beide Recht

19. August 2011

Nördlich der Kreisstraße, die von Altenlingen zur A31-Auffahrt Wietmarschen führt, und damit mitten im geschützten „Landschaftsschutzgebiet Emstal“ wollen Investoren und Wachendorfer Landwirte viele Windkraftanlagen bauen. Dabei geht es um Natur und Landschaft und um verdammt viel Geld; denn Windkraftanlagen bringen für die Grundeigentümer -zig Tausende Euro Pacht – jedes Jahr ein deutlich fünfstelliger Betrag. Wenn sich dann oben der Generator dreht und unten der Mais wächst, rollt der Rubel Euro in ungeahntem Tempo. Die SPD ist dafür, die BN sind es nicht. Die Lingener CDU traut sich vor der Kommunalwahl tatsächlich, keine Meinung zu haben zu veröffentlichen.

Am Montag habe ich mich bei Claus Alfes, bekennender Fan von Preußen Münster und einer der wenigen ausgewiesenen Ökologen in der regionalen Sozialdemokratie, über sein Ja zu den Plänen beschwert. Hier (mit seiner Zustimmung) die E-Mails, die wir zum Thema gewechselt haben:

Von: Robert Koop
Datum: 15. August 2011 00:19  MESZ
An: Claus Alfes

Betreff: Landschaftsschutzgebiet

Lieber  Claus,

Du weißt, dass ich Dich und Deine Arbeit sehr schätze. Nicht mehr so sehr schätze ich die Arbeit des BUND im Emsland, dem Du angehörst und der leider nichts im Kampf um den Altenlingener Forst beigetragen hat. Ich bin deshalb aus dem BUND ausgetreten.

Jetzt zitiert Dich die SPD Lingen in einem Eigenbericht, in dem sie sich für den Bau von Windenergieanlagen im Landschaftsschutzgebiet ausspricht.  So weit, so schlimm. Aber Deine, von der SPD jetzt wiedergegebene Aussage zum Bau dieser Windkraftanlagen  im Landschaftsschutzgebiet Emstal nahe Wachendorf erzürnt mich. Die von Dir geforderte Vernetzung von drei verstreut liegenden besonders schutzwürdigen Flächen, deretwegen Du die Windkraftanlagen befürwortest, geht allemal auch ohne sie. Ziel müsse sein, lese ich Deine Aussage, Naturschutz, Landwirtschaft und Energieerzeugung in Einklang zu bringen. Das sind wohlfeile Worte, aber alles drei geht eben nicht im Landschaftsschutzgebiet, wenn man dessen Schutzcharakter ernst nimmt. Windenergieerzeuung kann genauso wenig im Landschaftsschutzgebiet erfolgen wie dort ein Campingplatz betrieben werden kann. Das ist vor nicht einmal 15 Jahren geprüft und im Stadtrat entschieden worden. Das Landschaftsschutzgebiet wurde als ungeeignet für Windenergie erkannt. Jetzt wird die der Ausweisung als Schutzgebiet geschuldete, fehlende Bebauung als Grund für die besondere Geeignetheit für einen Windpark genannt. Absurd!

Das Landschaftsschutzgebiet Emstal erhält die Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts, die Vielfalt, Eigenart und Schönheit des Landschaftsbildes und die Erholungsfunktion dieser Landschaft. Guckst Du hier. Das passt nicht zur Windenergie.

Trotzdem  soll nun die private Vermögensbildung mit -verschwiegenen !-  jährlichen Pachtzahlungen für die Anlagen im deutlich 5stelligen Bereich an Grundeigentümer ermöglicht und alles, was das Landschaftsschutzgebiet Emstal ausmacht, soll beiseite gedrückt werden.  Das ist ganz schlimmer Lokalopportunismus und man muss nicht Schirrmacher heißen und für die FAZ schreiben, um diese Entscheidung zugunsten weniger Landwirte und zulasten von Landschaft und Natur für grundlegend falsch zu halten.

Schade, dass Du das anders siehst.

Mit freundlichen Grüßen

Robert Koop

 

Von: Claus Alfes
Datum: 16. August 2011 21:42 MESZ
An: Robert Koop

Betreff: Landschaftsschutzgebiet

Lieber Robert,

Zunächst: Meine Wertschätzung für Deine Person und Deinen unkonventionellen Stil möchte ich ausdrücklich betonen, und daran wird sich auch nichts ändern.

Ich habe mich seit 1990 bemüht, eine Vernetzung der drei Naturschutzgebiete in Wachendorf zu erreichen, aber ohne jeden Erfolg. Jetzt würde sich auf dem Wege der Kompensation für den Windpark die Möglichkeit eröffnen, dieses Ziel doch noch zu erreichen.

Welchen Preis würde man dafür zahlen? Den Bau von Windrädern in einer trostlosen Ackerlandschaft, die sich vom Autobahnzubringer kilometerweit nach Norden erstreckt, bei einer Breite von 400 bis 900 Metern. In dieser Ackerlandschaft befindet sich kein schutzwürdiger Quadratmeter. Die Bezeichnung „Landschaftsschutzgebiet Emstal“ trifft nicht den Charakter dieses Raumes.

In meinem kurzen Statement während der SPD-Begehung habe ich mehrfach betont, dass ich die Position „Landschaftsschutzgebiete dürfen nicht angetastet werden“ für ehrenwert halte.

An diesem Standort gibt es aber nichts zu schützen, stattdessen soll dort alternative Energie erzeugt werden, und auch dafür setze ich mich ein.

Selbstverständlich bin ich gerne bereit, die Angelegenheit vor Ort mit Dir zu erörtern.

Noch etwas Anderes: Die Entwicklung des BUND Emsland (völliges Abtauchen seit Jahren) enttäuscht mich sehr und stimmt mich traurig.

Alles Gute!

Claus

Von: Robert Koop
Gesendet: Dienstag, 16. August 2011 22:33
An: Claus Alfes
Betreff: Landschaftsschutzgebiet

Lieber Claus,

danke für Deine prompte Antwort. Die Antwort auf das Problem kann aber doch nicht sein, das Landschaftsschutzgebiet nun völlig kaputt gehen zu lassen, nachdem die Herren Landwirte die exzessive Vermaisung favorisiert haben. Das LSG muss zurück entwickelt, es muss verbessert werden. Zum Beispiel, indem die öffentliche Hand Grunderwerb tätigt und andere Nutzungen ermöglicht. Durch eine Energieerzeugungsanlagenplatzierung geht das aber nicht.  Wobei ich Dir auch widerspreche, dass in dieser Ackerlandschaft kein schutzwürdiger quadratmeter ist. Es gibt immerhin Ackerrandstreifen und Wallhecken.

Du musst wissen. Es  ist ein knallhartes Geschäft: Unten hektarweise Mais und oben Windkraft. Weißt Du, wieviel ein Grundeigentümer ohne jede Leistung an dieser Winkraft verdient? Wat meinste?

Und das Landschaftsbild gibt es auch noch. Die LSG-Satzung schützt auch dies.

Abendliche Grüße

Robert

ps Hast Du übrigens gesehen, wie weit es gekommen ist? Die FDP Lingen wirbt jetzt damit, sie sei sozial. Das Nächste wird sein, dass die Erde doch eine Scheibe ist…

Von: Claus Alfes
Gesendet: Donnerstag, 18. August 2011 15:41
An: Robert Koop
Betreff: Landschaftsschutzgebiet

Lieber Robert,

natürlich kann es nicht darum gehen, „das Landschaftsschutzgebiet nun völlig kaputt gehen zu lassen“.

Das wäre beim Bau des Windparks in Wachendorf auch nicht der Fall. Im Umfeld der Windräder betrifft der Eingriff eine reine Agrarsteppe, nichts Anderes.

Der als Kompensation für den Bau der Anlage vorgesehene Vernetzungsstreifen zwischen den Heidedünen der „Kamelrennbahn“ und dem Naturschutzgebiet „Moorschlatts und Heiden in Wachendorf“ liegt einige hundert Meter weiter südlich innerhalb des Landschaftsschutzgebietes und würde den gesamten Wachendorfer Raum enorm aufwerten.

Wirtschaftliche Überlegungen sind aus meiner Sicht nicht Gegenstand dieser Diskussion. Dass ich politisch links stehe, weißt Du.

Gegen eine Veröffentlichung unserer insgesamt vier E-Mails habe ich keinerlei Bedenken. Es ist schon komisch: Irgendwie haben wir beide Recht.

Alles Gute!

Claus

 

(Foto: Agrarsteppe Maisacker, © DUH)

Bauernhöfe

3. November 2010

Montag Abend wurde im Kommunikationszentrum Surwold das Aktionsbündnis „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ offiziell gegründet. Vor knapp einem Monat hatten der NABU-Regionalverband Emsland/ Grafschaft Bentheim und der BUND-Kreisverband Emsland die Gründung eines lokalen Aktionsbündnisses gegen Massentiermast, vor allem gegen den ausufernden Bau von Hähnchenmastanlagen, angekündigt. Zu den Gründungsmitgliedern gehören neben den Organisatoren auch die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL),  Attac Emsland,  die Anwohnerinitiative Nordhümmling, die BI Hestrup gegen Mastställe, die BI gegen Hähnchenmast im Rheiderland, die Interessengemeinschaft Gesundes Leben e.V., die NABU-Gruppen Altkreis Lingen, Altkreis Meppen und Emsland Nord und die Biologische Schutzgemeinschaft Hunte-Weser-Ems (BSH). Das neue Bündnis heißt mit vollem Namen „Bauernhöfe statt Agrarfabriken Nord-West“ und ist die regionale Gruppe eines großen, bundesweiten Netzwerkes, das sich für eine artgerechte und nachhaltige Nutztierhaltung in bäuerlicher Landwirtschaft einsetzt.

Einzelpersonen oder Organisationen, die Mitglied des Aktionsbündnisses werden möchten, können sich formlos unter Angabe der Kontaktdaten (Adresse, E-Mail) melden beim NABU-Regionalverband Emsland / Grafschaft Bentheim, Haselünner Str. 15, 49716 Meppen, Tel.: 0 59 31- 40 99 630, E-Mail: NABU.EL-NOH@t-online.de oder beim BUND, Maria Feige-Osmers, Tel.: 0 59 31 – 32 49, E-Mail: Marfeigos@gmx.de. Die Mitgliedschaft ist kostenlos, Spenden sind willkommen. Weitere Informationen sind erhältlich unter www.nabu-emsland.de.

(Quellen: Ems-Vechte-Welle, Emsland-Aktuell)