Kulturhauptstadt 2025

17. September 2019

Seine Bewerbung verschickt Hannover in Romanform. Gegen die Mitbewerber Chemnitz, Dresden, Magdeburg, Nürnberg, Zittau und Hildesheim will die niedersächsische Landeshauptstadt mit neuen Ideen im Rennen um den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2025“ mit Lösungen für lokale Probleme punkten. Denn in sechs Jahren hat Deutschland, turnusmäßig nach 2010, neuerlich die Ehre – übrigens gemeinsam mit einer slowenischen Stadt.  Wer es wird, entscheidet sich im Herbst nächsten Jahres.

Beim Pressetermin vor einer Woche im Neuen Rathaus enthüllte das Team Hannover schon mal vorab einige zentrale Themen aus dem Bewerbungsbuch („Bid Book“) zur Kulturhauptstadt Europas 2025. Das 60-seitige Bid Book hat Hannover vom Schriftsteller Juan S. Guse als Roman schreiben lassen – und das ist einzigartig in der Geschichte der Bewerbungen zur Kulturhauptstadt Europas! Dabei ist der Titel des Romans auch Programm: „Hannover 2025 – Agora of Europe“. Ausgangspunkt für Hannovers Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2025 ist dabei die aktuelle Situation Europas.

Guse greift in seinem Roman das Szenario des existenziell gefährdeten Europas auf und erweckt zwei der berühmtesten Hannoveraner Gottfried Wilhelm Leibniz und Kurt Schwitters zum Leben. Die beiden setzen sich in einer ihnen charakteristisch skeptisch und kritischen Art mit Hannovers Bewerbung auseinander. Im Laufe des Romans lassen sich Gottfried und Kurt davon überzeugen, dass Hannover nicht nur die Möglichkeiten hat, anhand lokaler Bezugspunkte die großen europäischen Themen zu bearbeiten. Sie stellen auch fest, dass die Stadt für diesen bevorstehenden Diskurs auf die beste Form der partizipativen Demokratie zurückgreift: die Agora. Damit bezieht sich Hannover auf die Anfänge der europäischen Demokratie. In der griechischen Antike war die Agora die Versammlungsstätte des Volkes, das demokratische Zentrum, das Marktplatz, politisches Zentrum und Theater vereint hat.

Hannover wolle, so heißt es auf der Internetseite der Kommune, mit seiner Bewerbung zeigen, dass Städte, aus sich selbst, aus der Stadtgesellschaft heraus, mit Kunst und Kultur eine Kraft und Macht entwickeln können, um den europäischen Gedanken, den Zusammenhalt der Menschen, das gemeinsame historische Fundament zu stärken und das einmalige Friedensprojekt fortzusetzen.

Der Weg zum nächsten Titel ist aber, so die taz, „hürdenreich. Zum 30. September ist das sogenannte Bid Book, die schriftliche Bewerbung, bei der Kulturstiftung der Länder einzureichen. Sie nimmt die Bewerbungsunterlagen aller deutschen Kandidaten entgegen und leitet sie an eine europäische Expertenjury weiter. Bislang sind sieben weitere Städte mit im Rennen, so auch Hannovers unmittelbarer Nachbar Hildesheim.

In einer Vorauswahl, Mitte Dezember in Berlin, wird das Teilnehmerfeld dann auf zwei bis vielleicht auch vier Bewerber eingedampft, sagt der niederländische Kulturmanager Oeds Westerhof, der als „strategischer Berater“ Hannovers verpflichtet wurde. Er ist in Sachen Kulturhauptstadt erfahren, war Chefmanager in Leeuwarden, Provinz Friesland (NL), 2018 Kulturhauptstadt Europas. Die Teilnehmer der zweiten Stufe müssen ihre Bewerbung bis Sommer 2020 substantiieren, bevor im Herbst dann die Entscheidung fällt.

Auch schon für eine allererste Vorstellung der Bewerbungsabsichten im Oktober 2018 ließ man nicht, wie es die Konkurrenz tat, nur den Bürgermeister zum Rapport in Berlin antreten, sondern sorgte mit einem Poetry Slam „für Furore“, so Kulturdezernentin Konstanze Beckedorf.“  (weiter bei der taz und mehr bei der Stadt Hannover, der Kulturstiftung der Länder, und beim NDR)


Foto: Oeds Westerhof © Stadt Hannover/twitter

 

Sachsen

17. Mai 2019

Mittwoch wurde der neue sächsische Verfassungsschutzbericht veröffentlicht und weil Sachsen ja sonst keine Probleme hat, wurde das am 03. September stattgefundene #wirsindmehr-Konzert in Chemnitz mal eben in den Bereich Linksextremismus einsortiert. Auch wieder mit dabei: Feine Sahne Fischfilet. Na klar.

Die Leipziger Volkszeitung, LVZ:

Auf Seite 191 der Ausführungen heißt es: „Sowohl in Redebeiträgen als auch im Rahmen des Auftritts der Band Feine Sahne Fischfilet wurde das Publikum erfolgreich mit ‚Alerta, alerta Antifascista!‘-Rufen zu ähnlichen Rufen animiert. Die Musikgruppe K.I.Z. aus Berlin dankte in ihrer Moderation der Chemnitzer Antifa und dem Schwarzen Block dafür, dass sie in der Vergangenheit die ‚Arbeit der Polizei‘ übernommen hätten.“ Zudem wurde mehrmals „Nazis raus!“ gerufen.

Mittlerweile hat der LandesVerfassungsschutz reagiert und fühlt sich missverstanden:

In ihrer Online-Ausgabe behauptet die „Leipziger Volkszeitung“ am 15. Mai 2019: „Sächsischer Verfassungsschutz erwähnt #wirsindmehr-Konzert als linksextremistisch“. Diese Behauptung ist in dieser Pauschalität unzutreffend. Vielmehr stellt der sächsische Verfassungsschutz auf Seite 190 seines Jahresberichts für 2018 fest, dass an der Großveranstaltung „Wir sind mehr“ am 3. September vergangenen Jahres „ganz überwiegend nichtextremistische Zuschauer“ teilgenommen haben.

So reagieren die, die getroffen sind, weil sie selbst deutlich machen, wo sie verortet sindl. Im rechtsnationalen Sumpf. Auch nichts Neues bei den behörden in Sachsen.

(Quelle und dank an: Das Kraftfuttermischwerk)

 

#wirsindmehr

20. September 2018

Deutlich mehr als 1000 Menschen, die Lingener Tagespost zählte mehr als 1200,  haben gestern Abend an der #wirsindmehr-Kundgebung auf dem Lingener Marktplatz teilgenommen. as waren etwa die Hälfte der Teilnehmer an der #NoPegida-Demonstration Anfang 2015, aber ach viel mehr, als von den Organisatoren erwartet. Lingen konnte so einmal mehr beweisen, dass es eine tolerante, vielfältige Stadt ist. Viele Teilnehmer*innen hatten Kerzen, Lichter und Leuchten mitgebracht; allerdings verzichteten die „Lingen leuchtet“-Organisatoren auf die gesonderte Aufforderung an die Teilnehmer*innen, den Lingener Marktplatz tatsächlich leuchten zu lassen.

 Die beiden Redner des Abends nahmen vor allem die aktuellen Geschehnisse im Osten der Republik in den Blick. OB Dieter Krone kritisierte unter dem Beifall der Demonstranten die Beförderung von BfV-Präsident Hans-Georg Maaßen, ohne ihn namentlich zu nennen, und verurteilte die „Angriffe auf des friedliche Zusammenleben in Chemnitz und anderen Orten in den neuen Bundesländern“. Dazu „dürfen und wollen wir nicht länger schweigen, sondern gemeinsam unsere Stimme gegen Radikalisierung und Rechtsextremismus jeglicher Art erheben“, so Krone. Man müsse denen entgegentreten, die die erkämpften „Werte der Demokratie mit Füßen treten und untergraben wollten“. Jeder sei gefordert, auch in der Familie und im Bekanntenkreis.

Der katholische Gemeindereferent Dirk Tecklenborg (Laxten) ging auf „Ängste und Sorgen der Menschen“ ein: „Wer durch viel Veränderung in kurzer Zeit und immer schneller werdenden Informationen Sorgen hat, darf sie auch nennen“, erklärte Tecklenborg. Die vielzitierten „besorgten Bürger“ hätten Fragen und auch das Recht, darauf Antworten zu bekommen.

Das empfand ich als Äußerungen, die die Angriffe von Neonazis, Faschisten und Pegida-Anhänger auf Toleranz, Vielfalt und demokratische Werte einerseits und ihre Menschenjagden andererseits nach meinem Eindruck nicht zutreffend in den Blick nahmen und bewerteten, wenngleich Tecklenborg klar stellte: „Wer in sozialen Medien und der realen Welt gegen Demokratie, Toleranz, Mitmenschlichkeit und den Rechtsstaat wettert, der ist kein ‚besorgter Bürger‘, sondern jemand, der auf die sich stellenden Fragen gar keine Antworten haben will.“ Welche „Fragen sich stellen“, blieb dabei allerdings offen. Mir war das Gesagte  jedenfalls mit Blick auf das Verhalten der ostdeutschen Rechten zu relativierend.

Tecklenborg unterstrich schließlich: „Heute wollen wir zeigen, das wir in unserer Stadt offen und tolerant miteinander umgehen wollen.“ Das gelang gestern Abend.

Nach einer Schweigeminute schloss die 30-minütige Kundgebung mit dem gemeinsam gesungenen Song „We are the world“, den Theresa Nguyen (Gitarre) intonierte.Anschließend forderten Antifa-Aktivisten zu einem „Spaziergang durch die Stadt“, wobei unklar wa, welchen Zweck der haben sollte. Ihnen schlossen sich denn auch recht wenige, nach meinem Eindruck zwei, drei Dutzend Teilnehmer*innen der Kundgebung an.

Titel heute von WELT kompakt. Das ist nicht meine Zeitung, aber…

ZARA

18. Februar 2016

ZARAZu meinen wundersamen Erkenntnissen zählt, wie wenig in den Wirtschaftsteilen aller Medien eigentlich über die sog. reale Arbeitswelt zu finden ist – aktuell zum Beispiel über die Kritik der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di an geplanten Filialschließungen und dem Umgang mit den Zara-Beschäftigten bei der trendigen spanischen Textilmodekette Zara. Der Konzern steht bereits seit Jahren ganz unmodisch wegen seiner Arbeits- und Produktionsbedingungen, der Flucht aus der Mitbestimmung oder der sog. Steuervermeidung in der Kritik. Und niemand erfährt davon.

Jetzt gibt es eine neue Runde: „Beschäftigte verunsichern und keine adäquaten Ersatzarbeitsplätze anbieten, um langjährige Mitarbeiter loszuwerden und so Kosten zu sparen – das scheint aktuell das Motto bei der Textilmodekette Zara zu sein. Bundesweit plant Zara derzeit fünf Filialschließungen (zwei in Köln, eine in Berlin, eine in Hamburg sowie die Filiale in Chemnitz). Betroffen davon sind insgesamt rund 180 Beschäftigte…“ Die ver.di-Pressemitteilung vom 15.02.2016 gibt weitere Informationen:

•    „Die Kölner Filiale Hohe Straße soll zum 31. Juli 2016 geschlossen werden. Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan laufen. In der Filiale arbeiten rund 55 Beschäftigte.
•    Für die Kölner Filiale Ehrenstraße hat Zara die Schließung bekannt gegeben, ein genauer Zeitpunkt steht jedoch noch nicht fest. Interessenausgleich- und Sozialplanverhandlungen haben noch nicht begonnen. In der Filiale arbeiten rund 23 Beschäftigte, rund 16 davon mit unbefristeten Verträgen.
•    In Hamburg Altona soll die Filiale Ottenser Hauptstraße zum 30. Juni 2016 geschlossen werden. Interessenausgleich- und Sozialplanverhandlungen laufen bereits. In der Filiale arbeiten 37 Beschäftigte, davon 26 unbefristet.
•    In Berlin soll die Filiale in den Potsdamer Platz Arkaden zum 31. März 2016 geschlossen werden. Die Interessen- und Sozialplanverhandlungen sind bereits abgeschlossen. In der Filiale arbeiten rund 35 Beschäftigte.
•    In Chemnitz schließt die Filiale in der Straße der Nationen in der ersten Jahreshälfte 2016. Vor Ort existiert kein Betriebsrat, damit auch kein Ansprechpartner für Interessenausgleich- und Sozialplanverhandlungen. In der Filiale arbeiten rund 30 Beschäftigte.“

Insgesamt gilt:
Bei Zara ist gerade der Teufel los: Kündigungsbegehren gegen den Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats, Kündigungsbegehren gegen den Sprecher des Wirtschaftsausschusses, Kündigung einer potentiellen Wahlbewerberin in Ludwigsburg und massive Behinderung der Betriebsratswahlen in Kassel.

Am kommenden Samstag, 20.2., gibt es um 12:00 Uhr eine von ver.di organisierte und angemeldete Demo vor der schließenden Filiale in Hamburg Altona! Und schpn heute merkt man, wie wenig trendig der Umgang der ZARA-Chefebene mit ihren Arbeitnehmern und deren Rechten ist.