Läuft

23. März 2018

In Holthausen-Biene gibt’s seit einigen Wochen nichts mehr im Markant-Supermarkt zu kaufen, weil der geschlossen ist. Der dortige Nahversorgermarkt hatte vor acht Wochen zugesperrt, weil Marktbetreiber Björn Dohle lieber Edeka wollte, aber die zur Bünting-Gruppe zählenden Markant-Leute den Standort halten wollten. Büntiing hatte nämlich einen Mietvertrag mit der Familie Wintering, der das Gebäude gehört.

Jetzt ist das Problem gelöst – vielleicht schon in drei, vier Wochen steht der Vertrag mit einem neuen Betreiber und Bünting. Unser Oberbürgermeister wurde nämlich aktiv und das kam so:

Ich hatte Kontakt zur Büntinggruppe in Leer aufgenommen und wollte als wahlkämpfender Kandidat (Foto lks) dort über eine Lösung sprechen, damit im Stadtteil Holthausen-Biene der notwendige Nahversorgermarkt schnell wieder öffnet.

Das steckte ein Mitglied meines OB-Wahlkamfteams einem Geschäftsführer der Fa Wintering, der informierte seinen mitgeschäftsführenden Bruder, der rief -ganz wie geplant ;-)) – im OB-Büro an und teilte mit, „der Koop“ sei „da dran“ und wolle nach Leer zu Bünting fahren, um zu sehen, was möglich sei.  Dann ging alles markant schnell: Unser, so alarmierter OB handelte. Binnen fünf Tagen traf er sich in seinem Büro mit Winterings, Markants, Dohles und Ortsbürgermeister Uwe Dietrich  zum Schlichtungsgespräch, die Vertragspartner einigten sich, dass Bünting bleibt, und (fast) alle fuhren anschließend mit dem OB und dessen PR-Fotografen zum Fototermin an den Markantmarkt. Mich freut dieses Resultat für die Menschen in Holthausen-Biene.

Und ich brauche nicht mehr ins schöne Leer, habe allerdings als Ausgleich inzwischen mit Volker Dreizler (Bünting) verabredet, bei der Neueröffnung des Marktes in eiinigen Wochen statt Tee in Leer gemeinsam ein Kaltgetränk in Holthausen-Biene zu trinken. Läuft!

 

 

Seite 15

27. Dezember 2012

Bildschirmfoto 2012-12-27 um 00.01.33Am vergangenen Sonntag,  dem Tag vor Heiligabend, schrieb Michael Sänger:

„Da flattert mir heute Morgen der neueste famila-handzettel für Weihnachten und Silvester ins Haus und ich lese auf Seite 15 folgende Werbung:

Kinder-Colt (8 Schuss-Pistole aus Zink und Kunststoff) € 5.99
Kinder-Pistole (8 Schuss-Pistole aus Zink- und Kunststoff) € 5.99
Kinder-Pistole (Magnum-antik aus Zink und Kunststoff) € 10.99
Kinder-Pistole (Interpol-spezial:
12 Schuss Pistole mit Schalldämpfer aus Zink und Kunststoff) € 11.99.

Da hat eben in USA ein jugendlicher Amokläufer 20 Kinder und 7 Erwachsene erschossen und die Verkaufsstrategen von famila bieten einen Tag vor Weihnachten, dem angeblichen FEST DES FRIEDENS Spielzeugpistolen für Kinder an. Was geht in den Köpfen solcher Manager vor? Ich weiß es: Geldverdienen und nochmal Geldverdienen. Dagegen ist nichts zu sagen, aber dazu muss man keine Spielzeugwaffen für Kinder verkaufen! Fördert man damit nicht schon in früher Kinderheit eine spätere Gewaltbereitschaft?

Ich finde diese Werbung empörend und werde diesen Laden nicht mehr betreten!“

Michael Sänger schrieb seinen Beitrag in der „Facebookgruppe“ Du weißt du kommst aus LINGEN/EMS wenn, –bekanntlich mit fünf Deutschfehlern in sieben Wörtern und abgekürzt DwdkaLw. Sie zeichnet sich nicht selten durch eine beglückende Oberflächlichkeit aus. [update 27.12.23.00 Uhr: Da hat mir meine nächtliche Recherche einen Streich gespielt. MS schrieb wohl nur auf seiner fb-Seite, nicht in dieser DwdkaLw-Gruppe, die mich aber prompt wegen der vorstehenden Zeilen wohl rausgeworfen hat. Eine Info darüber hab ich nicht bekommen, kann allerdings die fb-Gruppenseite nicht mehr aufrufen. So bestätigen selbstherrliche DwdkaLw-Admis meine Einschätzung, oder? ]

Folgerichtig erklärt der aufgeweckte Julian Witschen dem kritischen Michael Sänger und gleichermaßen uns allen die Gründe, weshalb die famila-Werbung irgendwie doch ganz ok oder zumindest nicht zu kritisieren sei, so:

„Es gibt keine Welt ohne Waffen. Es gab nie eine und wird auch nie eine geben. Warum soll man Kindern diese Illusion vorleben? Das halte ich für falsch, weil ich nicht derjenige sein möchte, der den Kindern dann erklären muss, wieso es soviel Böses auf der Welt gibt.
Besser ist doch, dass Kinder schon spielerisch über Räuber und Gendarm lernen können, was gut und was falsch, wer gut oder wer böse ist. Das richtige Beiwerk in Sachen Moral und Ethik muss von den Eltern und der Gesellschaft kommen – dann werden Waffen auch nicht für scheußliche Taten missbraucht.
Ich bin nicht der einzige, der als Kind mit Spielzeugwaffen gespielt hat und ich bezweifel stark, dass ich dadurch gewaltbereiter bin als irgendwer sonst.“

Wow! Die weihnachtliche Werbung für Spielzeugwaffen als Erklärung für Kinder, wer gut und wer böse ist. Als besonderer, kindgerechter Beitrag zum Frieden gar? Da halte ich es allerdings doch lieber mit der Empörung des Michael Sänger und seinem Satz, das Geschäft nicht mehr zu betreten.

Außerdem denke ich daran, dass wir vor 30 Jahren schon einmal deutlich weiter waren, als in den Lingener Ratsgremien darüber diskutiert wurde, den Verkauf von Kriegsspielzeug auf den Märkten und Plätzen der Stadt zu verbieten. Es scheiterte, wenn ich mich recht erinnere, am Veto der CDU-Mehrheit; allerdings hat damals nicht einmal die die Auffassung geplappert, mit dem Kauf derartigen Spielzeugs  könne man Gut und Böse „spielerisch“ lernen – beispielsweise mit Interpol-Spezialpistole mit 12 Schuss, Schalldämpfer aus Zink und Kunststoff.

Nähern wir uns also wieder 1835, als Hoffmann von Fallersleben den Text dieses Weihnachtsliedes schrieb?

Morgen kommt der Weihnachtsmann,
kommt mit seinen Gaben.
Trommel, Pfeifen und Gewehr,
Fahn’ und Säbel und noch mehr,
ja ein ganzes Kriegesheer
möchte’ ich gerne haben….“

Verantwortlich für die DwdkaLwFb-Diskussion sind die von mir erwähnten Protagonisten. Persönlich verantwortlich für die Spielzeugwaffen im famila-Prospekt ist der Geschäftsführer von famila-Nordwest Pasquale Rizzo. Der rückt jetzt am 1. Januar im Bünting-Konzern vom Chef der famila-Läden um zum Chef von Nord-West-Dienstleistung GmbH. Die „sorgt seit mehr als 5 Jahren für ein einheitliches und sauberes Erscheinungsbild im Lebensmittelmarkt.“  „Sauberes Erscheinungsbild“ – das ist doch mindestens genauso wichtig wie Gut und Böse.

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14. Mai 2011

Bünting ist längst mehr als Tee. Zum ostfriesischen Konzern gehören regional so bekannte Discounter wie  Combi, Markant, Telepoint und Famila (mehr…). Insgesamt sind knapp 9000 Mitarbeiter in den einzelnen Schwesterfirmen tätig, die einen Umsatz von rund 1,8 Milliarden Euro erwirtschaften.

In der Branche zählt das weiterhin in Leer ansässige Unternehmensverbund damit zu den Kleinen. Gerade deshalb gehört für ein solches Unternehmen das soziale und kulturelle Engagement zum Muss oder zur Firmenphilosophie, wie man auch sagen kann. Es unterscheidet sich damit von dem RWE, Aldi, Lidl-Einerlei, obwohl der finanzielle Aufwand eigentlich nicht sonderlich hoch ist.  Vor fünf Jahren gründeten folgerichtig die Bünting-Verantwortlichen anlässlich des 200-jährigen Gründungsjubiläums   die  Johann Bünting-Stiftung.  Sie unterstützt  seither soziale und kulturelle Projekte in unserer Region und vergibt jährlich zwei Förderpreise „für ehrenamtliches, generationsübergreifendes Engagement“ mit je 5.000 Euro. Darüber hinaus wird ein Sonderpreis für Schulprojekte verliehen, der ebenfalls mit 5.000 Euro dotiert ist. Vorgestern wurden im Leeraner Tee-Museum zum vierten Mal die Johann Bünting-Förderpreise verliehen (Foto oben). Gleich zwei von ihnen  gingen in diesem Jahr nach Lingen.

Hubert Köllen ist einer der beiden Lingener Preisträger.  Seit fast 40 Jahren gestaltet der inzwischen 75-jährige aus Biene spezielles Holzspielzeug für Kinder mit Beeinträchtigungen. Angefangen hatte es Anfang der 1970er Jahre mit kleinen Geschenken für die Ortsgruppe Biene des Lingener Christophorus-Werks. Inzwischen findet es  in Einrichtungen in ganz Deutschland und in Polen, Russland und Brasilien Verwendung.  Seine  Kenntnisse zur Arbeit mit Kindern mit Beeinträchtigung hat er unter anderem durch Gespräche mit seiner Tochter gewonnen, die als Lehrerin in einer Tagesbildungsstätte arbeitet. Außerdem tauscht er sich regelmäßig mit den Pädagogen aus, die das Spielzeug dann in ihren Einrichtungen einsetzen.

Köllers Spielzeug schult die Motorik der Kinder und spricht ihre Sinne an.  So befinden sich beispielsweise auf  Motorikplatten  bis zu 100 verschiedene Gegenstände – vom Holzwürfel bis zur Drehscheibe, von einer kleinen Wippe bis zum Spiegel oder einer Murmelsammlung. Damit können Kinder mit Hör- oder Sehschädigung oder geistiger Behinderung ihre motorischen Fähigkeiten ausprobieren, auf Klänge hören oder Formen ertasten. „Ich bin dankbar, dass ich noch etwas für andere Menschen machen kann. Es macht mir einfach Freude,“ sagte der ausgebildete Landwirt vor einiger Zeit.  Für Hubert Köllen ist der Förderpreis der Johann Bünting-Stiftung in der Kategorie „Alt für Jung“ nicht die erste Auszeichnung. Vor einigen Jahren  erhielt er bereits von der Caritasstiftung Osnabrück den „Sonnenscheinpreis“. Ans Aufhören denkt Köllen noch lange nicht: „Ich möchte mindestens noch bis 98 weitermachen.“

Soziales Projekt

Den Sonderpreis für Schulprojekte erhielt 2011 die Lingener Gesamtschule Emsland. Seit dem Jahr 2004 gehört das unspektakuläre Sozialprojekt im 8. Schuljahr zum festen Bestandteil unseres Schulkonzeptes. Für ein Jahr übernehmen alle Schülerinnen und Schüler (selbstverständlich ohne Bezahlung) eine Aufgabe, bei der etwas für andere getan wird (Foto re.) . Im zeitlichen Umfang von 90 Minuten pro Woche sind inzwischen rund 600 Schüler in einer öffentlichen, karitativen oder kirchlichen Einrichtung tätig gewesen (oder noch dabei). „Unsere Schule will mit dieser Aktion das gesellschaftliche Engagement, also die „soziale Kompetenz“ fördern und vielleicht auch Wege zu ehrenamtlicher Tätigkeit weisen. Arbeitsplätze finden sich z.B. in Kindergärten, Vereinen, Altersheimen, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, Kirchengemeinden, Tierheimen, bei der Feuerwehr, dem THW, dem Deutschen Roten Kreuz“,  schreibt die „GE“ auf ihrer Internetseite.

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