Die Zwangskonvertiten

23. Dezember 2018

Zu den Wehnachtstagen veröffentliche ich diesen Beitrag von Josef Möddel, der vor 40 Jahren den Arbeitskreis Juden Christen im Altkreis Lingen eV gründete. Nehmen Sie sich einige Mínuten  Zeit, ihn zu lesen, bitte. Josef Mödel hat in seinem Exkurs den Namen des Neonazis verschlüsselt. Ich meine, das sollte nicht sein.

Zur Situation der Juden in Spanien/Portugal im 15. Jahrhundert

Im 8. Jh. drangen muslimische Araber in die „Iberischen Halbinsel“ ein. Und, man staune, Juden und Christen, zählten zu den Schutzbefohlenen. Die Situation der Juden unter dem Kalifat war deutlich besser als in den Reichen des  christlichen Europas. Juden aus anderen Teilen Europas wanderten ein. Die Juden, die Sepharden, wie man sie nannte, lebten dort friedlich bis zu ihrer Vertreibung 1492 und 1513 (Inquisitionin Portugal, zweite Verfolgungswelle gegen die Juden auf der iberischen Halbinsel), da hatte das tolerante Kalifat schon ausgedient und das „christliche“ Mittelalter hatte das Sagen: Die katholischen Könige (Ferdinand II.und Isabella I.) stellten  die Juden Spaniens vor die Wahl zwischen Exil/ Flucht, Konversion zum Katholizismus durch die Taufe oder Tod. Viele zogen die Flucht der Taufe vor. Die Zwangskonvertiten blieben, aber sie zahlten einen hohen Preis. Viele dieser Konvertiten, die zwangsweise Getauften, die Marranen, wanderten in der zweiten Verfolgungswelle aus.

Einige flüchteten nach Nord-West-Deutschland, Emden, Esens, von dort auch ins Emsland, viele nach Hamburg. Ein Teil der „Hamburger“ zogen weiter nach Amsterdam. Dort wurde 1675 die Portugiesische Synagoge (s. oben, Kupferstich von Romeijn de Hooghe) eingeweiht.

Fahrt mit Schülern nach Amsterdam

Vor Gründung des  Arbeitskreises Juden-Christen  habe ich mit meinen Schülern 1979 an einem Wettbewerb der Bundeszentrale Politischen Bildung teilgenommen. Wir bekamen für unsere eingereichte Arbeit eine Klassenfahrt nach Amsterdam zum Anne-Frank-Haus und zur Portugiesischen Synagoge. Ehemalige Schüler sprechen heute noch gerne davon: Efterpi Kalligas, Restaurant Santorini in der Rheinerstraße, und Frosa in dem Kurzwarengeschäft in der Burgstraße.

Nach der Gründung des AK Judentum-Christentum  folgte eine weitere Fahrt nach Amsterdam im Jahr 1989. Leo de Vries, der Schwager von Erna de Vries, der Onkel von Michael Grünbergs Frau Ruth, der vom Judenhaus in Lingen 1941 deportiert wurde und überlebte, war unser Reiseführer in Amsterdam. Eine Schülerin, Nicola Büher, die damals noch van Acken hieß, berichtet noch gerne von ihren Eindrücken.

Zusammenleben von Juden und Christen in Lingen

In Lingen lebten Juden und Christen lange friedlich zusammen. Im Dezember bestückten die Christen ihren Adventskranz mit vier dicken Kerzen und freuten sich auf den 24. Dezember, auf Weihnachten, auf die Geburt Jesu. Dass er Jude war, dass Maria, seine Mutter, Jüdin war, das war schon lange vergessen. Das Schmücken des Weihnachtsbaumes musste bis Heilig Abend geschafft sein – und darunter sollten dann Äpfel und Nüsse liegen.

Die Juden holten in dieser Zeit ihre Menora, ihren achtarmigen Leuchter hervor und zündeten acht Tage lang Kerzen zur Erinnerung an die Befreiung des Tempels durch die Makkabäer an, die übrigens zu den katholischen Heiligen gehören, ohne die das Christentum gar nicht entstanden wäre. Den Deutungsschlüssel, besonders, was das Lichterfest mit uns Christen zutun hat, findet man in den  religiös gedeuteten Geschichten,  in den Büchern der Makkabäer (AT), bes. im Zweiten Buch, das nach 160 v. Chr. entstanden sein dürfte.

Juden sprechen übrigens von der Zeit im Dezember gelegentlich auch von „Weihnukka“.

Das Schicksal von Selma Hanauer

In Lingen gab es ein Mädchen, das freute sich jedes Jahr auf den 22. Dezember, auf ihren Geburtstag. Sie heiß Selma und gehörte zu den Hanauers, die in der Elisabethstraße mit Kohlen und anderen Brennstoffen handelten. Für die handfeste Arbeit im Kohlehandel war sie nicht geeignet. Aber sie machte sich schon früh nützlich durch schriftliche Arbeiten; besonders ihre tadellose Buchführung war von ihren Brüdern gefragt. Das erfuhr der Direktor der Kreissparkasse, auf welchem Wege auch immer, möglicherweise durch besonders sorgfältig erstellte Rechnungen oder Quittungen. Er holte sie in sein Institut. Dort arbeite sie jahrelang zu seiner vollen Zufriedenheit.

Juden waren deutsche Staatbürger mit allen Rechten und Pflichten, bis zum unheilvollen Jahr 1933. In der noch jungen NS-Diktatur passten sich einige schnell an, hatten keine Berührungsängste, machten unterm Hakenkreuz Karriere und ließen sich umjubeln. Andere verloren ihre Jobs, beispielsweise Selma Hanauer, die angesehene Sparkassenangestellte. Sie fiel unter das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums; sie wurde bereits 1933 entlassen. Ihr Chef und Sparkassendirektor stelle ihr noch ein Zeugnis voller Lob aus und bat den NS-Kreisleiter um Rücknahme der Entlassung – leider erfolglos. Wären es doch mehr Stimmen gewesen, die, wie die Propheten des Alten Testaments, z.B.  Jeremia, Jesaja oder Amos, die  laut aussprachen, was alles falsch lief. Ihnen war es nicht egal, wie es mit ihrer Stadt weiterging.

Am Anfang war alles nicht so schlimm, keiner wusste davon, wird argumentiert. Falsch, sagten in den 80-er Jahren Änne Brümmer und Rita de Hoek, die Schwester von Fredy Markreich, die, in Amsterdam untergetaucht, überlebte. Jeder in Lingen (in der Kleinstadt mit 25.000 Einwohnern) hatte bei der Sparkasse ein Sparbuch – und auf einmal war die freundliche Selma nicht mehr da!

Das Fremdwerden in Deutschland begann und hörte nicht auf. Die Ungewissheit wich, „das wird nicht gut enden“ kam in großen Schritten. Das mussten die Hanauers mit einem realistisch deprimierenden Blick auf ihre neue Situation feststellen.

Reichspogromnacht in Lingen

Selma musste noch die Reichspogromnacht gegen jüdisches Leben und jüdischen Glauben mit ihren Geschwistern Hedwig und Hugo in Lingen durchleiden. Vor ihrem Gotteshaus stand ein Schild „Hier stand einmal eine Synagoge“. Sie stand, nachdem man sie aus dem Bett geholt hatte, am frühen Morgen des 10. November mit 17 weiteren Männern und Frauen jüdischen Glaubens in der Nähe „ihrer Kreissparkasse“ auf dem Marktplatz. Nach Öffnung der Polizeiwache wurden alle dort festgehalten. Sie und Hedwig konnten später nach Hause gehen. Hugo nahm man Uhr, Schlüssel und Geld ab, dann wurde er der SS-übergeben; er „ging“ –  wie die anderen Männer –  nach „Buchenwald“. In Lengerich und Freren war es nicht besser. Wohnungen wurden demoliert und Menschen misshandelt. Bevor man die jüdischen Männer in Freren in das KZ Buchenwald verfrachtete, wurden sie noch vorher stundenlang auf einem Viehwagen durch die Stadt gefahren und verspottet.

Nach der Entlassung aus dem KZ Buchenwald kam Hugo, wie seine Glaubensgenossen, abgemagert, kahlgeschoren und traumatisiert zurück. Immerhin konnte Selma ihren kleinen Bruder, er war elf Jahre jünger als sie, in ihre Arme schließen und ihn wiederaufpäppeln.

Die Perspektivlosigkeit mit dem Kohlenhandel wurde den Hanauers nun endgültig klar. „Man kauft nicht bei Juden“  war ja auch in Lingen angekommen. Und Selma hatte seit über fünf Jahren kein Einkommen mehr aus ihrer Tätigkeit bei der Kreissparkasse. Zudem wurden den Juden eine Milliarde Reichsmark als sog. Sühneumlage in Rechnung gestellt. Perverser ging’s nicht, 1939 noch nicht, später aber wohl.  Hitler hatte bereits 1938 Göring mit der „Gesamtlösung der Judenfrage“ beauftragt. In Heydrichs undHimmlers teuflischen Köpfen wurde sie konkret umgesetzt. Die SS war sowohl treibender Faktor als auch Werkzeug der Shoa.

Selma suchte mit ihren Geschwistern verzweifelt nach Zukunft, nach Sicherheit, nach einem erträglichen Leben. Da sie lt. Gesetz vom 30.04.1939 auch aus ihrem „trauten Heim“ ausziehen und in sog. Judenhäuser einziehen sollten, drängte die Zeit. Ihre Glaubensbrüder, auch aus Lengerich und Freren, wurden in die Häuser in der Wilhelmstraße und in der Marienstraße einquartiert und verbrachten die Zeit vor ihrer Deportation in qualvolle Enge.

Im Frühjahr Jahr 1939 gelangen Selma, Hugo und Hedwig noch die Ausreise nach Spanien, Ibiza, wo schon seit 1936 Alfred, Henriette und Else in Sicherheit lebten. In Sicherheit?

Exkurs:

Der liebe tiefreligiöse Opa von Jens Hessler (Name nicht geändert) in Laxten kannte die Lingener Juden gut und erzählte seinem Enkel ausführlich und gerne von den Juden, die Jesus ans Kreuz schlugen und ihrer gerechten Strafe nicht entgehen können. Aber sie machen sich schlau, mit ergaunertem Geld davon und leben dann gut im Ausland. Einmal, 1993, drang Jens mit seinem Freund aus Magdeburg, in Springerstiefeln und in Bomberjacken, in unsere Veranstaltung im Gemeindehaus St. Josef ein und sie „klärten uns auf“. Gott sei Dank sorgte Gerhard Sels mit seiner ruhigen Stimme für „Deeskalation“.

Jens erbte später das Häuschen von seinem Opa, die NS-Ideologie hatte er ja schon vorher geerbt. Davon lebt er heute noch gut…“
Mehr über Jens H.von  Dirk Fisser in seinem LT-Bericht vom 13.08.2018.

Jens Hessler hat inzwischen dieser Darstellung widersprochen und über einen Anwalt mitgeteilt: „Tatsächlich erbte mein Mandant kein Haus und kann demzufolge von einem nicht existenten Erbe auch nicht gut leben.“

Ein Leben – weit weg von Sicherheit

Die Flucht der Familie Hanauer war 1936 und dann 1939 mit Selma „geglückt“, sie konnten sorgenfrei am Strand liegen. Falsch Sie lebten als emigrierte deutsche Juden auf „Spanischem Boden“ extrem gefährlich, weil ab 1936 Herr Franco, ein Freund und Gehilfe (Guernikca) von Adolf Hitler, diktatorisch und gnadenlos regierte. Hier erlebten die Hanauers neue Machtstrukturen.

Der lange Arm der Deutschen Botschaft, die nach San Sebastian verzogen war, machte sich immer wieder bemerkbar und bereitete der Familie Hanauer mehr als Sorgen. Sie lebte in Angst und Schrecken vor einer Auslieferung nach Deutschland. Was das bedeuten würde, war ihnen bewusst. Mit den Namen Dachau, Esterwegen, Börgermoor, Buchenwald, später dann Auschwitz, verbanden sie Deportationen in Orte unbeschränkter Gewaltherrschaft, Folter, die willkürliche Entscheidung über Leben und Tod; SS-Wachmänner behandelten gerade jüdische KZ-Insassen besonders brutal, das musste ihnen niemand erklären.

Hugo, den kleinen Bruder von Selma, plagten wieder Alpträume, die er aus „Buchenwald“ mitgebracht hatte.

Gab es einen Ausweg? Hoffnung durch eine Taufe keimte auf, die in NS-Deutschland inzwischen undenkbar war (Edith Stein). Aber in Francos Spanien herrschte ein steingewordener Nationalkatholizismus, der gewissen Schutz bot, wenn man einmal dazugehörte. In großer Not ließen sie sich taufen. Was macht Hoffnungslosigkeit mit den Menschen?

Selma wurde auf den Namen Maria getauft, eine zusätzliche Firmung kam hinzu. Die Hanauer zahlten mit ihrem „Überkreuzlaufen“ einen hohen Preis. Sie gehörten zu einem Volk, das ständig auf Wanderschaft war. Es hatte wenig Gelegenheit, sich an Orte zu klammern, um heimisch zu werden. War ihr Auf und Ab mit der Himmelsleiter vergleichbar, von der einst der biblische Jakob träumte? Stand am anderen Ende der Leiter jemand, ein Engel? Bot ihnen ihr alter Glaube „Heimat“? Konnten sie im Dezember, wenn auch nicht öffentlich, aber in ihren eigenen vier Wänden ihre Chanukkakerzen anzünden – ihren inneren Tempel wieder einweihen?

Ganz sicher ist, dass sie jeweils am 22. Dezember Selmas Geburtstag feierten. Vielleicht dachten sie dann auch an gute Zeiten in Lingen, an „Weihnukka“.

Wie oft die  Lingener Zwangskonvertiten im spanischen Herrschaftsbereich ihr „Sch´ma Israel“ in äußerster Bedrängnis gesprochen, geflüstert haben, wie oft es als Stoßseufzer über die Lippen kam, das weiß nur Haschem.

Die Zwangskonvertitin Selma/Maria Hanauer verstarb 1969. Wer kann schon tief in die Welt von Selma Hanauer eintauchen? Hier ist die Grenze des Beschreibbaren erreicht.

Epilog

Wer setzt sich heute in einem Erinnerungskult für Umjubelte ein? Wer pflegt das Gedenken an die Opfer in angemessener Erinnerungskultur?

G´tt hat keinen anderen Wirkungsraum als unseren Lebensraum. Daher müssen wir hellhörig sein für das, was in ihm heute geschieht – und auch mal, wie die Propheten damals, kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn etwas falsch, wenn was aus dem Ruder zu laufen droht.

Nach vielen relativierenden Erklärungen ohne eindeutige Haltung, nach schwer erträglichen Diskussionen, muss auch mal ein unbedingtes „NEIN – nicht mit uns“ gesprochen werden – „neutral“, „gleichgültig“, „unbestimmt“, „unentschieden“, oder „mal sehen, wie sich alles entwickelt“ – geht nicht.

Gelandet

24. Januar 2014

Emslandfreund Gerhard Kromschröder wurde 1963 Lokalredakteur im Emsland. Ihn interessierte vor allem die Geschichte der Konzentrationslager Börgermoor und Esterwegen. Doch mit seiner Neugier eckte er an und musste seinen Posten schließlich räumen. Ein kleiner Beitrag von ihm auf Gedächtnis der Nation. 

Wenn Sie mal Zeit über haben (es sind ja acht Filmchen zu verschiedenen Themen): vielleicht haben Sie ja Lust, auch sonst mal reinzugucken.

Geschichte lebt!

Geschichte lebt durch Geschichten. Durch persönliche Erfahrungen und Erlebnisse. Sie in Interviews einzufangen und für spätere Generationen zu bewahren, ist das Ziel des Vereins „Unsere Geschichte. Das Gedächtnis der Nation„. Das bundesweit einmalige Projekt sammelt Erzählungen von Zeitzeugen zu Alltagserfahrungen und zentralen Momenten der deutschen Geschichte. Vor der Kamera berichten Jung und Alt über ihre ganz individuellen Erinnerungen an historische Ereignisse und Entwicklungen. Sie bilden die Mosaiksteine im Geschichtsbild einer Nation und prägen das Selbstverständnis einer Gesellschaft. Erzählen auch Sie uns Ihre Geschichte und werden Teil eines facettenreichen Archivs der Erinnerungen!

Moorsoldaten

27. August 2013

Das Moorsoldatenlied wurde 1933 von Häftlingen des Konzentrationslagers Börgermoor nahe Papenburg im Emsland geschaffen. In diesem Lager wurden vorwiegend politische Gegner des Nazi-Regimes gefangen gehalten. Mit einfachen Werkzeugen wie dem Spaten mussten diese dort das Moor kultivieren. Das Lied wurde am Sonntag, 27. August 1933, also heute vor 80 Jahren,  bei einer Veranstaltung namens Zirkus Konzentrazani von 16 Häftlingen, aufgeführt. Geschrieben hatten das Lied der Bergmann Johann Esser und der Regisseur Wolfgang Langhoff. Komponist war Rudi GoguelEr erinnerte sich später:

„Die sechzehn Sänger, vorwiegend Mitglieder des Solinger Arbeitergesangsverein, marschierten in ihren grünen Polizeiuniformen (unsere damalige Häftlingskleidung) mit geschulterten Spaten in die Arena, ich selbst an der Spitze in blauem Trainingsanzug mit einem abgebrochenen Spatenstiel als Taktstock. Wir sangen, und bereits bei der zweiten Strophe begannen die fast 1000 Gefangenen den Refrain mitzusummen. […] Von Strophe zu Strophe steigerte sich der Refrain, und bei der letzten Strophe sangen auch die SS-Leute, die mit ihren Kommandanten erschienen waren, einträchtig mit uns mit, offenbar, weil sie sich selbst als ‚Moorsoldaten‘ angesprochen fühlten. […] Bei den Worten ‚… Dann ziehn die Moorsoldaten nicht mehr mit den Spaten ins Moor‘ stießen die sechzehn Sänger die Spaten in den Sand und marschierten aus der Arena, die Spaten zurücklassend, die nun, in der Moorerde steckend, als Grabkreuze wirkten.“

Der Text:

Wohin auch das Auge blickt
Moor und Heide ringsherum
Vogelsang uns nicht erquickt
Eichen stehen kahl und krumm

Wir sind die Moorsoldaten
Und ziehen mit dem Spaten ins Moor

Hier in dieser öden Heide
Ist das Lager aufgebaut
Wo wir fern von jeder Freude
Hinter Stacheldraht verhaut

Wir sind die Moorsoldaten
Und ziehen mit dem Spaten ins Moor

Morgens ziehen die Kolonnen
In das Moor zur Arbeit hin
Graben bei dem Brand der Sonne
Doch zur Heimat steht ihr Sinn

Wir sind die Moorsoldaten
Und ziehen mit dem Spaten ins Moor
Wir sind die Moorsoldaten
Und ziehen mit dem Spaten ins Moor

Auf und nieder geh’n die Posten
Keiner, keiner kann hindurch!
Flucht wird nur das Leben kosten
Vierfach ist umzäunt die Burg

Wir sind die Moorsoldaten
Und ziehen mit dem Spaten ins Moor
Wir sind die Moorsoldaten
Und ziehen mit dem Spaten ins Moor

Doch für uns gibt es kein Klagen
Ewig kann’s nicht Winter sein!
Einmal werden froh wir sagen:
Heimat du bist wieder mein!

Dann zieh’n die Moorsoldaten
Nicht mehr mit dem Spaten ins Moor
Dann zieh’n die Moorsoldaten
Nie mehr mit dem Spaten ins Moor

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Nie erschienen

12. Mai 2012

Fleurop lässt grüßen! Gerade empöre ich mich über diese peinlich-arroganten Worte der Pressesprecherin des Kreises Emsland Anja Rohde. In diesen Tagen jährt sich bekanntlich zum 67. Mal die Befreiung der Emslandlager; aber  der Landkreis Emsland hat gar nicht so richtig dran gedacht. Denn da sagt die Dame auf Anfrage der Presse tatsächlich:

Wir werden in der alten Rheder Kirche und am Ossietzky-Denkmal in Esterwegen Kränze niederlegen“, sagt Kreissprecherin Anja Rohde auf die Frage, ob es denn von Seiten des Landkreises eine Gedenkveranstaltung gebe. „Allerdings wird dies kein offizieller und auch kein öffentlicher Akt. Die Kränze sollen ein Zeichen für die Besucher sein.

So ist es eben, wenn man lediglich aus parteipolitischen Gründen glaubt, gedenken zu müssen, und man nicht mit dem Herzen dabei ist.

Heute informiert die taz-nord über dies:

„In diesem Jahr könnte die deutsch-niederländische Initiative 8. Mai ihre Gedenkveranstaltung im Emsland zum Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus zum ersten Mal auf der Gedenkstätte Esterwegen ausrichten. Die hat Ende Oktober letzten Jahres zur Erinnerung an die Opfer der 15 Konzentrations- und Strafgefangenenlager im Emsland eröffnet.

Die Initiative, zu der auch ehemalige Gefangene gehören, wird sich am heutigen Samstagnachmittag allerdings nicht dort treffen, sondern, wie in jedem Jahr seit 1985, auf dem Lagerfriedhof Bockhorst bei Esterwegen.

Nikolaus Schütte zur Wick, Fraktionsvorsitzender der Grünen im emsländischen Kreistag, ist sich sogar sicher: „Selbst wenn die Initiative beantragt hätte, ihre Veranstaltung an der Gedenkstätte abzuhalten, wäre das bestimmt nicht genehmigt worden.“

Die Veranstaltung der NS-Opfer wird von den Vertretern des Landkreises gemieden. Nie erschienen ist der ehemalige…“

weiter bei der taz

Mehr im taz-Kommentar von Simone Schnase
und über die Ab- und Hintergründe hier 

und online im Emskopp

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DIE EMSLANDLAGER

„1933 wurden die Kozentrationslager Börgermoor, Esterwegen und Neusustrum fertiggestellt, bis 1937 kamen Aschendorfermoor, Brual-Rhede, Walchum und Oberlangen hinzu, ab 1938 Wesuwe, Versen, Fullen, Groß-Hesepe, Dalum, Wietmarschen, Bathorn und Alexisdorf.

In den Emslandlagern wurden insgesamt 70.000 Menschen inhaftiert, darunter politische Gefangene, Homosexuelle, wehrmachtgerichtlich verurteilte Soldaten und sogenannte Nacht-und-Nebel-Gefangene .

1939 übernahm die Wehrmacht drei Lager und nutzte sie als Kriegsgefangenenlager für weit über 100.000 Soldaten aus der Sowjetunion, Frankreich, Belgien, Polen und Italien. 1944/45 dienten die Lager Dalum und Versen der SS kurzzeitig als Außenlager des KZ Neuengamme.

Insgesamt sind in den Emslandlagern rund 30.000 Menschen ums Leben gekommen.“ (Quelle)