Esst mehr Obst!

11. Oktober 2015

Sie sehen natürlich Buggy Barkmann aus Brümsel (@BlogAgrar) mit seinem Trecker auf dem Weg von Brümsel nach Heukamps-Tannen. Hier der aktuelle Mitschnitt von gestern und der Rat des Blogbetreibers: Esst mehr Obst! Aus der Region!

 

 

satt

11. Februar 2015

Unter dem Motto „Wir haben es satt – Wir machen Euch satt“ diskutierten am Montag dieser Woche im emsländischen Niederlangen regionale Landwirte mit Vertretern der katholischen Hilfsorganisation Misereor. Denn die Landwirte fühlen sich von Misereor und anderen als Sündenbock an den Pranger gestellt. Hier beispielsweise berichtet und klagt Internet-Landwirt Buggy Barkmann (Brümsel) und ihm folgend die meisten der Kommentatoren in seinem Blog

Misereor widerspricht: „Deutsche Export-Landwirtschaft bekämpft nicht weltweiten Hunger“ titelt die aktuelle Presseerklärung des katholischen Hilfswerks und berichtet -wenn auch anders als Teilnehmer Buggy Barkmann- über die Diskussionsveranstaltung:

„Mehr als 150 Landwirte und Bürger aus dem Emsland haben am Montagabend mit Vertretern des katholischen Entwicklungshilfswerks MISEREOR über die Zukunftsfähigkeit ihrer Landwirtschaft diskutiert. Dabei forderte das Hilfswerk erneut einen grundlegenden Wandel der globalen Agrarpolitik zur Bekämpfung des Hungers weltweit und eine nachhaltige bäuerliche Landwirtschaft im Interesse zukünftiger Generationen.

„Bekommen Landwirte nur noch so viel Geld für ihr Produkt, dass sie die Versorgung ihrer Familien allein durch immer größere Ställe, immer mehr Fläche und mit immer stärkerer Übernutzung natürlicher Ressourcen gewährleisten können, dann ist unser Agrarsystem nicht zukunftsfähig. Sowohl im Norden als auch im Süden dieser Welt“, sagte Felix zu Löwenstein, Landwirt und Mitglied des MISEREOR-Beirats.

Felix zu Löwenstein war gemeinsam mit Theo Paul, Generalvikar im Bistum Osnabrück und Vorsitzender des MISEREOR-Verwaltungsrates, und Bernd Bornhorst, Leiter der Abteilung „Politik und globale Zukunftsfragen“ bei MISEREOR, auf Anregung der katholischen Landjugendbewegung (KLJB) nach Niederlangen im Emsland gereist. Viele Landwirte dort sehen sich in den Forderungen des katholischen Hilfswerks in ihrer Arbeit kritisiert und von Medien, Politik und der Öffentlichkeit immer wieder als „Sündenböcke“ dargestellt.

misereor_logoDie Vertreter MISEREORS bekundeten, dass es nicht um individuelles Fehlverhalten einzelner Bauern gehe, sondern um ein politisches System, welches den Bauern kaum noch Alternativen zwischen Wachsen oder Weichen lasse. „Wir müssen die Probleme unserer Agrarpolitik anerkennen und tabulos darüber diskutieren. Andernfalls gibt es keine Zukunft für die bäuerliche Landwirtschaft“, betonte Theo Paul. Aufgabe MISEREORS sei es, im Kampf gegen den Hunger in der Welt die Zusammenhänge zwischen der Wirtschaftsweise exportorientierter Nationen und der Not in vielen armen Ländern erkennbar zu machen. „Dazu gehört auch, unbequeme Fragen zu stellen.“

Bernd Bornhorst schilderte nachdrücklich die Probleme, die sich aus der gegenwärtigen Landwirtschaftspolitik für arme Menschen in Afrika oder Lateinamerika ergäben. Dort würden u.a. bäuerliche Betriebe durch billige Importe aus der EU zerstört oder Kleinbauern vertrieben, weil ihr Land für Sojaanbau genutzt werden solle. „Die Behauptung, dass die deutsche Exportlandwirtschaft den Hunger in der Welt bekämpft, ist falsch“, erklärte Bornhorst. „Allerdings reicht es nicht aus, nur die Landwirtschaft in die Pflicht zu nehmen. Wir müssen auch das Verhalten der Konsumenten und den großen Einfluss der Lebensmittelindustrie in den Blick nehmen“.

Alle drei MISEREOR-Vertreter betonten in der Diskussion mit den Landwirten, dass es mit Blick auf die Weltmarktabhängigkeit der Landwirtschaft, den Kampf um Preishoheit und dem Aussterben kleinbäuerlicher Betriebe in allen Ländern der Erde nur das gemeinsame Bestreben von Bauern und Verbrauchern sein könne, Lösungswege zu finden. Dazu sei es unabdingbar, den gemeinsamen Dialog weiterzuführen. Bernd Bornhorst: „Im Kern wollen Bauern in Nord und Süd das Gleiche: Für gute Nahrungsmittel gute Preise zu bekommen“.“

Angesichts der Empörung vieler Landwirte in der Region reibe ich mir verdutzt die Augen. Verstehen sie überhaupt ansatzweise das Anliegen der Kritiker an der industriellen Landwirtschaft [mehr…]? Etwa was es eigentlich bedeutet, dass 95 Prozent des in Europa verkauften Gemüse-Saatguts inzwischen von nur fünf Firmen geliefert? Allein der Monsanto-Konzern beherrscht zum Beispiel 24 Prozent des Marktes bei Tomaten-, Paprika- und Gurkensaatgut, nachdem der Konzern vor sieben Jahren das bei Tomaten-, Paprika- und Gurkensaatgut führende niederländische Unternehmen De Ruiter gekauft hat [mehr…]. Wer will das??!

„Landwirte müssen sich kritischen Fragen stellen“, sagte Theo Paul, Generalvikar des Bistums Osnabrück, bei der Diskussion in Niederlangen. Das fehlt ihnen aber in ihrer derEmpörung über die, die ihnen warnend den Spiegel vorhalten und ihnen sagen, dass ihre Art der industriellen Landwirtschaft unzweifelhaft in eine Sackgasse führt. Ein Besucher der Diskussion kommentiert dies auf der Webseite des NDR so:

„Ich bin bei diesem Termin dabei gewesen und ich glaube nicht, dass sich die Bauern, die diese Veranstaltung organisiert haben, einen Gefallen getan haben. Sie isolieren sich, das ist zu befürchten, durch Ihr Verhalten selber.
Für mich sah es so aus, als dass Einige immer noch nicht verstanden haben, dass sie sich durch Ihre Art zu wirtschaften (Massentierhaltung) selber den Ast absägen, auf dem sie sitzen.  Und dass sie sich nicht scheuten, sogar der Organisation Misereor mit Zurückhaltung der Spendenbereitschaft zu drohen, spricht Bände. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas möglich ist.“

NDR: „Wir haben es satt“. Landwirte sauer auf Kirche

ps.: Noch dies zum Thema aus dem Westen:

Zeitfrage

26. Februar 2012

Es ist eine Frage der Zeit, bis das Schmallenbergvirus auch im Land an Ems und Vechte Tierbestände befällt. Bis Freitag letzter Woche gab es wohl noch keine Fälle im Emsland und in der Grafschaft Bentheim. Das nach dem Ort der ersten Probenherkunft benannte Virus ist aber inzwischen in 737 Betrieben (Stand 24.02.) in fast allen Bundesländern verbreitet, nur nicht in Bremen bislang.Viele Höfe befinden sich in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, auch aus Hessen und Schleswig-Holstein haben mehr als 80 Betriebe erkrankte Tiere und tot oder stark missgebildete Junge gemeldet. Betroffene Lämmer und Kälber kommen zum Teil viel zu früh und tot, zum Teil aber auch mit erheblichen Missbildungen zur Welt. Ihr Gehirn und ihr Rückenmark sind stark angegriffen, die Gelenke versteift.

In der Landwirtschaft wächst die Sorge, das Virus könnte die Existenz nicht weniger  Betriebe bedrohen; vor allem die Schafzüchter sind gegenwärtig betroffen, erwartet wird aber eine starke Zunahme bei Rindern. An einem Impfstoff gegen das wohl von Stechmücken übertragene Virus wird bislang noch vergeblich unter der Federführung des  Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI)  geforscht, das das Virus im November vergangenen Jahres entdeckt hatt . Die EU hält sich noch bedeckt, obwohl Inzwischen Betriebe in den Niederlanden, Belgien, Großbritannien, Frankreich,  Luxemburg und auch Italien befallen sind.

Auf Menschen soll es mit ziemlich großer Sicherheit nicht übergehen, unterstreicht in einer Risikobewertung des European Center for Disease Prevention and Control. Weder könne sich der Mensch direkt bei den Tieren anstecken, noch bestehe eine Gefahr beim Konsum von Lammfleisch.

So richtig beruhigend ist das alles aber nicht, oder? Wat sachste, Buggy?