Märchenwege

9. Dezember 2019

Auf dem Lebensweg von Wilhelm Busch sind sie bereits durchs Weserbergland gewandert, Walter Kempowski und Arno Schmidt sind sie durch die Lüneburger Heide gefolgt, nun haben sie Hessen auf den Spuren der Brüder Grimm von Süd nach Nord zu Fuß durchmessen: Abermals erweisen sich der Schriftsteller Gerhard Henschel und der Fotojournalist Gerhard Kromschröder als Spezialisten für literarische Wanderungen.

Ausgehend von Hanau am Main, dem Geburtsort von Jacob und Wilhelm Grimm, folgen sie den Lebensstationen der Brüder gut 300 Kilometer bis ins nordhessische Kassel, wo diese fast 30 Jahre lang wirkten und wo ihre weltberühmte Märchensammlung entstanden ist.
Während ihrer zweiwöchigen Wandertour erleben Henschel und Kromschröder Land und Leute aus nächster Nähe. Sie zeichnen in Wort und Bild das Porträt eines Landstrichs, der durchaus exemplarisch steht für viele Gegenden der deutschen Provinz. Zugleich liefert ihr opulent bebildertes Wandertagebuch kulturhistorische Details aus der Wirkungsgeschichte der Grimmschen Werke und gibt ungewöhnliche Einblicke in die Arbeitsweise der Brüder, ihr Verhältnis zueinander und ihre bislang nur wenig bekannten Obsessionen.

Ich erwähne dieses Werk, weil ich „Kromo“ Kromschröder dringend den Vorschlag machen muss und will, auf dem Ems-Wanderweg das angrenzende Westfalen und unseren Nordwesten (vulgo: Das Emsland) zu durchwandern – und zwar auf den Spuren von Ferdinand Freiligrath und Levin Schücking. Beide veröffentlichten 1841, also in der Hochzeit der deutschen Romantik, ein einzigartiges Buch über das Malerische und romantische Westphalen, einen frühen Reiseführer, der Jahrzehnte und mehrere Auflagen erlebte (Neuauflage). Beide darf man also bei uns  im Nordwesten kennen: 

Der Lyriker und Übersetzer Hermann Ferdinand Freiligrath (1810 -1876 ) war zunächst eher ein Schöngeist, schloss sich dann aber in den 1840er Jahre nder demokratischen Opposition an, wurde 1848 wegen des offenen Appells zum Umsturz verhaftet, aber  freigesprochen und war dann auf Einladung von Karl Marx Redakteur der legendären  »Neuen Rheinischen Zeitung« in Köln. Nach deren Verbot 1849 ging e , steckbrieflich gesucht wegen neuer Gedichtbände (!), dann als Angestellter nach London.  Christoph Bernhard Levin Matthias Schücking (1814-1883) gilt als Erfinder des deutschen Feuilletons. Zu seiner Zeit war er ein sehr bekannter Autor, Journalist und Literaturkritiker. Vor allem verbrachte er, in Meppen geboren, seine Kindheit in Sögel; dort gab es bis vor einigen Jahren sogar ein wertvolles Schücking-Museum, was allerdings keine Gnade vor den Augen des damaligen Landrats Hermann Bröring (CDU) fand  – ich vermute stark, weil man Feuilleton nicht mit C schreibt-  und aus finanziellen Gründen schließen musste. Er weiß selbst, dass er damit daneben lag wie sonst selten.  Also: Freiligrath und Schücking sind schon hochinteressante Leute aus unserer Region.

Also Kromo, nimm Dir bitte den Henschel und wandere los. Zu Annette von Droste Hülshoff dürft ihr gern einen Abstecher machen und der zunehmend altersmilde Hermann Bröring trinkt sicherlich am Lingener Marktplatz einen Kaffee mit Euch beiden, wenn ich ihn  bitte, höflich. Dann wäre ich gern dabei.


Gerhard Henschel / Gerhard Kromschröder
Märchenwege
ISBN: 978-3-8378-5037-6
224 S., 262 Abb.,  24,90 €
Erhältlich (zu Weihnachten!)  im lokalen Buchhandel und hier

Laubengänge

24. Juli 2018

Was machen eigentlich gerade die Emsland-Protagonisten  Gerhard Kromschröder und Gerhard Henschel? „Laubengänge“, weiß die Bremer taz-Journalistin Simone Schnase. Sie rezensiert das neue Wandertagebuch der beiden. Es heißt Laubengänge und berichtet über eine Wanderung auf den Spuren von Wilhelm Busch durchs Weserbergland zum Harz:

„Wilhelm Busch war selbst kein Freund von Wanderungen, aber: „Ich freue mich, wenn andere sie machen“, schrieb er einst. Diese Freude wollten Gerhard Henschel und Gerhard Kromschröder ihm machen und machten sich auf den Weg.

Zwei Wochen waren der Schriftsteller und der Fotograf im vergangenen Jahr zu Fuß vom Schaumburger Land durch das Weserbergland bis zum Harz unterwegs, 300 Kilometer von Wiedensahl nach Mechtshausen, auf den Spuren Wilhelm Buschs. Resultat der Reise: Das just in der Edition Temmen erschienene Buch „Laubengänge“, das sich einerseits der Biografie des Dichters und Zeichners Wilhelm Busch widmet, andererseits aber auch wieder nicht.

Was damit gemeint ist, ahnt, wer Henschels und Kromschröders 2016 erschienenes – und mit dem Ben-Witter-Preis 2017 ausgezeichnetes – Buch „Landvermessung“ kennt: Das basiert ebenfalls auf einer „Recherche-Wanderschaft“ der beiden, durch die Lüneburger Heide auf den Spuren von Arno Schmidt und Walter Kempowski – aber herausgekommen ist auch eine scharfsichtige und teils urkomische Analyse eines Landstrichs, der durchaus exemplarisch steht für viele Gegenden in der norddeutschen Provinz. Und Gleiches gilt auch für ihr neues Werk.

Vorgemacht hatte das einst, allerdings „nur“ fotografisch, Gerhard Kromschröder mit seinem Bildband „Expeditionen ins Emsland“, ohne den sich die beiden Gerhards möglicherweise nie begegnet wären. Henschel, der im Emsland aufgewachsen ist, nachzulesen in seinem Buch „Jugendroman“, hat für den 2011 erschienenen Bildband das Vorwort geschrieben. „So haben wir uns kennengelernt – und seither sind wir befreundet“, sagt Kromschröder.

Dabei könnten die beiden auf den ersten Blick unterschiedlicher kaum sein: Der 77-jährige Fotograf, ehemals Reporter, auch….“

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Gerhard Henscel / Gerhard Kromschröder
Laubengänge – Auf den Spuren von Wilhelm Busch durchs Weserbergland zum Harz,

224 Seiten,  Edition Temmen,

ISBN 978-3837850352,

24,90 €

 

(Foto: Kromschröder/edition Temmen)