgang mit Flüchtlingen „humaner gestalten“. Dazu sagte er im März 2013: „Ganz wichtig ist auch die Frage für mich, wie gehe ich mit Abschiebungen um? Abschiebungen sollten nicht bei Nacht und Nebel stattfinden und Abschiebungen dürfen keine Familien trennen.“ 3.30 Uhr in Emsbüren ist aber bei Nacht und Nebel, Herr Innenminister Soweit die Glaubhaftigkeit der Angaben des sozialdemokratischen Politikers.

Im konkreten Fall habe der Syrer in Bulgarien einen Aufenthaltstitel und sei als Flüchtling anerkannt, sagte der für die Abschiebung verantwortliche Landkreis Emsland am Freitag der Neuen Osnabrücker Zeitung. Deshalb  habe das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die Überstellung des Flüchtlings aus Nahost nach Bulgarien angeordnet. Die NOZ berichtet heute, dass der Mann auch an einer Integrationsmaßnahme des Sportvereins SV Concordia Emsbüren teilgenommen hat.

Ein 36-jähriger Marrokaner, der ebenfalls nach Bulgarien abgeschoben werden sollte, hatte sich Mitte April in Lingen selbst angezündet. Erst danach sah das BAMF von der geplanten Abschiebung dieses Mannes ab, nachdem das Geschehen für Unruhe in der Bevölkerung gesorgt hatte. Die UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR hatte mit dem Blick auf die Mängel verlangt, Abschiebungen nach Bulgarien auszusetzen.

Nur einen Tag vor der Abschiebung waren übrigens die Emsbürener Integrationslotsen viel gelobt und bei einer Bürgerversammlung mit dem Ehrenamtspreis der Gemeinde Emsbüren ausgezeichnet worden. Inzwischen stehen ausgerechnet sie dank der Nacht-und-Nebekl-Aktion vom Montag düpiert und besonders dumm da. Die verantwortlichen Polizei- und Verwaltungsbeamten verstecken sich hinter der Anonymität ihrer Behörden…