faule Eier

22. Juni 2012

Es gibt Diskussionen um eine Biogasanlage, ihren Betreiber und eine Erweiterung in Twist (Wappen lks.), genauer im Ortsteil Schöninghsdorf. Darüber berichtet jetzt der NDR auf seiner Internetseite, nachdem die Meppener Tagespost die Probleme mit der Anlage schon vor drei Monaten aufgegriffen hatte. Jetzt organisieren die Kritiker eine Veranstaltung, doch Bürgermeister Ernst Schmitz (CDU, ein Parteizusatz der sich beim NDR findet, doch nicht auf der Internetseite der Gemeinde) will nicht kommen.Tja Freunde, Kommunalwahl war eben vor einem Jahr und nun kann sich ein Bürgermeister auch zurücklehnen und Protest ignorieren. Man kann sogar eine Internetseite löschen  nicht mehr erreichbar sein lassen und es neu versuchen. Der NDR berichtet so:

„Reinhard Büld aus Schöninghsdorf in der Gemeinde Twist stinkt es. Wenn er aus dem hinteren Teil seines Wohnhauses blickt, dann schaut er auf die 500-Kilowatt-Biogasanlage seines Nachbarn. Und auf die Silageplatte: Wenn es regnet, ist es dort extrem nass und die Silage steht im Wasser. Es riecht nach faulen Eiern. Büld hat seinen Nachbarn dabei beobachtet, wie der dieses Sickerwasser ins benachbarte Torfgebiet abgepumpt hat. Er hat deshalb Strafanzeige gegen den Betreiber der Anlage erstattet, ebenso wie der Landkreis Emsland. Der Vorwurf lautet auf Gewässerverunreinigung.

Die Gemeinde Twist will trotzdem an der Zusammenarbeit mit dem Betreiber festhalten: Der Landwirt plant, …“

weiter auf der Seite des NDR

ps Leider verschweigen unsere Medien konsequent den Namen des Anlagenbetreibers – im Gegensatz zu Vor- und Zunamen von Reinhard Büld. @-(  Ich habe auch keine weiteren Details über die Veranstaltung der Kritiker am kommenden Donnerstag in Schöninghsdorf gefunden. Sie haben offenbar keine Webseite. Oder doch?

Gar nicht

8. August 2011

Auf ihrer Wahlkampfseite berichtet die lokale SPD jetzt über eine Veranstaltung des SPD Ortsvereins Brögbern, auf der vor einigen Tagen auch OB Dieter Krone gesprochen hat.  Wir erfahren:

„Oberbürgermeister Dieter Krone ging anschließend auf Probleme der Brögberner Ortspolitik ein. Zum Thema Nahversorgung wies Krone auf laufende Gespräche hin, die hoffentlich erfolgreich geführt werden können. Der OB bekannte sich weiterhin zur Ausweisung von Bauflächen auch in den Ortsteilen und stellte für Brögbern in 2012 neue Bauplätze in Aussicht. Auch der Kindergarten werde in 2013 renoviert und erweitert.

„Das Thema Lärmschutzmaßnahmen in Brögbern wird mit den Anwohnern in einer Bürgerversammlung ausführlich und frühzeitig besprochen“, versprach Dieter Krone. Der Oberbürgermeister ermunterte die Brögberner Bürger bei Geruchsbelästigungen durch die Fleischmehlfabrik neben dem Unternehmen auch das Umwelttelefon der Stadt Lingen oder die Gewerbeaufsicht in Osnabrück anzurufen. Auch bestätigte der OB eine Anfrage zum Bau einer Biogasanlage, aber hier seien noch weitere Gespräche nötig.

Viel Beifall bekam der Oberbürgermeister, als er das Konzept für den öffentlichen Nahverkehr vorstellte. Besonders der Preis von einem Euro pro Fahrt für den Stadtbus, sowie die stündlichen Fahrten auch in den Ferien, wussten zu überzeugen.“

Fazit: Kindergarten ist in zwei Jahren, Nahverkehr ist neu – allerdings ohne den Hinweis, dass das Vorhaben nur ein Versuch ist.  Neue Baugebiete sind für die ganze Stadtentwicklung schädlich (das weiß jeder; es auszusprechen ist aber unpopulär). Ansonsten gibt es unverbindliche Empfehlungen für Telefonate und Ankündigungen von Gesprächen bzw  einer Bürgerversammlung; die komme „frühzeitig“, lese ich, als ob es nicht seit Jahrzehnten stinkt und lärmt und seit Jahren vermaist. Es sind enttäuschende inhaltliche Aussagen, bei denen man sich fragt, wo sie sich von der Sackgasse der alten „Alles-ist-so-großartig-CDU-Politik“ unterscheiden. Ich fürchte fast, gar nicht.

(Hinweis: Fettdruck von mir; Foto: Intakte Umwelt in Brögbern-Beckhook , © dendroaspis2008)

Buggy kämpft

5. Juli 2011

Einmal mehr hat eine emsländische Kommune für die weitere Zerstörung der heimischen landwirtschaftlichen Strukturen gestimmt. Diesmal war es der Stadtrat in Freren, der mit dem fast einstimmigen Ja für eine 4,5 MW große Biogasanlage in der Gemarkung Bardel u.a. die Weichen für eine weitere Vermaisung der Region gestellt haben dürfte. Die zugelassene  Energieerzeugung ist rund 9 mal so groß wie eine übliche Biogasanlage. Sinnvoll betrieben werden kann sie nur mit ordentlich viel Mais oder ähnlichem Pflanzeninput. Auch der engagierte Einsatz von Bernhard „Buggy“ Barkmann an der Spitze von 40 Treckerfahrern änderte nichts mehr. Die Ratsvertreter glauben, mit einem „städtebaulichen Vertrag“ die Dinge regeln zu können. Vorhersage:  Sie werden es nicht.

Die LT berichtet dazu heute:

„Bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung fällte der Frerener Stadtrat am Montagabend den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan Nr. 38 „Sondergebiet Energiepark Freren“ – und stimmte damit für den in dem ehemaligen Bundeswehrdepot geplanten Bau einer 4,5-Megawatt-Biogasanlage. Das Projekt wird vor allem von vielen Landwirten in der Region abgelehnt: Rund 100 Bauern waren auf rund 40 Treckern zur Ratssitzung gekommen, um ihren Unmut über das 19,5-Millionen-Euro-Projekt zu äußern.

„Wir haben diese Entscheidung durchaus erwartet – sind aber davon natürlich enttäuscht.“ Dies erklärte Bernhard Barkmann, der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Ortsvereins Messingen, nach der Sitzung. Mit befreundeten Landwirten als auch mit Hermann Reeker, Geschäftsführer des in Hopsten ansässigen Investors Biene Service GmbH, diskutierte Barkmann noch lange, nachdem der Ratsbeschluss gefallen war.Kritisiert worden…“

weiter auf der Seite der LT

(Grafik/Foto: ©blog agrar)

Gärrestmenge

30. November 2010

Neues aus der Biogas-Abteilung, die sich immer mehr als unmweltpolitischer Fehlschuss in Sachen erneuerbarer Energien herausstellt: Der westfälische Verein  VSR-Gewässerschutz, Mitglied im Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz, hat jetzt einen völligen Stopp neuer Biogasanlagen in der Region gefordert. Außerdem verlangt er  eine strikte Begrenzung der von den Biogasanlagenbetreibern auf den Feldern aufgebrachte Gärrestmenge, damit das Grundwasser nicht belastet wird. Der vor 30 Jahren aus verschiedenen Bürgerinitiativen entstandene Verein hat sich den Schutz der Wasserqualität zum Ziel gemacht: Gewässerschutz ist Gesundheitsvorsorge und wichtig für das gesamte ökologische System.

Der Hintergrund des aktuellen VSR Appells: In den Biogasanlagen entstehen tonnenweise Gärreste, die als Abfallprodukte über den Feldern entsorgt werden müssen. Dadurch werden rund um die betriebenen Anlagen große Mengen Stickstoff auf die Felder aufgebracht, die durch Bodenbakterien zu Nitrat umgewandelt werden, das dann ins Grundwasser ausgewaschen wird. „Im Emseinzugsgebiet sprießen die Biogasanlagen wie Pilze aus dem Boden, so dass in immer mehr Regionen das Grundwasser übermäßig mit Nitraten belastet wird. Viele Grundwasserbereiche haben jedoch bereits heute zu hohe Nitratkonzentrationen,“ erklärte die Vorsitzende des VSR Gewässerschutzes, Susanne Bareiß-Gülzow.

Der VSR  hat im Einzugsgebiet der Ems inzwischen sehr hohe Nitratwerte im Grundwasser festgestellt.  Die von der Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union (WRRL) geforderten Höchstgrenze von 50 mg/l im Grundwasser werde in vielen Regionen überschritten. Das belastete Grundwasser fließe der Ems zu und führe dort zu einer erhöhten Nitratbelastung. Der VSR – Gewässerschutz stellte vor einem Jahr beispielsweise in Leer bei einer Messfahrt mit seinem Laborschiff „Reinwasser“ (Foto unten) einen Nitratwert von 14 Milligramm pro Liter (mg/l) fest. Der »Rat von Sachverständigen für Umweltfragen« der Bundesregierung (SRU) fordert für die in die Nordsee mündenden Flüsse einen Gesamtstickstoffgehalt von höchstens 0,6 bis 1,8 mg/l. Umgerechnet auf Nitrat ergäbe sich hieraus ein maximaler Wert von 7,9 mg/l. Da der in der Ems weit überschritten ist, trägt der Fluss massiv zur Eutrophierung der Nordsee bei. Mit anderen Worten: zu Algenschaum und Fischsterben in der Nordsee.

in Zukunft werden die industriellen Biogasanlagen im Emseinzugsgebiet  die Nitratbelastung der Ems weiter erhöhen, da die Betreiber noch mehr Stickstoffe pro Hektar auf den Feldern ausbringen dürfen als bei Massentierhaltungen. „Für die Berechnung der notwendigen landwirtschaftlichen Fläche zur Aufbringung dieser Gärreste wird nur der tierische Anteil wie z.B Gülle herangezogen. Der pflanzliche Teil aus Mais, Gras, Roggen, etc bleibt außer Betracht. Dadurch kommt es zu einem gesetzlich geregelten Stickstoffeintrag, der wesentlich über dem der Gülle liegt“ so Susanne Bareiß-Gülzow.

Da Mais einen wesentlich höheren Biogasertrag aufweist als die Gülle von Schweinen, Rindern und Hühnern, ist es für die Anlagenbetreiber wirtschaftlich sinnvoll, einen hohen Anteil an Mais zur Biogasherstellung einzusetzen. Auf diese Weise entstehen -wir sehen es im Emsland-  im weiten Bereich um die Biogasanlagen immer mehr Maismonokulturen; die Anlagenbetreiber verdienen so viel,. dass sie die traditionelle Landwirtschaft mit hohen Pachtpreisen verdrängen. Und: Während viele Pflanzen bei Überdüngung der Böden einen geringeren Ertrag erbringen, verträgt der Mais hohe Stickstoffgaben. Er ist daher nicht nur wegen der hohen Energieausbeutung in der Biogasanlage sehr beliebt, sondern auch die Pflanze für die Entsorgungsflächen der verbleibenden Gärrestemengen.

Allerdings nimmt der Mais die überschüssige Stockstoffgaben nicht auf, so dass sie endgültig ins Grundwasser ausgewaschen werden. Weil dies  erst nach langen Verweilzeiten die Ems erreicht, erhöht sich die Schadstoffbelastung nur schleichend und ist erst viel später, nach Jahren oder gar Jahrzehnten feststellbar. Deshalb, so der VSR Gewässerschutz, müsse jetzt gehandelt werden und nicht erst, wenn in der Nordsee der Algenschaum und das Fischsterben aufgrund der höheren Nitratfracht der Ems sichtbar zugenommen hat. Die Umweltaktivisten fordern deshalb, auf den Einsatz von Mais in Biogasanlagen zu verzichten. Zusätzlich müsse gesetzlich festgelegt werden, dass der gesamte Stickstoffgehalt der Gärreste betrachtet und bei der Aufbringung auf die Felder berücksichtigt wird.

 

(Fotos: Gülleausbringung; © Rasbak, CC GFDL)

Dynamik

22. November 2010

Der Landkreis Emsland ist aus dem Häuschen. Das konservative Prognos-Insitut hat ihn in seiner Zukunftsstudie auf Platz 4 aller gut 400 Städte und Kreise gehievt. Für die Dynamik. Ich frage mich seit Samstag, was dies bedeutet – Dynamik, und ich lese in der Süddeutschen über die Prognos-Studie die klare Antwort des Südens der Republik auf unsere Jubelei. Er, der Süden, sei das Kraftzentrum für Deutschland. Der Norden und Nordwesten werde es schwer haben.

Am Wochenende musste ich beruflich zwei Tage in eben diesen Süden – Landkreis Miesbach 50 km hinter München (Prognosrang 31). Mir fiel sofort auf: Keine Maisfelder, keine  Großställe für die industrielle Nahrungsmittelerzeugung, keine Biogasanlagen, von denen es jetzt schon 180 im Emsland (Prognosrang 71) gibt. Nichts von alledem. Statt dessen 20 Minuten hinterm Münchener Hauptbahnhof bloß Landschaft und Natur. Ich bin mir sicher: Niemand dort würde auf die Idee kommen, Dutzende Hektar Wald abzuholzen, um Platz für Industrie und Gewerbe zu schaffen und -sagen wir- zehn Prognosrangplätze nach vorn zu gelangen. In den Städten und Gemeinden Oberbayerns findet man auch keine Grafitti, keine schmutzig-beklebten Laternenpfähle, keine Flächenparkplätze, keine Protzwerbung an Straßen und Häusern aus grellem Neon und LED-Licht, keine fassadenverunstaltende Bierreklame und keine modernisiert-zerstörten Baudenkmale;  aber einen Bahnhof hab ich gefunden, auf dem ich am Samstagabend noch eine Zugfahrkarte am Schalter kaufen konnte und der erfolgreich alle Modernisierungsattacken der Deutschen Bahn abgewehrt hat.

Was machen die Menschen in Oberbayern anders? Während wir Emsländer  vor lauter Dynamik-Jubelei nicht sehen, wie wir unsere Identität und unsere Lebensgrundlagen gleichermaßen ruinieren, wäre statt  aller „Mehrmehrmehr„-Dynamik vielleicht ein Blick auf die CittaslowBewegung von Nutzen. Die 1999 in Italien gegründete Initiative hat als Hauptziele die Verbesserung der Lebensqualität in Städten und das Verhindern der Vereinheitlichung und Amerikanisierung von Städten, in denen Franchise-Unternehmen dominieren. Die Unterstützung und Betonung von kultureller Diversität und den eigenen und speziellen Werten der Stadt und ihres Umlandes sind ebenfalls zentrale Cittàslow-Ziele. Im weiteren Sinne kann Cittàslow dem Trend der sogenannten Slow-Bewegung, der Entschleunigung zugerechnet werden.

Oder bin ich vielleicht  nur sentimental – nach zwei Tagen maisfreiem Oberbayern? Nun, der Landkreis Miesbach ist einer der Kreis mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Republik. Ganz undynamisch-erfolglos kann er also nicht sein.

(Fotos: © Tegernsee sanfamedia.com CC/flickr; © Bahnhof  GAP089 CC/flickr)

Lächeln

27. September 2010

Ich möchte Hans-Josef Leinweber mit diesem Vergleich nicht persönlich verletzen: Die Strippenzieher der CDU um Bröring, Rolfes und Kues haben den Mann verheizt. Sie meinten, man könne den sprichwörtlichen Besenstil den traditionell konservativen Lingenern präsentieren und dann werde man es schon richten. Sie haben sich geirrt. Gründlich. Der Mann Hans-Josef Leinweber ist dabei auf der Strecke geblieben Ich fürchte, dass war den CDU-Granden letztlich egal.

Der neue Lingener Oberbürgermeister heißt seit Sonntag 18 Uhr Dieter Krone; wenn Sie es nicht glauben wollen, schauen Sie nach bei wikipedia und zwar  hier (Bildausriss re.) und hier . Der 47-jährige parteilose Oberstudienrat setzte sich deutlich gegen den Parteigänger Hans-Josef Leinweber durch. Auf Krone, unterstützt von SPD und Bündnis 90/Die Grünen, entfielen 56,6 Prozent der Stimmen, (insgesamt 10539). Damit verdoppelte Dieter Krone sein Wahlergebnis der Ausscheidungswahl vom 12. September. Hans-Josef Leinweber, der nun weiter in Geeste Bürgermeister bleibt, bekam 43,4 Prozent der Stimmen (8075). Ein Desaster für die Union. Die Wahlbeteiligung lag noch etwas niedriger als bei der ersten Wahl vor zwei Wochen. Nur 43,8 Prozent der rund 43000 Wahlberechtigten gingen am Sonntag zur Wahl. Ein Desaster für jeden Demokraten.

Lingen debattiert heute über die Gründe der Abwahl des CDU-Kandidaten. Ich sehe eine Handvoll:

  • Bundesweit befindet sich die CDU in einer schweren Krise. Die von ihr geführte schwarz-gelbe Bundesregierung macht keinen guten Job. Sie präsentiert sich von den Hoteliers bis zu den Stromkonzernen als bloße Lobbyisten-Regierung und schröpft die kleinen Leute. Zuletzt an diesem Wahlsonntag die HartzIV-Empfänger mit einer arrogant-läppischen Neubemessung der monatlichen Sozialleistung. Dafür erteilt der Wähler die Quittung.
  • In Lingen hat die CDU die Wähler durch haarsträubende inhaltliche Fehler vor der Kopf gestoßen. Während in Schepsdorf die Bürgerinitiative -dank Lohnes Bürgermeister Eling- gerade noch eingefangen werden konnte, wurden die Gutsherren-Entscheidungen gegen den Altenlingener Forst oder für Klientelpolitik in Baccum zum Desaster. Die CDU hat die Menschen von oben herab erleben lassen, was sie von ihnen und ihren Sorgen hält: Nicht viel, meinen die Menschen, etwa die in Damaschke, die unter dem Verkehrslärm leiden.
  • Nach einer desaströsen Kandidatenkür präsentierte die Lingener CDU mit Hans-Josef Leinweber einen überforderten Kandidaten. Seine Arbeit, so der Eindruck der Wähler, mochte für Geeste ausreichen. Ihm Lingen anzuvertrauen, wollten sie nicht. Zuletzt offenbarte er dann noch in der Diskussion um den Standort für das Güterverkehrszentrum, dass er es auch mit der Wahrheit nicht so genau nahm.
  • Die CDU und folgerichtig ihr Kandidat konnten den Wählerinnen und Wählern nicht aufzeigen, wohin die Reise für Lingen und seine Menschen  gehen soll. Ein Musterbeispiel ist das Projekt Emsland-Arena. Es ist nicht nur finanziell gescheitert, sondern vor allem weil die Bauverwaltung unter dem Dezernenten L. grottenschlechte Arbeit abgeliefert hat. So etwas hätte es unter der Lingener CDU mit Karl-Heinz Vehring, Nikolaus Neumann, Bernhard Neuhaus oder Hans Klukkert niemals gegeben. Die CDU hat ihre inhaltliche Seriosität -für jeden, nur nicht sie selbst erkennbar- verloren. Und das trotz einer stets beflissen wirkenden Lokalpresse. Deutlich werden konnte der Verlust an Zuverlässigkeit für viele Lingener durch neue Medien, d.h. das Internet und so freundliche Einrichtungen wie diesen Blog, Twitter, Facebook usw.
  • Verloren hat die CDU auch, weil ihre moralische Überinstanz, die katholische Kirche, in diesem Frühsommer an sich selbst zerbrochen ist. Auch in Lingen lassen sich die Menschen nicht mehr von Moralwächtern und Strukturen gängeln und beeinflussen, die sich als amoralisch entlarvt haben. Die Kehrseite derselben Medaille: Auch in Lingen erkennen und stört es viele, dass einige gleicher sind als andere, wenn sie z.B. Baudenkmale zerstören oder Gestaltungssatzungen missachten dürfen, wenn sie überdimensionierte Biogasereien bauen  und  die CDU all dies billigt und wenn nicht einmal 800 Protestunterschriften in einem Stadtteil mit 3000 Einwohnern angemessen behandelt  sondern sie dem Anlagenbetreiber zugänglich macht, der dann Druck gegen Unterzeichner und ihre Familien aufbaut.

Der Musiklehrer Dieter Krone war in dieser Situation sozusagen der Gegenentwurf. Er war ein glaubwürdiger Kandidat, dem  die vielfach diskreditierte CDU nichts entgegenzusetzen vermochte, obwohl Dieter Krone inhaltlich eher unscharf blieb. Daher hat er diese OB-Wahl überzeugend und zu recht gewonnen. Trotz der (zu) niedrigen Wahlbeteiligung. Hoffen wir, dass er das hält, was sich die Lingener vom neuen Ehrenmitglied der Kivelinge versprechen. Das Schwerste, Dieter Krone, ist Glaubwürdigkeit. Sie gibt es nicht, wenn man nur in das Objektiv der Lokalzeitung lächelt. Aber ich glaube, das wissen Sie.

Baccum

6. September 2010

Biogas-Diskussion: Pastor Peters, Jens Beeck Sabine Stüting, v. lks

Biogas-Diskussion: Pastor Peters, Jens Beeck, Sabine Stüting, v. lks

Mit rund 60 Besuchern gut gefüllt war der Saal Hense in Baccum am vergangenen Donnerstag, als sich die OB-Kandidatin Sabine Stüting (Die BürgerNahen) und OB-Kanditat Jens Beeck (FDP) Fragen zu Biogasanlagen im Allgemeinen und derjenigen in Baccum im Besonderen stellten. Die anderen vier OB-Kandidaten waren fern geblieben. Moderator Pastor Gottfried Peters (Nordhorn) sorgte für eine offene Diskussion: Ratsmitglied Robert Koop (BN) begann mit einer sehr sachlichen Darstellung der Entwicklung der Anlage in Baccum. Koop erläuterte, welche Vorhaben am Baccumer Berg nach und nach beantragt und auch wieder zurückgezogen wurden.

In der anschließenden Diskussion waren die Verunsicherung und Verärgerung vieler Baccumer Bürger hinsichtlich der Biogas-Anlage am Baccumer Berg zu spüren: Das fehlende Verkehrskonzept, die Konkurrenzsituation zu Naherholungsgebieten und der Flächenverbrauch standen im Mittelpunkt. Zentrale Frage war, wie diese offenbar erheblich überdimensionierte Anlage von der Stadt überhaupt als privilegierte Anlage genehmigt werden konnte. Privilgiert bedeutet, dass ein Landwirt (nur) die in seinem Betrieb anfallenden organischen Abfälle zur Energieerzeugung nutzen kann – eine Idee, die von beiden Kandidaten für gut befunden wird. Kritisch sahen sowohl Beeck als auch Stüting den Biogas-Betrieb durch Energiepflanzen, vor allem Mais. Anwesende Fachleute aus der Landwirtschaft wiesen auf die wachsende Problematik für das gesamte Umland hin. Beklagt wurden unter anderem steigende Pachtpreise für Ackerflächen, die zum Höfesterben und zu höheren Lebensmittelpreisen führen.

Insbesondere den Unmut über die Entscheidungsfindung der politischen Gremien für die Anlage bekundeten gleich mehrere Teilnehmer. Engagierte Bürger, die sich dagegen aussprachen, habe man gar nicht erst zu Wort kommen lassen. Genau das sei der Punkt, so Beeck und Stüting einvernehmlich, dass sie sich zu einer Oberbürgermeister-Kandidatur entschieden haben.

(Quelle: Pressemitteilung BN)

Kneifen II

2. September 2010

Es war eigentlich zu erwarten, dass der CDU-Kandidat für die OB-Wahl der  Einladung von Sabine Stüting um Podiumsgespräch über die Biogasanlage in Baccum versucht auszuweichen und sie nicht annimmt. Hans-Josef Leinweber  hat geschrieben, dass er ab 17.30 Uhr in Brögbern Fahrrad fahre und die Brögberner auch anschließend nicht enttäuschen wolle.  Auch Herr Leinweber wird also wie Herr Krone heute Abend um 20 Uhr nicht bei Hense sein. Er kneift, das ist wohl auch bei ihm die richtige Bezeichnung. Damit zeigt er nicht nur Schwäche, er erweist dem demokratischen Miteinander einen Bärendienst.

Mitdiskutieren wird Jens Beeck, der sich am Mittwochabend bei der Kaffeerunde im Lookentor als der eigentliche CDU-Kandidat darstellte. Unbedingt mitmachen will inzwischen  Anlagengesellschafter Klaus Köhring, hat er Sabine Stüting geschrieben. Mal sehen, wie sich die Diskussion ab  20 Uhr bei Hense entwickelt und was am Schluss dabei heraus kommt. Mir hat man heute den historischen Rückblick auf die Vorgänge um die Biogasanlage am Baccumer Berg übertragen. Mit twittern -wie heute- wird es also wohl eher nichts.

Kneifen

1. September 2010

Mich hat die Idee von Sabine Stüting sofort überzeugt. Alle Oberbürgermeisterkandidaten sollen an einen Tisch und das Problem diskutieren, das den Stadtteil Baccum bewegt: „Wasse erlauben Overhoff?“ – um  mich an die legendäre Wortwahl des italienischen Fußballtrainers Trappatoni anzulehnen. Oder klarer für die Sachlichen unter uns: Wie kann eine überdimensionierte Biogasanlage mit negativen Folgen für die Umgebung und die Umwelt genehmigt werden? Wie ist es möglich, durch das Ziehen eines Steckers behördliche Auflagen zu umgehen und welche Konsequenzen hat das für die Betreiber, die Anlage, das Bauamt als Genehmigungsbehörde und vor allem: Was bedeutet dieser rücksichtslose Egoismus für das Zusammenleben in Baccum? Was kann man dagegen tun? Man kann noch eine Reihe Frage hinzusetzen.

An anderer Stelle dieses Blogs hieß es gleich vorwurfsvoll, die Idee zu dem Treffen in Baccum und die ihr folgende Veranstaltung von Sabine Stüting sei „Stimmenfang“. Welch eine grandios falsche Beurteilung! Wie kann es Stimmenfang sein, wenn alle auf dem Podium sitzen? Wenn der Besucher hören und abwägen kann, was jeder einzelne Kandidat zu sagen hat?  Jens Beeck, der kluge FDP-Mann, hat sofort zugesagt. Andere bemühen jedenfalls Vertreter. Der rot-grüne Kandidat wollte nicht etwa die Grünen sondern die SPD Baccum schicken und -jetzt kommt’s- die sagt (trotz eines Anrufs von Sabine Stüting beim Vorsitzenden Reinhold Hoffmann) unverhofft ab. Der rot-grüne Kandidat taucht ab und die SPD Baccum will nicht. Nebenbei: Birgit Kemmer, die grüne Ratsfrau, wohnt auch in Baccum.

Das „Nö, nicht mit uns!“ haben die Baccumer Genossen auf der SPD-Internetseite verkündet, und da habe ich spontan diesen Kommentar auf dieser Internetseite hinterlassen:

„Das sieht jetzt aber leider sehr nach Kneifen aus und ist es wohl auch. Eine Veranstaltung, an der alle OB-Kandidaten teilnehmen, ist sicherlich gerade nicht auf Stimmenfang ausgerichtet. Vielmehr gibt sie den Baccumer Gelegenheit, die Positionen jedes einzelnen Kandidaten zum Thema Biogas-Anlage am Baccumer Berg kennen zu lernen und zu beurteilen. Was ist daran Stimmenfang?
Robert Koop“

Alle Kommentare müssen bei der SPD durch den Administrator erst freigeschaltet werden. Darauf warte ich. Bisher ist mein kurzes Statement  nicht veröffentlicht (Stand: 1.9.2010, 7.45). Wenn man kneift, dann offenbar konsequent, kommt mir gerade in den Sinn. Nun ja, s *Sehen wir uns  morgen Abend bei Hense? 20 Uhr!

(Kneifzange, © hmboo, creative commons)

* Nachtrag: Zu den gestrichenen Zeilen: Durch diesen Kommentar bin ich eben auf einen Fehler aufmerksam geworden und habe anschließend tatsächlich dies in den SPAM-Tiefen meiner E-Mailadresse von web.de gefunden (zum besseren Lesen bitte die Grafik anklicken):

Sorry, Ihr Sozis, ihr kneift nicht konsequent – es bleibt beim einfachen Kneifen.

Sabine XI

30. August 2010

„Wissen Sie, wie mit kleinen Jungs umgegangen wird, die ihre Mofa frisieren? Aber was geschieht mit den Betreibern der Biogasanlage in Baccum, wenn sie ihre Anlage frisieren?“ (Sabine Stüting  am Samstag im Gespräch über die Biogasanlage in Baccum)

Sabine Stüting hat am Freitag einen Brief geschrieben und darin alle fünf anderen Kandidaten für die Wahl zum Lingener Oberbürgermeister zu einem öffentlichen runden Tisch in Baccum eingeladen. Der Text:

„Liebe Kollegen, sehr geehrte Herren!

Die Reaktionen auf die Vorgänge um die Biogasanlage in Baccum machen die Besorgnis der Bürgerinnen und Bürger deutlich, wie mit Recht und Gesetz einerseits und den natürlichen Ressourcen andererseits umgegangen wird.

Ich finde, dass die Lingener einen Anspruch darauf haben, dazu die Positionen der Kandidaten für das OB-Amt zu erfahren. Dies gilt insbesondere für die Baccumer Mitbürger, von denen schon am Anfang des Jahres viele Hundert ihre Besorgnis an der Entwicklung durch Unterschriften zum Ausdruck gebracht haben.

Mein Vorschlag ist zugleich meine Einladung an Sie persönlich:  Lassen Sie uns gemeinsam am kommenden

Donnerstag, den 2. September ab 20 Uhr an einem runden Tisch
in der
Gastwirtschaft Hense in Baccum
über Umstände, Ursachen und Schlussfolgerungen  aus den Vorgängen um die Biogasanlage am Baccumer Berg diskutieren.

Als neutralen Gesprächsmittler habe ich Herrn Pastor Gottfried Peters, evangelisch-reformierte Kirche in Nordhorn und Synodale des Kirchenkreises Grafschaft Bentheim, hinzu gebeten. Er hat zugesagt. Pastor Peters hat lange Jahre verantwortlich in der Bildungsstätte Kloster Frenswegen gearbeitet. Er ist ein ausgewiesener Umweltfachmann.

Ich schlage vor, dass wir uns vor der Veranstaltung am  Donnerstagabend um 19.30 Uhr  in der Gastwirtschaft Hense zu einer kurzen Vorbesprechung treffen und den Ablauf des Abends festlegen. Für die Auslage von Flyern und anderem gedruckten Wahlkampfmaterial sollten wir einen gemeinsamen Tisch platzieren.

Ich bitte um Ihre Meinung, ob Sie eine  Kurzdarstellung der bisherigen Entwicklung durch einen Mitarbeiter der Verwaltung, zum Beispiel Erster Stadtrat Dr. Büring,  für notwendig halten. Ich würde mich dann bei diesem dafür verwenden.

Über meine Initiative erlaube ich mir, die Medien zu informieren. Bitte teilen Sie mir mit, ob Sie am Donnerstag  dabei sind.“

Sehen wir uns am Donnerstagabend in Baccum bei Hense?