Laura

22. Juni 2015

[Irgendwie klang die Geschichte zu gut: Ein Mann zersägt in einem schmutzigen Scheidungsstreit mit seiner Ex-Frau sein Hab und Gut, vom Opel Corsa bis zum Teddybären. Schließlich stehe seiner Ex die Hälfte des gemeinsamen Besitzes zu.

Die Geschichte traf international einen Nerv. Es gab Berichterstattung in den FOX News in den USA, in Nigeria, Europa, China und Australien, auch die deutschen Medien griffen die Geschichte auf. Das chilenische Fernsehen hat wegen der Aktion eine ganze Sendung über das Thema Scheidungsvorsorge gemacht. Auf youtube ist das making of des Teilens der Gegenstände ein Hit…. mehr]

Handschuhfach

13. Juli 2014

Expertenleser dieses kleinen Bloggs haben schon bemerkt, dass der Bloggbetreiber sich ein Wochenende lang abgesetzt hat und Konserven statt Frischgemüse präsentiert. Da passt kurz vor den Sommerferien der DAV-Hinweis in Udo Vetters lawblog ganz gut zum Aufhübschen der Beiträge:

Autofahrer, die ins europäische Ausland fahren, sollten den Europäischen Unfallbericht im Handschuhfach haben. Dieses Formular ermögliche eine weitgehend reibungslose Regulierung des Unfallschadens in anderen Ländern, so die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV).

Anders als in Deutschland werden Verkehrsunfälle mit geringeren Sachschäden in vielen anderen europäischen Ländern grundsätzlich nicht von der Polizei aufgenommen. Gerade hier müssen die Beteiligten selbst eine ausreichende Grundlage schaffen, damit die Versicherungen den Schaden später regulieren.

Auf der Internetseite der Verkehrsanwälte kann man den Unfallbericht zweisprachig laden: deutsch-englisch, deutsch-fanzösisch.

 

Verwahrung

13. Januar 2011

Gleich in vier Fällen hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) die deutsche Praxis der Sicherungsverwahrung verworfen. Sie verstoße gegen das Menschenrecht auf Freiheit. Mit ihrer Rüge geben die Straßburger Richter vier Straftätern Recht, die trotz Verbüßung ihrer Freiheitsstrafen nicht frei kommen, weil sie als gefährlich gelten. Der Gerichtshof sieht in dem deutschen Vorgehen Verstöße gegen das Grundrecht auf Freiheit und das so genannte menschenrechtliche Rückwirkungsverbot („Keine Strafe ohne Gesetz“).

Die Beschwerde eines der Kläger wegen „unmenschlicher Behandlung“ wies das Gericht hingegen ab. Über eine fünfte Beschwerde wurde nicht entschieden, weil der Kläger sie nicht weiter verfolgt hatte.

In allen Fällen war die Sicherungsverwahrung erst nach Inkrafttreten eines entsprechenden Gesetzes verlängert worden. Diese Praxis hatte der Gerichtshof für Menschenrechte bereits im Dezember 2009 als Verstoß gegen das in der Europäischen Menschenrechtskonvention verankerte Rückwirkungsverbot gerügt, was auf den Unwillen mancher Landesminister gestoßen war (Beispiel). Bis 1998 war die Sicherungsverwahrung auf zehn Jahre befristet. Der Gesetzgeber hob diese Frist dann aber auf. Außerdem wurde die Sicherungsverwahrung für einige vor 1998 verurteilte Täter rückwirkend verlängert. Laut EGMR-Urteil ist das unzulässig.  Einige Täter kamen deshalb in den letzten 14  Monaten frei. Die Bundesregierung versucht mit einem neuen Gesetz, einen Teil dieser Täter wieder unterzubringen – vorausgesetzt, sie gelten als „psychisch gestört“.

Anders als eine Freiheitsstrafe dient die Sicherungsverwahrung nicht der Sühne der Schuld. Vielmehr soll die Bevölkerung vor gefährlichen Tätern geschützt werden, die ihre Strafe bereits abgesessen haben, aber im juristischen Sinn kein Fall für die Psychiatrie sind. Voraussetzung für die Anordnung ist, dass psychiatrische Gutachter den Täter als weiterhin gefährlich einstufen.

§ 66 des Strafgesetzbuches (StGB) regelt die Sicherungsverwahrung. Demnach kann das Gericht bei gefährlichen Straftätern mit dem Urteil eine anschließende Sicherungsverwahrung anordnen (primäre Sicherungsverwahrung). Oder es hält die Möglichkeit einer Anordnung offen (vorbehaltene Sicherungsverwahrung).

Juristisch umstritten ist die nachträgliche Sicherungsverwahrung, die seit 2004 durch ein Bundesgesetz möglich ist, wenn sich die besondere Gefährlichkeit eines Menschen erst in der Haft herausstellte. Mit der Neuregelung der Sicherungsverwahrung, die zum Jahresbeginn in Kraft trat, schaffte Deutschland die nachträgliche Sicherungsverwahrung für Neufälle grundsätzlich ab. Für Menschen, die jetzt schon in Haft sitzen, ist sie weiterhin möglich.

(Quelle: ZEIT, Foto: JVA Lingen -in der übrigens keine Sicherungsverwahrung vollzogen wird-  © dem_Christoph CC )

Nachtrag:
Beschämend und beunruhigend gefunden am 05.02.2011 im lawblog

Staat

24. April 2010

Die schwarz-gelbe Regierungskoalition will Zeugen verpflichten, bei der Polizei auszusagen. Kommt man nicht, soll die Vernehmung auch zwangsweise durchsetzbar sein. Das ist eine ganz neue Regelung. Bislang ist niemand verpflichtet, bei der Polizei auszusagen. Auch nicht als Zeuge.

Dem Gesetzesvorhaben erteilt der Deutsche Anwaltverein eine Absage:

Eine Verpflichtung des Bürgers, Ladungen der Polizei Folge zu leisten, ist mit seiner Rechtsstellung im liberalen Rechtsstaat nicht zu vereinbaren.

und:

Dem polizeilichen Zweckdenken muss aber das für den Bereich des Strafrechts geforderte Rechtsdenken entgegengesetzt werden.

Zu dieser plakativen Aussage gibt es auch eine umfangreiche und, wie auch ich ich finde, überzeugende Begründung.

(gefunden und mehr in der Diskussion bei: lawblog.de)