Millionengrab

13. März 2014

Die Starterlaubnis des zuständigen niederländischen Ministeriums in Den Haag liegt vor. Wenn das Kabinett und die Zweite Kammer in Den Haag Bildschirmfoto 2014-03-13 um 07.47.21grünes Licht geben, werden vom ehemaligen Militärflughafen Twente (Foto unten © BI) im grenznahenEnschede aus bereits ab 2016 fast eine Million Passagiere pro Jahr an ihr Ziel fliegen. 60 Millionen Euro sind bis dahin für den Aus- und Umbau nötig. Geld, das auch aus öffentlichen Kassen fließen soll und deshalb die Wettbewerbshüter in Brüssel hellhörig werden lässt.

Bereits seit mehr als einem Jahrzehnt werden für den ehemaligen NATO-FlughafenTwente Pläne für eine zivile Nutzung geschmiedet. 2012 zerschellten diese allerdings zunächst am Boden, weil kein Investor für die Umsetzung gefunden werden konnte. Nur ein Jahr später fanden sich mit dem Investor Reggeborgh und dem Flughafenbetreiber Aviapartner gleich zwei Unternehmen, die das Projekt neu beflügelten.

FlughafenTwenteObwohl zahlreiche Kritiker (Foto oben; © Groenlinks Twente) dem Vorhaben ein Scheitern voraussagen, hält das Ministerium für Infrastruktur und Umwelt die vorgelegten Gutachten und Prognosen für seriös. Eine wichtige Einschätzung, denn auch aus Den Haag soll der Finanzbedarf mit 2,5 Millionen Euro gestillt werden. Weitere 2,5 Millionen sollen je zur Hälfte aus den Kassen der Provinz Overijssel und der Stadt Enschede beigesteuert werden, die gemeinsam die Entwicklungsgesellschaft ADT gegründet haben.

Enschedes Bürgermeister Peter den Oudsten (PvdA) ist dann auch vom Erfolg des neuen Flughafens und dem enormen Entwicklungspotential für die Region Twente überzeugt. „Es wird keine Kleinigkeit,“ weiß van Oudsten auch um die Schwierigkeiten, „aber ich bin zuversichtlich, dass es gelingen wird.“ 2.500 neue Jobs sollen bis 2030 rund um den Flughafenbetrieb entstehen.

Zwischen 6:00 und 23:00 Uhr, in Ausnahmen auch bis Mitternacht, können anfangs neun Passagierflugzeuge pro Tag starten und landen. Beeinträchtigungen für Bürger in Nordrhein-Westfalen sollen vom Flugverkehr des 6 km nördlich von Enschede gelegene Areals nicht ausgehen. Die Grenze zum Nachbarland soll von an- oder abfliegenden Maschinen, wenn überhaupt, in einer Flughöhe von mindestens 2.000 Metern überquert werden. Die Bürgerinitative gegen den Flughafenausbau auf deutscher Seite rechnet allerdings mit wesentlich geringeren Höhen von 600 bis 1.200 Metern und einer Beinträchtigung der Lebensqualität durch täglichen Fluglärm.

Der Flughafen Twente steht künftig in unmittelbarer Konkurrenz zum lediglich 60 km entfernten Regionalflughafen Münster-Osnabrück, der bereits seit Jahren rote Zahlen in siebenstelliger Höhe schreibt und daher von seinen Gegnern als Millionengrab tituliert wird. Zudem werden Flughäfen wie Bremen, Paderborn und Dortmund, aber auch der größte niederländische Flughafen Schiphol den neuen Mitbewerber zu spüren bekommen. Beim Neuling fürchtet man die Konkurrenz nicht. Dort gehen langfristige Planungen sogar von einer guten Verdoppelung der Fluggastzahlen bis 2030 aus.

Vorbehaltlich der weiteren Zustimmung aus Den Haag könnten auch die Brüsseler EU-Kommissare noch für ein Aus der Enscheder Pläne sorgen. Immer wenn Geld aus nationalen Töpfen in ein Projekt fließt, das in den Wettbewerb mit anderen europäischen Anbieten tritt, achten sie darauf, dass durch die nationale Unterstützung keine unlauteren Vorteile entstehen. So ist unlängst ein Flughafenvorhaben in Nord-Polen am Veto der Wettbewerbshüter gescheitert. (mehr…)

(Text: NiederlandeNet)

bekannt

22. Oktober 2011

Zu einem zivilen Verkehrsflughafen
soll das ehemals militärische Vliegveld Twente in Enschede (NL) umgebaut werden. So planen es die niederländischen Politiker der Region Twente Overijssel. Wegen der damit für die Anwohner verbundenen Belastungen gibt es viel Protest – auch diesseits der Grenze; denn die Landebahn des „Twente Airport“ beginnt nur ein paar Meter südlich der A1-Autobahnabfahrt Oldenzaal. Startende und landende Flieger befinden sich also in kürzester Zeit auch über Gildehaus, Bad (!) Bentheim, Gronau, Schüttorf oder Nordhorn. Lingen (Ems) liegt gut 30 km Luftlinie entfernt.

Gegenwärtig findet die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für das Projekt statt. Bedenken und Stellungnahmen können dabei auch  online eingereicht werden – auch von Deutschen. Darauf hat die Bürgerinitiative gegen Flughafen Twente jetzt aufmerksam gemacht. Sie kritisiert dabei, dass das Verfahren nur in den Niederlanden bekannt gegeben worden sei und auch dass die betreffende Internetseite nur in niederländischer Sprache verfügbar sei.

Allerdings ist es in Deutschland regelmäßig genauso (falsch). Außerdem können Einwendungen gegen Großprojekte hierzulande nur in der Landessprache erhoben werden und nicht in jeder Amtssprache der EU, beispielsweise.

Stellungnahmen zur UVP können über die niederländische Internetseite  www.centrumpp.nl abgegeben werden und zwar seit dem 5. Oktober und noch bis zum Mittwoch, 2. November. Später eingehende Einwände bleiben unberücksichtigt. Der Rat der Stadt Gronau  hat sich im Verfahren bereits geäußert und einstimmig den Vorschlag seines Ratsmitglieds Rüdiger Bartels (GAL; Foto lks.) unterstützt, Aussagen zur (fehlenden) grundsätzlichen Notwendigkeit des Flughafens zu machen. Denn schließlich, so Bartels, sei die Untersuchung der sogenannten Null-Variante (Was passiert, wenn das Projekt nicht realisiert wird?) im Zuge von Umweltverträglichkeitsprüfungen durchaus üblich.(mehr…)

Die Flughafenplanungen haben übrigens in jüngster Zeit einen kleinen Dämpfer erhalten. Es wird -wie immer bei einem solchen -bei uns sagt man bekanntlich –  Leuchtturmprojekt  deutlich teurer. Jedenfalls liegen die Kosten für den gesamten Flughafen-Raum schon jetzt „höher als bislang erwartet“, erläutert Dr. Carin Stader-Deters (Bürgerinitiative gegen Flughafen Twente). Die von der Stadt Enschede und der Provinz Overijssel gebildete „Area Development Twente“ (ADT) habe ein Gutachten bei dem  Beratungsunternehmen  „AT Osborne“ erstellen lassen, das der niederländischen Bürgerinitiative „VOLT“ (Verein der Anlieger des Flughafens Twente) nun vorliegt. Daraus und  aus weiteren Dokumenten aus dem Rathaus der Stadt Enschede ergeben sich erst einmal Planungs- und Infrastrukturkosten in Millionenhöhe, von denen bisher offenbar keine Rede war.

Bei einer Sitzung im Rathaus in Enschede über die Gebietsentwicklung rund um  den geplanten Flughafen  ging es jetzt um die unangenehmen Aussagen von AT Osborne.
Deren Ergebnis: Die Geschäfte des Flughafens  werden nicht rentabel sein. Der Flughafen ist es sowieso nicht. Trotzdem gibt es über den Flughafenbetrieb zurzeit Geheimverhandlungen mit „drei ernsthaften Bewerbern“ -so  Fieke Krikhaar, Sprecherin von ADT. „Spätestens im September/Oktober 2012 steht der Gewinner fest“, sagt Fieke Krikhaar. Sie sagt tatsächlich „der Gewinner“…  (mehr…)

Die BI  sagt: „Ein Projekt, bei dem Millionen abgeschrieben werden müssen und Pläne völlig unzureichend sind, ist nicht realisierbar“. Die Münstersche Zeitung ist da skeptischer und schreibt: „Dass die Politiker … es ähnlich sehen, darf bezweifelt werden. Dafür ist schon zu viel Geld in das Projekt geflossen.“  Ein Kommentar, dessen Aussage mir als Lingener sehr bekannt vorkommt…

Laufend kritische Informationen zum Projekt Twente Airport finden sich übrigens in diesem Blog:

(Foto oben Twente Airport Enschede; © Stahlkocher; Grafik unten: © vliegveldtwente.wordpress.com)