Mehrdad Payandeh

20. Februar 2018

Mehrdad Payandeh (Foto lks, © DGB Nds) floh aus dem Iran, arbeitete in Deutschland erst im Quelle-Lager und ist jetzt Chef des DGB in Niedersachsen und Bremen. Sein Lebenslauf ist eine Erfolgsgeschichte, obwohl es ihm die Behörden wirklich nicht leicht gemacht haben und er sie gar nicht so gern erzählt Die taz hat ihn jetzt interviewt.

Herr Payandeh, wie erleben Sie beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) Alltagsrassismus?

Mehrdad Payandeh: Eigentlich gar nicht. In meinem Arbeitsumfeld sind Menschen, die sich gegen Rassismus engagieren. Entsprechend hatte ich nie das Gefühl, dass ich ein anderes Wesen wäre, eine Art ausländischer Alien.

Kaum zu glauben, dass es solche Probleme beim DGB nicht gibt. 

Ich habe gerade über meine Kolleginnen und Kollegen gesprochen. Ich weiß nicht, ob ein Zuhörer rassistisch denkt, wenn ich irgendwo einen Vortrag halte. Aber ich weiß, dass acht Prozent der Gewerkschaftsmitglieder in Niedersachsen AfD gewählt haben.

Warum ist es so ein großes Ding, dass Sie als Migrant in Deutschland Chef geworden sind?

Es zeigt, dass sich diese Gesellschaft geöffnet hat. Es gibt Aufstiegschancen für diejenigen, die eine andere Herkunft haben – auch wenn sie wie ich in der ersten Generation hergekommen sind. Es ist positiv, dass die deutschen Gewerkschaften hier eine Vorreiterrolle spielen. Wenn ein Geflüchteter DGB-Chef wird, zeigen wir den Rechtspopulisten die Stirn.

Warum sind Sie im Sommer 1985 aus dem Iran geflohen?

Die Universitäten waren dicht. Ausreisen durfte niemand. Der Iran war praktisch ein großes Gefängnis ohne Möglichkeiten. Also wurde ich Saisonarbeiter und habe beim Bau von Großanlagen mitgearbeitet. Wir gehörten nicht zur Stammbelegschaft und sollten deshalb kein Weihnachtsgeld bekommen.

Weihnachtsgeld im Iran?

weiter hier bei der taz

Der Deutsche Gewerkschaftsbund ruft unter dem Motto „Arbeit – sicher und fair“ zur Teilnahme an den bundesweiten gewerkschaftlichen Aktionen in den Betrieben und Verwaltungen am 24. Februar 2011 auf. In seinem Aufruf erneuert der DGB die Kritik, dass die wirtschaftliche Erholung kaum sichere Arbeitsplätze schafft. Stattdessen nehmen Leiharbeit, befristete Beschäftigung und unsichere Arbeit zu.
Dazu Michael Sommer, DGB-Vorsitzender: „Fast eine Million Menschen sind inzwischen in der Leiharbeit beschäftigt. Ohne Eingreifen des Gesetzgebers wird die Leiharbeit ab dem 1. Mai 2011 noch stärker zu Lohndumping missbraucht, denn sie ist dann ohne Einschränkungen möglich. Wir wollen für alle Menschen Gute Arbeit – sicher und fair!
Die Gewerkschaften  fordern:

  • Gleicher Lohn für gleiche Arbeit in der Leiharbeit ab dem ersten Tag der Beschäftigung
  • Einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro, auf jeden Fall den Mindestlohn in der Leiharbeit nach Entsendegesetz
  • Ein Verbot zum Einsatz von Leiharbeitnehmern in Betrieben, die bestreikt werden
  • Kein Dauereinsatz von Leiharbeitnehmern in Betrieben und Verwaltungen
  • Mehr Mitbestimmungsrechte der Personal- und Betriebsräte beim Einsatz von Leiharbeit
  • Schluss mit der sachgrundlosen Befristung von Arbeitsverhältnissen
  • Wirksame Bekämpfung der “Scheinselbstständigkeit.“

Ich habe bislang nicht herausfinden können, ob überhaupt und wenn ja, welche Veranstaltungen in unserer Region für den Aktionstag geplant sind. Ich würde mich freuen, wenn mir meine Unkenntnis insoweit abhanden käme.

 

Zum Herunterladen: Der Aufruf des DGB