Historische nAcht

4. September 2018

Historische nAcht
Auf den Spuren der Lingener Innenstadt
Lingen (Ems) – Treffpunkt: Historisches Rathaus
Sa 08.09.  20 Uhr

Die Teilnahme an der nAcht ist kostenlos und ohne Anmedlung möglich.

„In einer spannenden Stadtführung werden wir uns die historischen Gebäude der Lingener Innenstadt ansehen, in denen sich mehr als 1025 Jahre Geschichte der ehemaligen Festungsstadt wiederspiegelt: Das historische Rathaus aus dem 16. Jahrhundert und die „Alte Posthalterei“ von 1653 sind nur wenige markante Beispiele. Lasst uns in dieser nAcht gemeinsam die Historie unserer schönen Stadt entdecken.“

Die Veranstaltungsreihe „nAcht“ ist einer Kooperation des Bistums Osnabrücks und dem Katholischen Jugendbüro Emsland-Süd. Die Idee der nAcht ist es immer am 8. eines jeden Monats eine Veranstaltung für junge Erwachsene anzubieten, in denen Themen aus der Lebenswelt der jungen Menschen angesprochen werden. Mehr…

(Foto: Hist. Rathausgibl Lingen, ©milanpaul via flickr)

Mitnahmeeffekte

21. April 2018

Wirklich, das will ich vor dem Wahltag noch los werden. In der Podiumsdebatte am vergangenen Montag habe ich aus meiner Meinung keinen Hehl gemacht, dass nur das Ausweisen von weiteren Landwirtschaftsflächen für den Wohnungsbau keine nachhaltige Wohnungsbaupolitik darstellt. Es nutzt der Ökonomie wenig und schadet der Ökologie.

Das folgt schon daraus, dass nun wirklich nicht jede/r mehr als 300.000 Euro für ein neues Wohnhaus ausgeben kann. Wir brauchen zusätzliche neue Wege, um Wohnraum für alle zu schaffen:

Mit der Gründung der Wohnungsbaugenossenschaft LWB Lingener Wohnbau eG besitzt unsere Kommune jetzt ein Instrument, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Dass diese Gründung vier Jahre und nach der Gründungsversammlung noch einmal vier Monate gedauert hat, bis sie im Genossenschaftsregister eingetragen, also handlungsfähig ist sehr nervig, aber nicht zu ändern.Die Genossenschaft muss bezahlbare Wohnungen auch in den Ortsteilen bauen und auch für Studenten, weil sie mit ihren WG’s auch angestammte Mieter aus 3-Zimmer-Wohnungen verdrängen, die dann an Studenten-WGs vermietet monatlich 700  Ertrag bringen, bei einer Familie aber nur 450 Euro.

Wir müssen etwas gegen die Gentrifizierung tun. Sie ist kein Großstadtproblem: Mein Einsatz und der Kampf der Bürgernahen für den Erhalt der beiden Mehrfamilienhäuser am Beginn der Straße „Am Neuen Friedhof“ waren vergeblich. Die Bagger haben intakten, bezahlbaren Wohnraum in dieser Woche vernichtet. Jetzt entstehen dort Kleinapartments für Lingener, die mehr als das Doppelte an Mieten zahlen können. Ich rechne mit Monatsmieten von 9 bis 10 Euro in den künftigen Wohnungen. Insgesamt zeigt sich eine ausgesprochen schlechte Entwicklung, wenn dafür intakte Häuser abgerissen werde. Wr müssen also handeln um Mieter in günstigen Wohnungen zu schützen und diese Wohnungen nachhaltig zu modernisieren, angesichts der vielfachen öffentlichen Fördermittel meines Erachtens kein Problem. Eingeführt werden sollte ein allgemeines kommunales Vorkaufsrecht, um gewachsene Stadtteile vor Spekulation zu sichern.

Das gilt auch für Baulücken. Hier hat die Stadt inzwischen ein Baulückenkataster geschaffen, das ständig aktualisiert werden muss.

Notwendig ist auch der Ausbau des Projekts „Jung kauft Alt“. Seine nach jahrelangen Debatten beschlossene Variante ist allerdings in Lingen mit 75.000 Euro so bzw zu klein angelegt. Es kann wirklich nichts anderes bewirken als flotte Mitnahmeeffekte.

Und, wenn es um neue Baugebiete geht, die ich ohnehin lieber Wohngebiete nennen möchte, kann Bauern erschinglicher werden. Eine Lösung dafür ist die Vergabe von Erbbaurechten. Bei einem aktuellen Grundstücksgeschäft im Stadtteil Bramsche habe ich den Bischof in Osnabrück gebeten, jedenfalls auch Grundstücke im Wege des erbbaurechts zu vergeben. Dies ist auch deshalb ein guter Weg, weil die Kirche bei Familien mit Kindern geringere Erbbauzahlungen verlangt (mehr…) Der Bischof hat reagiert und ich hoffe auf ein Ziel führendes Gespräch mit den Verantwortlichen in der Diözesanspitze. Die Wohnungsbauförderung des Bistums ist auch ein guter Vorschlag für die Vergabe städtischer Wohnungsbaugrundstücke – auch für die Ortsteile.

Ich freue mich über weitere Vorschläg für den Wohnungsbau in unserer Stadt.

6:7

28. März 2017

Das ist kein Fußballergebnis, was die geschätzte Leserschaft in der Überschrift lesen kann. Es ist das Abstimmungsresultat, mit dem gestern Nachmittag im Schulausschuss der Stadt ein Antrag des FDP-Mannes Jens Beeck (Foto lks) abgelehnt wurde, sofort zwei Doppelcontainer an der Lingener Friedensschule aufzustellen. Die einzige kommunale Schule für die Klassenstufen 5 bis 10 platzt nämlich aus allen Nähten. Das ist logische Folge der Schließung der Gebrüder-Grimm-Schule, bis vor drei Jahren zweite städtische Sekundarstufe. Denn nun konzentrieren sich 67 Flüchtlingskinder allein in der Friedensschule. Zum Vergleich: In der dem katholischen Bistum Osnabrück gehörenden privaten Marienschule sind es aktuell gerade einmal 15. Hinzu kommen inklusionsbedingt viele „Kinder mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf“.

Ein wenig unglücklich, so scheint mir, agierte in der Folge Schulleiterin Ulla Maaß-Brüggemann auf die seit dem vergangenen Sommer bekannten Missstände. Sie versuchte, die Stadtverwaltung auf dem Dienstweg davon zu überzeugen, das etwas getan werden müsse, und scheiterte. Das ganze Thema wurde nämlich erst Ende Februar durch die Brandrede von Lehrervertreterin Magdalena Voß im Lingener Schulausschuss bekannt.

Dort beanstandete sie die beengte Raumsituation an der Friedensschule „auch im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen“. Obwohl die Schule baulich nur über 34 allgemeine Unterrichtsräume verfüge, unterrichte man derzeit 36 Klassen an der Schule. Ein Kursgruppenraum/Inklusionsraum sei daher zum Klassenraum umfunktioniert worden, ebenso einer von zwei Kunsträume. Eine weitere Teilung von Klassen sei bei der jetzigen Raumsituation nicht mehr möglich. Und wo sie gerade dabei war, auch das Lehrerzimmer sei für die jetzige Größe des Kollegiums viel zu klein und die Akustik dort viel zu schlecht.

Gestern nun machte sich der alarmierte Schulausschuss ein Bild vor Ort und alles war noch deutlich schlimmer. Die Mensa, erfuhren die Mitglieder des Gremiums, biete nur Platz für 48 Schüler, so dass mittags manche auf Tischtennisplatten essen müssten. 60 Lehrer brächten in den Pausen im kleinen Lehrerzimmer zu und müssten dann mangels Stühlen sogar auf Fensterbänken sitzen. Inklusionsklassen seinen in Geräteräumen und der Hausmeister habe seinen Raum verloren. Alles sei ausgesprochen beengt.

Allerdings hatte sich wohl Schulleiterin Ulla Maaß-Brüggemann im Vorfeld mit dem Angebot der CDU-Stadträte zufrieden gegeben, die (nur) zwei Mobilklassen wollten. Es war dann Ratsmitglied Jens Beeck (FDP), der bessere Nägel für klügere Köpfe machte und vier Mobilklassen („zwei Doppelcontainer“) forderte, prägnant die -geringen- Kosten pro Schüler ausrechnete und eine Abstimmung verlangte. Allerdings sah die Ratsmehrheit-CDU keinen Grund auf den Vorschlag einzugehen, selbst nach einer Sitzungsunterbrechung nicht, in der CDU-Fraktionsvorsitzender Uwe Hilling die Seinen noch einmal auf Bruder Schmalhans einstimmte.

Dann wurde abgestimmt. Das war spannend, denn im Schulausschuss haben auch Eltern-, Schüler- und Lehrervertreter Sitz und Stimme, weshalb die CDU sich nicht -wie sonst- des Erfolgs ihres Vorschlags („zwei Container sollten reichen“) sicher sein konnte. Ausgerechnet die Elternvertreterin im Schulausschuss Dr. Karin Funke-Rapp verhinderte dann den Erfolg für die Schülerinnen und Schüler und stimmte mit der CDU, die Beecks Antrag ablehnte und dafür sieben Stimmen bekam. Die siebte Nein-Stimme war die von Elternvertreterin Funke-Rapp. Die mag eine kluge Frau „mit fundiertem journalistischen Hintergrund (ZDF, NDR, dpa und NHK/Tokio) sowie internationaler Arbeitserfahrung“ sein. Sie mag auch 1996 über die japanische Automobilwirtschaft („Die Investitionen japanischer Automobilhersteller in den ASEAN-Staaten: Eine empirische Studie über die Investitionen in Thailand unter besonderer Berücksichtigung des Transfers von Human Resour­ces Management Praktiken“) promoviert haben. Doch den Bedürfnissen der Schüler der Lingener Friedensschule, der Flüchtlingskinder dort und derjenigen, die von der Inklusion profitieren sollen, hat sie am Montagnachmittag einen wirklichen Bärendienst erwiesen und eine notwendige Zwischenlösung verhindert – aus welchen Gründen auch immer.

Hätte die Elternvertreterin nämlich für den Beeck-Antrag gestimmt, wäre der mehrheitlich angenommen und sofort geholfen worden. So half sie dem hart- und halbherzigen CDU-Vorschlag („Die Verwaltung soll zum kommenden Schuljahr eine Lösung finden…“) zur Mehrheit und und Beecks Antrag  scheiterte bei 6 Ja und 7 Neinstimmen.

Zusatz:
Elternvertreterin Dr. Karin Funke-Rapp hat mir inzwischen mitgeteilt, sie habe so entschieden, weil seitens der Schulleitung der Friedensschule kein schlüssiges Container/Schulhof-Konzept vorgelegt wurde: „Einen ohnehin beengten Schulhof mit Container zuzustellen, kann nicht die Lösung sein.“

(Foto: Jens Beeck, via twitter)

Rathaus_OsnabrückNicht in Lingen (Ems) aber in Osnabrück hat sich eine Initiative gegründet, die die aktive Aufnahme von Flüchtlingen, die sich im Lager in Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenzen befinden, fordert. Ähnlich wie während der Save-Me-Kampagne wird die Stadt Osnabrück aufgefordert, sich für die Aufnahme bei Land und Bund einzusetzen und sich selber zu verpflichten, mindestens 50 Flüchtlinge aus Idomeni aufzunehmen. Zu den Erstunterzeichnern zählt das Bistum Osnabrück, vertreten durch Generalvikar Theo Paul.

Eine Initiative, die absolut nachahmenswert ist, da sie dazu beträgt, die Flüchtlinge an den EU-Außengrenzen nicht zu vergessen – denn wir scheinen uns hier in Deutschland gut damit abzufinden, dass andere Staaten die Flüchtlingsabwehr übernehmen – und gleichzeitig praktisch tätig zu werden, um Menschen auf der Flucht konkrete Hilfe in Aussicht zu stellen.

Alle Informationen über die Initiative finden sich hier und hier der Text des Offenen Briefes der Initiative, über den der Osnabrücker Stadtrat am 14. Juni diskutieren wird:

Fünfzig Menschen aus Idomeni nach Osnabrück bringen
Auf ihrer Flucht vor Krieg und Verfolgung stecken mehr als 10.000 Menschen an der mazedonischen Grenze in Idomeni fest. Die Bedingungen dort sind Augenzeugenberichten zufolge erbärmlich: Die provisorische Zeltstadt steht mitten im Schlamm, durch tagelange Regenfälle sind die Menschen durchnässt, der Zugang zu Lebensmitteln und die medizinische Betreuung vor Ort sind völlig unzureichend, die hygienischen Zustände katastrophal.

Die Menschen haben weder die Möglichkeit, in die Kriegsgebiete ihrer Heimatländer zurückzukehren, noch die Grenze zu überqueren, da die mazedonische Polizei sie mit Blendgranaten, Gummigeschossen und Tränengas daran hindert.
 In Griechenland zu bleiben und dort einen Asylantrag zu stellen, ist für die Geflüchteten keine Option, da das Asylsystem in Griechenland gravierende systemische Mängel aufweist: Wie der Europäische Gerichtshof festgestellt hat, kam und kommt es dort regelmäßig zu Menschenrechtsverletzungen an Schutzsuchenden.

Wir, eine Initiative von Osnabrücker Organisationen und Einzelpersonen, wollen ein Zeichen setzen und fünfzig Menschen aus Idomeni nach Osnabrück holen. Das ist nicht viel und doch mehr als nichts.

Osnabrück leistet Großartiges in der Hilfe für geflüchtete Menschen. Die Stadt, gemeinnützige Organisationen, Kirchengemeinden und unzählige Ehrenamtliche unterstützen die Ankommenden in einem Maß, wie es kaum jemand für möglich gehalten hätte. Wir sind uns sicher: Hier ist auch Platz für weitere 50 Personen!
 Als BürgerInnen von Osnabrück bitten wir Sie daher, uns zu unterstützen und als Stadt den Beschluss zu fassen, 50 Flüchtlinge aus Idomeni aufzunehmen!

Damit die Geflüchteten auch wirklich den Weg hierher finden, bitten wir Sie, sich beim Land Niedersachsen und der Bundesregierung dafür einzusetzen, im Rahmen des Kontingents gem. § 23 Abs. 1 AufenthG die Aufnahme dieser Flüchtlinge in Deutschland zu bewilligen und ihnen die sichere Einreise zu ermöglichen.
Wir werden Sie dabei ausdauernd und mit all unseren Möglichkeiten unterstützen.

ErstunterzeichnerInnen:
Dr. Renate Vestner-Heise für die Flüchtlingshilfe Rosenplatz e.V.
Theo Paul, Generalvikar, für das Bistum Osnabrück
Andreas Neuhoff, für EXIL e.V.
Franz-Joseph Lotte für Pax Christi Regionalverband Osnabrück/Hamburg
Stefan Wilker für attac Osnabrück
Antonia Martin-Sanabria, Elisabeth-Siegel-Preisträgerin 2016
Pastor Dr. Matthias Jung, Referent für den KDA (Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt)
Lioba Meyer, ehemalige Bürgermeisterin der Friedensstadt Osnabrück
Guy Hofmann für „Pflege am Boden Osnabrück“
Norbert Grehl-Schmitt für die Bundesgeschäftsstelle von Pro Asyl
Dr. Carl-Heinrich Bösling

Mein Kommentar:
Copy and paste und ersetze dann Osnabrück durch Lingen. Oder? Es kann eine geringere Zahl als in der benachbarten Großstadt sein, denen geholfen wird. Bspw. 20 Menschen zu helfen, ist doch auch ein erstrebenswertes Ziel.

(Foto: Rathaus Osnabrück http://www.mein-osnabrück.de CC Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

nAchtflirt

27. April 2013

nachflirtDie nÄchte werden wieder kürzer und wärmer, die Leute gehen wieder auf die Straße, sitzen in Cafés und Biergärten und man selbst hat da einen Satz im Kopf: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt.“ (Gen 2,18)
…Na dann…´Speed-Dating!

nAchtflirt
Lingen (Ems)  –  Café im Professorenhaus, Universitätsplatz 5-6,

Mi 08.05.2013, 20:00 Uhr

Anmeldungen sind möglich bis zum 30. April 2013 unter nachtinlingen@gmx.net

ps „nAcht“ oder eben „nach Acht“ ist eine monatliche Reihe im römisch-katholischen Bistum Osnabrück für junge Erwachsene, die 2013 bereits ins vierte Jahr geht. Auch in diesem Jahr treffen sich junge „nAcht-Schwärmer“ am 8. Tag eines Monats ab 20.00 Uhr, um einen Abend zu verbringen – ganz offen und mit wechselnden Themen. Zurzeit in Osnabrück, Bremen und Lingen (Ems).

Mal wird sich die „nAcht“ eher von ihrer kulturellen Seite zeigen, mal ist eher Spiel und Spaß angesagt, mal geht es um Fragen des Lebens und Glaubens. [mehr…]

Kolumbarium

21. November 2012

Gestern berichtete die Neue Osnabrücker Zeitung über die neue Osnabrücker Kolumbariumskirche und erfuhr:

„Die Rundkirche „Heilige Familie“, 1960 am [Osnabrücker] Schölerberg erbaut, erwies sich für die schwindende Zahl der Gläubigen als zu groß. Das Bistum Osnabrück aber wollte das Gotteshaus nicht aufgeben, sondern für Messfeiern erhalten. So fiel die Entscheidung für den Umbau zur Kolumbariumskirche. Doch was ist überhaupt ein Kolumbarium? Das fragt sich fast jeder, der erstmals das Wort hört. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen; ursprünglich bedeutete er Taubenschlag. Denn wie Taubenschläge sahen römische Grabkammern aus mit reihenweise übereinander angebrachten Nischen für Urnen nach Feuerbestattungen; daher heißen sie seit etwa 50 vor Christus ebenfalls Kolumbarium.“

Abends dann las ich, dass dieses Kirchenprojekt der Architekten Tobias Klodwig & Partner (Münster) im Rahmen des Niedersächsischen Staatspreises für Architektur augezeichnet worden war und machte mich im Internet auf die Suche nach mehr. Schnell fand ich Aufschlussreiches über die Entstehungsgeschichte und dann die Internetseite, die das Projekt so beschreibt:

„Ein Platz zum Bleiben.

Die Gesellschaft verändert sich. Schnell und unwiderruflich. Diese Umbrüche betreffen auch die Bestattungsformen. Früher beerdigten Angehörige die Verstorbenen häufig in Familiengräbern bei ihren Verwandten. Heute ist das nicht mehr selbstverständlich. Deshalb fragen sich viele Menschen: Wie und auf welche Weise und wo soll meine letzte Ruhestätte sein? Bleibt mein Name in Erinnerung?

Der Gedanke an den eigenen Tod konfrontiert uns mit unseren tiefsten Ängsten und wirft viele Fragen auf. Das Kolumbarium bietet Ihnen die Möglichkeit auch schon zu Lebzeiten Urnenplätze zu erwerben.
Die Kolumbariumskirche Heilige Familie Osnabrück mit ihren 1200 Urnenplätzen ist ein Ort, an dem die Verstorbenen ihren Platz finden. Inmitten der Lebenden. Ein Raum, an dem Menschen ihrer gedenken und der mit ihrem Namen verknüpft ist.“

Nicht allein Katholiken können sich in der Osnabrücker Kirche beisetzen lassen, erfuhr ich, sondern „Mitglieder der Kirche oder einer christlichen Konfession“ – also auch Lutheraner, Reformierte oder Orthodoxe. „Für andere Religionen kommt die Beisetzung vom Selbstverständnis her nicht in Frage“, erklärt der Diakon. Tatsächlich finden in der katholische Kirche weiterhin Gottesdienste statt und damit kollidiert nach kirchlichem Selbstverständnis die Bestattung nicht-christlicher Verstorbener.

Auch haben Kirchenoffizielle inzwischen erklärt, die Osnabrücker Kolumbariumskirche sei kein Modell für den „ländlichen Raum“. Aber es ist sicherlich mehr als ein Fingerzeig, mit welcher Würde man Bestattungskultur „leben“ kann. Denn:

„Leben und Tod sind in der „Kolumbariumskirche Heilige Familie“ über die Architektur sinnbildlich miteinander verknüpft. Im Zentrum der Rundkirche liegt der Feierraum. Ihn umgibt ein zum Eingang hin offener Halbkreis aus Urnengängen. Die Wände zum Kolumbarium sind durchbrochen. Es gibt also keine Barriere im Übergang von Feierraum und Trauerraum. Direkt am Eingang, dem Altar gegenüber, steht das Taufbecken. Es erinnert daran, dass die Taufe den Eintritt in die Kirche markiert. So verbindet die Architektur der Kirche die Pole Taufe und Tod – und sie lässt dazwischen viel Raum, das Leben im Glauben zu feiern.“

Doch bei all dem denke ich doch wieder an unser Lingen und unsern Umgang mit dem Sterben. Sicherlich sind es nur Puzzlesteine, doch sofort fallen mir die unsäglichen Aussagen in der so peinlich-oberflächlichen Debatte um ein Krematorium in Lingen-Darme ein und eine ähnliche Einrichtung, die die Christdemokraten in Lohne gar in ein Gewerbegebiet platzierten – bis ein Gericht sie an Grundlegendes im Umgang mit dem Tod erinnerte. Und ich denke auch an den Alten Friedhof am Gasthausdamm in Lingen, wo vor  15 Jahren die Parkplätze aus dem Eingangsbereich entfernt wurde, jetzt aber wieder von Verkehrsstrategen zurückverlegt werden sollen, damit Bequemlinge läppische 50 Meter weniger zu Fuß gehen; die Parkplätze werden auch befahren und angefahren, wenn Trauernde ihre Verstorbenen über den Zufahrtsweg zur letzten Ruhestätte geleiten. Und ein Teil des ohnehin nicht sonderlich großen Geländes am Ehrenmal für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wird gleich mit geopfert. Sollte der, der so mit Tod und Gedenken umgeht, nicht einmal innehalten? Vielleicht erkennt er dann, dass 50 Meter eben manchmal ein sehr langer Weg sind.

 

(Foto: Kolumbariumkirche  Heilige Familie in Osnabrück; (C)  Gem. Heilige Familie Harald Niermann)

 

Samstagmorgen

22. April 2012

Samstagmorgen in Osnabrück:

„Wer gestern Mittag Osnabrück besuchte, konnte nicht schlecht staunen. Vor dem Dom waren gut 100 Zweiräder, samt ihrer ins Gebet vertieften Halter aufgefahren, Spargel all-über-all und die schon vor einer Woche erwarteten Salafisten konnten wenigstens ein paar ihrer, ihnen heiligen Bücher unters Volk bringen.

Was war das? Von einer kleinen Bühne wurde “Open Air” ein Gottesdienst gefeiert und der Platz vor dem Dom war voll betender Fahrradfahrer. Auflösung: das Bistum hatte zusammen mit dem ADFC zum Fahrradgottesdienst eingeladen.
Das Wetter spielte mit kleinen Schauern im Anschluss zwar nicht richtig mit, aber “frisch gesegnet” machten sich dennoch einige Teilnehmer im Anschluß noch auf ins Nettetal! Hoffentlich kommt “mit Gottes Segen” nun wieder etwas Ruhe in die, auch in der NOZ, heftig geführte Kampfradler-Debatte.

Apropos Wochenmarkt. Der steht inzwischen ganz im Zeichen des “Stangengemüses”, kein Gemüsestand bei dem es nicht reichliche Auswahl an Spargel gibt. Wobei der begehrte (weil praktischere) geschälte Spargel gegen Mittag schon knapp wurde. Wohl dem Marktbeschicker, der gleich seine eigene Schälmaschine mit in die Stadt bringt. Gute Spargelrezepte gibt es hier.

Eigentlich von den Medien bereits am vergangenen Wochenende erwartet, schlugen heute (endlich?) die dem radikal-islamistischen Salafismus zugerechneten Koranverteiler ihr Zelt in der Großen Straße auf. Offenbar hat sich bei den Aktionisten immer noch nicht herumgesprochen, das “lies” im Englischen “Lügen” bedeutet, und so war die Aktion nicht von ungewollter Komik.“

(Gefunden bei und übernommen von Heiko H. Pohlmann I-love-OS.de)

Erste

9. August 2011

Am Freitag eröffnen in Osnabrück die Domgemeinde St. Petrus  und dass Bistum Osnabrück die erste jüdisch-christliche Kindertagesstätte Deutschlands. Die Kindertagesstätte (Kita) trägt den Namen „König David“. „Mit der biblischen Gestalt David können sich Juden wie Christen identifizieren“, sagte dazu der Diakon der Domgemeinde, Carsten Lehmann, gegenüber dem NDR und ergänzt: „Für die Kinder ist es zudem schön, dass ihre Kita nach einem König benannt ist.
Die einrichtung soll Kindern aller Religionen und Weltanschauungen offen stehen. Das Essen wird für beispielsweise alle koscher zubereitet.
Das Kita-Team setzt sich aus christlichen und jüdischen Erzieherinnen zusammen. Im Rahmen einer jüdischen Religionspädagogik sollen zunächst zehn Kinder christliche und jüdische Traditionen und Feiertage kennenlernen. Die Kita König David ist am Standort der bereits bestehenden katholischen Kindertagesstätte St. Barbara angesiedelt. Beide Kitas werden in Zukunft eng miteinander kooperieren.

Mehr bei osradio, von dem (und dem NDR) ich auch größtenteils den Text für diese rundum erfreuliche Meldung übernommen habe. Schon  früher hatte ich über das Projekt geschrieben. Leider fehlt weiterhin das OK der evangelischen Christen.

Die interreligiösen Projekte des Bistums Osnabrück werden im kommenden Jahr mit einer „trialogischen“ Grundschule fortgesetzt. In ihr sollen dann christliche, jüdische  und muslimische Schüler die Religion des jeweils anderen kennenlernen.

Und der Blick in unsere Region? Nun, in der Grafschaft Bentheim, im Emsland und speziell in Lingen fehlen bislang entsprechende Initiativen der privaten wie öffentlichen Kindergarten- und Schulträger. Wann ändert sich dies? Mit dem Forum Juden-Christen stünde im Altkreis Lingen ein Verein bereit, der dazu den Anstoß geben könnte.

Drei

21. März 2011

In Osnabrück steht eine so genannte Drei-Religionen-Grundschule vor der Verwirklichung. Am vergangenen Freitag unterzeichneten Juden, Katholiken und Muslime einen Kooperationsvertrag für dieses neue Schulkonzept. Im Sommer 2012 soll die erste Klasse starten. Tatsächlich ist die Schule bisher die einzige ihrer Art in Deutschland.

An der Johannisschule, bisher eine  Grundschule für Schüler katholischen Bekenntnisses, der aber die notwendigen 80% katholischen Kinder ausgehen, sollen künftig jüdische, christliche und muslimische Kinder Religionsunterricht in ihrem jeweiligen Bekenntnis erhalten. Gleichzeitig sollen sie aber auch die Besonderheiten und Feste der anderen Religionen kennenlernen.

Nicht zu den Unterzeichnern zählt jedoch die Evangelische Kirche. Sie lehnt den Vertrag ab. Wichtige Aspekte darin entsprächen nicht einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit, sagte der Osnabrücker Superintendent Friedemann Pannen. „Einer der Hauptgründe ist für mich ein Passus im Vertrag, nach dem Geistliche andersgläubige Schüler von religiösen Feiern ausschließen können“, so Pannen. Die Herausforderung bestehe aber gerade darin, „religiöse Feiern für alle Schüler offen zu halten“.

Das ist nur einer von insgesamt sieben Kritikpunkten am Kooperationsvertrag. So fordert der evangelische Kirchenkreis, dass sich auch Kinder ohne Religionsangehörigkeit an der Schule anmelden können, was nach den jetzigen Vertragsbestimmungen aber nur geht, wenn noch Plätze frei sind.

Auch dass die Vertragspartner kein gemeinsames Leitbild für die Schule entworfen haben, kritisiert Friedemann Pannen. Stattdessen gilt das Leitbild der Schulstiftung des Bistums Osnabrück, die Trägerin der Drei-Religionen-Schule ist. Winfried Verburg, Leiter der Schulabteilung des katholischen Bistums Osnabrück, sagt: „Wir bedauern, dass der Kirchenkreis nicht dabei ist“.

Auch Avni Altiner, der Vorsitzende des Landesverbandes der Muslime in Niedersachsen (Schura), bedauerte am Rande der Vertragsunterzeichnung die Absage der evangelischen Kirche: „Ich hätte mir gewünscht, dass sie dabei ist“, sagte er. Die multireligiöse Schule sah er als „Gewinn für die Religionsgemeinschaften“ und zeigte sich froh, „dass es sie überhaupt gibt“.

Zu den weiteren Unterzeichnern des Vertrags gehören neben dem Bistum die türkisch-islamischen DITIB-Gemeinde Osnabrück und die Jüdische Gemeinde Osnabrück. Deren Vorsitzender Michael Grünberg findet es „schade“, dass die evangelische Kirche nicht dabei ist. Schließlich gehe es bei der Kritik des Kirchenkreises nur um „Feinheiten“…

(Quellen: NDR, taz)

Mittendrin VI

25. August 2010

Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat -wie angekündigt- Anklage gegen Andreas H., Ex-Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde in Spelle, Schapen, Venhaus und Lünne (Foto: kath. Kirche in Spelle, re.), erhoben. Dem 50-jährigen Geistlichen wird vorgeworfen, vor zwanzig Jahren in Haren die damals 14 Jahre alte Anzeigeerstatterin zwei Mal vergewaltigt zu haben. Bei der ersten Tat soll der jetzt Angeschuldigte den Widerstand der Jugendlichen durch Festhalten überwunden haben, teilte die Staatsanwaltschaft Osnabrück mit. Zu der zweiten Tat habe er die „tiefgläubige Jugendliche“ in die Kaplanei einbestellt. Für den Fall der Weigerung habe ihr der Priester „Nachteile in ihrer Stellung vor Gott angedroht“ und anschließend ihren Widerstand gebrochen, indem er sie an den Armen festhielt und ihren Mund zuhielt.

Die Anzeigeerstatterin hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft auch angegeben, sie habe drei Jahre lang immer wieder „sexuelle Übergriffe erdulden müssen“. Diese weiteren Vorwürfe konnte die Staatsanwaltschaft nicht anklagen, weil sie zu allgemein, das heißt „nicht ausreichend konkretisierbar“ waren. Außerdem sind weitere infrage kommende Delikte wie etwa der sexuelle Missbrauch von Schutzbefohlenen bereits verjährt.

Der Priester hat -laut Staatsanwaltschaft- im Ermittlungsverfahren sexuelle Kontakte zur Geschädigten eingeräumt. Diese seien aber einvernehmlich erfolgt. Diese Darstellung der Staatsanwaltschaft steht im Gegensatz zu Presseberichten von Mitte des Monats, in denen es geheißen hatte, der ehemalige Pfarrer stelle sexuelle Kontakte in Abrede. Der Nordhorner Rechtsanwalt Theo Krümberg, der den Theologen verteidigt, hatte erklärt, bei der Anzeige der Zeugin, die die Vorwürfe im Zuge der großen öffentlichen Diskussion über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche im Frühjahr erhoben hatte, handele es sich um einen „klassischen Trittbrettfall“.

Die Anzeigeerstatterin hatte sich in der Tat erst im Frühjahr während der großen öffentlichen Debatte über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche , also mehr als 19 Jahre nach den jetzt angeklagten Taten, an das Bistum Osnabrück gewandt und ihre Anschuldigungen gegen den seither suspendierten Pfarrer erhoben. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück vermutet nun, „die Übergriffe“ seien „wegen der als charismatisch empfundenen Ausstrahlung des Angeschuldigten und einem spirituellen Abhängigkeitsverhältnis der Geschädigten zu ihm von ihr ertragen worden“ – so reichlich mystisch-spekulativ  die Presseerklärung der Staatsanwaltschaft. Diese Ausgangslage macht die Einholung eines wissenschaftlichen Gutachtens hinsichtlich der Glaubhaftigkeit der Angaben der Anzeigeerstatterin sehr wahrscheinlich.

Die Osnabrücker Staatsanwälte ermitteln noch in einem weiteren Verfahren wegen ähnlicher Vorfälle  gegen den Ex-Pfarrer, Eine heute 38-jährige Frau hatte den Geistlichen ebenfalls im Frühjahr beschuldigt, er habe sie „im April/Mai 1995“ sexuell missbraucht. Dieses Ermittlungsverfahren konnte laut Staatsanwaltschaft noch nicht abgeschlossen werden.

Die zuständige Strafkammer des Osnabrücker Landgerichts muss nun zunächst über die Zulassung der erhobenen Anklage entscheiden und dabei auch die Frage der Verjährung prüfen. Läge tatsächlich eine Vergewaltigung vor, wäre der Vorwurf nicht verjährt. Erst wenn die Strafkammer die Anklage zur Hauptverhandlung zulässt und das gerichtliche Strafverfahren eröffnet, wird ein Verhandlungstermin festgelegt. Wird die Anklage zugelassen, dürfte die Sache wohl nicht vor Anfang 2011 verhandelt werden.

Neben dem weltlichen Strafverfahren muss sich der Tatverdächtige auch in einem kirchenrechtlichen Strafverfahren rechtfertigen. Eine Vorprüfung durch die Missbrauchskommission des Bistums Osnabrück sei abgeschlossen, hatte dazu kürzlich der Sprecher des Bistums Osnabrück Hermann Haarmann bestätigt. Weil sich in der Vorprüfung der Verdacht gegen den Priester erhärtet habe, gebe es zurzeit nach der Vorprüfung nun eine förmliche Voruntersuchung, die in den nächsten Wochen abgeschlossen werden könne. Die Ergebnisse werde der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode dann zur Glaubenskongregation nach Rom schicken, die die Entscheidung in dem kirchenrechtlichen Verfahren treffe.

Der heute 50-jährige Theologe gilt als führender Kopf der sogenannten „Christusgemeinschaft“, einer orthodoxen geistlichen Gemeinschaft mit Schwerpunkt im Bistum Osnabrück.

(Foto © Ramsch, Creative commons)