Bürgerreise

8. April 2019

Lingens britische Partnerstadt Burton-upon-Trent und damit ein Stück Großbritannien können die Lingenerinnen und Lingener bei einer Bürgerreise vom 4. bis zum 9. August kennenlernen. Während der sechstägigen Fahrt (in den niedersächsischen Sommerferien) finden Ausflüge nach London, Birmingham und in den Peak-District-Nationalpark statt.

Burton-upon-Trent – Remembrance Sunday 2007

Die Reise startet in Lingen und führt über die Niederlande nach England. Einen Zwischenstopp legt die Reisegruppe im niederländischen Den Haag ein. Neben Stadtrundfahrten und Sightseeing ist auch immer Zeit zur freien Verfügung eingeplant.

Die Überfahrt nach England und zurück erfolgt mit Nachtfähren in innenliegenden Doppelkabinen. Alle anderen Wege werden mit dem Bus zurückgelegt. In East Staffordshire  erfolgt der Aufenthalt ebenfalls in Doppelzimmern in einem Hotel in der Gemeinde Burton-upon-Trent inklusive Halbpension.  Die Kosten für die Reise belaufen sich auf nicht ganz preiswerte 625 Euro pro Person. Wer lieber in einer Einzelkabine und in einem Einzelzimmer übernachten möchte, zahlt dafür einen Zuschlag von 190 Euro. Für eine Außenkabine werden zusätzlich 25 Euro erhoben.

Interessierte melden sich bitte bei Petra Bayer, Stadt Lingen (Ems), p.bayer(at)lingen.de oder Tel. 0591 9144 116.

Lingens Partnerstadt liegt etwa 780 Kilometer entfernt in der englischen Grafschaft East Staffordshire. Die Stadt an dem Fluss Trent ist für ihre zahlreichen Brauereien bekannt, die sich einst aufgrund der guten Wasserqualität in der Stadt ansiedelten. Die Burton Albions spielen in der drittklassigen englischen Football League One (Video). Burton selbst hat heute etwa 72.000 Einwohner und ist der Verwaltungssitz des East Staffordshire Distrikts. Die Partnerschaft zwischen Lingen und Burton besteht seit 37 Jahren und ist somit die älteste europäische Städtepartnerschaft, die Lingen pflegt.
Das hat aber nichts daran zu ändern vermocht, dass bei der Brexit-Absimmung vor drei Jahren auch fast zwei Drittel der Abstimmenden in East Staffordshire für den Austritt Großbritanniens stimmten. Die Idee unserer BürgerNahen, sich auf diesem Hintergrund Gedanken über eine völlig andere Städtepartnerschaft zu machen und diese neu zu konzipieren, fand im zuständigen Ausschuss unserer Stadt noch keine Mehrheit.

Städtepartnerschaften

29. September 2017

Jede -öffentliche wie nichtöffentliche- Ratssitzung endet mit dem Tagesordnungspunkt „Anfragen und Anregungen. Gestern habe ich im Lingener Rat unter diesem Top das Wort ergriffen, weil mich der zunehmende Nationalismus umtreibt. Meine Rede zum Nachlesen:

„(Anrede)
ich melde mich mit einer Anregung. …
Gestatten Sie mir, dass ich ein klein wenig aushole. Es geht um unsere Städtepartnerschaften. Dazu möchte ich zuerst unterstreichen, dass es seit der ersten Städtepartnerschaft im Jahre 1981 mit der englischen Stadt Burton-upon-Trent inzwischen fünf Städtepartnerschaften und –freundschaften gibt.
Nach Burton-upon-Trent bzw. East Staffordshire sind dies
seit 1993 das polnische Bielawa bzw. Langenbielau (Niederschlesien),
dann nach Jahren guter und effektiver Zusammenarbeit seit 1996 offiziell Marienberg (Sachsen), Salt (Katalonien, Spanien), seit 1998 und in Frankreich Elbeuf (Normandie), seit 12 Jahren, also seit 2004. Man sollte auch nicht das kleine ukrainische Juskowzy vergessen, mit dem wir allerdings keine formelle Partnerschaft haben.

Ich weiß nicht, wie Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, es empfinden. Aber ich habe in den vergangenen Jahren zunehmend den Eindruck gewonnen, dass es immer mehr Rituale sind, die diese Städtepartnerschaften ausmachen. Es gibt wenig Neues bzw. wenig neue Begegnungen. Es gibt zu wenig Austausch.

Bei dem insgesamt guten Besuch des Rates in Bielawa vor zwei Monaten ist das sehr greifbar geworden. Ein wirklicher Meinungsaustausch hat leider nicht stattgefunden. Wir haben bereits in der letzten Ratssitzung darüber gesprochen, wie wir das aufnehmen.

Dies vorausgeschickt ergibt sich jenseits der Partnerschaftsrituale Handlungsbedarf, um sich intensiver kulturell und wirtschaftlich auszutauschen. Unsere kommunalen Partnerschaften sollten als Plattform genutzt werden, um Demokratisierungsprozesse, das Eintreten für Toleranz und Menschenrechte, für kulturelle Vielfalt und europäisches Denken und Handeln zu unterstützen.

Ich rege dazu an, in den Gremien des Rates offen zu diskutieren, wie sich dies trotz der Rituale verwirklichen lässt. Der Grund für meinen Vorschlag ist die Entwicklung in letzter Zeit, die uns allen bekannt geworden ist:

In Salt gibt es einen zunehmenden Nationalismus, mit dem die Kommune die Bewegung für ein eigenes Katalonien unterstützt.
In Burton-upon-Trent bzw. East Staffordshire haben im Frühjahr 2017 mehr als 60% der Abstimmungsberechtigten für den Brexit gestimmt, also auch für eine antieuropäische, nationalistische Position.
In Bielawa hat die nationalistische PiS-Partei maßgeblichen Einfluss und den Bürgermeister gewählt.. Sie entzog sich sogar –sagen wir –“protokollarischen Treffen“ mit uns „wegen unaufschiebbarer Termine“.
Und schließlich haben am vergangenen Wochenende bei den Bundestagswahlen in der Partnerstadt Marienberg 30 % der Wählerinnen und Wähler für die rechte, nationalistische AfD gestimmt.

All diese nationalistischen Entwicklungen machen Grund zur Sorge. Denn es war der Nationalismus in Europa, der in unserem Kontinent Jahrhunderte Krieg und Elend schuf. Wem es also um den Frieden in Eruopa geht, der muss gegen Nationalismus aufstehen. Das gilt auch für uns als Kommune.

Meine Bitte ist, offen und ehrlich ein Fazit von fast 40 Jahren Städtepartnerschaften zu ziehen und darüber hier im Rat sowie außerhalb in den Parteien und Gruppen zu diskutieren, wie wir weitermachen, was wir ändern und was wir neu und besser machen müssen, um „Europe first“ auf eine Weise zu befördern, die uns einander annähern lässt, anstelle uns voneinander wegzubewegen.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.“

Europäisch

26. September 2011

Heute am 26. September wird der  Europäische Tag der  Sprachen begangen. Jedes Jahr werden an diesem Tag in Europa die vielen Sprachen ins Rampenlicht gestellt, die auf unserem Erdteil erklingen. Seit 2001 bezeugt der jährliche Europäische Tag der Sprachen unser reiches sprachliches Erbe und regt die Menschen ganz europäisch an, neue Sprachen zu lernen.

Apropos neu. Die Stadt Lingen (Ems) hat seit einigen Tagen eine neu gestaltete Internetseite. Ich finde die Neuauflage farblich ansprechender, aber inhaltlich unübersichtlicher als die alte. Viele alte Dateien sind außerdem im Internetnirvana verschwunden. Was mich besonders ärgert: Die Seite gibt es nur in deutscher Sprache. Bielawa, East Staffordshire, Elbeuf sur Seine, Salt und das sächsische Marienberg sind unsere europäischen Partnerstädte. Trotzdem gibt es keine Informationen in Polnisch, Englisch, Französisch, Katalanisch, Spanisch und die niederländischen Nachbarn gehen auch leer aus. Ich weiß nicht, wie Sie dies finden, ich finde es nicht nur am Europäischen Tag der Sprachen  peinlich.

Peter Beresford

7. Mai 2011

Traurige Nachrichten aus Burton-upon-Trent, das jetzt Teil von East Staffordshire ist. Am Mittwoch (4. Mai)  ist dort Peter Beresford im Alter von 66 Jahren im Kreise seiner Familie  gestorben. Er litt an Knochenmark-Krebs. Der führende Politiker der lokalen Labourparty  prägte Jahrzehnte nicht nur das Gesicht seiner Stadt; Beresford war aus Lingener Sicht einer der Väter der Städtepartnerschaft zwischen der mittelenglischen Kommune und Lingen(Ems).

Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an die Zeit vor 20 Jahren. Als damals  Intoleranz und Fremdenhass in Lingen wie in ganz Deutschland zunahmen, als Brandsätze auf Häuser mit Menschen geworfen wurden -auch in Lingen- griff der Lingener Stadtrat auf Initiative der SPD  die Entwicklung auf und lud die Repräsentanten der Partnerstädte in England und Polen zu einer Sondersitzung ein. In dieser Ratssitzung Anfang 1993 sprach auch Peter Beresford, der Bürgermeister von East Staffordshire. Hier seine damalige Rede (in deutscher Übersetzung):

„Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
ich gratuliere Ihnen zu dieser Sonderratssitzung, in der sie darüber debattieren, was wir alle als einen wachsenden Trend in Europa und auch im Vereinigten Königreich erkennen, nämlich extremistisch-nationalistische Denkweisen. Um es deutlich zu sagen: Die Bürger von East Staffordshire glauben nicht, dass die große Mehrheit der Europäer, seien es Deutsche, Franzosen oder Briten, diesen extremistischen Ansichten  zustimmen; das tut nur eine lautstarke, aktive Minderheit.

Wir aus East Staffordshire unterstützen Sie in Ihrem Einsatz  für Frieden, Toleranz und eine Demokratie , die in der Lage ist, sich gegen diese Entwicklungen zu wehren.

Ihr Land war uns immer ein Vorbild hinsichtlich der Integration ausländischer Menschen unterschiedlichster Herkunft, die alle innerhalb Ihrer Grenzen leben. Wir verstehen auch voll und ganz den Druck für  gesetzliche Veränderungen, unter dem die Mitglieder Ihres Parlamentes stehen.

Ihnen muss ich sicherlich nicht erläutern, wie sehr die jetzige Regierung des Vereinigten
Königreichs die Kommunalpolitiker in starkem Maße unter Spardruck setzt. Von meinen Kollegen und mir  wird erwartet, die Kosten in bestimmten Bereichen zu reduzieren, unter anderem auch den Aufwand für die Kontakte  mit Ihnen und anderen Städten in Europa und der Dritten Welt. Meine Kollegen und ich haben aber diesem Druck widerstanden, weil wir davon überzeugt sind, daß nur diese freundschaftlichen Beziehungen zueinander die internationalen Hemmnisse für Frieden und Verständigung abbauen können.

Der berühmte englische Poet und Schriftsteller John Donne sagte vor 400 Jahren:

„No Man is an Island, entire of itself; every man is a piece of the continent, a part of the main; […]
Kein Mensch ist eine Insel, in sich selbst vollständig; jeder Mensch ist ein Stück des Kontinentes, ein Teil des  Ganzen; […] 

Heute müssen wir dies so interpretieren, daß wir alle Brüder und Schwestern sind, was immer wir für eine Hautfarbe haben, was immer unsere Nationalität ist und was immer unser religiöser Glaube ist.

Ich darf Ihnen herzlich zu dieser Sondersitzung des Rates gratulieren.  East Staffordshire wird  Ihren Einsatz um die Fortsetzung unserer Freundschaft mit ganzer Kraft  unterstützen.“

Mehr über die Reaktionen auf den Tod des engländischen Kommunalpolitikers finden Sie hier in einem (englischsprachigen) Artikel der Burton Mail.

Selbst gezapft

11. August 2008

Am Samstag war es wieder einmal soweit. Rund ein halbes Jahr ist verstrichen und meine tägliche Lieblingszeitung „Lingener Tagespost“  hat turnusmäßig wieder den nächsten lokalregierungskritischen Artikel veröffentlicht, naja, eher einen Kommentar – sogar mit einem unvorteilhaften Bild unseres OB Heiner Pott in einer geografisch verrutschten Collage. LT-Redakteur Burkhard Müller beklagt sich wortreich. Der Lingener Stadtrat sei vor gut vier Wochen in die britische Partnerstadt Burton upon Trent gereist, und niemand wisse das. Müller in einem Aufschrei journalistischer Bedrängnis:

Burton-upon-Trent - Remembrance Sunday 2007

Burton-upon-Trent - Remembrance Sunday 2007, Quelle: flickr

Bereits vor der Fahrt hatte unsere Zeitung darum gebeten, doch nach dem Besuch einmal darüber zu berichten, wie man aufgenommen wurde und was man während der vier Tage auf der Insel so erlebt hatte. Ein Kopfnicken, also ein „das machen wir dann“ – so lautete die Antwort aus dem städtischen Quartier.

Diese Verlautbarung aus dem Rathaus habe seine Zeitung nicht erreicht. Müller ist darob zornig und verzweifelt, und er beklagt sich, dass man ihm im Rathaus nicht aufgeschrieben habe, was denn in England  geschehen sei.

Eine bemerkenswerte Position für einen Journalisten. Demnächst beklagt sich ein Gastwirt auch, dass der Gast sein Bier nicht selbst gezapft, ein Anwalt, dass sein Mandant die Klage nicht fertig formuliert hat, und ein Arzt will wissen, warum der Patient nicht schon selbst die Diagnose gestellt und in die Apotheke gelaufen ist.

Lieber Burkhard Müller, wie wäre es denn mit ein bisschen eigener Arbeit, etwas Recherche, mit einem Anruf bei den Kollegen der Lokalpresse in den englischen Midlands und der Bitte um Foto und Bericht oder gar mit einem LT-Begleitservice für die Ratstour? Wir erleben ja seit langem, dass unsere Lokalzeitung nur Verlautbarungsjournalismus praktiziert. Aber sich jetzt noch in einem 7-Spalter darüber zu beklagen, dass man keinen fertig geschriebenen Artikel aus dem Rathaus erhalten hat, den man dann als eigenes Produkt veröffentlich könnte – ich meine, diese Selbstentlarvung des eigenen Selbstverständnisses ist wirklich ein bisschen peinlich, nicht wahr?

Noch zwei Anmerkungen:
Erstens: Lingens englische Partnerstadt heißt seit etwa einem Jahrzehnt und mehr East Staffordshire (und nicht mehr Burton-upon-Trent, wie Burkhard Müller schreibt).
Zweitens: Ich bin nicht mitgefahren – no time, no fun. Sonst hätte ich ja BM bestimmt seine Presseerklärung geschrieben.