Entspannt Euch

12. März 2015

Bildschirmfoto 2015-03-11 um 22.19.04Die verquaste Begründung, es den Emsländern vorzuenthalten, zwischen vier verschiedenen Autokennzeichen zu wählen, kennen meine Leser. Am Dienstag hat nun der emsländische Kreistag im Kolonnenschritt hinter dem immer so gestaucht daherkommenden Landrat Reinhard Winter (CDU) erst einmal die vorgeschlagene Wahl zwischen LIN, MEP und ASD und EL abgelehnt: 47 Nein bei 10 Ja. Das ist nicht das letzte Wort; denn wir haben in 18 Monaten Kommunalwahlen im Emsland; deshalb bleibt das Thema natürlich auf der Tagesordnung und auch der nächste Kreistag wird darüber abstimmen, ob es die von vielen gewünschten Retro-Kennzeichen gibt oder nicht. In fast 300 anderen Landkreisen unseres Landes ist das nämlich längst selbstverständlich; doch es gibt eben immer Nachzügler, die lieber den Kopf trotzig in den Sand stecken, als die Zeichen der Zeit zu erkennen und den Einwohnern einfach „eine Freude machen“ (Michael Goldmann, FDP)

Dabei darf man amüsiert die gestelzten Erklärungen der einzelnen Kreistagsmitglieder in der Tagespresse studieren. Dass die Grüne Birgit Kemmer in bemerkenswerter Schlichtheit das Thema auf „Männerkram“ reduziert hat, wissen Sie. Nun sprintete geradezu die SPD-Kreistagsabgeordnete Karin Stief-Kreihe hinter der Grünen her ins argumentative Abseits und erzürnte sich über ganz arges „Altkreisdenken“ („immer sehr negativ“) – als ob die mögliche Wahlfreiheit irgendetwas damit zu tun hätte; aber für Funktionäre gleich welcher Couleur sind Wahlfreiheiten der Regierten immer schon und irgendwie bedrohlich gewesen; daher lieber nicht…

Dann tönte noch die CDU, man sei  „für den mündigen Bürger, aber“ . Meine Güte! Es gibt totgerittene Polit-Phrasen, die man wirklich nicht mehr hören will: „Mündige Bürger“ ist da ganz vorn. Außerdem wissen doch alle spätestens seit Pegida & Co., was man von  „Ich-bin…,aber“-Sätzen zu halten hat. Nämlich nichts bzw. in Wahrheit das Gegenteil.

BN16Der UWG-Vorsitzende Günter Pletz (Meppen) hatte für all diese verklemmte Bedenkenträgerei denn auch die richtige Antwort des Abends: „Entspannt Euch!“

Nur dass er dann eine geheime Abstimmung beantragte, hat nicht überzeugt. Die vage Hoffnung, dass CDU-Leute im geheimen Wahlkabinlein (gab’s das überhaupt?) anders votieren als ihre Vorturner vorgegeben haben, hat’s noch nie gegeben und das habe ich deshalb schon 1985 als völlig ungeeignetes Mittel abgeheftet. Doch mit der geheimen Abstimmung ersparte es der unabhängige Günter Pletz jedem Mitglied der von der LIN-MEP-ASD-Initiative so tief getroffenen  politischen Kreisliga, sich öffentlich und persönlich zu seiner peinlichen Provinzialität bekennen zu müssen. Nun, dafür dürfen sie aber nach 2016 noch mal abstimmen (und wenn es sein muss, noch viel öfter…). LIN-MEP-ASD kommt nämlich doch, nur etwas später. Entspannt Euch!

weiterhin

29. Dezember 2012

Noch zum Jahresende eine erfreuliche Nachricht für deutsche Kiffer (und ihre Anwälte) durch taz-Blogger Falk Madeja:

„Ausländer dürfen weiterhin in den Niederlanden kiffen. Diverse Gemeinden können einfach nicht auf die Einnahmen verzichten, so Amsterdam, Rotterdam und Enschede. Es gab den Versuch, Coffeehop-Besucher nur noch lokal mit Hilfe einer Anwesenheitspflicht in der jeweiligen Gemeinden zuzulassen. Gecancelt.
Das Staatsfernsehen NOS befragte 100 Gemeinden mit einem oder mehr Coffeeshops, es reagierten 55. Dvon gaben 26 an, dass Ausländer weiter kiffen dürfen.“

Also werden weiterhin in Coevorden, Emmen, Winschoten, Groningen, Hengelo, Enschede  und anderswo nebenan niederländische Polizeibeamte nahe den einschlägigen Coffeeshops in ihren Autos sitzen und bei ihren deutschen Kollegen anrufen, dass jetzt gleich der und der Coffeeshop-Besucher mit dem und dem NOH-, LER- oder EL-Kennzeichen angerauscht kommt und man ihn doch erwarten möge.

HanfDann sehen die Bundesdeutschen kurz oder weit hinter der Grenze überrascht eine Polizeikelle und hören nach dem Stopp aus polizeilichem Mund die Lüge des Jahres: „Allgemeine Verkehrskontrolle!“, dürfen („wegen des intensiven Marihuanageruchs“) aussteigen, damit sodann bundesdeutsche Ordnungshüter oft nicht vorhandene, aber dann -im Gegensatz zum Kollegentipp aus den Niederlanden- allemal aktenkundig gemachte, gerötete Skleren feststellen; alsdann darf „natürlich freiwillig“ am Straßenrand gepinkelt und die Urinprobe sofort positiv getestet werden; der dann fälligen Blutprobe stimmt der überforderte Kiffer wiederum freiwillig mittels Unterschrift auf Formblatt zu, der längst herbeigerufene Arzt zapft Blut ab. Die roten Skleren sind dann zwar nicht selten weg, wenn der Arzt nachschaut, aber es reicht selbst bei Minigehalt von THC im Blut meistens für eine fette Ordnungswidrigkeit mit mindestens 500 Schleifen,  einem Monat Fahrverbot und vier Punkten. Vor allem ist spätestens nach Abschluss des Ermittlungsverfahrens auch die Fahrerlaubnis futsch, weil man zwar (grundsätzlich und in Grenzen) unter Alkohol fahren darf, sofern man kein Führerscheinneuling ist, aber nicht einmal minimalst angekifft, wobei unter Umständen sogar Dabeisitzen, also passiver Konsum reicht. Dann ist der Lappen weg; das praktiziert die Straßenverkehrsbehörde. Gnadenlos.

Also Freunde des auf Gottes Erde wachsenden Hanfes (Foto), wenn ihr schon in den Niederlanden kifft, nutzt Bus und Bahn, fahrt frühestens nach Tagen wieder und denkt daran, dass der Erwerb zwar im Nachbarland nicht bestraft wird aber hierzulande auch dann strafbar ist, wenn ihr -sofern Deutsche/r- in Holland die Zubereitungen der indischen Hanfsorte Cannabis sativa kauft und sie dort konsumiert. Dies ergibt sich aus § 7  Abs. 2 StGB und dem Umstand, dass der Kauf von Cannabis auch in den Niederlanden strafbar ist (allerdings dort nicht verfolgt wird). Deshalb sollte man strikt schweigenund nichts sagen, falls man  polizeilich kontrolliert und befragt wird und außerdem überhaupt nichts unterschreiben. Immer!  Und nach dem Verlassen der Polizeiwache einen nicht im Miet- oder Erbrecht sondern in BtM-Sachen erfahrenen Anwalt aufsuchen oder anrufen.

(Foto. Hanf  (C) Bart Pogoda / www.bartpogoda.com)