Big Brother Awards verliehen

19. September 2020

Mit dem Big Brother Award macht die NGO Digitalcourage jedes Jahr auf den problematischen Umgang mit Technik und Daten durch Behörden und Unternehmen aufmerksam. Das Ziel: Auf die Verletzung von Bürgerrechten aufmerksam machen. In Bielefeld verlieh die Organisation gestern den „Big Brother Award“ 2020. „Ausgezeichnet“ wurden in diesem Jahr unter anderem der US-Autobauer Tesla sowie zwei Bundesländer.

Es sei ein gefährlicher Trend, dass die Politik das Sammeln privater Daten zumindest toleriere, befand die Jury. Ausgezeichnet wurden folgerichtig auch die Bundesregierung und die Innenministerkonferenz.

Die Große Koalition unterstütze rechtlich und politisch einen „völkerrechtswidrigen US-Drohnenkrieg“, der über die US-Militärbasis Ramstein in Rheinland-Pfalz geführt werde. Von Deutschland aus würden mutmaßliche Terroristen im Nahen und Mittleren Osten ausgeforscht und getötet, wobei es zivile Opfer gebe, heißt es in der Begründung der Jury.

Die Innenministerkonferenz bekam den Preis in der Kategorie „Geschichtsvergessenheit“. Die Absicht der 16 Länder, eine lebenslange Personenkennziffer auf Grundlage der Steueridentifikationsnummer einzuführen, widerspreche dem Geist des Grundgesetzes und sei „im Nazideutschland und der DDR“ zur Unterdrückung genutzt worden.

Die Jury wählte mit Brandenburg und Baden-Württemberg auch zwei Bundesländer wurden von der Jury ausgewählt. Das Land Brandenburg wird kritisiert, weil es seit Jahren Autokennzeichen erfasse und speichere. Das Bildungsministerium des Landes Baden-Württemberg wurde kritisiert, weil es wesentliche Dienste der Digitalen Bildungsplattform des Landes von Microsoft betreiben lassen wolle.

Die baden-württembergische Bildungsministerin Susanne Eisenmann (CDU) wehrte sich unverzüglich. „Die Recherche für diese Preisverleihung kann nicht allzu gründlich gewesen sein“, sagte Eisenmann laut Mitteilung aus ihrem Ministerium. Man sei mit dem Landesbeauftragten für Datenschutz darüber „im Gespräch, wie“ Teile von Microsoft 365 für die Bildungsplattform des Landes genutzt werden können, ohne den Datenschutz zu verletzen. Man werde sicherstellen, dass eine Datenspeicherung nur im Rahmen der Datenschutzgrundverordnung stattfindet.

Einen Negativpreis erhielt auch die Firma Tesla. Ihre Elektroautos würden mit eingebauten Kameras Insassen und Passanten umfassend überwachen, diese Daten auswerten und beliebig verwenden.

Auch die Modekette H&M bekam einen Award. Sie habe ihre Mitarbeiter über Jahre hinweg ausspioniert und die Daten rechtswidrig verarbeitet.

Die Jubiläumsgala der Big Brother Awards sollte bereits im Frühjahr stattfinden, musste jedoch wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. Die Preise wurden iin Deutschland bereits zum 20. Mal vergeben.


Gewusst?
Big Brother (auf Deutsch: der Große Bruder, ist eine Gestalt in dem zukunftsskeptischen Roman 1984 von George Orwell, die niemand je zu Gesicht bekam, und bei der es sich nur um die fiktive Personifizierung einer Kollektivherrschaft der knapp zwei Prozent der Bevölkerung umfassenden so genannten Inneren Partei des totalitären Staates „Ozeanien“ zu handeln scheint, deren Mitglieder allesamt Brillenträger sind. Der scheinbar an der Spitze der hierarchischen Struktur stehende Große Bruder blickt von den allgegenwärtigen Plakaten auf die ozeanische Bevölkerung herab, die verpflichtet ist, ihn zu lieben. Als Vorlage für seine literarische Figur diente Orwell vor allem der sowjetische Diktator Stalin.

(Quelle: wikipedia.de)

Big Brother Award

12. Juni 2019

Ich muss die Verleihung des Big Borther Awards vom vergangenen Samstag im Stadttheater Bielefeld noch nachtragen. Die BBA sind Negativpreise, die jährlich  an Behörden, Unternehmen, Organisationen und Personen vergeben werden. Die Preise werden, so die Stifter, an die verliehen, die in besonderer Weise und nachhaltig die Privatsphäre von Personen beeinträchtigen oder Dritten persönliche Daten zugänglich gemacht haben bzw. machen.

Für mich besonders überraschend war, in diesem Jahr dass der Online-Auftritt der „Zeit“ den Big Brother Award 2019 in der Kategorie Verbraucherschutz erhalten hat und zwar erstens für Werbetracker und den Facebook-Pixel, zweitens für die Nutzung von Google-Diensten beim Projekt „Deutschland spricht“; damit werden politische Ansichten von Menschen auf Servern in den USA gespeichert. Drittens dafür, dass sie sich das Nachfolgeprojekt von „Deutschland spricht“ von Google haben finanzieren lassen. „Dieser faustische Pakt mit einer der größten Datenkraken beschädigt die journalistische Unabhängigkeit.“m lese ich auf der webseite von Digitalcourage eV, die die „Auszeichnung“ alljährlich ergibt.

Die BigBrotherAwards 2019 in voller Länge gibt es online auf media.ccc – vielen Dank VOC

Hier geht es zu den Videos der einzelnen Laudationes:

Inzwischen hat ZEIT online Stellung genommen. Die Vorwürfe von Digitalcourage seien „nur teilweise zutreffend. So sei es richtig, dass auf den Internetseiten Werbung ausgespielt werde, und der Facebook-Pixel sowie Werbetracker eingesetzt würden. Diese mache „Zeit Online“ mit einem Link ersichtlich. Die individualisierte Werbung sei zudem abschaltbar.“

Beim Projekt „Deutschland spricht“, räumt „Zeit Online“ ein, nutze man derzeit nur einen vorgeschalteten Google-Dienst, der unerwünschte Internet-Attacken blockiere. Lediglich im allerersten Testlauf von „Deutschland spricht“ seien Dienste von Google verwendet worden, unter anderem einer von Google Apps, um Daten zu speichern. Die Redaktion von „Zeit Online“ sei „journalistisch unabhängig„. Tja ich frage, was bei den Vorwürfen“ nur „teilweise richtig“ sei. Sie stimmen offenbar komplett.

Für den Terminkalender: Die Big Brother Awards 2020 werden am Donnerstag, 30. April 2020 im Stadttheater Bielefeld und online verliehen!

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BigBrotherAwards

4. Juni 2019

Das Jahr ist rum und deshalb verleiht die NGO Digitalcourage eV an diesem Samstag vor Pfingsten im Stadttheater Bielefeld  wieder die Big Brother Awards. Ihr Name ist George Orwells  Dystopie „1984“ entnommen, in der der Autor bereits vor 70 Jahren seine Vision einer totalitären Überwachungsgesellschaft entwarf. Die Preisskulptur, eine von einer Glasscheibe durchtrennte und mit Bleiband gefesselte Figur, wurde von Peter Sommer entworfen und zeigt eine Passage aus Aldous Huxleys „Schöne Neue Welt“.

Die BigBrotherAwards wirdauch im Livestreamgeboten, und zwar mit englischer Simultanübersetzung.  

Zur Einstimmung gibt es die Awards 2018 zum online anschauen (vimeo.com) und die Laudatiotexte aller Preisträger im Volltext zum online lesen. Auf der Seite von Digitalcourage ist außerdem der Pressespiegel zu den Awards 2018 zu finden.

Was sind die BigBrotherAwards?

Spannend, unterhaltsam und gut verständlich werden die ‚Oscars für Überwachung‘ (Le Monde) an die größten Datensünder des letzten Jahres vergeben. Die Jury besteht aus prominenten Bürgerrechtlern unabhängiger Organisationen wie Digitalcourage e.V. (ehemals FoeBuD e.V.), Deutsche Vereinigung für Datenschutz (DVD), Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF), Förderverein Informationstechnik und Gesellschaft (Fitug), Chaos Computer Club (CCC), Humanistische Union (HU) und der Internationalen Liga für Menschenrechte (ILMR). Die Juroren haben ausgewählt, welche Firmen, Organisationen, Behörden und Politiker diesen Datenschutz-Negativpreis erhalten

Die BigBrotherAwards bewirken übrigens viel: Sie machten zum Beispiel Rabattkarten, Scoring, Mautkameras, Farbkopierer und Handyüberwachung als Gefahr für Grundrechte und Privatsphäre bekannt. Sie warnten schon früh vor der Gesundheitskarte, der Steuer-ID und der Vorratsdatenspeicherung. Schon lange vor den Skandalen bei Lidl, Telekom, Bahn und Co. wurden die BigBrotherAwards an diese Konzerne verliehen. Ein Abend der gelebten Politik mit den Mitteln des Theaters, geschliffener Rede, Musik und Tanz.