ein bisschen

18. März 2019

Die Kirche bewegt sich – ein bisschen, titelte die jenseits des Mainstreams publizierende taz am vergangenen Samstag in ihrer Nord-Ausgabe. Mit „Kirche“ meinte sie dabei natürlich die katholische; denn in der letzten Woche hatten sich die katholischen deutschen Bischöfe im Lingener Ludwig-Windthorst-Haus zu ihrer Frühjahrsvollversammlung getroffen, um dabei vor allem über die Aufarbeitung sexueller Gewalt durch ihre Priester und Ordensleute zu beraten.

Die taz porträtiert einen Aufklärer, den Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode und erinnert: „Der 28. November 2010 ist ein Tag der Buße. Es ist der 1. Advent, und im Abendgottesdienst geschieht es, im Osnabrücker Dom: Franz-Josef Bode, Bischof des Bistums Osnabrück, legt sich vor den Altar, auf die nackten Steinplatten, verbirgt sein Gesicht. Eine Bitte um Vergebung für das Leid der Opfer sexueller Gewalt, begangen durch Amtsträger der katholischen Kirche. In seiner Predigt bekennt Bode eine „gleichsam strukturelle Sünde in der Kirche“, die „auch hier bei uns Taten des Missbrauchs begünstigt und deren Aufdeckung erschwert oder behindert hat“.

Dass Bodes Bußpredigt nicht nur von „Schamröte“ spricht, sondern auch von „Erneuerung“, signalisiert: Bode, seit 1995 in Osnabrück, lange Kopf der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz und seit 2017 deren stellvertretender Vorsitzender, mahnt Taten an. Es gilt, eine Mauer des Verschweigens und Verdrängens, des Verleugnens und Verharmlosens ins Wanken zu bringen.

Die Offenheit,…

weiter bei der taz,

Weitere Beiträge widmet die taz dem Thema:

Die Kirche bewegt sich – ein bisschen

Diese Woche trafen sich die katholischen Bischöfe, um über die Aufarbeitung sexueller Gewalt zu beraten. Die meisten Taten sind jedoch verjährt, weiß tazler Christian Rath..

Zum Schwerpunkt zählt auch das

Simone-Schnase-Interview mit dem Osnabrücker Psycho- und Sexualtherapeuten Prof. Dr. Wolfgang Weig

Wolfgang Weig war lange Jahre und bis zu deren Verkauf durch die damalige schwarz-gelbe Landesregierung an den Krankenhauskonzern AMEOS Ärztlicher Leiter des ehemaligen Landeskrankenhauses; dann kündigte er. Bis 2017 war der 67jährige Professor am Institut für Psychologie der Uni Osnabrück sowie Leiter des Zentrums für seelische Gesundheit der christlich orientierten Niels-Stensen-Klinik Osnabrück. 2015 veröffentlichte er mit einer Wissenschaftlergruppe unter Leitung des Jesuiten Eckhard Frick eine repräsentative Seelsorge-Studie. Außerdem leistete Weig als einer der ganz wenigen im westlichen Niedersachsen etwas besonders Verdienstvolles. Er therapierte Täter.

Wer mehr über den Umgang der katholischen Kirche im Norden mit sexuellem Missbrauch lesen möchten, schaut am E-Kiosk der taz vorbei.

„Nehmen wir mal an, der damalige Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hätte den Kinderporno-Verdacht gegen den begabten SPD-Abgeordneten Edathy für sich behalten. Vielleicht wäre Edathy nach der Koalitionsbildung Staatssekretär geworden. Und im Februar hätte es eine Durchsuchung bei ihm gegeben.

Dann hätte die SPD einen großen Kinderporno-Skandal am Hals gehabt, Edathy wäre in dieser Position noch mehr fertig gemacht worden und alle hätten sich gefragt, warum Friedrich mit seinem Herrschaftswissen die SPD scheinheilig und vermeintlich schadenfroh in den Skandal laufen ließ.“ [mehr…]

Wie taz-Kommentator Christian Rath in seinem klugen Kommentar kann ich nichts Strafwürdiges an dem aufgeregt beanstandeten Verhalten des Innenministers Friedrich  entdecken. Friedrich informierte die SPD-Spitze im letzten Herbst, dass da etwas Skandalöses auf den SPD-Abgeordneten Edathy zukommen könne; der hatte zuvor den NSU-Untersuchungsausschuss vorbildlich geleitet und galt als ministrabel. Die Information war richtig und im Rahmen der Koalitionsverhandlungen innerhalb des Verfassungsorgans Bundestag auch rechtlich in Ordnung. Auch darin stimme ich Christian Rath zu.

Als gar nicht in Ordnung aber sehe ich die Aktionen der aufgeregt-hektischen hannöverschen Staatsanwälte, die erst die Ermittlungssache Edathy zur Verschlusssache machten, dann aber eine – quasi unter Hinzuziehung der Lokalpresse öffentliche – Hausdurchsuchung veranstalteten, gleich eine weitere hinterher und schließlich und dies vor allem, alle vorliegenden Ermittlungsergebnisse über den Beschuldigten in einer Pressekonferenz hinauströteten, so als ob dies eine rechtliche Notwendigkeit und erlaubt wäre.

EdathyDer Vorwurf: Ex-MdB Edathy soll nicht-pornografische Nackt-Bilder von Kindern und Jugendlichen in Kanada geordert haben. Das ist in Deutschland nicht strafbar. Trotzdem ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover seit dem 5. November gegen Sebastian Edathy mit der Begründung, dass wer nicht gegen das Gesetz verstößt, vielleicht doch dagegen verstoßen könnte. Die HAZ hat die Kieler Rechtsprofessorin Dr. Monika Frommel  zu dieser gänzlich verquasten Auffassung jenseits der Strafprozessordnung interviewt. Ich lese ihre klaren Aussagen:

…Wie soll ein juristischer Laie die Formulierung des Staatsanwalts vom „Grenzbereich zur Kinderpornographie“ verstehen? Ist das so wie „sie hat fast geklaut“, sich also eigentlich nicht strafbar gemacht? 

Frommel: So ungefähr. Wenn der Staatsanwalt von einem Grenzbereich spricht, kann man ihm später nicht Rechtsbeugung vorwerfen.

Vielleicht ist die Staatsanwaltschaft Hannover nur sehr bemüht, keinen Fehler zu machen, weil es sich bei Sebastian Edathy um einen bekannten Politiker handelt. 

Frommel: Ich würde sagen: Das ist eine Promihetze. Edathy war sowieso nicht mehr zu halten, als klar wurde, dass er sich für sehr junge Männer interessiert. Es hätte gereicht, dass er sich von der politischen Bühne zurückzieht. Die Staatsanwaltschaft hat nichts gegen ihn in der Hand. Sie hätte die Ermittlungen einstellen müssen. Statt dessen geht das nach dem Motto: Versuchen kann man es ja mal. Das ist für mich der Grenzbereich zur Rechtsbeugung.

Nebenbei: Ich finde auch die öffentliche Unterstellung der Aufrecht-Aufgeregten bemerkenswert, Edathy müsse Kinderpornos besessen und vernichtet haben, weil man nichts Strafbares gefunden hat. Dazu wird behauptet, er habe Festplatten vernichtet. Auch an diesem für den Betroffenen verheerenden Eindruck stricken die Staatsanwälte mit, ohne dafür Beweise zu haben. Udo Vetter hat schon vor Tagen das Notwendige in seinem Lawblog geschrieben.

Mein Fazit: Nahe Cuxhaven an der Unterelbe, liebe Leser, gibt es einen Deich, der dringend einen halben Meter erhöht werden muss. Ich finde, dass dies eine gute, nützliche und vor allem künftige Aufgabe für den Leitenden Oberstaatsanwalt Jörg Fröhlich und seine beseelte Chaostruppe sein könnte. Mit dem Spaten. Die Arbeit wäre auch weniger teuer als das Wulff-Desaster und weniger spektakulär als in der causa Edathy. Vor allem aber wäre sie kein schweres Dienstvergehen (so Prof. Dr. Monika Frommel gestern Abend im ZDF) wie das -mit der vorsätzlichen sozialen Vernichtung eines Beschuldigten einher gehende – Ausbreiten der vertraulichen Ermittlungsergebnisse des Verfahrens gegen den Ex-MdB Sebastian Edathy.

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