Klimastreik!

18. September 2019


Am Freitag findet der dritte globale Klimastreik statt – weltweit werden Menschen auf die Straße gehen und für die Einhaltung des Paris-Abkommen und gegen die anhaltende Klimazerstörung laut werden. Auch in Lingen (Ems). Die Organisatoren informieren:

Wir treffen uns ab 7:30 Uhr am Freitag, 20.09.2019 am Bahnhof in Lingen:

Wenn du weitere Informationen benötigst melde dich gerne bei uns! Gern kannst du auch später dazukommen. Geplant sind Aktionen rund um den Klimaschutz. Um 10:00 Uhr findet eine Fotoaktion statt. Der NABU Emsland Süd, Foodsharing.de Emsland, Seebrücke Lingen, BUND Niedersachsen, Repair Café Lingen, die Kunstschule Lingen, Sieben und das Ludwig-Windthorst-Haus (LWH) sind mit dabei. Es kommen weitere Aktionen dazu!

Um 11:55 Uhr werden die Glocken aller Lingener Kirchen läuten! Um 12:00 Uhr findet in der Kreuzkirche ein Gebet zu/um „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ (ca. 15 min.) statt. #ChristiansforFuture

Von 10:30 Uhr bis 12:00 Uhr läuft eine Müllsammelaktion, wir starten einen „Clean-Up-Countdown“! Bei Teilnahme bitte Handschuhe mitbringen! Wir starten außerdem eine Fahrraddemo mit dem ADFC! Bitte reist – wenn möglich – mit dem Rad an!

Gegen 12:30 Uhr räumen wir auf! WICHTIG: Alle mitgebrachten Plakate bitte aus Altpapier basteln und nach der Demo wieder dem Altpapier zuführen!

Ab 17:00 Uhr findest du uns auf dem Pferdemarkt in Lingen beim Rock am Pferdemarkt 2019 mit einem Infostand. Die VHS Lingen zeigt ab 17:00 Uhr im VHS-Forum, Zum Neuen Hafen, den Film Zusammenhalt Global – Auftakt FAIR FOR FUTURE !“

https://fridaysforfuture.de/allefuersklima/
https://de.globalclimatestrike.net/
https://www.klima-streik.org/

 


Weitere Streikaktionen in der Region finden in Haselünne (Wasserturm 10 Uhr) , Meppen (Marktplatz 12 Uhr), Nordhorn (Kirche Am Markt 12 Uhr) und Papenburg (Rathaus 14 Uhr) statt.

Zielraum

31. Mai 2009

RWE-CO2-PipelineEntschuldigung, dieser BlogBeitrag wird ein bisschen länger. Aber nach Plänen des Energiekonzerns RWE soll eine besondere Pipeline durch Lingen geführt werden. Das Unternehmen will nämlich bis 2014 in Hürth nahe Köln ein neues, hochmodernes Braunkohlekraftwerk errichten. Das darin tonnenweise frei gesetzte Kohlendioxid (CO2) soll unterirdisch gespeichert werden. Dazu will es der Energiekonzern durch ein mehrere hundert Kilometer langes, einen halben Meter dickes Rohr  transportieren und an dessen Ende das CO2 in bis zu tausend Meter tiefe, unterirdische Endlager pumpen. Dieses CO2-Rohr soll durch Lingen führen.

CO2, ein farb- und geruchsloses Gas, ist in hohen Konzentrationen sehr gesundheitsschädlich und kann, wenn man es einatmet, zum Erstickungstod führen. CO2 entsteht in den Kraftwerken bei der Verbrennung fossiler Stoffe, also von Kohle, Gas und Öl. Durch die Energieproduktion entweichen jährlich rund 36 Mrd. Tonnen CO2 in die Atmosphäre und sind Hauptverursacher der globalen Erwärmung. Kohlenstoffdioxid absorbiert einen Teil der Wärmestrahlung, während kurzwelligere Strahlung, d.h. der größte Teil der Sonnenstrahlung, passieren kann. Diese Eigenschaft macht Kohlenstoffdioxid zu einem Treibhausgas. Eine Lösung für das CO2-Problem besteht in der Erzeugung von Strom aus erneuerbarer Energie wie z.B. Wind- und Sonnenenergie. Die Kraftwerksbetreiber planen derweil  als angebliche Alternative die Abspaltung des CO2 bei der herkömmlichen Energieproduktion und  nachfolgend die unterirdische Einlagerung des Gases. Diese Technologie wird in feinem Technokratendeutsch CCS (Carbon Capture and Storage) genannt. Weltweit gibt es noch keine Erfahrungen mit dieser neuen Technologie.

Weil die von RWE geplante Lagerstätte für das in Hürth entstehende Treibhausgas weit entfernt liegt – im nördlichen Schleswig-Holstein fast an der dänischen Grenze, muss das mehrere 100 km lange Rohr zwischen Kraftwerk und Lagerstätte her.  Darüber wird seit dem letzten Jahr diskutiert. Jüngst warnte der BUND Niedersachsen erneut, dass die Probleme des Transports von CO2 aus Kraftwerken zu Lagerstätten bislang völlig ungeklärt sind, und  der Verband informierte über neue Einzelheiten des RWE-Vorhabens. Die Umweltorganisation veröffentlichte dabei auch eine Plankarte der RWE (oben links), die die vorgesehene Pipeline-Trasse konkret darstellt und damit bisher veröffentlichte, schematische Karten präzisiert. Die CO2-Leitung der RWE soll demnach westlich des Ruhrgebiets entlang über Lingen und Oldenburg durch Nordniedersachsen und unter der Elbmündung hindurch, über Husum bis in den nordfriesischen  „Zielraum“ Stadum/Hörup geführt werden. Ein RWE-Sprecher dementierte inzwischen die Karte nicht, bezeichnete die Trassenkarte allerdings als „reine Spekulation“. Gespräche mit Planungsbehörden liefen jedoch bereits.

Die CCS-Technologie ist sehr umstritten. Kritisiert werden ihre erheblichen Risiken. Weil es bisher überhaupt keine gesetzliche Regelung gibt, beraten Bundesrat und Bundestag über ein Gesetz zur „Abscheidung, zum Transport und zur dauerhaften Lagerung von Kohlendioxid“ (dazu diese BUND-Pressemitteilung).  Das Bundeskabinett hatte Anfang April den Gesetzentwurf verabschiedet (mehr). Ende vorletzter Woche befasste sich sich auch der Bundesrat mit dem Entwurf und sah deutlichen Korrekturbedarf.

„In diesem Gesetzentwurf“, kritisiert auch Prof. Dr. Helmut Scharpf, stellvertretender Landesvorsitzender des BUND  Niedersachsen, „werden die Risiken für Kommunen entlang der CO2-Pipeline nicht berücksichtigt.“ Der Gesetzentwurf treffe weder Regelungen für die technische Sicherheit von CO2-Leitungen noch für Maßnahmen bei Unfällen oder für die Zusammensetzung des Kohlendioxidstroms. All dies könne Auswirkungen auf die Beherrschbarkeit von Leckagen haben sowie Gesundheitsrisiken für Mensch und Umwelt nach sich ziehen. Gerade in Schleswig-Holstein und Nordniedersachsen, wo das größte Potential an Lagerstätten vermutet wird, steht die CCS-Technologie offenbar auch in Konkurrenz zu erneuerbaren Energien. Denn die unterirdischen Kavernen werden ebenso als Druckluftspeicher für Windenergie benötigt. Der CCS-Gesetzentwurf , so die Kritiker, schaffe damit de facto einen Vorrang für CO2-Speicher und behindere damit den Ausbau der erneuerbaren Energien. Die deutsche Geothermische Vereinigung sieht große Konkurrenz zur Erdwärmeerzeugung.

Scheer_Hand_kleinDer Präsident von Eurosolar und Träger des alternativen Nobelpreises Hermann Scheer (SPD-MdB, Foto)  warnt daher davor, die CCS-Technologie überhaupt  weiter zu betreiben und aus Steuergeldern mitzufinanzieren. „RWE behauptet in der Eigenreklame, voRWEg zu gehen, ist aber in Wahrheit auf einem IrRWEg“, sagte Scheer. „Der Transport quer durch unser Land und die unterirdische Endlagerung von Kohlendioxid sind eine Bedrohung der Zivilisation über Jahrtausende. Das CO2 darf nie wieder heraus! Die Bundesrepublik Deutschland ist kein Abenteuerspielplatz von RWE und Vattenfall.“

Im Gegensatz zu Emsland und Lingen (Ems) werden in Schleswig-Holstein die Pläne längst öffentlich diskutiert. „Wir dürfen nicht Versuchskaninchen für eine sinnlose und gefährliche Technologie werden“, sagt beispielsweise der nordfriesische SPD-Bundestagskandidat Hanno Fecke. „Es ist nicht mehr hinzunehmen, dass es den Energieversorgern wieder gelingt, ihre selbst verschuldeten Probleme auf Kosten der Bevölkerung und zu Lasten aller nachfolgenden Generationen lösen zu wollen. Schon bei der Atomenergie hat die Lobby der Energiekonzerne uns mit dem Endlagerungs-Problem allein gelassen und uns das Risiko aufgebürdet.“  Denn, so der Gesetzentwurf, 30 Jahre nach Befüllen einer unterirdischen Lagerstätte soll ihr Betrieb  Der SPD-Mann sagte, mit der nicht erprobten CCS-Technologie werde wieder in die falsche Richtung gearbeitet. „CO2 wird nicht vermieden, sondern einfach nur in der Erde versteckt.“ Prof. Dr. Helmut Scharpf kritisiert: „Das Störfallrisiko soll offenbar von Ländern und Kommunen getragen werden, die Eingriffe in Natur und Landschaft sind inakzeptabel.“

RWEDas Vorhaben der RWE betrifft Lingen konkret. Denn das Landwirtschaftsministerium in Hannover bestätigte gegenüber welt-online die  „angedachte Trasse“. Man müsse aber die am besten geeignete Route noch erarbeiten. Ministeriumssprecher Gert Hahne: „Die Interessen des Menschenschutzes, des Tierschutzes haben dabei Vorrang.“ Erst wenn die Details feststünden, werde es „für die Bevölkerung interessant.“ – ein Satz, der nicht überzeugt. Denn Hahne machte auch klar: „Über den Sinn oder Unsinn einer solchen Pipeline zu entscheiden, ist nicht Aufgabe unseres Hauses.“ Der Unsinn der Pipeline samt ihren  Risiken droht daher tatsächlich.

Dass hier Risiken erheblicher und neuer Qualität auf Lingen zukommen, kann man bereits mit Händen greifen. Die fehlende Kritikfähigkeit der lokalen CDU zu Plänen der Großindustrie ist ein allgemeines, von ihr selbst geradezu bejubeltes Faktum. Und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) unterstützt die vom RWE-Konzern geplante CO2-Pipeline. „Ich halte dies für ein hoch spannendes Projekt“, sagte Rüttgers schon im Spätsommer 2008, als die Pläne erstmals bekannt wurden. Seither sind sie offenbar gezielt weiterentwickelt worden. denn jetzt liegt die konkrete CO2-Trasse auf dem Tisch der Ministerien in Düsseldorf, Hannover und Kiel. Und in Lingen wird – auch typisch für derartige Entwicklungen- geschwiegen.

Mir fiel bei meinen Recherchen noch dies auf: In Sedimentschichten eingelagertes CO2 soll („lokal begrenzt„) auch ganz andere Vorteile haben: In fast erschöpften Erdöllagerstätten könnte man dadurch den Förderdruck erhöhen, sagen „Experten„. Entsprechende Forschungen laufen bereits in Großbritannien (Nordsee) und den USA. Dann müssen wir nur noch schauen, wo es in Deutschland solche fast erschöpften Erdöllagerstätten gibt…