„Emsland Schwarz-Weiß – Bilder einer norddeutschen Landschaft aus den 60er Jahren” von Gerhard Kromschröder – das sollte ursprünglich die Ausstellung in der Hamburger Gallery Lazarus (Wexstraße 42, 20355 Hamburg) sein. Der ursprüngliche Plan wurde aus aktuellem Anlass, wegen des 25. Jahrestags des Beginns des ersten Irak-Krieges, um Fotos aus Kromschröders Zyklus „Bilder aus Bagdad“ erweitert. Die Ausstellung wird seit Freitag, 4. März 2016, und noch bis zum 25. März gezeigt (Mo. – Fr. 11 – 18 Uhr, Sa. 11 – 14 Uhr). Leser dieses kleinen Blogs wissen, dass der Fotograf und Journalist Gerhard Kromschröder mit dem Emsland auskennt, seit er in den 1960er-Jahren als Lokalredakteur in Lingen und bei der „Ems“-Zeitung in Papenburg begann. Doch mit dem Nahen Osten auch, spätestens seit er 1991 im ersten Irakkrieg in Bagdad blieb. Die neu konzipierte Ausstellung „Peace and War“ stellt nun seine Bilder gegenüber. [mehr…]

 

Die taz interviewte jetzt den großen Gerhard Kromschröder, der in diesem Jahr 75 Jahre alt wird (weiß eigentlich jemand, wann genau?)  und der sagte über sein Emsland einmal mehr ausgesprochen Ehrlich-Liebevolles:

…Ihre in diesem Sinne überhaupt nicht cleanen Bagdad-Fotos bilden in der Ausstellung nun einen Kontrast zu teils eher melancholischen Bildern, die in den 1960er-Jahren in Aschendorf, Haselünne und anderswo entstanden sind. Wie landet man im Emsland, wenn man in Frankfurt Germanistik und Soziologie studiert hat? 

Ich war Lokalredakteur bei der Ems-Zeitung in Papenburg, weil ich in Frankfurt kein Volontariat bekommen hatte. So blöd es klingt: Wir, der spätere ARD-Hörfunkkorrespondent Hermann Vinke und ich, hatten uns vorgenommen, dass ein Lokalteil so gemacht sein muss wie der Spiegel: aufklärerisch und unabhängig. Und da gehörte es dazu, den Alltag einer Gegend realistisch abzubilden.

Wie lange hat die Chefredaktion Sie gewähren lassen?

Von 1962 bis 1967, dann bin ich zum Satiremagazin Pardon nach Frankfurt gegangen.

2011 haben Sie den üppigen Farbfotoband „Expeditionen ins Emsland“ herausgebracht. Sie sind der Region also trotzdem verbunden geblieben. 

Ja, aber in kritischer Distanz, ich bin kein Heimattyp. Ich versuche ja, der Heimatfotografie nicht zu genügen, nicht die Schönheiten eines Landstrichs abzubilden, sondern neben den interessanten Ecken auch die Widersprüche. Ich finde, man muss fotografieren, was die Menschen schön finden und als schön herrichten. Ihre kleinen Häuser zum Beispiel. Viele sagen übers Emsland: Hoher Himmel, enger Horizont. Für mich ist das die Parabel der Provinz. Eigentlich gibt es viel mehr Provinz, als wir wahrhaben wollen. Die Metropolen sind ja nur kleine Inseln. Umso wichtiger ist die Provinzfotografie.

Was hat sich denn im Emsland seit den 1960er-Jahren geändert?

Wenn ich das richtig sehe, geht es der mittelständischen Wirtschaft im Emsland gut. Aber gesellschaftspolitisch hat sich nicht viel getan. Der Einfluss der Kirche ist nicht mehr so offensichtlich, doch ein großer Sinneswandel hat nicht stattgefunden. Dass das Emsland wirtschaftlich gut dasteht, ändert jedenfalls nichts an der geistigen Verfassung der Eliten.

Woran machen Sie die fest? 

Die Eliten fanden ja „Expeditionen ins Emsland“ despektierlich. 2012 ist zu einer Ausstellung zu dem Buch im Emsland-Moormuseum der eingeladene Landrat von der CDU nicht erschientazen, es gab einen Riesenzoff, da habt ihr in der taz ja auch drüber berichtet. Ich fahre aber trotzdem noch gern da hin.

Warum?

Es gibt da immer noch Leute, die ihre Meinung sagen. Wenn man was Kritisches über die Hähnchenkillfabriken der mächtigen Rothkötter-Gruppe sagt und dagegen ist, dass Küken geschreddert werden, ist man unten durch. Und da kenne ich den einen oder die andere.

Fotografisch dürfte die Region allmählich auserzählt sein. 

Man muss sich schon anstrengen, da interessante Bilder zu finden. Die Gegend ist so wie ein Waschbrett, ganz flach. Das Emsland ist ja nicht die Toskana des Nordens.“

(Hier das ganze René-Martens-Interview bei der taz]

(Foto: © Carmen Jaspersen; Januar 2012 – Gerhard Kromschröder mit Deichkönigin)

Kraft

24. September 2012

Regelmäßige Leser dieses kleinen Blogs wissen, wie sehr mich die Fotoaufnahmen von Gerhard Kromschröder gefangen haben, die er in den letzten drei Jahren im Emsland „schoss“ – ist doch die Reaktion der politisch-gesellschaftlichen Regionalliga auf diese so einzigartig auf den Punkt gebrachte, zynisch-ironische Zusammenstellung so wunderherrlich entlarvend. Jetzt werden die Fotografien Kromschröders einige Wochen in Oldenburg gezeigt werden.  Vor einer Woche bei der Eröffnung dieser Ausstellung seiner „Expeditionen ins Emsland – Ein deutscher Bilderbogen“ in der Bibliothek der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg hielt Gerhard Kromschröder  diese Rede über „ein anderes Bild aus dem Emsland“, die aufhorchen lässt und die mich berührt:

„Gestatten Sie mir vor dem Rundgang durch die Ausstellung eine persönliche Anmerkung: Ich möchte kurz sagen, warum es für mich so viel bedeutet, meine Fotos an einem Ort ausstellen zu können, der den Namen Carl von Ossietzkys trägt.

Dabei spielt auch ein Emsland-Bild eine Rolle, ein Bild mit Carl von Ossietzky, entstanden in den Dreißiger Jahren und aufgenommen von einem unbekannten Fotografen, ein Bild, das um die Welt ging.

Was hat es mit diesem Bild und mir auf sich? Ossietzkys Namen kannte ich schon als Schüler in Frankfurt, und als Student habe ich mit glühendem Kopf Artikel von ihm in alten Ausgaben der „Weltbühne“ gelesen – was für ein Journalist, was für ein Mann!

Aber nie hätte ich mir träumen lassen, dass sich unsere Lebenswege einmal berühren könnten. Aber sie kreuzten sich – posthum und fern meiner Geburtsstadt Frankfurt. Denn als junger Redakteur der „Ems-Zeitung“ in Papenburg stand ich zu meiner Überraschung plötzlich dort, wo Carl von Ossietzky als Gesinnungshäftling gedemütigt und gequält worden war – am KZ Esterwegen, übrigens gar nicht so weit von hier, mitten in den „killing fields“ der Nazis im emsländischen Moor.

Als ich vor nun 50 Jahren das erste Mal an dieser Stelle stand, dieser Schädelstätte in der Landschaft des Leidens, da hatte ich dieses eine Foto vor Augen – es zeigt Carl von Ossietzky im KZ Esterwegen; auch das ein Emsland-Bild, wie gesagt.

Sie kennen es vielleicht: Ossietzky, ein eher kleiner, schmächtiger Mann, steht mit dem Rücken an einer weißgestrichenen Barackenwand, den Kopf leicht zwischen die Schultern gezogen. Seine beiden Arme hält er etwas linkisch seitlich nach unten gestreckt, als versuche er sich in einer militärisch strammen Haltung. An seinem dürren Leib schlottert die verschlissene, dunkle Sträflingskleidung, über der linken Brusttasche prangt seine Häftlingsnummer: 562.

Vor Ossietzky hat sich, leicht von hinten fotografiert, ein hochgewachsener SS-Mann aufgebaut in seiner schwarzen Uniform, besetzt mit silbernen Zierknöpfen. Im Bewusstsein seiner Überlegenheit hat der KZ-Aufseher beide Arme in die Hüfte gestemmt, in der linken Hand hält er dabei kokett ein Paar Lederhandschuhe. Von oben herab blickt er mit leicht nach vorn geneigtem Kopf auf den kleineren Ossietzky an der Barackenwand, der die Augenlider gesenkt hält und etwas zu sagen scheint.

Dieses Bild habe ich auch später oft genug aus meinem Erinnerungsarchiv abgerufen. Denn was mich dabei immer wieder beeindruckt, ist die Tatsache, dass der Mann an der Barackenwand auch in dieser scheinbar ausweglosen Situation noch seine Würde behält gegenüber dem gockelhaft auftretenden SS-Mann. Und bis zum Schluss hat sich Ossietzky den Nazis nicht gebeugt, ist trotz widrigster Umstände seinen Überzeugungen treu geblieben. Er zeigte, was geistige Freiheit, moralische Unantastbarkeit und Zivilcourage bedeuten können.

So habe ich aus diesem Bild auch später Kraft geschöpft, wenn ich selbst einmal mit dem Rücken zur Wand stand. So wurde es für mich zum Sinnbild, dass man auch gegen eine scheinbare Übermacht ankämpfen kann.

Zugleich ist dieses Foto Carl von Ossietzkys aus dem Emsland ein Appell, sich nicht zu unterwerfen, sondern einzutreten für eine gerechtere Welt. Dafür gibt es viele gute Gründe. Bert Brecht hat 1935 einen davon aufgeschrieben, in dem Jahr, für das Carl von Ossietzky den Friedensnobelpreis erhielt:

„Und weil der Mensch ein Mensch ist,
Drum hat er Stiefel im Gesicht nicht gern!
Er will er unter sich keinen Sklaven sehn
Und über sich keinen Herrn.“ „

Ausstellung: „Gerhard Kromschröder – Expeditionen ins Emsland
Ein deutscher Bilderbogen“
Dienstag, 18. September  2012 bis Mittwoch 31. Oktober 2012
Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg
Foyer der Universitätsbibliothek, Uhlhornsweg 49-55, Oldenburg

Eintritt frei. Öffnungszeiten der Universitätsbibliothek.

Suchmeldung

31. Oktober 2011

Heute, fast 80  Jahre nach der Einrichtung des KZ Esterwegen im Sommer 1933, wird  die Gedenkstätte Esterwegen eingeweiht. Damit erhalten die Opfer der NS-Gewaltherrschaft im Emsland direkt auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers einen Ort der Erinnerung. Das Lager in Esterwegen war eines von 15 emsländischen Konzentrations- und Strafgefangenenlagern, in denen vor allem Kriegsgefangene und politisch Verfolgte („Moorsoldaten“) inhaftiert waren. Insgesamt sind in den Emslandlagern rund 30.000 Menschen ums Leben gekommen.

Der schon wahlkämpfende Ministerpräsident aus Hannover wird um 10 Uhr da sein und der Kulturstaatssekretär aus Berlin. Natürlich auch der scheidende Landrat des Emslandes – an seinem letzten Arbeitstag; dazu wird kolportiert, es sei ihm ein persönliches Anliegen gewesen, die Gedenkstätte noch zu eröffnen. Nun denn, alle drei Redner sind Christdemokraten und ihre Auftritte zeigen, dass sich die Haltung der CDU in den letzten Jahren offenbar geändert hat. Totschweigen wie früher geht nicht mehr.  Also haben sie sich dafür entschieden, eine  eigene Erinnerungskultur zu etablieren. Mit Kirche und Kloster,  eigener politisch-korrekter Stiftung und ganz viel Geld.

Vergebens suche ich in all dem Kurt Buck. Buck ist der Mann, der 30 Jahre lang das Papenburger DIZ aufgebaut und dabei Vorbildliches geleistet hat. Offenbar passt er nicht so richtig in das neue, offizielle Erinnern; denn Kurt Buck taucht nirgendwo mehr auf. Dabei hätte er viel zu berichten. Zum Beispiel was davon zu halten ist, wenn Landrat Hermann Bröring behauptet, eine Gedenkstätte sei „1980 kein Thema“ gewesen. Ob sich da Hermann B. etwa die eigene Regionalgeschichte zurecht bastelt?

Immerhin hat der ungeliebte Kurt Buck noch dafür sorgen können, dass zwei Journalisten eingeladen sind:  der inzwischen 70-jährige Gerhard Kromschröder und der aus Rhede stammende Hermann Vinke, der spätere Programmdirektor Hörfunk bei Radio Bremen. Ganz jung waren beide von 1963 bis 1967/68 Journalisten der Ems-Zeitung in Papenburg und sie recherchierten  die Geschichte der Emsland-Lager, bis sie vom Verlag der Neuen Osnabrücker Zeitung  entlassen wurden. „Wir haben ein bisschen zu viel über die Lager berichtet“, sagte Kromschröder jetzt zur taz, „und die Kirche kam auch nicht so gut weg. Es gab diese Moorsoldatentreffen“, erinnert er sich. „Wenn du da hinkamst, wurdest du vom Verfassungsschutz fotografiert und am nächsten Tag gab es einen Anruf von der Chefredaktion aus Osnabrück, wo man sich denn rumgetrieben hätte.“

Entsprechend kommentiert der kritische Kromschröder gegenüber der taz, in die neue Gedenkstätte in Esterwegen  „…sind ja Millionen reingeflossen nach dem Motto: ,Wir haben jetzt auch Erinnerungskultur – auf Weltniveau!'“ Nur ein paar Kilometer weiter, in Börgermoor, „wo das Lied von den ,Moorsoldaten‘ geschrieben wurde“, da sei „1968 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion komplett alles abgerissen“ worden. „Nach mehr als sechs Jahrzehnten“, sagt Kromschröder, „haben sie ein wunderbares Haus gebaut – kann man nur hoffen, dass die Erinnerung auch einzieht.“

Vinke, der 1969 eigenhändig eine verharmlosende Schriftzeile auf einem Gedenkstein wegmeißelte, und sein Kollege Kromschröder können vielleicht die Verantwortlichen nach Kurt Buck und seinen künftigen Aufgaben fragen und sie können auch an die Jahre vor 1980 erinnern, als für sie und viele andere -allerdings nicht die lokale CDU- eine Gedenkstätte in Esterwegen längst ein Thema war.
Und, wenn sie schon dabei sind, werden sie sich bestimmt auch erkundigen, warum gestern Abend die neue Gedenkstätte von einem katholischen und einem evangelischen Geistlichen „eingesegnet“ wurde; eigentlich sollte dies auch heute erfolgen, doch die Vereinnahmung durch die Kirchen im Rahmen der offiziellen Eröffnung war dann wohl doch etwas zu viel. Ich habe meine Zweifel ob dieser nachträgliche Christianisierung des Widerstandes der Sozialisten, Kommunisten und Gewerkschafter gegen Nazi-Deutschland. Ich habe auch Zweifel, ob das vom Landkreis Emsland 2007 wohl mitinitiierte Kloster der Franziskanerinnen auf dem KZ-Gelände Esterwegen  eine dem Ort und seiner Geschichte angemessene Einrichtung ist.

Denn gerade die Rolle  der katholischen Kirche und ihrer Würdenträger in den Emslandlagern ist besonders umstritten. Der Osnabrücker Bischof und preußische Staatsrat Wilhelm Berning beispielsweise soll zum Abschluss eines Besuchs der Emslandlager die Wachmannschaften im Lager Aschendorfermoor zu einem Bier eingeladen und dabei gesagt haben: „Lange lag das Emsland im Dornröschenschlaf,  bis der Prinz kam und es weckte; dieser Prinz ist unser Führer Adolf Hitler.“ Amtskirche und politische Regionalliga bestreiten unisono die Authentizität dieses Zitats, das am 26. Juni 1936 die damals gleichgeschaltete Ems-Zeitung zu berichten wusste. Längst haben Historiker in einem vom Landkreis Emsland in Auftrag gegebenen, umfangreichen Werk das Zitat bezweifelt. Aber dass der Pressebericht  falsch ist, ist nicht belegt und auch, dass im  sonst vollständig mikroverfilmten Archiv der „Ems-Zeitung“ vom 26.06.1936 ausgerechnet der Lokalbericht über den bischöflichen Besuch fehlt, wirft -sicherlich nicht nur bei mir- Fragen auf.

Immerhin wird heute nicht mehr geschwiegen. Künftig wird erinnert –  wenn auch politisch wie  kirchlich korrekt und stiftungsfaktisch wohl auch ohne DIZ. Warum das so ist und was es bedeutet, kann der 33-jährige Henning Harpel erklären. Harpel ist Lehrer am Meppener Gymnasium Marianum. Er ist nicht ab 10 Uhr in Esterwegen dabei; denn er muss heute arbeiten. 2004 hat der Pädagoge seine Staatsexamensarbeit zum Thema „Die Emslandlager des Dritten Reichs – Formen und Probleme der aktiven Geschichtserinnerung im nördlichen Emsland 1955-1993“ geschrieben. Eine überarbeitete Fassung erschien im Jahr darauf im 12. „Blauen Band“ der Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte und sorgte für große Aufregung unter den Lokalgrößen.  Warum, wird Harpel heute Abend ab 19.30 Uhr in der NDR-Sendung „Hallo Niedersachsen“ erklären können. Ich bin gespannt.

Übrigens:

Mehr über die Emslandlager im Allgemeinen und Esterwegen im Besonderen habe ich auf der Internetseite des Magazins Emskopp gefunden, bei dem ich mich herzlich für die Erlaubnis bedanke, den Text über Carl von Ossietzky verwenden zu dürfen

(Kasten ©: Carl von Ossietzky aus emskopp.de)

Kromschröders Expeditionen

27. Oktober 2011

Dieser neue Bildband ist ein Muss für jeden emsländischen Bücherschrank. Immerhin ist  Gerhard Kromschröder einer der großen deutschen Fotografen der Gegenwart. Sisch schreibt: „Über ein Jahr war der Hamburger im Emsland unterwegs, um zu fotografieren. Das hat er nicht ohne Grund getan, denn er war schon einmal hier, vor fast 50 Jahren. Als Redakteur bei der Ems-Zeitung in Papenburg hat er damals über Dinge geschrieben, von denen man im Emsland zu jener Zeit nicht sprach: Die NS-Zeit und die Emslandlager. Das hat ihn in den sechziger Jahren seinen Job gekostet und ihm im Jahre 2003 den Medienpreis Emsland eingebracht – The times, they are a changing.
 
Ein bis zum wolkenverhangenen Horizont reichender, frischgepflügter Acker: Das Umschlagfoto von Gerhard Kromschröders in dieser Woche in der Edition Temmen erschienene Bildband “Expeditionen ins Emsland” weist schnurgerade den Weg auf eine fotografische Reise, die wenig gemein hat mit all den Emsland-Büchern voller Sonnenschein und den üblichen Postkarten-Sehenswürdigkeiten.
„Ein deutscher Bilderbogen“ lautet übrigens der Unteritel des über 200 Seiten starken Bildbandes. Weshalb? „Das Emsland steht in meinem Buch als Metapher für Deutschland“, sagt Kromschröder. Ausgerechnet diese riesige, ländliche Region, in der die größte Stadt nur knapp über 50.000 Einwohner hat? „Ja. Diese Konsumkultur, diese großen, vorgelagerten Einkaufszentren, die Bausünden, die Landvernichtung, der Ausverkauf von historischen Gebäuden wie z.B. Schloss Dankern, all das kann man überall in Deutschland finden, auch in den großen Städten. Im Emsland fällt es aufgrund der dünnen Besiedelung nur viel mehr auf.“
gefunden und mehr bei Emskopp-online

Gerhard Kromschröder
Expeditionen ins Emsland"". Ein deutscher Bilderbogen.
Edition Temmen (204 Seiten, 24,90 Euro)
ISBN 978-3-8378-5020-8

Scherbenhaufen

16. März 2011

„Der von der Johann Alexander Wisniewsky-Stiftung mit Landrat Hermann Bröring als Vizepräsident ins Leben gerufene und mit insgesamt 10.000 Euro dotierte Medienpreis Emsland wird in diesem Jahr nicht vergeben. Alle vier journalistisch tätigen Jurymitglieder haben die insgesamt fünfköpfige Jury verlassen. Geblieben ist einzig Dr. Andreas Mainka als Mitglied des Stiftungsrats in der Jury. Die hatte zuvor Tobias Böckermann, Redakteur bei der Meppener Tagespost, für seine Serie „Faszinatur Emsland“ ausgezeichnet, die zwischen 2006 und 2010 in der MT erschienen ist und die sich mit den Themen Natur und Umwelt im Emsland auseinandersetzt sowie Sebastian Beck, Redakteur der Süddeutschen Zeitung, für seinen Artikel „Bis aufs Blut“. Hierbei handelt es sich um eine Reportage über den emsländischen Unternehmer Franz-Josef Rothkötter.

Der Stiftungsrat lehnte beide Auszeichnungen ab mit der Begründung, dass die entsprechenden Bewerbungsunterlagen nicht vollständig gewesen seien. Diese zu überprüfen und fehlende Unterlagen gegebenenfalls nachzufordern sei laut Jurymitglied und gebürtigem Emsländer Hermann Vinke, Journalist und Autor, jedoch nicht die Aufgabe der Jury gewesen, sondern der Stiftung bzw. des von ihm beauftragten Medienhauses Emsland mit Sitz in Lingen.

Sowohl er als auch weitere drei Jurymitglieder vermuten, dass die Auszeichnungen nicht aufgrund von Formfehlern abgelehnt wurden, sondern aufgrund der Tatsache, dass sich die beiden potentiellen Preisträger in ihren Texten kritisch mit dem Emsland auseinandergesetzt haben.

Aus Protest gegen die Entscheidung des Stiftungsrats haben die vier Journalisten jetzt die Jury verlassen. Die für den 8. April geplante Preisverleihung auf Schloss Clemenswerth in Sögel fällt aus.“

Ich übernehme diese heutige Nachricht (fast unverändert) von der -wie üblich- bestens informierten Ems-Vechte-Welle. Natürlich interessieren uns alle die Hintergründe des Jury-Rücktritts. Vielleicht kann dem Informationsbedürfnis nachgeholfen werden? Übrigens nicht, um die verdienstvolle Arbeit der Johann Alexander Wisniewsky-Stiftung zu diskreditieren sondern um aufzuklären, welche Mechanismen hier warum so und mit diesem fatalen Ergebnis zusammengewirkt haben.

Hermann Vinke jedenfalls ist ein exzellenter Journalist und prominenter Mann. Schon als junger Volontär war er bei der Papenburger  Ems-Zeitung nicht wohl gelitten, damals u.a. mit Gerhard Kromschröder (mehr), den übrigens die Alexander-Wisniewsky-Stiftung mit dem Medienpreis Emsland für “herausragenden, kritisch-hinterfragenden Lokaljournalismus” ausgezeichnet hatte. Ich glaube seiner Vermutung, doch zusätzliche Informationen über den Hintergrund der Entscheidung wären doch besser. Ganz spannend ist auch die Frage, ob die lokalen Medien über den Eklat überhaupt berichten.

Jurymitglieder waren neben dem renommierten Hermann Vinke die Journalistin  Beate Tenfelde (Neue Osnabrücker Zeitung), Waltraud Luschny, Studioleiterin des NDR Osnabrück und  Prof. Dr. Achim Baum, Hochschule Osnabrück/Lingen (Ems) – auch sie allesamt nicht für fundamentalistische Dickschädelei bekannt.

Also, was ist da passiert, wer hat warum den Scherbenhaufen angerichtet?

Update: Die Ems-Echte-Welle meldet um 14:44 Uhr:

Johann-Alexander-Wisniewsky-Stiftung hält mit einköpfiger Jury an Medienpreisvergabe 2011 fest

Emsland – Laut einer Mitteilung des Medienhauses Emsland hält die Johann-Alexander-Wisniewsky-Stiftung an der Vergabe des Medienpreises 2011 fest. Da 45 Bewerbungen alle Formalitäten nach wie vor erfüllten, werde die Stiftung wie geplant den Medienpreis Emsland 2011 vergeben. Die Stiftung habe sich mit dem Medienpreis Emsland ein Projekt auferlegt, um Journalismus im Emsland und über das Emsland zu fördern. Dr. Andreas Mainka, einzig verbliebenes Mitglied der ehemals fünfköpfigen Jury, äußerte laut Medienhaus, dass die vier Jurymitglieder dieses gemeinsame Ziel leider vergessen hätten und mit ihrer Entscheidung alle anderen Bewerber abstrafen würden. Deshalb werde an der Vergabe des Preises festgehalten.

Wer will eigentlich eine solche Auszeichnung noch annehmen, lieber Herr Mainka?