Alptraumhaus

8. November 2012

In diesen Minuten beginnt der Ortsrat Laxten mit seiner monatlichen Sitzung. Beraten wird u.a., ob zwischen Pferdeweg und Hundesand ein neues Baugebiet entsteht. BN-Ortsrat Dieter Wiegmann (Foto: unten) ist skeptisch, ob das wirklich eine gute Idee ist. Die Demografie sagt nämlich, dass die Hauseigentümer in den Siedlungen der 50er, 60er und 70er Jahre auf Dauer den Preis für diese Wohnbaupolitik zahlen werden. Auch im selbstbewussten LaxtenNeue Baugebiete führen zu massiven Wertverlusten in den alten.  Im Gauerbach beispielsweise.

Über diese greifbaren Risiken schreibt auch SPIEGEL-ONLINE und informiert hochaktuell über die mittelfristigen Folgen einer Wohnungsbaupolitik, wie sie in Laxten und auch sonst bei uns in Lingen (Ems) immer noch unverdrossen praktiziert wird. Koste es, was es wolle, sozusagen:

Alle reden vom Immobilienboom – aber gerade Einfamilienhäuser in der Provinz verlieren durch den demografischen Wandel eher an Wert. Es drohen Leerstand und Verfall. In Vierteln wie Cuxhaven-Altenwalde lässt sich heute schon besichtigen, was bald auch dem Rest der Republik droht.

Noch schaut es proper aus in Cuxhaven-Altenwalde. Die Häuschen stehen dicht an dicht, eine Siedlung wie es sie tausendfach gibt in Deutschland. Jedes dritte Wohngebäude in Westdeutschland ist ein Ein- oder Zweifamilienhaus der Generation 1950 bis 1978: gebaute Träume von Ruhe und finanzieller Sicherheit.

Doch nun steht ein Generationenwechsel an. Von vielen Alten auf weniger Junge, von guter Geldanlage zum Wertverlust bei Omas Häuschen. Und so entdeckt man in Cuxhaven-Altenwalde schon heute die Zeichen des Wandels, vereinzelt noch, aber unübersehbar: leere Fenster, heruntergelassene Rollläden, verödete Carports, verwilderte Gärten, Symptome von Leerstand oder „innerem Leerstand“, also davon, dass nur noch eine einzelne, meist alte Person ein ganzes Haus bewohnt. Der demografische Wandel ist angekommen im vermeintlichen Idyll der Vorstädte.“Wer in den Sechzigern gebaut und später noch weiter investiert hat, der kann nicht davon ausgehen, dass sich die Investitionen bezahlt machen“, beschreibt Hildegard Schröteler-von Brandt von der Universität Siegen die Situation in immer mehr Siedlungsgebieten. In vielen ländlichen Regionen und Kleinstädten, so die Architekturprofessorin, sei es fraglich, ob das eigene Haus noch für die Finanzierung eines Zimmers im Seniorenheim reiche. Für die Bewohner ein Problem, denn einfach weiter zu wohnen wie bisher sei auch keine Lösung. „Viele alleinstehende ältere Menschen sind mit Häusern und Grundstücken überfordert“, berichtet Schröteler-von Brandt: „Manche müssen bei der Sparkasse nach einem Darlehen fragen, um das Heizöl für den Winter zu kaufen.“

Wird das Häuschen in Grünen also vom Traum zum Alptraum? Die Einfamilienhausgebiete der fünfziger bis siebziger Jahre, so schildert es jedenfalls eine aktuelle Studie der Wüstenrot-Stiftung, sind keine Selbstläufer der Stadtentwicklung mehr. Heute zieht es viele Menschen in die Zentren, lange Wege und hohe Fahrtkosten machen die Vorstadt zunehmend unattraktiv. Zudem sind viele der Häuser nicht mehr bedarfsgerecht. Mit engen Grundrissen entsprechen sie kaum den Lebenswünschen junger Familien, energetisch müssten sie nachgerüstet werden. Wissenschaftler wie Franz Pesch von der Universität Stuttgart warnen deshalb vor einer „großflächigen Entwertung“ der klassischen Einfamilienhausgebiete.

Betroffen sind zurzeit zwar vor allem abgelegene und wirtschaftlich schwache Städte wie Cuxhaven, doch in naher Zukunft wird der demografische Wandel auch Siedlungen in prosperierenden Regionen bedrohen. „Die Veränderung… “

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Das betrifft zum Beispiel Euern Gauerbach, liebe Laxtener. Und wenn ein Kollege unserer Mehrheitsfraktion plus herumeiernder lokaler Sozialdemokratie den Spiegel-Artikel ausschneidet, bin ich auch gern bereit, ihn in einer CDU- oder SPD-Fraktionssitzung den Anwesenden vorzulesen. Auch die -etwas längere- Studie der  Wüstenrot-Siftung, die ich mir habe schicken lassen. Das dicke Werk lohnt. Mit anderen Worten: Wir brauchen eine bessere, vor allem effektivere Wohnbaupolitik, auch klugen Mietwohnungsbau übrigens und eine nachhaltigen Umgang mit dem, was gebaut ist. Denn in 30 Jahren werden in Lingen deutlich weniger Menschen wohnen als heute und vor allem keine 60.000, wie es OB Dieter Krone will. Auf weniger, nicht auf mehr müssen wir heute hinarbeiten. Mal sehen, wie Dieter Wiegmann sich entscheidet.

8. Versuch

10. Mai 2012

Michael Fuest (Bündnis ’90/Die Grünen) meinte gestern nachmittag, es sei mein 8. Versuch, die Zustände in der Sturmstraße zu ändern. Gerade  hatte ich in einer städtischen Ausschusssitzung unter dem Tagesordnungspunkt Verschiedenes aktuelle Fotos vorgelegt: Unsere Sturmstraße – 5. bis 7. Mai 2012. Sie zeigen nichts Neues; denn mit kurzen Unterbrechungen sieht es dort seit Jahren so aus wie auf den Aufnahmen (zum Vergrößern bitte anklicken). Die habe ich am vergangenen Wochenende (Samstag bis Montag) gemacht. Es gibt eben Leute, die machen, was sie wollen. Mich stört der Zustand. Um was es geht, können Sie sehen. Obwohl und im Vertrauen: In Wahrheit ist die Sturmstraße längst ein Biotop, wozu ich pelzige wie fedrige Einzelheiten nennen könnte, wenn es gewünscht wird. Guckst Du hier:



ps Schwager Dieter parkt bisweilen in derselben Straße vor meiner Garage. Er fährt Smart und es könnte tatsächlich sein, dass sein Gefährt 18-20 cm in den öffentlichen, verkehrsberuhigten Straßenbereich „ragt“. Dafür gibt es nach 10 Jahren seit kurzem immer ein Knöllchen. 10 Euro. Ich hab ihm jetzt vorgeschlagen, eine Mülltüte über seinen fahrbaren Untersatz zu ziehen. Dann hat er bestimmt Ruhe.