Musterbrief

20. Dezember 2016

mundraubSie kennen mundraub.org nicht? Vor mehr als sechs Jahren hab ich schon mal darüber geschrieben (guckste hier). Die Aktivisten stellen sich inzwischen so vor:

Apfel, Birne, Pflaume – wann haben Sie das letzte Mal Früchte selbst vom Baum gepflückt? Mundraub will Sie anregen regionale Obstressourcen wieder zu entdecken und zu probieren. Eine interaktive Karte zeigt „Mundräubern“, bei welchen Obstbäumen, Wildfrüchten und Kräutern sie in ihrer Stadt oder Gemeinde zugreifen dürfen. Ziel der Initiative ist es, Stadt- und Landbewohner auf die Naturschätze ihrer Region aufmerksam zu machen und gemeinsam mit Kommunen nachhaltige Modelle zur Pflege öffentlicher Obstbaumbestände zu entwickeln. Hochstämmige Obstbäume an Alleen und auf kommunalen Flächen sind Teil des Generationenvertrages und brauchen Wertschätzung seitens der Bevölkerung, wenn sie unsere Kulturlandschaft weiter schmücken sollen. Auch Streuobswiesen verdienen besonderen Schutz. [mehr…]

Damit es bald noch mehr Städte und Kommunen gibt, die ihre öffentlichen Obstbäume auf mundraub.org teilen (oder besser noch: ihre Baumkatasterdaten zur Verfügung stellen), hat mundraub.org auf vielfachen Wunsch hin einen Musterbrief entworfen, mit dem engagierte Menschen das zuständige Grünflächenamt/Gartenamt anschreiben könnt. Aber oh Wunder, wir haben in unserem Lingen gar kein Grünflächenamt; es gibt böse Geister, die sagen, das sehe man auch…. Also schreibt kurzerhand an den Dezernenten: l.schreinemacher(at)lingen.de 

Bitte ändert darin die im Muster kursiv geschriebenen Stellen ab und tragt zutreffendes ein. Je mehr Briefe eingehen, desto höher der Druck auf die Verwaltun in der alles bekanntlich so großartig ist, dass es gar nicht großartiger sein kann.

Jedenfalls sollen bald alle öffentlichen Obstbäume im ganzen Land allen obstinteressierten Menschen zur Verfügung stehen. Wäre das nicht schön?

ps. mundraub.org freut sich über eine Kopie eures Schreibens!
Hier ist nochmal die Vorlage: Musterbrief Grünflächenämter (Word Dokument)

Barock

22. Februar 2012

Gerade rächt sich, was die Minderheitsfraktionen im emsländischen Kreistag bei der „Wahl“ genannten Stellenbesetzung des Ersten Kreisrats im vergangenen Jahr durchgehen ließen – oder wo sie gar mitmachten. Landrat Reinhard Winter (CDU, Foto re.) meint offenbar, er sei nicht etwa nur von niederem Adel sondern irgendwie eine Art König oder zumindest Kurfürst wie weiland Clemens August (Foto re.). Denn jetzt will er auch zwei weitere Dezernentenposten des Kreises Emsland so besetzen (ein wunderschöner Begriff in diesem Zusammenhang) wie es dessen Art  war; praktisch geheim, ausgekungelt und feudal-undemokratisch. Ob die Minderheitsfraktionen jedenfalls diesmal, beispielsweise gerichtlich, dagegen vorgehen (und nicht nur lamentieren), weiß ich nicht. Bündnis’90/Die Grünen jedenfalls sind schon mal ordentlich sauer und schreiben diese Pressemitteilung:

Auf heftige Kritik der Grünen im Kreistag Emsland stößt die Absicht der CDU und des Landrats Winter,  die Gremien des Kreistages im Vorfeld über die Bewerberinnen und Bewerber für zwei Dezernentenstellen nicht näher informieren zu wollen. „Wir Grünen sind im Emsland bei der letzten Kommunalwahl mit der Forderung nach mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung angetreten, aber die Kreisspitze und die Mehrheitsfraktion will dies verhindern, obwohl auch Herr Winter sich im Wahlkampf im letzten Jahr für eine transparente und bürgernahe Verwaltung ausgesprochen hat. Hier hat er die Gelegenheit, sein Versprechen einzulösen. Während in anderen Landkreisen bei der Suche nach Kandidatinnen und Kandidaten ein offenerer Umgang praktiziert wird, versucht die Spitze des Landkreises Emslands erneut die engere Auswahl der Dezernenten-Kandidaten zum Staatsgeheimnis zu machen. Es wird nur ein Kandidat präsentiert! Wir leben aber nicht mehr im Mittelalter, in einer Zeit, wo wichtige öffentliche Ämter von des Königs Gnaden besetzt wurden“, heißt es in einer Erklärung der Fraktion der Grünen.

Die Grünen haben nach eigenen Angaben in einem Antrag ein Auswahlverfahren vorgeschlagen, das so auch kürzlich im benachbarten Landkreis Aurich und in anderen Kreisen praktiziert wird und bei dem die Mitwirkungsmöglichkeiten der Mitglieder des Kreistages beachtet werden: „Eine „Vor-Entscheid-Runde“ aus Personalrat, Personalamt und Landrat kommt zusammen und lädt maximal vier (minimal zwei) Personen (möglichst paritätisch) zu Vorstellungsgesprächen ein. Zwischenzeitlich können sich dann die Fraktionsvorsitzenden alle Bewerbungsunterlagen durchsehen und auch an den Vorstellungsgesprächen teilnehmen“; so der Vorsitzende des Kreistagsfraktion Nikolaus Schütte zur Wick. „Dieses Verfahren wurde unlängst so in Aurich praktiziert, als dort die ehemalige emsländische Dezernentin Henni Krabbe gewählt wurde. Also es geht, wenn man nur ein wenig Offenheit will!

Ich nehme an, dass Kurfürst Reinhard I. den Vorwurf empört zurückweisen wird, es gehe unter ihm  so zu wie im Mittelalter. Damit könnte er sogar recht haben, lebte doch Vorbild Clemens August im Barock.

(Foto: Clemens August 1746 wikipedia CC)