over de grens

15. Dezember 2018

Zum Wochenende ein wenig trockene Statistik aus dem Nachbarland:

In Europa sind die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und den Niederlanden unvergleichlich. 2017 wurden Waren und Dienstleistungen im Wert von 177,3 Milliarden Euro über die deutsch-niederländische Grenze gehandelt. Das allein zeigt, wie eng die Volkswirtschaften beider Länder miteinander verflochten sind. Weltweit wird die deutsch-niederländische Integration nur noch von den USA und Kanada übertroffen. Besonders wichtig für die deutsch-niederländischen Wirtschaftsbeziehungen ist unzweifelhaft das Geschehen entlang der Grenze. Gemeinsam mit den Partnern aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen hat das Centraal Bureau voor de Statistiek (CBS) jetzt die Grenzwirtschaft unter die Lupe genommen.

Ausschlaggebend für den Vergleich zweier Wirtschaftsstrukturen ist die Bruttowertschöpfung. Dabei handelt es sich um die Gesamtheit aller Güter und Dienstleistungen, die alle Branchen einer Volkswirtschaft innerhalb eines gewissen Zeitraums produzieren. Der Gesamtbetrag der Bruttowertschöpfung wird schließlich in den jeweils geltenden Marktpreisen ausgedrückt. Für das Jahr 2015 weist die CBS-Studie über die Wirtschaft an der deutsch-niederländischen Grenze aus, dass die Bruttowertschöpfungen in den deutschen Bundesländern höher liegen als in den Niederlanden. Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen erwirtschafteten an der Grenze gemeinsam rund 815 Milliarden Euro, während die niederländische Grenzregion es auf 615 Milliarden Euro bringt.

Zunächst mag zwar auffallen, dass die Niederlande ungefähr ein Viertel weniger im Untersuchungszeitraum erwirtschaftet haben als die beiden benachbarten Bundesländer. Betrachtet man jedoch den Beitrag, den jeder einzelne Arbeitnehmer zur Bruttowertschöpfung geleitet hat, relativiert sich dieser Eindruck. Die sogenannte Arbeitsproduktivität liegt in den Volkswirtschaften nämlich ähnlich hoch: Während die Niederlande und Niedersachen im Vergleich eine nahezu identische Arbeitsproduktivität aufweisen, können die Niederlande verglichen mit Nordrhein-Westfalen sogar ein Plus herausholen. Insgesamt sind die Arbeitnehmer an der niederländischen Grenze also am produktivsten.

Nimmt man die jeweiligen Branchen in den Blick, die an der Grenze für die Niederlande, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen eine wichtige Rolle spielen, zeigen sich Unterschiede. So dominiert das produzierende Gewerbe (ohne das Baugewerbe) in den meisten Kreisen Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens im Grenzgebiet deutlich. Auf niederländischer Seite spielen in der Grenzregion dagegen Dienstleistungen im öffentlichen Sektor, der Erziehung, Gesundheit und in den Privathaushalten eine vordergründige Rolle. Trotz aller Unterschiede weisen die Wirtschaftsstrukturen im Großen und Ganzen aber Ähnlichkeiten auf.

In einer früheren Studie untersuchte das CBS bereits den grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt. Demnach pendelten 2016 rund 38.000 Menschen aus Deutschland zur Arbeit in die Niederlande (NiederlandeNet berichtete). Auffällig ist dabei, dass die Arbeitnehmer aus Deutschland oft unterdurchschnittlich verdienen. Eine weitere Arbeitsmarktstudie nahm jetzt die Arbeitsverhältnisse genauer in den Blick. Hierbei zeigen sich signifikante Unterschiede zwischen Deutschland und den Niederlanden, denn: In der niederländischen Grenzregion sind 54 Prozent der Arbeitnehmer in einem Teilzeitarbeitsverhältnis beschäftigt. Das sind fast doppelt so viele wie auf der deutschen Seite, denn dort liegt der Anteil der Teilzeitarbeitnehmer bei 28 Prozent. Was allerdings beide Grenzregionen eint: Die Teilzeitarbeit ist überwiegend weiblich. Sowohl in den Niederlanden (83 Prozent) als auch in Deutschland (52 Prozent) wird Teilzeitarbeit eindeutig häufiger von Frauen verrichtet.


Ein Beitrag auf NiederlandeNet