Reflection

15. September 2012

Zu den bemerkenswerten Dingen im Emsland gehört die nahezu völlige Kritiklosigkeit von Medien, Verwaltung und Politik an den katastrophalen Auswirkungen des Schiffbaus in der Meyerwerft Papenburg auf die Umwelt, genauer: die Überführungen samt der notwendigen Ausbaggerungen Wasserstaus etc ruinieren die Ems. Für Sonntagnachmittag ist nun die Überführung des vor einigen Wochen ausgedockten (Video unten) Kreuzfahrtschiffs „Celebrity Reflection“ von Papenburg nach Eemshaven geplant. Sie stößt bei Umweltschützern auf Kritik. Das Vorhaben sei besonders heikel, weil eigens dafür Umweltauflagen außer Kraft gesetzt worden seien, erklärten gestern unisono die großen deutschen Umweltverbände – BUND, Nabu und WWF.

Der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz in Aurich hat (wie stets) die Genehmigung erteilt, diesmal sind die Salz- und Sauerstoffgrenzwerte bei Bedarf ausgesetzt. Gegen diese Ausnahmegenehmigung werde geklagt, sagte WWF-Expertin Beatrice Claus.

„Wir befürchten, dass die letzten Reste von Süßwasserlebensgemeinschaften wie Kleinkrebse oder Würmer durch zu hohe Salzwerte geschädigt werden“, sagte Claus. Die Ems vertrage keine zusätzlichen Belastungen mehr, solange das Ökosystem nicht saniert werde. Die Umweltverbände wollten während des Staus den Salzgehalt messen. Claus räumte aber ein, dass die Grenzwerte möglicherweise nicht überschritten würden.

Für die Bürgerinitiative Rettet die Ems sagte deren Sprecher Hajo Rutenberg, dass auf jeden Fall wieder gegen die Überführung an der Jann-Berghaus-Brücke in Leer protestiert werden solle.

Sauerstoff

27. März 2012

Neues von der Ems, meldeten gestern die Nachrichtenagenturen. Dabei liegt mein letzter Blogbeitrag aus gegebenem Anlass zu Deutschlands Problemfluss No 1 erst ein paar Tage zurück. Jetzt hat der Landkreis Emsland für die Überführung von zwei Kreuzfahrtneubauten der Meyer-Werft Ausnahmeanträge für das Aufstauen der Ems gestellt,  teilte der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz gestern im ostfriesischen Norden mit. Ich weiß nicht, weshalb für diesen privaten Zweck überhaupt der Landkreis Emsland aktiv ist. Das Antragsziel aber ist klar: Bei den Emsstauungen im September 2012 und 2014 sollen schlechtere Sauerstoffwerte gestattet sein als erlaubt, In schönem Bürokratendeutsch erläutert die Genehmigungsbehörde: „Es geht dem Antragsteller darum, innerhalb des genehmigten Winterstaus die Nebenbestimmungen des Sperrwerksbeschlusses zu Salz- und Sauerstoffwerten für diese beiden Überführungen vorsorglich auszusetzen, da im Moment nicht abzusehen sei, wie sich diese Parameter zum Überführungszeitraum verhalten werden“. Aha, schon September und Winterstau hat was. Und wie verhalten sich „Parameter zum Überführungszeitraum“? Lässt man  das ganze Technokratendeutsch beiseite, geht es um dies:  Die vorgeschriebenen Sauerstoff-Grenzwerte können wegen des möglicherweise noch sommerlichen Wetters nicht eingehalten werden. Das beantragte Absinken des Sauerstoffgrads kann zahlreiche Fische in der Ems das Leben kosten, weil der Sauerstoffgehalt der Ems schon bei „normalen“ Umständen sehr schlecht ist. Der Grenzwert beträgt 4 mg pro Liter. Am Emssperrwerk bei Gandersum liegt der Sauerstoffgehalt zwar noch über diesem Wert, allerdings sieht das bei Kirchborgum schon ganz anders aus, kritisierten Experten schon vor Jahren.

Die Öffentlichkeit kann nun bis zum 11. Mai Einwendungen gegen den Antrag des Landkreises Emsland erheben. Die Anträge selbst liegen zwischen dem 28. März und dem 27. April in den Rathäusern zwischen Papenburg und Emden zur Einsichtnahme aus – einmal mehr findet sich nichts im Internet. Am 10. Juli soll in Leer dann der Antrag in einem Termin erörtert werden, an dem diejenigen teilnehmen können, die Einwendungen erhoben haben.

Die Papenburger Meyer-Werft plant in diesem  September die Überführung der „Celebrity Reflection“, des  fünften Schiffs der Celebtrity-Baureihe, die die Werft für die US-amerikanische Reederei Celebrity Cruises baut. Schon jetzt im April  soll die „AIDAmar“ die Ems Richtung Emden passieren. Das Schiff wird voraussichtlich an diesem Palmsonntag ausgedockt, so der Sprecher. Die „AIDAmar“ ist das vorletzte Schiff für die AIDA-Reederei, der letzte Luxusliner der Baureihe soll die Meyerwerft in einem Jahr verlassen.

(Foto: Unterems © Wattenrat)