„Alles Gute für Monika“

29. Dezember 2018

Über die Feiertage habe ich ein Buch in die Hand genommen, das ich mir sechs Wochen zuvor gekauft hatte. Da hatte ich an einem ruhigen Herbstsonntag mehr als eine gute Stunde lang der Buchautorin in der Sendung Zwischentöne des Deutschlandfunk Kultur zugehört Andrea Scrima.

Sie sprach in der DLF-Radiosendung mit Joachim Scholl, begleitet von den musikalischen Zwischentönen des von ihr geschätzten Bremer Jazzmusikers  Christian von der Goltz. Ich kannte den Namen Andrea Scrimas seit 1996; denn damals wurde die Mitte der 80er mit 24 Jahren nach Berlin gezogene New Yorkerin mit dem Lingener Kunstpreis ausgezeichnet. Das war nicht ihr einziger Erfolg. Damals stellte sie ihre Arbeiten national und weltweit aus. Scrima war gefragt. 1996 war, wie sie selbst sagt, ihr Jahr, in dem sie 11 Ausstellungen hatte und (Achtung!) „einen Riesenkunstpreis“ (Scrima) bekam.

Es war der Lingener Kunstpreis, vom damaligen Geschäftsführer des Kunstvereins Heiner Schepers organisiert und in der „Galerie im Theater“ überreicht; die heutige Kunsthalle in der Halle IV gab es noch nicht. Doch dann, keine zwei Jahre danach, änderte die Künstlerin ihr Leben, malte kaum mehr und begann zu schreiben. Ein „artistic suicide“, um „wieder bei Null anzufangen“ (Scrima). Denn sie wollte schreiben und wusste: „Der Wunsch zu schreiben, war immer da!“ Inzwischen schreibt sie längst Literaturkritiken für Quarterly Conversation, Music & Literature und The Brooklyn Rail.

Mit ihrem 2018 auf Deutsch erschienen Roman „Wie viele Tage“ hat sich Andrea Scrima 2018 als englischsprachige Schriftstellerin im deutschen Sprachraum einen Namen gemacht. Die englische Ausgabe war schon acht Jahre zuvor erschienen. Scrimas These: „Eine deutsche Nationalliteratur muss nicht unbedingt auf Deutsch geschrieben sein…. Angesichts der immer fremdenfeindlicher werdenden Atmosphäre, angesichts der Tatsache, dass die AfD die Kultur als Kampffeld für sich entdeckt hat und nun u.a. die Strategie der parlamentarischen Anfragen verfolgt, um sozialkritische Arbeiten zu diffamieren und die Kulturförderung an sich immer wieder in Frage zu stellen, ist eine derartige Behauptung höchst politisch. Scrimas erster Roman auf Deutsch heißt „Wie viele Tage“ ist eine „feinsinnige, unglaublich intensive Momentaufnahmen einer Frau über das Verstreichen der Zeit“, sagt der Kölner Klaus Bittner und Elisabeth Wagner schreibt in der taz, man habe „als Leser tatsächlich den Eindruck, genauer denken, deutlicher sehen zu können.“

Auch in Lingen. Denn sie berichtet über ihre Preisverleihung 1996, wenn auch, ohne Lingen zu nennen.

„Nach der Zeremonie stand ich unbeholfen herum in meinem neuen Kostüm, das ein bisschen tiefer ausgeschnitten war, als ich gedacht hatte, signierte den Katalog für eine Schlange Ausstellungsbesucher, schrieb Meine besten Wünsche für Wolfgang. Alles  Gute für Monika, oder später, erschöpft von der Wiederholung, einfach meinen Namenszug und das Datum, meinen Lippenstift in den Strumpfhosenbund geklemmt und den Scheck über das Preisgeld zusammengerollt in meiner Hand, denn ich wusste nicht, wohin damit, und so wartete ich, bis niemand herschaute und schob ihn in meinen BH, wie eine Prostituierte dachte ich, doch was blieb mir anderes übrig?“

Nicht nur hier greift der Text Momente der eigenen Biografie von Andrea Scrima in ihrem Leben zwischen den USA und Deutschland auf. So ist „eine private Landkarte der Erinnerungen entstanden. Unvergleichlich intensive Momentaufnahmen.“ (Claudia Fuchs, SWR 2). Was Fiktion, was nicht Fiktion ist, bleibt offen. Und die Phantasie setzt sich in Bewegung. Gerade weil das Buch so fragmentarisch ist. Mein Tipp: Kaufen, Leute!

Übrigens hängt im Rathaus Scrimas Arbeit „Want forget eat forget…“, die die Stadt Lingen vor 22 Jahren erwarb.

Mehr über Andrea Scrima findet sich in ihrem Blog.
Oder auch hier.


Andrea Scrima
Wie viele Tage

Roman 2018
Literaturverlag Droschl, gebunden, 13 x 21 cm 192 Seiten
Aus dem Amerikanischen von Barbara Jung
ISBN: 9783990590133
Hier bestellen

(Foto: Literaturverlag Droschl)

 

Aus gegebenem Anlass

30. Juli 2014

Mein Zwischenruf aus gegebenem Anlass:

Keine Frage: Dass die niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur Gabriele Heinen-Kljajić (Bündnis’90/Die Grünen)*, offizielle Schirmherrin des Welt-Kindertheater-Fest 2014 in Lingen (Ems), nicht zur WKT-Eröffnung kam, nicht einmal einen Vertreter schickte und sich bisher nicht blicken ließ, ist eine unverfrorene Frechheit.

Ganz ungewöhnlich greift heute selbst die Lokalzeitung das sich auch am Fehlen der Dame  festzumachende, mangelnde öffentliche Echo des diesjährigen Welt-Kindertheater-Fest in Lingen (Ems) auf. Ratsmitglied Michael Fuest hatte in der Sitzung des kommunalen Kulturausschusses diesen Beitrag in meinem kleinen Blog angesprochen und die fehlende mediale Präsenz des WKT beanstandet. Hieran knüpft auch Deutschlandradio Kultur in seiner heutigen Frühkritik an.

„Dieser Spielort ist wirklich problematisch“ – resümiert Journalist Alexander Budde eingangs seines heutigen Beitrags in der Frühkritik von Deutschlandradio Kultur (zu empfangen über  102,9 MHz -also zwischen Radio FFN und Antenne Niedersachsen…) und meint damit unser Städtchen. Seine Kritik: „Nicht einmal der NDR leistet einen nennenswerten Beitrag!“ Aber das kennen wir hier Zurückgelassenen, lieber Herr Budde, doch längst zur Genüge. Der NDR berichtet über derartig großartige Veranstaltungen in der westniedersächsischen Provinz nichtnur, falls sie in Hamburg, Hannover oder Kiel stattfinden bzw. im Umkreis von maximal einer Autofahrstunde um diese Großstädte. dann sind die Damen und Herren des NDR noch nächtens wieder in ihrer Stammlokalität. Der Rest  des Sendegebiets geht schon immer den Hamburg-Fixierten des NDR an bestimmten Körperteilen quer vorbei.

Umso aufschlussreicher ist Buddes Beitrag zum WKT’14. Hörst Du:

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ps Übrigens wäre es doch gut, liebe Lingener Tagespost, wenn jedenfalls im Bereich aller NOZ-Ausgaben berichtet würde. Also fasst Euch hinter Eurer Pay-wall herzlich an Eure eigene Nase.

pps Übrigens ist es auch kein Vorteil, dass die Medienarbeit der WKT-Organisatoren wirklich schlecht ist. Das wird nach dem WKT im Rahmen einer Manöverkritik mit klaren Worten aufzuarbeiten sein. Und dabei wäre die übliche „Es-sind-immer-die-andern-denn-unsere-Verwaltung-ist-großartig“-Position der Lingener CDU-Ratsmehrheit plus der Kulturausschussvorsitzenden Edeltraut Graeßner (SPD) gleichermaßen schädlich wie zum Fremdschämen.

 

*In einer früheren Version dieses Beitrags war versehentlich Frauke Heiligenstadt als Schirmherrin des WKT bezeichnet worden. Ich entschuldige mich für diesen Fehler.

Duitsland

11. April 2014

euregioDie Zeiten sind einstweilen vorbei, wo man als Deutscher ins Nachbarland fuhr, um dort zu arbeiten oder jedenfalls voll zu tanken. Heute geht es andersrum. Rüber nach Duitsland – bei den Jobs wie beim Sprit.

„Niederländische Tankstellenbetreiber in der Grenzregion mussten im März erneut starke Umsatzeinbußen hinnehmen. Es ist bereits der dritte Monat in Folge, in dem die betroffenen Unternehmen mit sinkenden Verkaufszahlen konfrontiert werden. Seitdem in den Niederlanden zum 1. Januar 2014 die Steuererhöhung für Kraftstoffe in Kraft getreten ist, tanken immer mehr PKW- und LKW-Fahrer lieber im benachbarten Deutschland oder Belgien (NiederlandeNet berichtete).

Dieser Umsatzrückgang sei eine direkte Folge der Steuererhöhungen auf Kraftstoffe, wie die Branchenorganisationen BOVAG und NOVE unter Verweis auf eine am heutigen Dienstag veröffentlichte Untersuchung feststellten. Die darin enthaltenen Zahlen beruhen auf Befragungen von 501 Tankstellen im ganzen Land, von denen 71 maximal fünf Kilometer von der deutschen bzw. belgischen Grenze entfernt liegen. Laut dieser Studie tanken offensichtlich immer mehr Privatpersonen im Ausland. Aber auch internationale Transportunternehmen steuern niederländische Tankstellen immer seltener an – das gelte zum Teil sogar für unternehmenseigene Tankstellen auf Firmengeländen. Durch den Rückgang beim Absatz von Kraftstoffen werde auch der übrige Umsatz der Tankstellen-Shops in Mitleidenschaft gezogen.

Die niederländischen Tankstellen entlang der deutschen und belgischen Grenze haben im vergangenen Monat rund 35 Prozent weniger Diesel und fast 22 Prozent weniger LPGverkauft als im März 2013. Bei anderen Kraftstoffen sank der Absatz um 20 Prozent. Dieser empfindliche Einbruch in der Grenzregion wirkt sich auch landesweit negativ auf: hier sank der Verkauf um von Diesel um 13 Prozent, LPG um 18 Prozent und Benzin um 7,8 Prozent.“

Apropos vorbei. Lingen gehörte mal zur Euregio, dem ältesten binationalen Verband in der EU. Eigentlich ist es längst an der Zeit, wieder einzutreten. [In Niedersachsen umfasst das EUREGIO-Gebiet den Landkreis Grafschaft Bentheim, die Stadt Osnabrück, den Landkreis Osnabrück und die Gemeinden Emsbüren, Salzbergen und Spelle (Landkreis Emsland). In Nordrhein-Westfalen gehören die Stadt Münster und alle Kreise des Münsterlandes (Kreis Borken, Kreis Coesfeld, Kreis Steinfurt, Kreis Warendorf) zur EUREGIO.

In den Niederlanden ist die Regio Achterhoek (Provinz Gelderland) sowie die Regio Twente, die Gemeinden Hardenberg und Ommen (Provinz Overijssel) und die Gemeinde Coevorden (Provinz Drenthe) Teil des EUREGIO-Gebiets.

Die EUREGIO-Mitglieder
Die EUREGIO zählt 129 Mitgliedskommunen – 104 auf deutscher und 25 auf niederländischer Seite. Ein Teil der Städte und Gemeinden ist indirekt über ihren jeweiligen (Land)kreis an die EUREGIO angeschlossen. Alle Mitglieder sind in der EUREGIO-Mitgliederversammlung vertreten, die einmal pro Jahr zusammen kommt.]

(Quellen: NiederlandeNet und DRadioKultur)

 

Debatte

24. Mai 2013

EnergiewendeBeginnt da eine längst notwendige Debatte?  Die Journalistin Marita Vollborn kritisiert heute im politischen Feuilleton desDeutschlandradio Kultur: „Um Platz für Solaranlagen zu schaffen oder das Holz in Form von Pellets zu verfeuern, lassen zahllose Städte und Gemeinden in Deutschland Bäume und Sträucher abholzen. Damit werden die Ziele der Energiewende in ihr Gegenteil verkehrt!“

„Denn jeder gefällte Altbaum am Straßenrand bindet zu Lebzeiten mehr Kohlendioxid, als die vermeintliche Ökostromproduktion aus seinen Pellets dann einsparen würde.“

Vollborn: „Um nicht missverstanden zu werden: Nicht die Energiewende an sich ist zu bemängeln, sondern die Auswüchse, die sie generiert. Bundesumweltminister Peter Altmaier muss sich daher fragen lassen, warum der Bund dem desaströsen Geschäft mit der Energiewende kein Ende bereitet.“  Hier geht es zu ihrem beachtenswerten Beitrag.

Man muss nicht alles teilen, was Marita Vollborn thematisiert. Doch der Kern ihrer Kritik überzeugt mich. Wie immer ist es die kapitalistische Zügellosigkeit, das „Ich-ich-ich-haben-haben-haben“, was die Probleme macht. Die Stichworte liefert Journalistin Vollborn. Darüber nachgedacht, ob sich dies auch in unserem Städtchen bemerkbar macht, fallen mir sofort die Pläne für weitere, landschaftsbelastende Windenergieanlagen  oder „maisbefeuerte“ Biogasanlagen ein. Oder die Pellets-Kahlschläge an der Umgehungsstraße B213, zuletzt am „Grüner Jäger“  in Darme/Hanekenfähr.  Es sind keine zu vernachlässigenden Kollateralschäden, keine lässlichen Sünden. Politische Verantwortliche, die die Auswüchse hinnehmen, erlauben oder dabei gar mitmachen anstatt allgemeinverträgliche Regeln zu setzen und einzuhalten, sind ein Problem.

Oder um es mit Marita Vollborn zu sagen:

„Solaranlagen bleiben sinnvoll, solange sie auf Dächern entstehen. Und Pellets sind eine nachwachsende Energieform, solange Bäume nicht bar jedweder Vernunft zerhäckselt werden. Wer das auf kommunaler Ebene oder in Berlin noch nicht begriffen hat, sollte umdenken – oder seinen Posten räumen.“

 

(Foto Energiewende CC Florian Gerlach (Nawaro))

Carl von Ossietzky

4. Mai 2013

Carl von Ossietzky im KZHeute vor 75 Jahren starb der Publizist und Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky an Tuberkulose, Folge seiner Haft im KZ Esterwegen. Dorthin verschleppten ihn die NS-Schergen mit weiteren bekannten Häftlingen und setzten  die Gefangenen unter unerträglichen Bedingungen bei der Trockenlegung der emsländischen Hochmoore ein. Ende 1934 wurde der völlig abgemagerte Ossietzky in das Krankenrevier verlegt. Dem Bericht eines Mithäftlings zufolge sollte Ossietzky im Krankenlager durch Spritzen getötet werden.  Berichte sagen, er sei absichtlich mit Tuberkulose infiziert worden. Im Herbst 1935 besuchte der Schweizer Diplomat Carl Jacob Burckhardt das KZ Esterwegen. Dabei gelang es ihm, auch Ossietzky zu treffen, den er anschließend als ein „zitterndes, totenblasses Etwas, ein Wesen, das gefühllos zu sein schien, ein Auge verschwollen, die Zähne anscheinend eingeschlagen“ beschrieb. (Quelle)

Im Emsland, wo der Mann so geschunden und gequält wurde, erinnert nicht viel an Carl von Ossietzky. In Lingen gar nichts. Beschämend.

Das Deutschlandradio Kultur liest man heute  eine Beitrag von Ruth Fühner. Sie gedenkt des  großen Deutschen:

„Militärkritik und Pazifismus waren die Lebensthemen des Publizisten Carl von Ossietzky. Die Nazis verboten ihm, den Friedensnobelpreis entgegenzunehmen. Schließlich kostete ihn die Gewaltherrschaft sogar das Leben.

Es ist ein Bild, das man nicht vergisst: Carl von Ossietzky 1935 im Konzentrationslager. Klein, fast verloren wirkt er gegen die massig herausfordernde Gestalt seines Bewachers, der ihn vor sich an die Wand gestellt hat. Trotzdem hält das Foto weniger die Macht der Schergen fest als die Würde des Häftlings. Wie die anderen „Moorsoldaten“ wird auch von Ossietzky bei der mörderischen Trockenlegung des emsländischen Hochmoors eingesetzt.

Die Schinderei, die Misshandlungen, die Tuberkulose, die er sich im Lager zuzieht, kosten Carl von Ossietzky am 4. Mai 1938 das Leben. Zugleich steht sein Schicksal für eine der größten symbolischen Schlappen des noch jungen NS-Regimes. 1936, gerade in dem Jahr, als es mit den Olympischen Spielen sein internationales Image aufpolieren will, erhält der ehemalige KZ-Häftling, der nach öffentlichen Protesten schwer krank in ein Krankenhaus unter Gestapo-Bewachung entlassen worden ist, den Friedensnobelpreis zugesprochen. In der Laudatio heißt es:

„Carl von Ossietzky … ist ein Liberaler der alten Schule: mit brennender Liebe zur Freiheit der Gedanken und der Meinungsäußerung, festem Glauben an den Wettbewerb auf allen geistigen Gebieten … Respekt für die Werte anderer Völker – und all dies dominiert vom Thema ‚Friede‘.“

Selbstredend darf von Ossietzky nicht nach Oslo fahren, um…“ [weiter]

(Foto: CC Bundesarchiv)

Depublikationspflicht

25. Januar 2012

Im Dezember hatte Blogger Peter Piksa sich per offenem Brief an den WDR gewandt. Ihm (wie vielen anderen) leuchtet nicht ein, warum öffentlich-rechtliche Medieninhalte – wenn sie schon vom jeweligen Sender selbst wieder depubliziert werden müssen – nicht vorher unter CC-Lizenzen gestellt werden. Das würde es den Hörern/Zuschauern gestatten, die Sendungen ihrerseits zu verbreiten und dadurch länger verfügbar zu halten, ohne dass die Depublikationspflicht verletzt werden würde. Inzwischen hat der WDR recht ausführlich geantwortet und man sieht der Antwort an, dass man sich dort mit dem Thema schwertut.

Grundaussage der Antwort ist, dass der WDR nur schwer die für eine CC-Lizenzierung erforderlichen Rechte einholen könne, weil CC-Lizenzen immer auch das Recht zur Bearbeitung mit umfassen würden. Das stimmt so nicht. Zwar können Bearbeitungen tatsächlich das Urheberpersönlichkeitsrecht beeinträchtigen und auch die Persönlichkeitsrechte von gefilmten/aufgezeichneten Personen können dann betroffen sein. Aber gerade dafür gibt es die CC-Lizenzvarianten mit “ND” für “no derivatives”, also die BY-ND und BY-NC-ND. Sie erlauben (nur) genau das, was Peter Piksa einfordert, nämlich die öffentliche Verbreitung durch jede/n.

Man kann sicherlich darüber streiten, ob die ND-Lizenzen noch eine “Freigabe” im eigentlichen Sinne sind, ein Mittel zur Behebung von “Depublikationsschäden” wären sie allemal. Den Hinweis auf die CC-lizenzierten Formate des NDR beantwortet der WDR damit, dass dort bewusst auf eine Freigabe hin in besonderer Weise produziert werde. Das aber heißt nur, dass eine CC-ND-Lizenzierung auf eigenes Material der jeweiligen Rundfunkanstalt beschränkt werden müsste. Damit dürfte noch immer der allergrößte Teil des Contents erfasst sein.* Und dass es gar nicht so schwer ist, beim Online-Stellen “unfreies” Material rauszunehmen aus den Beiträgen, beweist Deutschlandradio Kultur mit seiner Sendung Breitband jede Woche.

*Anm./Update: Der Genauigkeit halber muss allerdings anerkannt werden, dass sich Hörfunk und Fernsehen hier deutlich unterscheiden. Bei Fernsehbeiträgen ist es wesentlich schwieriger, ohne Fremdmaterial zu produzieren oder es nachträglich zwecks Freigabe herauszunehmen.

(Crossposting von creativecommons.de und Netzpolitik.org)