Journalismus nicht

18. Dezember 2018

CORRECTIV  schreibt:
„Wir haben zusammen mit unseren 18 Medienpartnern den größten Steuerraub Europas aufgedeckt. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Hamburg gegen CORRECTIV-Chefredakteur Oliver Schröm in Zusammenhang mit den Cum-Ex-Recherchen. Der Vorwurf: Anstiftung zum Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen. Wir fordern, die Strafverfolgung auf die Steuerräuber zu konzentrieren und die Ermittlungen gegen unseren Chefredakteur einzustellen. Dies ist ein Angriff auf unsere Pressefreiheit. Wir wehren uns dagegen. Unterstützen Sie uns dabei!“

 

Offener Brief

Essen, 11. Dezember 2018

Sehr geehrte Frau Justizministerin Katarina Barley,
sehr geehrter Herr Finanzminister Olaf Scholz,

vor wenigen Wochen haben wir die CumEx-Files veröffentlicht. Gemeinsam mit Medienpartnern aus ganz Europa haben wir enthüllt, wie Banker, Aktienhändler und Steuerberater unsere Staatskasse geplündert haben.

Eine unglaubliche Summe von mindestens 55 Milliarden Euro wurde in Europa gestohlen – Steuergelder, die unserer Gesellschaft zu Gute kommen sollten, ob für Kitas, Krankenhäuser oder Bildungseinrichtungen.

Wir erwarten, dass die Strafverfolgungsbehörden die Täter verfolgen und das Geld zurückholen. Der größte Teil der gestohlenen Milliarden bleibt jedoch weiter verschwunden.

Zugleich werden nun diejenigen verfolgt, die den Skandal aufgedeckt haben. Gegen Oliver Schröm, Chefredakteur von CORRECTIV,  ermittelt die Staatsanwaltschaft Hamburg wegen des Verdachts auf „Anstiftung zum Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen” nach §                                                                                                                                                                                                                                                      17 UWG (Gesetz gegen Unlauteren Wettbewerb).

Es ist das erste Mal, dass dieser Paragraph auf einen Journalisten angewendet wird.

Die Hamburger Ermittler stützen sich auf ein Gesuch der Schweizer Behörden, die aufgrund einer Anzeige der Schweizer Bank Sarasin tätig wurden. Eine der Banken, die tief in den Skandal um die gestohlenen Steuergelder verstrickt ist.

Oliver Schröm soll einen Mitarbeiter dazu angestiftet haben, die Cum-Ex-Geschäfte der Schweizer Bank öffentlich zu machen. Das stelle eine Verletzung des Bankgeheimnisses dar.

Dieser Vorwurf ist absurd: Oliver Schröm hat seine Arbeit als Journalist gemacht und einen erheblichen Missstand in unserer Gesellschaft aufgedeckt.

Es ist erschreckend, dass deutsche Behörden sich von den Tätern instrumentalisieren lassen. Der Versuch, einen Journalisten und eine ganze Redaktion mundtot zu machen, ist ein Missbrauch des Strafrechts.

Umso mehr besorgt uns das neue Gesetz zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen (GeschGehG), das der Bundestag derzeit berät. Der aktuelle Entwurf gefährdet den Informantenschutz und somit die Grundlage investigativer journalistischer Arbeit. Dieser Angriff auf die Pressefreiheit muss abgewendet werden.

Sehr geehrter Herr Finanzminister Olaf Scholz,
wir fordern Sie auf, gemeinsam mit Ihren Kollegen in Europa endlich unsere Staatskassen vor Ausplünderung zu schützen.

Sehr geehrte Frau Justizministerin Katarina Barley,
wir fordern Sie auf, investigative Recherchen von Journalisten nicht zu kriminalisieren. Sorgen Sie dafür, dass Journalisten nicht wegen Verrats von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen strafrechtlich verfolgt werden können.*

Der Rechtsstaat muss sich auf die Verfolgung der Täter konzentrieren.

Steuerraub ist ein Verbrechen. Journalismus nicht.

Die CORRECTIV-Redaktion


 

Brief unterzeichnen

„Das Gift der AfD: Die Partei und ihre Freunde haben sich vor der Bundestagswahl mit der Verbreitung von Missinformationen in den sozialen Netzwerken hervorgetan. Zwar gab es nicht die eine ganz große Fake-News, aber es gab viele Lügen, die das politische Klima verderben.
Das ist die Bilanz unserer Fakten-Prüfer-Arbeit. In sechs Thesen haben wir zusammengefasst, was wir über Fake News gelernt haben im Wahlkampf und wie es weitergehen könnte.“

Mehr bei „Den Fake News keine Chance von correctiv!

 

Faktencheck

3. September 2017

Drei Wochen vor der Bundestagswahl verstärken die Macher der Rechercheplattform Correctiv ihre Arbeit gegen Desinformation und Fake News. Ab Montag erscheint ein täglicher Newsletter zu Falschnachrichten, Gerüchten und Manipulationen.

correctiv-Macher David Schraven: „Dazu haben wir gemeinsam mit der gemeinnützigen Organisation First Draft aus Großbritannien ein eigenes Team aufgebaut. Mit Hilfe unterschiedlicher Technologien ermitteln und analysieren meine Kolleginnen und Kollegen Desinformation in sozialen Medien. Sie überprüfen zudem Aussagen von Politikern auf ihren Wahrheitsgehalt.

Denn wir bei CORRECTIV wollen unseren Teil dazu beitragen, dass die politische Meinungsbildung vor den Wahlen vor Manipulationen geschützt ist.“

Zu den Faktenchecks und zum Abonnement des Newsletters:

#Wahlcheck17: Unsere Faktenchecks vor der Bundestagswahl


Correctiv
[Eigenschreibung: CORRECTIV oder correctiv.org] ist ein journalistisches Portal und ein Verlag in der Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH. Die Anschubfinanzierung von drei  Millionen Euro wurde ab Sommer 2014 für drei Jahre durch die Essener Brost-Stiftung abgesichert. Correctiv hat Büros in Essen und Berlin und bezeichnet sich selbst als „das erste gemeinnützige Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum.“

Die Macher von Correctiv verstehen sich als Antwort auf eine Medienkrise, in der Verlage und Zeitungen Etats kürzen müssen, um schwächelnde traditionelle Geschäftsmodelle aufzufangen, wodurch die Wächterfunktion der Medien gefährdet sei. Durch sein Modell will Correctiv investigativen, aufklärenden Journalismus für alle Verlage und Sender in Deutschland erschwinglich und zugänglich machen.

David Schraven leitet das Recherchebüro Correctiv als inhaltlicher Geschäftsführer, als Chefredakteur fungiert Markus Grill.

Frau Weidel

29. Juni 2017

Moin,

gerade habe ich im correctiv-ruhr-Newsletter diesen Beitrag des Tages gelesen:

„mit einem somnambulen Spruch stemmt sich die AfD-Spitzenkandidatin Alice Schuldkult-Weidel gegen die Ehe für Alle. Sie fragt auf Facebook, „Ehe für alle, während das Land islamisiert wird?”. Zum einen wird das Land nicht islamisiert, aber diese völkische Verschwörung sei hier mal geschenkt.

Was ich schlimm finde, ist etwas anderes. Frau Weidel verliert sich erneut in Widersprüchen zwischen persönlichem Leben und politischen Ambitionen. Die AfD-Spitzenkandidatin steht einer Partei vor, nach deren Ideologie Frau Weidel ihre Ehefrau und ihre zwei Kinder nicht Familie nennen darf. Sie führt eine Partei in den Wahlkampf, die ihre Kinder für potenzielle Drogenabhängige, Knastis oder Selbstmörder hält, da diese ohne Vater aufwachsen.

Da stellt sich doch die Frage, wen verrät Frau Weidel hier eigentlich, ihre Kinder, ihre Partnerin, den Wähler oder ihre Partei? Man möchte Frau Weidel zurufen, lernen sie doch endlich ihre eigene Familie wert zu schätzen, was soll denn der Wähler von ihnen erwarten, wenn sie noch nicht mal fähig zu sein scheinen, zu dem Leben, das sie führen, zu stehen und wenn sie offensichtlich bereit zu sein scheinen, die Würde ihrer Kinder und ihrer Ehefrau der AfD-Ideologie zu opfern.“

 

Damit ist in der Tat alles dazu gesagt, was zu sagen ist. Ich wünsche der Leserschaft einen schönen Donnerstag.

Guten Morgen!

6. Dezember 2016

Correc!v, die Rechercheplattform in NRW begrüßt uns an diesem kalten Nikolausmorgen mit klaren und klugen Worten von Bastian Schlange, die meine Seelenlage gut treffen. Ich lese:

„Schwere Kost zu so früher Stunde: die getötete Studentin aus Freiburg, der vermeintliche Täter ein 17-jähriger Flüchtling und eine Debatte, die sich durch Deutschland frisst. Die Tagesschau wird als Propaganda-Instrument des Kanzleramtes verschrien, weil die 19-Jährige nur eine von zehntausend deutschen Opfern war, die die Mainstream-Medien konsequent verschweigen. Lücken- und Lügenpresse-Rufe lösen einander ab. Die AfD instrumentalisiert den Vorfall nicht nur, um an den Pfeilern unseres Dualen Rundfunksystems zu sägen, sondern gleich noch die Zuordnung von DNA-Proben und Ethnie zu fordern. Und GdP-Chef Wendt krakeelt: „Dieses und viele andere Opfer würde es nicht geben, wäre unser Land auf die Gefahren vorbereitet gewesen, die mit massenhafter Zuwanderung verbunden sind.“

Kurz innehalten. Und durchatmen. Hier ist eine junge Frau vergewaltigt und ermordet worden. Das ist schrecklich. Punkt. Und dennoch war es ein Mord von vielen. Nichts rechtfertigt, ihren Tod für die eigenen Zwecke zu instrumentalisieren. Das Arschloch-Gen bewegt sich jenseits der Rassenlehre. Nicht alles was interessiert, muss auch für jeden relevant sein. Denn: Wer Gleichschaltung anprangert, sollte sie nicht fordern. Unsere Gesellschaft funktioniert nur durch Vielfalt. In allen Bereichen. Wenn der Chef der deutschen Polizeigewerkschaft argumentiert wie jeder zweite Rechtspopulist im Twitter-Kosmos, dann sehe ich die Gefahren weniger in den Reihen der Flüchtlinge oder unserer Medienvertreter.

So. Ich bin wach. Ich hoffe, Du auch. Es soll doch trotz allem ein schöner Tag werden. Schließlich ist der 6. Dezember. Ich hoffe, Du kommst gut rein. Unsere Themen:…“

HRS

24. September 2016

correctivBevor Sie heute ein Hotel über HRS buchen, sollten Sie diese Recherche von Leonie Weigner auf correctiv.de über die Praktiken von HRS lesen und sich überlegen, ob damit ein Alleinstellungsmerkmal von HRS beschrieben wird oder ob auch die anderen Hotelplattformen vorn beim Beschiss dabei sin; die Leserkommentare lassen dies naheliegend erscheinen

Im August 2016 klingelt das Telefon von Robert Schaller*, Inhaber eines Hotels in Nordrhein-Westfalen. Schaller hebt ab. Am anderen Ende ist – wieder einmal – ein Mitarbeiter der Hotelbuchungsplattform HRS. Schaller kennt den Mann, er sei sein „persönlicher Betreuer“, rund alle zehn Tage melde er sich mittlerweile. Mit dem immer gleichen Vorschlag, den er laut Schaller auch an diesem Tag wieder vorgetragen habe: Schaller solle HRS für ein Wochenende nicht 15, sondern 19 Prozent des Zimmerpreises als Provision überweisen. Dafür stehe sein Hotel dann weiter oben in der Liste seiner Stadt.

Oder, in der Sprache von HRS: Schaller solle das „Ranking“ seines Hotels „boosten“. Ankurbeln. Steigern. In die Höhe treiben…

[…weiter bei correctiv]

Die Recherche von coorect!v erscheint gleichzeitig bei deren Kooperationspartnern im „Tagesspiegel“, im „Kölner Stadtanzeiger“, im „Mannheimer Morgen“, in der „Mittelbayerischen Presse“, den „Nürnberger Nachrichten“, der „Sächsischen Zeitung“, der „Badischen Zeitung“ und im WDR

(*Name geändert…)

update am 25.9.