Fritz Bauer

1. Juli 2018

Den Film über Fritz Bauer haben Sie gesehen? Dann mein Lesebefehl! für diesen Sonntag:

„Menschen wie ihn braucht nicht nur die Nachkriegszeit. Das Heute braucht sie auch. Zum heutigen 50. Todestag des Generalstaatsanwalts, der die Verbrechen von Auschwitz anklagte, schreibt Heribert Prantl in der Süddeutschen:

Es gibt Formeln, die man zur Tarnung der eigenen Bequemlichkeit gern gebraucht. Zum Beispiel: „Alleine kann man ohnehin nichts bewirken.“ Fritz Bauer gehört zu denen, die bewiesen haben, dass diese Formeln nicht stimmen. Ohne ihn, den Generalstaatsanwalt, hätte es den großen Frankfurter Auschwitz-Prozess nicht gegeben. Mit dem Frankfurter Auschwitz-Prozess begann die Aufklärung der deutschen Gesellschaft über die NS-Vergangenheit, begann die Auseinandersetzung mit dem Holocaust. Dieser Prozess war ein Wendepunkt in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Ohne diesen Prozess gegen ehemalige Bewacher des Vernichtungslagers wäre die deutsche Öffentlichkeit noch länger vor den NS-Verbrechen davongelaufen. Ohne diesen Prozess hätte die Loyalität der Nachkriegsgesellschaft mit den NS-Verbrechern noch länger gedauert.

Fritz Bauer war es, anfangs fast allein, der… [weiter]

FritzBauerFilmKinostart:
„Der Staat gegen Fritz Bauer“
Deutschland 2015, 105 Minuten 
Regie: Lars Kraume 
Schauspieler Burhart Klaussner, Ronald Zehrfeld u.a.

Mit „Der Staat gegen Fritz Bauer“ (Alamodefilm)kommt ein bemerkenswerter deutscher Film in die deutschen Kinos.

Zum Abschluss des 68. Filmfestivals Locarno bekam der Film über den aufrechten früheren hessischen Generalstaatsanwalt mit dem begehrten Publikumspreis eine besondere Auszeichnung. Sie geht an einen von sechs Filme, die außerhalb des „eigentlichen“ Wettbewerbs im „schönsten Kinosaal der Welt“  auf der Piazza Grande, dem zentralen Platz der Stadt am schweizerischen Ufer des Lago Maggiore, unter freiem Himmel gezeigt werden. Die 6000 Plätze dort waren allabendlich ausgebucht. Inzwischen haben die deutschen Filmkunstkinos den Film als besten deutschen Film des Jahres 2015 mit dem Gildepreis ausgezeichnet.

Der beeindruckende Spielfilm über Fritz Bauer reflektiert die Ereignisse um die Jagd auf den SS-Schergen Adolf Eichmann im Deutschland des Jahres 1957.  In der jungen Bundesrepublik waren damals zahlreiche Schlüsselpositionen in Wirtschaft und Politik von alten Nazis besetzt, die kein Interesse daran hatten, dass flüchtige Verbrecher des NS-Regimes vor Gericht gebracht werden.

„Im Gegensatz zu seinem großangelegten Werk „Die kommenden Tage“ (2010)“ inszeniert der zweifache Grimmepreis-Träger Lars Kraume die Arbeit „Der Staat gegen Fritz Bauer“  „über weite Strecken als reines Kammerspiel. Das zu weiten Teilen auf historischen Fakten basierende Drama bietet statt Action hitzige Wortgefechte in alten, muffigen Amtsstuben. Trotzdem gelingt es Kraume Spannung und Intensität zu erzeugen. Er verbindet die mitreißende Unmittelbarkeit des besseren Hollywoodkinos mit Ernsthaftigkeit und historischer Genauigkeit. Gemeinsam mit seinem Hauptdarsteller Burghart Klaußner („Das weiße Band“) zeichnet Kraume in „Der Staat gegen Fritz Bauer“ das gelungene Porträt eines Helden, der Bewunderung weckt und zugleich vollkommen menschlich bleibt. Klaußner zeigt eine facettenreich-charismatische Darbietung und lässt Bauers eigenartigen Dialekt genauso wie den trockenen Humor, die spitze Zunge und den großen Scharfsinn lebendig werden“, schreibt Kritiker Gregor Torinus auf  FILMSTARTS.de.

„Der Staat gegen Fritz Bauer“ kommt am Donnerstag, 1. Oktober in die deutschen Kinos. Zuvor findet gerade eine große Kinotour des Filmmacher statt –  am Samstag auch in Osnabrück. Lars Kraume persönlich stellt dort um 15 Uhr im Cinema Arthouse den Film vor; Politiklehrer haben nach Voranmeldung freien Eintritt.

Leider läuft der Film über Fritz Bauer zunächst nicht in unserer Stadt. Dabei hat der Film sogar ein ganz, ganz, ganz klein wenig mit Lingen (Ems) zu tun: Regisseur Lars Kraume ist Neffe von Bernd Barkey aus dem Ortsteil Baccum. Bernd Barkey und seine Frau Anne sind beide Lehrer, sie in Lengerich (vielleicht auch schon nicht mehr), er früher an der Pestalozzischule, zuletzt in Biene…