Orakel

12. Mai 2014

Flotte PR-Aktion der Bahn: „Kuh-Orakel, Mops-Orakel, Büro-Orakel, Wasserutschen-Orakel – und alle in dem 30-sekündigen Spot wollen den Weltmeister 2014 herausfinden. Die vorzeitige Gewissheit über den großen Gewinner am Zuckerhut hat nämlich für Bahncard-25-Kunden einen attraktiven Vorteil: Wer beim Kauf einer Sieger-Bahncard den Weltmeister richtig tippt, erhält ein zusätzliches Jahr Laufzeitverlängerung.“ Jetzt muss nur noch unsere Emslandlinie von der Bahn tatsächlich zuverlässig bedient und befahren werden und es nicht mehr -in Abwandlung einer Weisheit von Großmeister Harald Schmidt– heißen: Zwischen Rheine und Leer fährt er nicht mehr….

Abgehängt

4. Januar 2014

Bildschirmfoto 2014-01-04 um 02.45.38Unsere Deutsche Bahn AG, die den Nahverkehr zu bedienen hat, hat die Ausschreibung für den Personennahverkehr zwar erst ab Ende 2015 an die Westfalenbahn verloren. Kann es sein, dass sie sich bereits jetzt – zwei Jahre zuvor- nicht mehr um die vertraglich vereinbarte Versorgung kümmert? Wegen  „Verzögerungen im Betriebsablauf“  – wie es euphemisch-unehrlich im bestem Bürokratendeutsch heißt.

Wie abgehängt ist niedersachsens Westeneigentlich? Sowohl die NOZ als auch der NDR berichten über die Ausfälle mehrerer Dutzend Regionalexpress-Züge in diesen Tagen:

„Was vor wenigen Monaten in Mainz (Rheinland-Pfalz) für lange Gesichter gesorgt hat, verärgert nun Bahnreisende in West-Niedersachsen und im angrenzenden Nordrhein-Westfalen: Wegen Personalengpässen und kurzfristigen Krankmeldungen bleiben zahlreiche Züge stehen. Allein in diesen Tagen sind auf der sogenannten Emslandstrecke zwischen Emden und Münster sechs Züge ausgefallen, zwischen Rheine und Münster fünf. Das bestätigte am Freitag eine Bahnsprecherin. Seit Weihnachten sind insgesamt bereits mehr als 30 Regionalzüge gestrichen worden….“ [weiter beim NDR]

Bahnreisende im Emsland stellen längst auch fest, dass die Züge, die fahren, anders zusammengestellt sind. Seltener fahren die Niedersachsen-Doppelstöcker, die Züge sind nicht selten verkürzt und bestehen aus -sagen wir- Uraltwaggons aus aller Herren Bundesländer.

Bildschirmfoto 2014-01-04 um 03.03.30Bildschirmfoto 2014-01-04 um 03.01.57Nun dürfen wir nicht erwarten, dass sich die zuständige Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen mbH (LNVG) unverzüglich der Dinge annimmt. Schließlich sind viele der quasi öffentlich Bediensteten dieser Einrichtung in den Weihnachtsferien und außerdem sind es 200 und mehr Kilometer von Hannover bis zu uns. Da dauert es schon mal…

Doch vielleicht könnte unser Landtagsabgeordneter Heinz Rolfes aktiv werden. Weil er kreativ ist, fällt ihm bestimmt ein, weshalb man die rotgrüne-Landesregierung für das Gleichgültigkeitschaos der Bahn im niedersächsischen Westen und ihrer LVNG-Aufsicht verantwortlich machen kann. Und das jedenfalls das müsste ihn eigentlich zu einer Landtagsanfrage motivieren. Heinzi, mach mal!

Christian

28. Oktober 2013

Sturmtief Christian wütet heute (nicht nur) auf Borkum. Gemessen wurden auf der Nordseeinsel Böen bis zu 191 km/h. Auf der Borkum-Facebook-Seite lese ich:

„Mehrere Dächer völlig abgedeckt, Bäume gebrochen und das Wasser kommt noch bis 17:20 Uhr. Fähre Emden 16:45 kannste wohl knicken. Die MS „Ostfriesland“ kämpft seit Stunden um von Eemshaven nach Borkum zu kommen, driftet aber immer mehr nach Emden ab. Soviel zu dieser Sch… Lage.“

Da ist die heutige Einstellung der Emslandlinie der Bahn bei gleichzeitiger Bildschirmfoto 2013-10-28 um 22.02.44Schließung des Reisezentrums am Lingener Bahnhof das kleinere Problem, wenn natürlich auch ein großes Ärgernis für alle, die sich hierauf (Sie erinnern sich?) verlassen haben. Ersatzbusse wurden meines Wissens nicht eingesetzt. Oder?

Hengelo-o-o II

18. Juli 2013

stempel900Sie erinnern sich an Hengelo-o-o? Gut. Ich natürlich auch und ZEIT-Leser Dierk Andresen schreibt, was man sonst noch so in Bregenz, äh Hengelo tun kann. Und das geht so:

„In letzter Zeit fahre ich viel Bahn, und das hat auch mit Rache zu tun. Rache dafür, dass mich die Deutsche Bahn lange Jahre schlecht beraten und viel zu viel von mir kassiert hat.

Ich reise meist spontan, zahle also den Vollpreis. Für die Strecke Biberach-Berlin mit einem zweitägigen Zwischenaufenthalt in Hamburg sind das 215 Euro, wobei sich die Summe auf zwei Tickets verteilt: Biberach-Hamburg 139 Euro und Hamburg-Berlin 76 Euro. Weil ein normales Ticket nämlich nur zwei Tage lang gültig ist, muss bei einem längeren Zwischenstopp eine weitere Fahrkarte gelöst werden.

Was Kunden am Schalter nicht erfahren: Dieselbe Reise können sie auch für insgesamt rund 143 Euro machen. So viel kostet ein Ticket von Bregenz nach Berlin über Biberach und Hamburg.

Der Trick? Bregenz liegt in Österreich. Und Fahrkarten für Reisen, die im Ausland beginnen oder enden, sind 30 Tage lang gültig. Reisende müssen die Fahrt nicht im Ausland antreten, dürfen sie beliebig oft unterbrechen und genießen volle Flexibilität. Mit so einem Ticket dürfen Bahnkunden alle Züge benutzen, außer den reservierungspflichtigen. Wer Zeit und Geld für die Übernachtungen hat, kann einen Monat lang Zug fahren, quer durch Deutschland.

Das Ticket verpflichtet nicht dazu, sich… [weiter auf der Seite der ZEIT]

ps und noch mehr hier

Wie geht’s? Guckst du hier:


Kurz gefasst; Der schnelle Weg zum Ticket

1) Legen Sie hier Start und Ziel fest. Einer der Orte muss im Ausland liegen.
2) Legen Sie zwei Zwischenhalte fest, mit möglichst großer Distanz zueinander (Beispiel: Von Bregenz nach Sassnitz über Münster und Leipzig)
3) Rufen Sie ein3e Verbindung auf, für die auch ein Preis (nicht nur ein Preisanteil!) genannt ist.
4) Keine Verbindung gefunden? Ändern Sie den Abfahrtstag und die Abfahrtszeit. Vielleicht auch die Umsteigezeit.
5) Reduzieren Sie die Distanz bei den Zwischenhalten. (Bregenz-Sassnitz über Bremen und Leipzig geht nicht. Über Münster/Leipzig geht’s und führt zum Teil über Bremen.)
6) Wählen Sie zwischen Start und Ziel eine größere Distanz. Das schafft mehr Raum dawischen.(Weimar-Münster-Bregenz geht nur mit zwei Tickets. Sassnitz-Weimar-Münster-Bregenz geht auch mit einem.)
7) Sie sind fündig geworden? Dann: Buchen. Ausdrucken. Fertig!
8) Oder gehen Sie mit der Verbindung z Schalter und lassen Sie sich das Ticket ausstellen.
9) Bitten Sie möglichst um eine ausgedruckte Verbindung für die Strecke.

Doppelt

9. Dezember 2012

Bildschirmfoto 2012-12-08 um 13.34.45Es ist Fahrplanwechsel. Ab heute befahren Züge wieder durchgängig die Emslandstrecke – wochentags sogar sechs Mal (sonntags 4 x) in beiden Richtungen Fernzüge der Linie IC35, die sechs Wochen bei uns im Nordwesten gar nicht unterwegs waren. Die Emsländer haben dies ebenso klaglos ertragen wie „Schienenersatzverkehr“ und nervende Sperrungen von Bahnübergängen im Adventsverkehr. Die Städte, Gemeinden und Landkreise hatten kein sichtliches Interesse, dies und vor allem den Abbau der Fernverbindungen offen und öffentlich zu kritisieren; die männliche Regionalliga konzentriert sich auf’s Auto und plant eine überflüssige West-Ost-Rollbahn von Meppen nach Cloppenburg. Müssen wir also erwarten, dass die Region auf Sicht vom Branchenführer Deutsche Bahn AG abgekoppelt wird?

In zwei Jahren ändert sich erst einmal der Regionalverkehr auf der Emslandstrecke, den heute täglich zwischen 1000 und 4000 Reisende nutzen. Denn die  Westfalenbahn hat vor einem Vierteljahr den Zuschlag erhalten, ab 2015 den Regionalverkehr auf der Strecke Emden – Münster zu betreiben. Das erst 2005 gegründete Bielefelder Unternehmen investiert nach eigenen Angaben rund 75 Mio Euro in 15 nagelneue Züge mit einer maximalen Kapazität von 430 Reisenden pro Zug rund 75 Mio Euro. Mit diesem Anbieterwechsel ist dann die Deutsche Bahn bei uns nur noch mit Fernverkehrszügen vertreten, wenn es ihn dann gibt.

Jüngst ergab nämlich eine Zusammenstellung von „Report Mainz“, dass die Fernzugverbindungen für 368 Bahnhöfe jenseits der Metropolen seit 1999 um fast die Hälfte reduziert wurden (von 38.027 auf 20.506). Viele auch größere Städte sind inzwischen nicht mehr an den Bahn-Fernverkehr angebunden. Außerdem werden Bahnhöfe geschlossen, die Zahl der Schalter und die Öffnungszeiten der Reisezentren reduziert [Report-Video unten]. Da habe ich große Zweifel, ob bei uns mehr als ein paar Automaten bleiben.

Und dann die Bahnpreise! Mit dem heutigen Fahrbahnwechsel steigen auch die Bahnpreise und sind damit teurer als je zuvor. Auch hier gibt es große Fragezeichen. Das neue Bündnis „Bahn für Alle“ beispielsweise kritisiert diese Fahrpreis- Erhöhung angesichts der angekündigten hohen Gewinne der DB AG, wozu insbesondere das Wachstum des Schienenpersonenverkehrs um 4,5 Prozent beiträgt.

Dennoch erhöht die DB wieder kräftig ihre Fahrpreise – nach eigenen Angaben um 2,8 Prozent. Ohnehin ist die Tarifstruktur der Bahn seit der Einführung des Preissystems „PEP“ vor zehn Jahren immer unübersichtlicher geworden. „Mit ihrer Preispolitik schröpft die Bahn weiter diejenigen, die klima- und umweltfreundlich mobil sind“, sagt Bernhard Knierim vom Bündnis Bahn für Alle. „Stattdessen sollte sie mit einem verbesserten Angebot und einem bezahlbaren und übersichtlichen Preissystem attraktiver werden.“

Rechnet man die Preiserhöhungen der letzten zehn Jahre zusammen, so belaufen sich diese seit 2003 auf 35,2 Prozent im Fern- und 34,7 Prozent im Nahverkehr. Über den gleichen Zeitraum betrug die Inflation gerade einmal knapp 18 Prozent. Die Bahnpreise haben sich also etwa doppelt so stark erhöht wie das allgemeine Preisniveau.

Daneben wirken sich versteckte Preiserhöhungen aus, mit denen insbesondere Vielfahrer belastet werden: Die BahnCard 50 („Mobilitätskarte“) wird erneut um 3,8 Prozent teurer. Damit hat dieses Vielfahrerangebot in den letzten zehn Jahren einen gesamten Preisanstieg von über 80 Prozent (!) erfahren. Reservierungen haben sich im Preis mehr als verdoppelt und Bahnfahrer wissen, dass es insbesondere von Freitags bis Montags ohne Reservierung kaum geht.

Sascha Vogt, Bundesvorsitzender der Jusos in der SPD, die Mitglied im Bündnis Bahn für Alle sind, kritisiert die Profitorientierung der Deutschen Bahn: „Statt auf Gewinne zu achten, muss die Bahn dringend in die Infrastruktur investieren. Wir brauchen eine Versorgung der Menschen mit Mobilität und zwar in allen Gegenden des Landes. Mobilität ist für uns zentraler Bestandteil öffentlicher Daseinsvorsorge. Außerdem brauchen wir sozial gerechte Preise: Alle Menschen müssen sich Mobilität leisten können!“

Den von „Bahn für Alle“ erstellten sog. Alternativen Geschäftsbericht 2011, der die Geschäftspolitik der DB AG kritisch unter die Lupe nimmt findet man hier; der Alternative Geschäftsbericht 2012 erscheint im März 2013.

Mehr Informationen:
www.bahn-fuer-alle.de

„Bahn für Alle“ setzt sich ein für eine bessere Bahn in öffentlicher Hand. Im Bündnis sind die folgenden 20 Organisationen aus Globalisierungskritik, Umweltorganisationen, politischen Jugendverbänden und Gewerkschaften vertreten: Attac, autofrei leben!, Bahn von unten, BUND, Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz BBU, Bürgerbahn statt Börsenbahn, Gemeingut in BürgerInnenhand, Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Grüne Jugend, GRÜNE LIGA, IG Metall, Jusos in der SPD, Linksjugend Solid, NaturFreunde Deutschlands, ProBahn Berlin-Brandenburg, ROBIN WOOD, Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken, Umkehr, VCD Brandenburg und Ver.di.

Mittelbahnsteig 3

18. Oktober 2009

mittelbahnsteig1mittelbahnsteig2ittelbahnsteig3Es ist ja alles noch viel schlimmer, als ich bisher berichtet habe. Heute Nachmittag habe ich mir dieses seltsame Bauwerk am Lingener Bahnhof (bitte anklicken und  die offizielle Beschreibung genießen!) angesehen, das sich „Mittelbahnsteig“ nennt. Den älteren Herrn, der sein Hollandrad auf den Bahnsteig gewuchtet hatte, habe ich bewundert. Der versprochene Servicemitarbeiter der Deutsche Bahn AG war nicht zu sehen; war ja auch Sonntag. Ebenfalls nicht zu sehen, war ein Fahrkartenautomat, weshalb ich mich gefragt habe, weshalb Johannes Krieger in der  Lingener Volkshochschule überhaupt einen Kurs veranstaltet, wie derartige Apparaturen besonderer Kundenfreundlichkeit zu bedienen sind; denn es gibt sie nicht da, wo sie gebraucht werden – also am neuen „Mittelbahnsteig“, wo nur ein Pappschild hängt, dass die Fahrkarten am Automaten am gesperrten Gleis 1 erhältlich sind -mit handschriftlich nachgetragenem Zusatz- „und im Bahnhof“ (Mo-Fr 8.30 -18.00; Sa 8.30 -13.00; So nix) – d.h. 100-150m entfernt, sozusagen zur Abrundung der Kundenfreundlichkeit.

Niedlich auch diese kleinen Mülltonnen neben den beiden Kleinstunterständen gegen Witterungseinflüsse. Außerdem Aber vor allem frage ich mich, weshalb so viel Platz zum östlichen Gleis verblieben ist. Schauen Sie sich bitte die drei nach Nord (lks) und Süd aufgenommenen Fotos an. Den Mittelbahnsteig selbst konnte ich nicht fotografieren; er war zu schmal. Also habe ich die Freiräume an der Ostseite aufgenommen. Haben Sie etwa eine Erklärung dafür, weshalb der Bahnsteig so schmal ist und unten nebendran im Gleisbett  offenbar so etwas wie ein Flachwasser-Biotop angelegt wird? Ich nicht.

Was wir in Lingen haben, ist ein Behelfs-SB-Bahn-Bahnsteig a la  Hamburg-Wilhelmsburg oder Berlin-Marzahn, kein Bahnsteig auf dem Reisende sicher auf einen Zug warten und z.B. trocken bleiben, wenn es regnet. Mit Kindern geht ein Aufenthalt gar nicht, jede Mutter mit zwei Kindern wird einen Herzinfarkt bekommen, falls sie die Kleinen nicht ankettet. Der Mittelbahnsteig im Lingener Bahnhof ist einfach ein einziger, mit viel Steuergeld gebauter  Baumangel.

Mein Vorschlag:
Gebt den Leuten, die das zu verantworten haben, einen Spaten in die Hand. Sie sollen die Deiche an Unterems, Unterweser und Unterelbe um 50 cm erhöhen. Dann machen die jedenfalls etwas Sinnvolles. Und den Bauleuten im Rathaus schenken Sie am besten ein Kissen, damit sie in ihrer argumentativen Unzuständigkeitsnische bequem weiterschlafen.

 

Nachtrag: LT-Bericht vom 30.10.