1946

30. Oktober 2017

Das kennen Sie sicher, oder? An stürmisch-herbstlichen Sonntagen durch’s Netz surfen und auch mal bei Ebay reinschauen, als Suchbegriffe Lingen + Ems eingeben -gibt man nur Lingen ein, landet man bei Dutzenden antiquarischen Büchern des Kölner Lingen-Verlages – und dann geht’s los. Zunächst -zig Seiten immer dieselben Postkarten und dann und wann auch mal Interessantes:

Gestern war das eine Fotoaufnahme aus dem Jahr 1946, die zazaza030  anbietet – ein vertrauenswüdriger Ebayer mit 24.554 positiven Bewertungen. Einschließlich “Rückseite mit Kleberesten” bietet er an:
Foto zwei süsse Kinder Junge Knabe Mädchen 1946 Portrait Geschwister Lingen Ems“ . Gemeint sind natürlich zwei süße Geschwisterkinder, aber die Sache mit dem langen Vokal und dem folgenden „ß“ ist offenbar schwierig. Das Fotofundstück findet sich unten und meine Frage hier: Wer ist darauf zu erkennen?

1,50

28. August 2016

Heute ist Sonntag, der Tag bei ebay. Da hilft es manchmal, sich twas zu informieren, was zulässig ist und was nicht. „Shill Bidding“  beispielsweise. das hat jetzt der Bundesgerichtshof entschieden. Im lawblog steht, was  das bedeutet:

ebayWer bei ebay auf eigene Artikel bietet und damit den Preis treibt, geht ein hohes Risiko ein. Kommen die Eigengebote nämlich raus, können unterlegene Käufer Schadensersatz verlangen. So erhält ein ursprünglich gescheiterter Käufer eines VW Golf jetzt nach einem Gerichtsurteil knapp 16.000 Euro Schadensersatz, weil ihm das Auto nur wegen unzulässiger Eigengebote durch die Lappen gegangen ist.

Der Bundesgerichtshof beschäftigte sich jetzt erstmals mit dem sogenannten „Shill Bidding“ bei ebay und auf anderen Plattformen. Das Ergebnis fällt denkbar nüchtern aus: Scheingebote, die der Verkäufer selbst abgibt oder abgeben lässt, zählen nicht. Vielmehr kommt derjenige Bieter zum Zuge, der das letzte „echte“ Höchstgebot ohne Manipulation abgegeben hat.

In dem entschiedenen Fall lautete das Gebot auf 1,50 Euro, als der Verkäufer anfing, über einen Zweitaccount den Preis in die Höhe zu treiben. Der echte Kaufinteressent bot zwar bis zu 17.000 Euro mit, dennoch gilt nach Auffassung des Bundesgerichtshofs nur sein niedrigstes, unbeeinflusstes Gebot. Das waren eben jene 1,50 Euro.

Dass der Käufer für den schon anderweitig verkauften Wagen jetzt rund 16.000 Euro für „nichts“ bekommt, spielt nach Meinung des Gerichts keine Rolle. Schon früher hat der Bundesgerichtshof geurteilt, dass niedrige Startpreise gerade den Reiz von Auktionen ausmachen. Wer mit niedrigen Startpreisen Kunden anlocke, müsse auch das Risiko für den Fall tragen, dass mangels Nachfrage Schnäppchenjäger zuschlagen (Aktenzeichen VIII ZR 100/15).

Laura

22. Juni 2015

[Irgendwie klang die Geschichte zu gut: Ein Mann zersägt in einem schmutzigen Scheidungsstreit mit seiner Ex-Frau sein Hab und Gut, vom Opel Corsa bis zum Teddybären. Schließlich stehe seiner Ex die Hälfte des gemeinsamen Besitzes zu.

Die Geschichte traf international einen Nerv. Es gab Berichterstattung in den FOX News in den USA, in Nigeria, Europa, China und Australien, auch die deutschen Medien griffen die Geschichte auf. Das chilenische Fernsehen hat wegen der Aktion eine ganze Sendung über das Thema Scheidungsvorsorge gemacht. Auf youtube ist das making of des Teilens der Gegenstände ein Hit…. mehr]

Döner scharf

20. Juni 2012

Beim Auktionshändler ebay wird seit gestern für 15.000 DM € „der Bestand“ eines lokalen Dönerladens angeboten. Der Originaltext:

„Hallo
Die im Herzen von Lingen gelegene, kleine-schicke Pizzeria steht hier zum Verkauf. Nur Aufgrund von Mitarbeitermangel wird sie abgegeben. Die Pizzeria besteht seit 25 Jahren in dieser Stadt. Jeder Einwohner der Stadt kennt und liebt diese Pizzeria. Das Inventar wird hier Verkauft und die Pizzeria muss anschließend zur Miete übernommen werden. Der Preis für das Inventar ist VB. Die Miete beträgt Monatlich Kalt: 950. Da ich nur am Wochenende mich in Linge befinde werden weitere Fotos auf anfrage geschickt Besichtigung ist jederzeit vor telefonischer Anmeldung geschehen.“

Dies lässt mich hoffen. Im Istanbul hat sich nämlich gerade ein besonderer Beitrag gegen das Zusammenleben in unserer Stadt zugetragen. Unter jüngst aufgehängter Koransure unter Glas fragte doch am Pfingstwochenende der Mann hinter dem Thresen den Kunden davor, ob er „schwul“ sei. Als Kunde Sven bejahte, hörte er sinngemäß:  „An Schwule verkauf ich nichts. Raus.“ Döner scharf mit Diskriminierung, über die ich noch andernorts sprechen möchte.

Jetzt am Wochenende gab es in der facebook-Gruppe „Du weißt du kommst aus LINGEN/EMS wenn“ eine empörte Diskussion (die ich allerdings nicht mehr auf der facebook-Seite finde; ist sie etwa gelöscht?) und nun also wird „der Bestand“ des Istanbul in der Eliabethstraße meistbietend verkauft. Auch an Schwule?

römpömpömpöm

31. März 2012

Zum Schmunzeln braucht man nicht viel. Zum Beispiel ein altes Auto und diesen ebay-Auktionstext:

Der Kronprinz im Hause schwedischer Automobil-Aristokraten. In schwarz. Vollturbo. Aerokit. Vollausstattung in beigem Leder.

Damit wir gleich wissen, woran wir sind: Ich war unlängst damit beim Saab-Fachmann und habe mal ein geübtes Auge auf den schwarzen Schweden werfen lassen, da mich der Verdacht überkam, dass es für die anstehende TÜV-Prüfung im Mai eventuell nicht ganz reichen könnte.

Kurzum: Die Liste der Dinge, die an dem Skandinavier erledigt werden müssen ist ähnlich lang wie der Stiel an Thors Hammer.

Der Gesamtzustand ist von einem Bestklassefahrzeug ähnlich weit entfernt wie ein Horn Met von einem 68er Chablis. Die Hinterachse, Radinnenläufe und einige andere Stellen haben ähnlich viel Rost wie der Schild eines Wikingers nach der Überfahrt zu Amerikas Küste, und auch die Klimaanlage ist schlichtweg defekt. Mein Tipp: Im Sommer einfach die ungeliebte Schwiegermutter mitnehmen – ihre soziale Kälte kann in diesem Fall Abhilfe vielleicht schaffen.

Der Himmel – was Wunder – hängt und droht stets den Insassen auf den Kopf zu fallen. Potztausend, und das bei einem Saab 900! Wer also aus einem kleinen, widerstandleistenden gallischen Dorf kommt, sollte also besser vom Erwerb Abstand nehmen. Doch der Stoff ist mit Nadeln effektiv hochgesteckt. Sieht zwar aus wie mit einer Schrotflinte unters Dach geschossen, doch der versierte Autofahrer schaut während der Fahrt im besten Fall ohnehin eher nach vorn. Vielleicht mal der Schwiegermutter zeigen und bedeutungsvoll drohend mit dem Kopf nicken.

Im Nebensatz sei vielleicht noch erwähnt, dass das Getriebe im fünften Gang eine seicht säuselnde Ode künftiger Vergangenheit summt und im Verdacht stehen könnte, dereinst auf den Walküren ins Walhalla zu reiten.

Wer den Wagen also ersteigern möchte, um ihn vor dem Einzug in Odins Burg zu retten und komplett neu aufzubauen möchte, sollte also den einen und auch den anderen Euro einplanen.

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Das beige Leder (Elch, handgewürgt oder so) ist auch einige Jahre nach seiner kompletten Aufbereitung immer noch in einem guten Zustand. Als Bonus greift der Kapitän dieser Galeere in ein Ruder aus beigen Leder aus dem Hause Saab. Allein die rar gewordene Nabe des Lenkrades dürfte schon interessant sein.

Der Motor hat zwar seine 318.000 Kilometer hinter sich, läuft aber ähnlich rund wie schwedische Jungfrauen beim südschonischen Ringeltanz und bringt volle Leistung.

Auch die ausgesprochen selten zu bekommende Schiebedachabdeckung mit verstellbaren Airflow ist in Ordnung und bestens dazu geeignet, selbst handfest gefochtene Zöpfe zauseliger Wikinger zu verwirbeln – sofern gewollt. Oder auch die der ungeliebten Schwiegermutter. Ganz nach Belieben und Einstellung.

Auch die Aeroanbauteile sind in einem Zustand, der sicherlich als gut bezeichnet werden kann.

Der Wagen steht derzeit auf Stahlfelgen mit Winterreifen, die ähnlich abgegriffen sind wie die Wortspiele mit denen ich gerade um mich werfe. Die original Alu-Aerofelgen habe ich zwar hier, doch gehören sie nicht mit zur Auktion. Genau so wenig wie die oben erwähnte Schwiegermutter. (Leider ebay-Richtlinie: Kein Verkauf von lebendigem Irgendwas). Doch im Handschuhfach liegt ein neuwertiger Stadtplan von Bonn. Den gebe ich freimütig mit dazu.

Der Aero-Felgensatz kann – nach Absprache – gern separat nach Ersteigern des Wagens erworben werden. Ansonsten stelle ich die Felgen in einer anderen Auktion ein.

Ach ja: Der Wagen wird unmissverständlich und ausdrücklich als defekt, Ersatzteilträger, Restaurationsobjekt und schangeliger Schröggel angeboten. Nach EU-Recht Privatverkauf. Keine Gewährleistung oder Garantie, keine Rücknahme, keine Nachverhandlung. Spaßbietern hetze ich meine Anwältin auf den Hals wie Odin seine Bluthunde. Und meine Schwiegermutter obendrein. Und glaubt mal alle: Das will niemand!

Eine Besichtigung vorm Bieten und Ersteigern ist nicht nur möglich, sondern ausdrücklich erwünscht. Ernsthafte Interessenten bitte ich um Terminabsprache, denn: Ja, der Wagen wird tatsächlich jeden Tag gefahren. Auch über ein Sofortkaufangebot lässt sich bei einem Horn Met reden.

PS: Bevor jetzt irgendein Spaßvogel anfragt, ob er seine Schwiegermutter zur Besichtigung mitbringen kann: Ja. Gern. Dann geht die Probefahrt halt zu einem skandinavischen Möbelhaus und sie bekommt auch ein Stück schwedische Mandeltorte, römpömpömpöm…

Wie heißt es noch? Drei, zwei, eins… Meins 😉