und alles läuft!

4. April 2020

Ihr kennt doch den flotten Werbespruch der Lingener Firma Getränke Essmann:“…und alles läuft“. Gerade aber läuft gar nichts mehr. Auch bei einem der größten Getränkegroßhändler der Republik mit dem Stammsitz in Schepsdorf. Hunderte Fässer mit frisch gebrautem Gerstensaft stehen dort auf dem Hof; doch Essmann bringt sie nicht unter die Leute. Wohin denn auch?

Wegen der Corona-Krise sind Stadtfeste, Fußballspiele und Veranstaltungen verboten. Außerdem sind alle Kneipen dicht. Deswegen werden vor allem Fässer nicht mehr verkauft. Neben dem Absatzeinbruch gibt es ein zusätzliches, immer größer werdendes Problem: Das Bier ist schon gebraut, lagert in den Fässern und nur das Haltbarkeitsdatum läuft –  ab. Nächste Woche bei feinstem Frühlingswetter und 20° Celsius und mehr.

Daher meine Frage an die Biertrinker in der Runde. Was tun mit dem leckeren Fassbier? Hat Markus Quadt eine Idee? Mit 50 l Fassbier zuhause ist es schwierig, den Überblick zu behalten. Für die besten Vorschlag, nehme ich an, gibt’s Freibier in Schepsdorf!


Foto: Bierfässer von elevate / via  CC0 Öffentliche Domäne

 

Kartoffeln

3. April 2020

Die beiden feinen Lingener Fachgeschäfte Kathy’s Wohnart und Prozellan Benner werden wohl neue Produkte in ihr Verkaufssortiment aufnehmen. Das werde ich ihnen dringend ans Herz legen.  Denn dann können sie wieder öffnen. Abgesehen davon, dass Kathy Hüllsieck schon immer Parfum und Körperpflegemittel („Hygieneartikel“) angeboten hat, wird sie künftig wohl Kartoffeln und Spargel  vom Biohof verkaufen, und Kaufmann Oliver Benner zwischen all den Pfannen, Töpfen und Küchenzubehör, Pastagrande-Nudeln aus Wietmarschen, Enkings Schwarzbrot und Settebernds Beschüte aus Emsbüren. Ich nehme an, dies wird mit einer Mitteilung an das städtische Gewerbeamt flankiert, man volle das Sortiment vergrößern. Dann nämlich können beide Einzelhändler aus der Lingen Burgstraße ihre Geschäfte wohl wieder öffnen. Das zeigen die letzten Tage.

Die Allgemeinverfügung des Landes Niedersachsen („zum Schutz der Bevölkerung“) wird sie schwerlich stoppen. Denn sie wird mehr und mehr zu einem Flickenteppich. Niedersachsens Ministerpräsident Stefan Weil (SPD) setzte die Öffnung von Baumärkten durch, um Kaufprozessionen in Baumärkte im benachbarten  NRW zu beenden. Inzwischen darf selbst wieder die Postenbörse geöffnet halten; dazu führte ein schlichter Brief des Firmeninhabers an den niedersächsischen Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU); die Kommunen waren machtlos. Wir sehen:  Die großen Discounter und Supermärkte von Aldi, Edeka, Famila, Netto bis Rewe verkaufen ohne jede Scham und Zurückhaltung das ganze Warensortiment mit Hunderten Nonfood-Artikeln bis zu Fahrrädern und Fernsehapparaten. Es interessiert niemanden, schon gar nicht  die niedersächsische GroKo-Landesregierung, welche zerstörerische Wirkung diese Einseitigkeit auf den kleinen Einzelhändler hat – vor allem im Stadtzentrum. Wir erleben eine große Umverteilung.

Jede/r kann es sehen: Vorn im Discountermarkt mussten die Blumengeschäfte schließen; doch Blumen gibt es trotzdem zu kaufen, jetzt bloß hinter den Supermarktkassen vom Marktbetreiber. Die Einnahmen aus dem Verkauf gehen an diesen Großen, die kleinen Einzelhändler schauen in die Röhre. Das ist „bitter, hart und ungerecht“, sagte OB Krone gestern in einer Sitzung des Lingener Verwaltungsausschusses, und alle stimmten zu.

Wenn dem aber so ist, kommen jetzt eben Kartoffeln & Co. in den Einrichtungs- und Porzellan-Einzelhandel. 4-lagiges Klopappier als Hauptverkaufsartikel ginge sicher auch.


Foto: Giebel des Hist. Rathaus Lingen © milanpaul via flickr

alle durch

2. April 2020