Ach, Opa…

11. Oktober 2020

Mein Großvater war Bäckermeister und Mitbegründer der CDU in Lingen. Später war er 17 lange Jahre Bürgermeister unserer Stadt. An ihn wird in Lingen trotzdem nicht erinnert, obwohl mein Großvater es verdient hätte. Zum Beispiel, wie der spätere Oberbürgermeister Bernhard Neuhaus (CDU) wusste, weil Opa von HJ-Leuten in der Schlachterstraße zusammengeschlagen wurde, als er der jüdischen Familie Hanauer Brot gebracht hatte, damit sie etwas zu essen hatte.

Jetzt ist einem aufmerksamen Zeitgenossen eine weitere kleine und, ich sage, fiese Spitze gegen meinen Opa aufgefallen. Auf der neugestalteten Website der Stadt fand er unter „Politik, Rathaus & Service“ in der Rubrik „Ehrenbürger*innen“ dies:

“ … . Bisher ist das Ehrenbürgerrecht in Lingen an folgende Personen verliehen worden“  und es folgen dann die Namen von Martin Kruse, Ruth Foster, Bernhard Grünberg, Karl-Heinz Vehring und Ursula Ramelow. Neben der Anmerkung, dass die Verleihung dieser Ehre  nicht mit einem wie auch immer gearteten formalen, verliehenen oder erworbenen Recht verbunden ist, möchte ich“, schrieb der Mann jetzt an die Stadtverwaltung, „ihre Liste um drei weitere Namen ergänzen, die nämlich bereits am 18. Dezember 1975 mit der Ehrenbürgerwürde geehrt wurden:

– die Ordensfrau der Mauritzer Franziskanerinnen und im St. Bonifatius-Hospital fast 50 Jahre als Krankenschwester tätige Schwester M. Firminia,
– der Mitgründer des Christophoruswerk und Kinderarzt Dr. Engelbert Lindgen und
– Altbürgermeister Robert Koop (sen.).“

Der Brief geht weiter: „Ich nehme an, dass es keine Absicht war, die Liste der Geehrten nicht mit diesen Namen zu beginnen. Wenn aber doch, würde mich Ihre Erklärung dazu sehr interessieren…“ 

Über die Nichterwähnung der mildtätigen Ordensfrau und des selbstlosen Arztes kann ich nur empört den Kopf schütteln, und meinem Großvater möchte ich denn, wenn es möglich wäre, zurufen:

Ach Opa, du kannst ja wenig dafür, dass du so wenig Respekt und Erinnerung in deiner, von deiner Partei regierten Stadt erfährst, nur weil -wie der im Frühjahr verstorbene Pädagoge und Heimathistoriker Benno Vocks sich einmal ironisch ausdrückte- du den falschen Enkel hast und ich auch noch ausgerechnet so heiße, wie du geheißen hast…

Zirkus Phantasia

20. Juni 2019

Viele große und kleine Artisten laden ein in den Zirkus Phantasia auf dem Gelände des Christophorus-Werks Lingen. Alle Aktiven (besonders natürlich die Schülerinnen und Schüler) freuen sich über viele Gäste!

Rock das Leben

5. Mai 2017

Rock das Leben
Lingen (Ems) – Hochschul-Campus Kaiserstraße
Sa 6. Mai ’17 ab 19 Uhr

Karten: 8 Euro VVK+  Geb(Abendkasse 10 Euro)

„Rock das Leben“ ist in Lingen auf fruchtbaren Boden gefallen“, sagt Organisator Stefan Höge vom Christophorus-Werk zur 5. Auflage des Festivals. Ihn freut besonders die Mischung aus Bands mit Inklusionshintergrund und lokalen Headlinern.

Letztere sind die Moinsen Mafia mit ihrem deutschen Sprechgesang und natürlich die Dirty Fingers. Seit über 25 Jahren begeistern sie nicht nur die Lingener mit ihrem Classic Rock. Bei Sputnix spielen sechs lernbehinderte und nicht lernbehinderte Musiker Deutsch-Rock-Cover. Mit Shit happens sind natürlich die Lokalmatadoren vom Lingener Christophorus-Werk wieder mit dabei. „Wir werden, nicht nur, aber auch viele neue, darunter auch eine Reihe Eigenkompositionen spielen“, verspricht Shit-happens-Sänger Norbert Hopping.

(Quelle)

Hannes

21. August 2015

„Nicht gewollt“ heißt die jetzt erschienene „Autobiografie eines Heimkindes“ von Hannes Duderstadt. Der engagierte Lingener Sozialpädagoge, der sich Jahrzehnte um benachteiligte Jugendliche kümmerte und für sie ein engagiertes Sozialunternehmen aufbaute, schreibt nicht nur über 30 Jahre Berufserfahrung und seine Erfahrungen und Erkenntnisse. Duderstadt, den alle in Lingen nur „Hannes“ rufen, nimmt dabei kein Blatt vor den Mund und arbeitet gradlinig so manch lokales Lingener Tabu auf. Über das viel gelobte Christophoruswerk, an das er seine Jugendhilfe-Einrichtung verkaufte, liest man dies:

Ich hätte wissen müssen, dass es sein kann, dass auch eine christliche Einrichtung nur knallhart geschäftlich denkt. … traf ich eines Tages die hauswirtschaftoiche Kraft, die vomn ersten Tag meiner Gründung bei mir beschäftigt war. Sie stand vor dem Rathaus, war sehr aufgelöst und erzählte mir, dass sie nicht mehr in der Einrichtung arbeitete. … Sie hatte zwei Hüftoperationen hinter sich, und ich hatte sie wieder voll eingestellt, mit dem Versprechen, sie bis zur Rente zu beschäftigen. Sie erzählte mir, dass man ihr jeden Tag vorhielt und deutlich machte, dass sie keine Leistung mehr bringe und nicht rentabel sei. Dies bekam sie immer wieder vorgehalten. 

Dann konnte sie nicht mehr und stimmte einem Auflösungsvertrag zu. Ich schämte mich und rief die neue Leitung meiner Einrichtung an. Wie kann es sein, dass eine so große Einrichtung, die mit behinderten Menschen arbeitet, dann noch mit christlicher Prägung, so mit einem Menschen mit Behinderung umgeht? Wenn der Behinderte Geld bringt, dann gerne, aber er darf nichts kosten. Und diese Frau war seit über 10 Jahren bei mir beschäftigt gewesen und hatte über 30 Jahr ehrenamtlich für die Gesellschaft gearbeitet. Das wusste auch der Geschäftsführer.

Denn bei den Gesprächen pochte ich darauf, dass diese Frau bis zur Rente meine Zusage hatte, bei mir beschäftigt zu sein. So ein Mensch hätte das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen müssen und nicht rausgemoppt werden dürfen. Ich schäme mich.

Es sind bei weitem nicht die einzigen freimütigen Worte über die lokale Szenerie, die die 120 Seiten des kleinen Buches zu einer so berührenden, eindrucksvollen Lektüre machen. Auch über Professoren, Jugendamtsmitarbeiter und Steuerberater berichtet Hannes Duderstadt ebenso klar wie über sich selbst und seine ganz privaten Schwierigkeiten. Leider weiß ich nicht, zu welchen Konditionen das Buch im Buchhandel erhältlich ist. Also: Bitte in der Buchhandlung Holzberg nachfragen. Und Hannes wegen seines Mutes und seiner Leistung auf die Schulter klopfen, wenn man ihn trifft.

[NICHT GEWOLLT, Autobiografie eines Heimkindes – 30 Jahre Berufserfahrung, von Hannes Duderstadt, Paul-Druck Biene, 120 Seiten, DIN A 6, Selbstverlag]