Pinus nigra

24. August 2009

kreisverkehrJaja, Lingen und die Bäume. Es gibt Neuigkeiten aus Darme. Da war einmal mehr das Architekturbüro Nagel, Schonhoff und Partner tätig, das auch schon an anderer Stelle in Lingen aktiv war. Die Aufgabe: Gestaltung des Kreisverkehrs „Rheiner Straße/Am Heidhof“ – kurz: der Kreisverkehr bei McDonalds. Es trat eigens ein Gremium zusammen, das  den Architektenentwurf auswählte, wonach sieben beleuchtete, auf Schotter gesetzte „Schwarzkiefern“ (pinus nigra, heimisch in Süd- und Südosteuropa) einen „der größten Kreisverkehre in der Stadt Lingen (Ortsbürgermeister Werner Hartke)“ zieren sollten. Das Protokoll der Sitzung des Planungs- und Bauausschusses vom 17.09.2008 weiß zu berichten:

Herr Hartke machte deutlich, dass der Kreisverkehrsplatz an der Rheiner Straße / Zum Heidhof einer der größten Kreisverkehre in der Stadt Lingen sei und sich die vorgesehene Gestaltung gut in die Rheiner Straße einfüge. …. Die Maßnahme sollte schnell umgesetzt werden…
Auf Frage von Herrn Beeck erklärte Herr Hartke, dass sich die Verwendung von Kiefern angrenzend an die Rheiner Straße im Lingener Wald fortsetze.

Also wurden dann im März sieben Schwarzkiefern auf Schotter  auf dem McDonalds-Kreisverkehr an der Rheiner Straße gepflanzt und anschließend mit Brimborium eingeweiht. Jetzt, ein paar Monate später, sind es nur noch zwei Bäume der Gattung pinus nigra. Fünf sind  von uns gegangen. Der Schotter blieb (Foto). Angesichts dessen, so meine ich, gewinnt die Aussage von Ortsbürgermeister Hartke, der Entwurf füge sich in die Rheiner Straße ein, zwanglos an Überzeugungskraft. Was das für den angrenzenden Lingener Wald bedeutet, mag ich mir gar nicht vorstellen…

Nahe liegend

22. Februar 2009

Filzstruktur     Filzstruktur

Gar nicht kleinlaut aber sehr wortreich versuchte Stadtbaurat Georg Lisiecki in der jüngsten Sitzung des Bau- und Planungsausschuses des Lingener Stadtrates eine von ihm persönlich zu verantwortende Schlamperei am neuen Ärztezentrum runter zu reden, das den Namen Medicus Wesken trägt. Die vereinbarten und in der Baugenehmigung festgesetzten Abstände der neuen Gebäude (Ärztezentrum und Parkhaus) zur Straße sind deutlich unterschritten. Dies bedeutet den Verzicht auf einen Grünstreifen und unsichere Verkehrsverhältnisse auf dem Schulweg zur Castell- und Paul-Gerhardt-Schule sowie zum Ärztezentrum selbst und rund 50 qm mehr an Nutzfläche.  Niemand hat im Rathaus aufgepasst, die Verantwortlichen haben weggesehen. Sogar die notorisch verwaltungsunkritische „Lingener Tagespost“ sprach tags darauf von „schlampig gearbeitet“.

Am Samstag meinte Leserbriefautor Günter Rudeloff  in der Lokalpresse dazu dies:

„Eigentlich war jedem mit gesundem Menschenverstand ausgestatteten Betrachter ohne Einblick in entsprechende Planungsunterlagen sofort klar, dass es beim Bau des neuen Ärztezentrums hinsichtlich der Grundstücksabstände nicht mit rechten Dingen zugehen konnte.
   Mit der Auswahl ihrer Stadtbauräte hat die Stadt Lingen selten eine glückliche Hand bewiesen, und der jetzige hat mehrfach überzeugende Beweise seiner mangelnden Qualifikation geliefet. Kann man aber mit so viel Blindheit gesegnet sein, diese augenfällige Missachtung von Minimalabtsänden zu übersehen. Nahe liegender ist da schon die Vermutung:
    Man setzt sich über bestimmte Vorgaben einfach hinweg, schafft fertige Tatsachen, zahlt anschließend ein minimales Ordnungsgeld (wenn überhaupt), hält sich einige Zeit bedeckt und erreicht letztlich genau das, was man ohnehin von Anfang an beabsichtigt hatte.
Günter Rudeloff, Frankfurter Str. 15, Lingen

Für die These Rudeloffs spricht, dass am Beginn der rechtswidrigen Bauarbeiten sogar ein Foto geschossen wurde, das bis heute auf der Internetseite der Stadt zu sehen ist.

Zur Erinnerung das planmäßige Vorgehen für dieses Projekt: 
Mit dem Satz: „Sonst gehen die nach Nordhorn oder Meppen!“  wurde der Stadtrat darüber getäuscht, dass rd. 20 Ärzte mit ihren Praxen gar nicht in die Nachbarstädte wechseln können, weil sie nur für Lingen ihre Krankenkassenzulassung besitzen. Dann wurde das innerstädtische Filetgrundstück von der Stadt  deutlich unter dem Einstandspreis an den Investor verscherbelt. Das innerstädtisch besser geeignete Areal am Pferdemarkt wurde in internen Entscheidungsrunden weggequatscht. Vor allem: Auf einen Bebauungsplan wurde verzichtet, auf eine Gestaltungsvorschrift ebenfalls. Eine Tiefgarage wurde eingespart, weil das 8 Wochen länger dauere und diese Zeitverzögerung dem Investor nicht zugemutet werden könne; er wolle am 1. Januar 2009 fertig sein. 

Noch ein Geschmäckle:
Der Investor hat mit der Grünplanung des Projektes, so Stadtbaurat Georg Lisiecki am Mittwoch, Prof. Dipl.-Ing. Christoph Schonhoff beauftragt, ein seit Amtsantritt des jetzigen Stadtbaurats gern für städtische Planungen bemühter Grünplaner. Der, sagte Lisiecki, habe jetzt gemeint, dass die vorgesehenen Bäume im Grünstreifen, der entlang des Konrad-Adenauer-Rings geplant war, durch den zu geringen Abstand aber unmöglich geworden ist, auch sowieso nicht richtig hätten gedeihen können…

Naja, ich lass das mal unkommentiert. Allerdings fällt die Nähe von Prof. Dipl.-Ing. Christoph Schonhoff zu bestimmten Interessen schon auf. Beispielsweise wählte er als so genannter Fachpreisrichter im Rahmen des städtebaulichen Wettbewerbs zur Erneuerung der Lingener Fußgängerzone vor nicht ganz drei Jahren den Entwurf seines, mit ihm gut bekannten Dresdner Mitdozenten Jens-die-Platanen-müssen-weg-Rossa für die Endauswahl aus und kürte ihn dann mit den Gutachterkollegen zum Sieger des Wettbewerbs. Dass er seine lehrreich-wissenschaftlichen Beziehungen zum Preisträger während oder nach der Gutachtersitzung  offen gelegt hätte, ist nicht übermittelt. 
Honi soit qui mal y pense.

Foto: ©  geralt (pixelio)