Architekten, Theologen und andere Unterstützer setzen sich dafür ein, dass die nach Ende des Zweiten Weltkriegs gebauten Notkirchen des Architekten Otto Bartning in Hannover und an rund 100 anderen Orten Unesco-Welterbe werden.

Von Weitem sieht sie unscheinbar aus. Die Außenmauern der evangelischen St.-Petri-Kirche in Hannover-Döhren sind grau verputzt, auch die kleinen Kirchenfenster wirken schmucklos. Umso stärker hat der Architekt das Augenmerk auf das Innere gerichtet: Die Gemeinde rückt durch die Anordnung der Holzbänke nahe an den Altar.

Neben dem unverputzten Backstein dominiert Holz den Kirchenraum – 18 mächtige Holzstützen führen zum Holzdach. „Durch die sichtbare Holzbinderkonstruktion und das zeltartige Dach entsteht eine warme, beschützende Atmosphäre, die gerade zu Weihnachten eine besondere Wirkung entfaltet“, sagt Volker Gläntzer, Vorsitzender des Kirchenvorstandes. „Die Ausmauerungen aus rotem Backstein passen dazu farblich sehr gut und unterstützen den besinnlichen Charakter des Raumes.“

[…. weiter bei der taz]


Notkirchen von Otto Bartning finden sich in unserer Region:

Petruskirche, Bawinkel (gebaut 1950)

Erlöserkirche, Emsbüren-Leschede (1952)

Pauluskirche, Geeste-Dalum (1950, Foto)

Dreifaltigkeitskirche, Haselünne (1951)

St.-Johannes-Kirche, Neuenhaus (1950)

Martin-Luther-Haus, Nordhorn (1951)

Markuskirche, Sögel (1950)

St.-Lukas-Kirche, Werlte (1951)


Wer war Otto Bartning?
Der 1883 als jüngstes von fünf Kindern in Karlsruhe geborene Otto Bartning gehört zu den bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Wegweisend sind seine protestantische Kirchenbauten.  

„Glas, Stahl, Beton oder Holz – für Otto Bartning schlummerte in jedem Material eine „Geistigkeit“. Mit seinen Kirchenschöpfungen verfolgte der Architekt keinen geringeren Anspruch, als diese Geistigkeit in eine Form zu bringen, sie durch die Gestalt des Raumes wirken zu lassen.“ – analysiert die Zeitschrift Monumente der Deutschen Stiftung Umweltschutz.

Mit Rudolf Schwarz und Dominikus Böhm auf katholischer Seite gehört Otto Bartning auf protestantischer zu den bedeutenden Vertretern des modernen Kirchenbaus in der Weimarer Republik und nach 1945.

Nach seinen Plänen  wurden nach dem 2. Weltkrieg rund 100 seiner sogenannten Notkirchen errichtet wurden. Notkirche bedeutet dabei nicht Provisorium, sondern bezieht sich auf die Orientierungslosigkeit und Depression vieler Menschen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. 1950 wurde er zum Präsidenten des Bund Deutscher Architekten (BDA) gewählt.

Bartning starb 1959 in Darmstadt, wo sich auch das Otto-Bartning-Archiv befindet.

Mehr zum architektonischen Schaffen Otto Bartnings hier…

(Quellen taz, monumente-online, TU Darmstadt, Foto: TU Darmstadt; eine erste Version dieses Beitrags hab ich „upgedatez“ )

Die Böhms

23. Januar 2015

Es gibt guten und aktuellen Anlass, die Laxtener Kirche zu erwähnen: Ein filmisches Porträt der Architektenfamilie Böhm. Architekt Dominikus Böhm baute zwar schon in der Weimarer Republik Kirchen. Die katholische Kirche St. Josef im heutigen Lingener Stadtteil Laxten entwarf er, der von den NS-Machthabern Verpönte in Nazi-Deutschland, dann ab 1932. Für die Basilika legte der Architekt („„Ich baue, was ich glaube.“) am 21. Juli 1935 den endgültigen Entwurf vor, wie der langjährige Laxtener Dechant Theodor Dierkes in seiner Chronik der Pfarrgemeinde St. Josef Lingen-Laxten schrieb. Heute lagern die Böhm’schen Pläne im Staatsarchiv in Köln.

Familie Böhm baute weiter Kirchen. Sohn Gottfried schuf seine visionären Betonkirchen im westlichen Nachkriegs-Deutschland. Heute setzen Paul, Stephan und Peter Böhm Moscheen, Hochhäuser und Museen auf den Globus und ein Nachkömmling, so will es das Familienbuch, wird dasselbe in Zukunft tun. Die Böhms aus dem Rheinland sind eine Architektendynastie.

Zwei Jahre lang hat der junge Schweizer Filmemacher Maurizius Staerkle Drux die Böhms für einen Dokumentarfilm begleitet. Gemeinsam mit Kameramann Raphael Beinder dokumentierte der in Köln geborene Absolvent der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) dramatische Momente, familiäres Beisammensein und konzentriertes Schaffen in ihrer Kölner Villa. Entstanden ist ein filmisches Portrait der Böhm-Familie und ihres Patriarchen Gottfried, ein Dokument „über die Komplexität und Untrennbarkeit von Leben, Liebe, Glaube und (Bau-)Kunst“. Vom Goethe-Institut und von der Jury des Dok.fest München wurde der Film bereits mit Preisen gekrönt.

Heute und damit exakt zum 95. Geburtstag von Gottfried Böhm hat der Film „Die Böhms. Architektur einer Familie“ Premiere im Weisshauskino in  Köln – übrigens in Anwesenheit der gesamten Familie. Der offzielle Kinostart ist dann in 50 Lichtspielhäusern ab 29. Januar 2015 [und mein Service für Pino Pilotto in Luzern: In der aufgewerteten Schweiz startet die Dokumentation tags darauf in Solothurn]. Hoffentlich gibt es den Film auch bald bei uns, liebes Centralkino Lingen, vielleicht im Zusammenhang mit dieser neuen Reihe?

 

(Quelle)