Anwandern

17. März 2012

Es geht eine Woche des ebenso unverfrorenen wie dreisten Griffs der CDUSPD unserer Stadt in unser aller Portmonee zu Ende. Die Lingener reiben sich überrascht die Augen angesichts von Steuererhöhungen bei der Grundsteuer A, der Grundsteuer B, der  Gewerbesteuer und jetzt auch noch einer Steigerung des Strompreises der lokalen Stadtwerke. Also  muss man geradezu nach einem Ausgleich suchen…

Den liefert uns Lingens Top-Kuchentesterin Christiane Adam  (mehr…). Sie hat zwar schon vor zwei Wochen über das „Anwandern“ durch die Schlipse  geschrieben, aber wir brauchen -siehe oben- jetzt ausgleichenden Beistand. Und da können primär kontemplative, dann aber auch genussreiche Wanderungen durch das schönste Waldgebiet im Lingener Land,  vom Biener Busch vielleicht mal abgesehen, helfen. Chrissi wanderte jedenfalls von  Schepsdorf eine gute Stunde bis zum Landgasthof Elberger Schlipse, ehemals Gaststätte Bösker an der Westseite des Emswehres in Haneken.

Die traditionsreiche Gaststätte  steht seit dem letzten Sommer unter neuer Führung. Chrissi schreibt: „Und das scheint mir kein Nachteil zu sein! Jeden Sonntag gibt es Kuchen plus Heißgetränke satt für 6,90 Euro. Und unter Heißgetränke fallen nicht nur Kaffee und Tee, sondern auch heiße Schokolade, Milchkaffee und dergleichen mehr. Es stehen ca. 12 Torten zur Auswahl. Getränke werden an den Tisch gebracht, Torten sowie Sahne holt man sich selbst am Buffet. Die Besitzer sind hundefreundlich (Wassernapf auf Anfrage) und haben einige Pläne. Um nur einige zu nennen (die Internetseite gibt darüber leider  keine Auskunft): Spargelbuffet von April bis Juni, Lunchbuffet, mittwochs Kaffeeklatsch, Ostereiersuchen, 1. Jahrestag der Elberger Schlipse am 30. Juni mit Livemusik etc. etc. Wer die Gaststätte Bösker kennt, kennt den großen Garten mit Kinderspielplatz und Zugang zur Ems.

Einen Ausflug ist der Landgasthof Elberger Schlipse allemal wert.“ Und das selbstredend gerade an diesem Frühlingswochenende

(Quelle; Foto © Christiane Adam)

Biberschwanz

6. Juli 2011

 1970 hat Bernhard „Bernd“ Merswolke das Lingener Schloss Herzford erworben. Bis dahin gehörte es einer Herzog Arenberg Gesellschaft und die hatte das barocke Meisterwerk nahezu ruiniert. Der Burggraben verlandete, die Häuser versifften geradezu und 1956 wurden die beiden Torhäuser der Anlage abgerissen. Sie seien unnütz, baufällig, hieß es. Seit 40 Jahren nun baut Bernd Merswolke sein und unser Herzford wieder auf. Schritt für Schritt mit Sorgfalt und ohne öffentliche Zuschüsse. Vor einer Woche feierte er jetzt mit Gästen Richtfest. er baut die beiden Torhäuser wieder auf, links und rechts der vom Lingener Kunstschaffenden Friedel Kunst vor einigen Jahren neu erschaffenen Brücke. Petra Berning, eine der wenigen Architekten im Nordwesten, die sich ganz dem Erhalt wertvoller Bauarchitektur verschrieben hat, ist ebenso mit von der Partie wie der Antiquar Wolfgang Schnieders, der längst ein Experte für Sandsteinarbeiten geworden ist, und Klaus Rosemann, der als Architekt für die Arbeiten verantwortlich zeichnet und auf alten Zeichnungen mit der Lupe die Zahl der Verblenderreihen auszählte, um die Gebäudehöhe originalgetreu zu rekonstruieren. Andreas Eyinck ließ in einem spontanen Vortrag die Geschichte von Schloss Herzford vorüber ziehen und wusste dabei sogar Neues zu berichten: Dendrologische Untersuchungen weisen nach, dass das Herrenhaus etwa 14 Jahre älter ist, als bisher gedacht; es dürfte schon 1718 entstanden sein. Also dürfen wir uns auf das herrlicheJubiläumsjahr 2018 freuen.

Es war ein wirklicher Genuss, an diesem Nachmittag auf Schloss Herzford in der Elberger Schlipse dabei zu sein und zu erleben, dass Denkmalpflege etwas anderes ist, als kommerzielle Gestaltungsshow oder die Dienstbarmachung historischer Architektur für kurzfristige geschäftliche Verwendungen.

Übrigens habe ich Bernd Merswolke versprochen, mit ihm gemeinsam alte Biberschwänze aus Ton zu suchen, die die Dachseiten der beiden Torhäuser eindecken sollen. Der Hausherr sucht alte, historische Exemplare und zwar solche, wie sie zerbrochen links auf dem Foto zu sehen sind. Die hochkant präsentierten neuen Exemplare sind nicht so sein Ding.
Kennen Sie vielleicht eine Biberschwanz-Altquelle? Dann schicken Sie mir bitte eine E-Mail. Bestimmt werden Sie dann auch zur bevorstehenden Einweihung der beiden Torhäuser eingeladen. Keine Frage – Bernd Merswolke macht das.